Bahnstrecke Eberswalde–Wriezen–Frankfurt (Oder)
Eberswalde–Frankfurt (Oder)
Strecke der Bahnstrecke Eberswalde–Frankfurt (Oder)
Kursbuchstrecke (DB): 209.60
Streckennummer: 6758 (Eberswalde–Abzw Werbig)
6156 (Abzw Werbig–Frankfurt (Oder))
Streckenlänge: 86,0 km
Spurweite: 1435 mm (Normalspur)
Höchstgeschwindigkeit: Eberswalde–Werbig: 60 km/h
Werbig–Frankfurt (Oder): 100 km/h
Legende
Strecke – geradeaus
von Berlin
Bahnhof, Station
45,2 Eberswalde Hbf
Brücke über Wasserlauf (groß)
Finowkanal
nach Angermünde
Brücke über Wasserlauf (groß)
Finowkanal
Bahnhof, Station
55,2 Niederfinow
Haltepunkt, Haltestelle
58,5 Falkenberg (Mark) ehem Bf
60,3 Anst Lask
62,2 Anst Ziegelei
von Angermünde
Bahnhof, Station
64,4 Bad Freienwalde (Oder)
Haltepunkt, Haltestelle
68,7 Altranft ehem Bf
von Godków
Bahnhof, Station
75,6 Wriezen
nach Berlin
79,4 Awanst Alt Bliesdorf nach Friedrichsaue
Bahnhof, Station
84,9 Neutrebbin
89,2 Sietzing
Bahnhof, Station
93,2 Letschin
nach Friedrichsaue
Abzweig – in Fahrtrichtung: nach links
Abzw Werbig nach Kostrzyn
Turmhalt… – oben
100,1 Werbig Berlin–Kostrzyn
Bahnhof, Station
105,1 Seelow (Mark)
von Fürstenwalde
109,9 Dolgelin
nach Golzow
112,7 Libbeninchen
114,8 Carzig
Bahnhof, Station
117,7 Schönfließ Dorf Saisonhalt
von Küstrin-Kietz (neue Trasse)
Bahnhof ohne Personenverkehr – Dienststation, Betriebs- oder Güterbahnhof
123,1 Booßen
von Fürstenwalde
125,3 Frankfurt (Oder)-Klingetal früher Gronenfelde
von Küstrin-Kietz (alte Trasse)
127,6 Paulinenhof
von Fürstenwalde
Bahnhof, Station
129,3 Frankfurt (Oder)
Abzweig – in Fahrtrichtung: nach rechts
nach Grunow
Abzweig – in Fahrtrichtung: nach links
nach Poznań
Strecke – geradeaus
nach Guben

zweigleisige Strecke
ehemals zweigleisige Strecke

Die Bahnstrecke Eberswalde–Frankfurt (Oder) ist eine eingleisige Bahnstrecke in den Landkreisen Barnim und Märkisch-Oderland sowie der kreisfreien Stadt Frankfurt (Oder) des Landes Brandenburg. Der Abschnitt von Eberswalde bis zum Abzweig Werbig ist heute eine Nebenbahn, das südliche angrenzende Stück nach Frankfurt (Oder) eine Hauptbahn. Die rund 86 Kilometer lange Verbindung wird von der Linie OE60 der Ostdeutschen Eisenbahn befahren.

Inhaltsverzeichnis

Streckenverlauf

ODEG-Triebwagen im Bahnhof Niederfinow

Die Bahn beginnt am Eberswalder Hauptbahnhof und fädelt nördlich davon aus der Hauptbahn Berlin–Szczecin in Richtung Osten aus. Die Verbindung von Norden her zu dieser Strecke ist abgebaut. Die Strecke verläuft zunächst parallel zum Finowkanal und schwenkt hinter dem Bahnhof Niederfinow in Richtung Südosten. Parallel zur Alten Oder, die den westlichen Abschluss des Oderbruchs markiert, führt die Bahn über Bad Freienwalde (Oder) und Wriezen, beides ehemalige Bahnknoten, bis zum Turmbahnhof Werbig, an der die Preußische Ostbahn gekreuzt wird. Hinter Werbig geht es nach Süden über Seelow zum Endbahnhof Frankfurt (Oder). Bei Booßen mündet die stillgelegte Verbindung aus Küstrin-Kietz.

