Bahnstrecke Erlangen–Gräfenberg
Erlangen–Gräfenberg
Kursbuchstrecke: 414f
Streckenlänge: 28,1 km
Spurweite: 1435 mm (Normalspur)
Legende
Strecke – geradeaus
von Bamberg (Nürnberg–Bamberg)
Bahnhof, Station
0,0 Erlangen
nach Nürnberg Hbf (Nürnberg–Bamberg)
2,4 Erlangen-Zollhaus
4,8 Buckenhof
Schwabach
5,6 Spardorf
6,7 Uttenreuth
8,5 Weiher
10,0 Dormitz
12,3 Neunkirchen am Brand
14,8 Kleinsendelbach
15,6 Steinbach bei Brand
Schwabach
17,4 Brand
von Nürnberg Nordost (Gräfenbergbahn)
Bahnhof, Station
19,0 Eschenau (Mittelfr)
siehe Gräfenbergbahn
28,1 Gräfenberg

Die Sekundärbahn Erlangen–Gräfenberg ist eine ehemalige Bahnstrecke in Bayern, die von Erlangen aus über Neunkirchen am Brand und Eschenau nach Gräfenberg führte. Von der Strecke ist heute noch der Abschnitt von Eschenau nach Gräfenberg als Teil der Gräfenbergbahn in Betrieb.

Der in der Bevölkerung verwendete Kosename (Seku oder liebevoll Seekuh) für die Bahn erklärt sich durch folgende Anekdote: Der Maler, der an der Bahnhofswirtschaft den Schriftzug „Restauration zur Sekundärbahn“ anbringen sollte, wurde abends nicht ganz fertig und so stand über ein Wochenende „Restauration zur Seku…“ am Haus. Vorbeikommende Studenten machten sich über das Fragment lustig und sorgten für eine rasche Verbreitung des neuen Spitznamens.

Die Besonderheit der Strecke lag an ihrer Streckenführung, die nicht wie sonst bei Vollbahnen üblich, auf eigenem Gleiskörper, sondern auf oder direkt neben der Straße erfolgte. Die Gleise führten mitten durch das Stadtgebiet von Erlangen und durch teils sehr enge Ortsdurchfahrten. Lediglich in Neunkirchen am Brand verbot der eng bebaute alte Ortskern mit seiner Stadtbefestigung eine solche Trassenführung.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Die Stadt Gräfenberg versuchte schon seit 1873, in die Linienführung der Strecke NürnbergBayreuth einbezogen zu werden, was aber wegen der Mehrkosten scheiterte. Im Jahr 1882 beschloss der bayerische Landtag das Sekundärbahngesetz, das die Voraussetzung für den Bau der Bahn schuf. Der Baubeginn erfolgte 1885. Der erste Probezug fuhr am 8. November 1886, feierliche Eröffnung war am 17. November 1886.

Der Bahnbau erfolgte aus Kostengründen größtenteils auf oder neben der Straße und führte mitten durch mehrere Orte. Eingesetzt wurden Lokomotiven der bayrischen Baureihe D VII. Die Bahn etablierte sich und erwirtschaftete in den ersten Jahren Überschüsse. Mit dem Bau der Gräfenbergbahn von Nürnberg-Nordost nach Eschenau 1908 liefen die Züge von Gräfenberg nach Nürnberg-Nordost durch, Fahrgäste von Erlangen nach Gräfenberg mussten in Eschenau umsteigen.

1932 wurden erstmals Triebwagen eingesetzt, die wieder bis Gräfenberg durchliefen. Die Fahrzeit von Erlangen nach Eschenau konnte in den 1930er Jahren zunächst von 85 auf 60 Minuten verkürzt werden. Täglich verkehrten sechs, sonntags sieben Zugpaare.

Nach dem Zweiten Weltkrieg verlor die