Geschichte

Von den Anfängen bis 1945

Eberswalde Hauptbahnhof

Die Strecke wurde in den Jahren 1865/66 als eingleisige Hauptbahn durch die Berlin-Stettiner Eisenbahn-Gesellschaft (BStE) erbaut und am 15. Dezember 1866 zwischen Eberswalde und Wriezen als Zweigbahn mit lokaler Bedeutung in Betrieb genommen. Hauptanliegen war die Erschließung des Oderbruchs mit der Eisenbahn. Die Fortführung der Bahn in Richtung Frankfurt wurde allerdings schon bald gewünscht. Die Umsetzung dieses Vorhabens ließ allerdings noch zehn Jahre auf sich warten und wurde erst mit dem zeitgleichen Bau der Strecke Breslau–Stettin der Breslau-Schweidnitz-Freiburger Eisenbahn-Gesellschaft aktuell. Letztere wollte mit dieser Bahn eine direkte Verbindung zwischen dem oberschlesischen Kohlerevier und der Ostsee herstellen. Da die BStE mit Umsatzeinbußen rechnete, entstand links der Oder eine weitgehend parallele Verbindung unter Nutzung vorhandener Abschnitte der Niederschlesisch-Märkischen Bahn sowie der Stettiner Stammstrecke. In drei Abschnitten erfolgte die Inbetriebnahme der Verlängerung nach Frankfurt (Oder)

  • 01. Juli 1876: Wriezen–Letschin
  • 01. Januar 1877: Letschin–Seelow
  • 15. Mai 1877: Seelow–Frankfurt (Oder)

Zusammen mit der am 1. Januar 1877 eröffneten 30 Kilometer langen Strecke Angermünde–Freienwalde entstand damit eine zweiter direkter Schienenweg zwischen Breslau und Stettin. Obwohl die Bahn an bereits bestehende Knotenpunkte wie Frankfurt (Oder) anknüpfte, erlangte sie nicht die Bedeutung wie der Strecke rechts der Oder und spielte damit vor allem für den lokalen Verkehr eine Rolle.

Zwischen Freienwalde und Frankfurt waren beim Bau der Strecke Zwischenbahnhöfe in Wriezen, Letschin, Neu-Trebbin, Letschin, Seelow und Schönfließ entstanden. Im Juli 1880 folgten die Thurmstation Werbig an der Kreuzung mit Ostbahn nach Berlin und der Bahnhof in Alt-Ranft. Im Mai 1881 wurden die Bahnhöfe in Booßen und Dolgelin eröffnet, 1882 entstand in Werbig eine Verbindungskurve für den Güterverkehr zur Ostbahn. Auch Sietzing bekam in jener Zeit einen Bahnhof. Später wurde der Haltepunkt Carzig und in den 1930er Jahren Libbenichen eingerichtet. [1]

Nach der Verstaatlichung der BStE im Jahre 1879 wurde der Betrieb auf die Preußischen Staatsbahnen übertragen, die gesamte Strecke unterstand der Königlichen Direktion der Berlin-Stettiner Eisenbahn (ab 1905 Königliche Eisenbahndirektion Stettin). Diese veranlasste 1905 den zweigleisigen Ausbau der Strecke zwischen Eberswalde und Freienwalde.

Bahnhof Niederfinow um 1901

Anfang des 20. Jahrhunderts kamen Pläne auf, wegen der beengten Platzverhältnisse im Bahnhof Frankfurt(Oder) einen separaten Verschiebebahnhof einzurichten. Nach mehreren Diskussionen über die Lage des neuen Bahnhofes wurde er schließlich an der Eberswalder Strecke zwischen Frankfurt und Booßen gebaut. Die Strecke musste dabei abschnittsweise nach Osten verschoben werden, der Bahnhof Booßen wurde verlegt. Am 1. April 1910 begannen die Arbeiten, zu Beginn des 1. Weltkrieges war dabei die Anlage im wesentlichen fertiggestellt. Weil viele Gleise im Krieg durch das Militär belegt waren, fand die Inbetriebnahme erst 1917 statt. Es entstanden Verbindungsstrecken von Rosengarten an der Strecke nach Berlin und von Booßen zum Abzweig Wüste Kunersdorf bei Lebus in Richtung Küstrin. Die Strecke zwischen Booßen und Frankfurt wurde zweigleisig ausgebaut.

Nach 1920 wurde die Strecke der aus der KED Stettin hervorgegangenen Reichsbahndirektion Stettin der Deutschen Reichsbahn unterstellt.

1926 wurde ein Triebwagenpendelverkehr zwischen Frankfurt und Booßen eingerichtet, der vor allem die umfangreichen Anlangen des Verschiebebahnhofes erschließen sollte. Für den im Volksmund Pendel genannten Zug wurde im Frankfurter Bahnhof ein separater Bahnsteig angelegt, er lag etwa in Höhe der heutigen Straßenbahnhaltestelle. Während der Fahrplanperiode 1944/45 verkehrten entlang der Kursbuchstrecke 123d zwischen Berlin, Eberswalde und Wriezen rund neun Zugpaare täglich, zwischen Wriezen und Frankfurt (Oder) etwa vier Zugpaare. Zwischen dem Frankfurter Vorort Booßen und Frankfurt (Oder) gab es zusätzliche Vorortzüge, die als Kursbuchstrecke 123e fast stündlich verkehrten. Die von und nach Eberswalde verkehrenden Züge hielten dafür nicht an den drei Zwischenstationen des Pendelzuges Paulinenhof, Simonsmühle und Gronenfelde.

Während der Kämpfe um Berlin zum Ende des Zweiten Weltkrieges 1945 lag die Strecke im Hauptkampfgebiet. Die Wehrmacht setzte von Schönfließ aus einen speziellen Panzerzug ein. Als Folge der Kampfhandlungen wurde die Strecke stark in Mitleidenschaft gezogen, viele Brücken wurden zerstört.

Entwicklung nach 1945

Empfangsgebäude in Frankfurt (Oder)

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das zweite Streckengleis zwischen Eberswalde und Bad Freienwalde zu Reparationszwecken entfernt. Nach schweren Kriegsschäden musste die Strecke auf vielen Abschnitten wieder aufgebaut werden, mehr als die Hälfte aller Brücken waren zerstört. Im März 1947 verursachte ein schweres Hochwasser neue Schäden.

Der Pendelzug zwischen Frankfurt und Booßen wie auch die Zwischenhalte Simonsmühle und Paulinenhof wurden 1945 ebenso aufgegeben wie die direkte Führung der Personenzüge von Bad Freienwalde über Eberswalde weiter nach Berlin. Durch die Festlegung der Oder-Neiße-Linie gewann die Strecke jedoch auch an Bedeutung, da sie wegen der Grenznähe als strategische Bahn benutzt wurde. Auch als Umfahrungsmöglichkeit für den Knoten Berlin war sie von Interesse. 1952 errichtete die Deutsche Reichsbahn bei Eberswalde eine direkte Verbindungskurve von der Strecke in Richtung Norden, um so den Bahnhof Eberswalde entlasten zu können. Sie hatte vor allem für den Güterverkehr Bedeutung.

Seit den 1960er Jahren verkehrten direkte Eilzüge von Angermünde kommend über Bad Freienwalde weiter nach Frankfurt(Oder), oft weiter nach Süden Gelegentlich gab es auch Urlaubszüge im Sommer aus Sachsen an die Ostseeküste über die Strecke. Beispielsweise verkehrten im Jahr 1983 ein Eilzug Angermünde–Dresden, ein Eilzug Angermünde–Frankfurt (mit Durchbindung von Schwedt) und ein sommerlicher Schnellzug Stralsund–Zittau über die Strecke. Dazu gab es sechs Personenzugpaare über die Gesamtstrecke, einige Verstärker zwischen Eberswalde und Bad Freienwalde oder Wriezen und die Züge zwischen Kietz (heute wieder Küstrin-Kietz) und Frankfurt, die nach dem Abbau der direkten Strecke 1945 ab Booßen die Strecke aus Eberswalde mit nutzten.

Seit Anfang der 1960er Jahre ist der Abschnitt von Eberswalde bis zur Verbindungskurve Werbig nur noch eine Nebenbahn. Der Südteil der Strecke blieb Hauptbahn und wurde auf eine Geschwindigkeit bis zu 100 km/h ausgebaut. Ende der 1980er Jahre war die Elektrifizierung der Strecke im Gespräch, die politische Wende in der DDR und die daraus resultierenden wirtschaftlichen Veränderungen beendeteten diese Überlegungen. Im Personenverkehr blieb es zunächst wurde das zweistufige Angebot mit Nahverkehrs- und Eilzügen beibehalten. Im Fahrplan 1993/1994 verkehrten drei Eilzüge von Eberswalde mit Halt in Bad Freienwalde, Wriezen, Werbig und Seelow nach Frankfurt, zwei davon weiter nach Dresden. Die Zwischenhalte auf dem Mittelstück der Strecke wurden jeweils von sechs Personenzugpaaren bedient, auf den Außenabschnitten war das Angebot dichter. 1994 wurde das Angebot grundlegend umgestellt. Die Halte in Sietzing, Dolgelin, Libbenichen, Carzig und Schönfließ Dorf wurden geschlossen, durchgehende Züge verkehrten im Zweistundentakt auf den verbliebenen Stationen. In Booßen und Frankfurt-Klingethal hielten noch bis 1996 die Züge nach Kostrzyn.

Seit 2000 verkehren die Züge über Eberswalde wieder durchgehend nach Berlin. Die Züge verkehrten stündlich bis nach Wriezen sowie zweistündlich weiter bis nach Frankfurt. Zum einen erhoffte sich der damalige Betreiber, die Deutsche Bahn, davon steigende Fahrgastzahlen, zum anderen war diese Maßnahme auch notwendig, da die direkte Verbindung Wriezens mit Berlin über die gleichnamige Wriezener Bahn 1998 eingestellt wurde. Die Linie RB60 wurde nach der Verlängerung zum Bahnhof Berlin-Lichtenberg zwischenzeitlich als RE7 betrieben, nach wenigen Jahren jedoch wieder rückbenannt.

Zum Fahrplanwechsel am 12. Dezember 2004 übernahm die Ostdeutsche Eisenbahn den Personenverkehr entlang der Strecke. Aus Marketinggründen wird die Linie seitdem als OE60 bezeichnet.[2] Eingesetzt werden Dieseltriebwagen des Typs Stadler Regio-Shuttle RS1. Die Linie verkehrt alle zwei Stunden, werktags zwischen Eberswalde und Wriezen stündlich. Ende 2008 plant die Bahn, die Hauptbahn Frankfurt–Abzweig Werbig in eine Nebenbahn umzuwandeln[3]. Die Höchstgeschwindigkeit von 100 km/h für Reisezüge soll dabei bleiben, die wenigen Güterzüge können dann mit maximal 80 km/h fahren.

Quellen

Literatur

  • Dieter Grusenick, Erich Morlok, Horst Regling: Die Berlin-Stettiner Eisenbahn. transpress, 1996, ISBN 3-344-71046-X. 
  • Lothar Meyer, Horst Regling, Eisenbahnknoten Frankfurt/ Oder. Das Tor zum Osten. Transpress 2002, ISBN 978-3613711266

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Meyer, Regling, Eisenbahnknoten Frankfurt/ Oder. Das Tor zum Osten, S. 44/45
  2. Berliner Verkehrsblätter 4/04, S.82
  3. BAHN-REPORT 1/2009

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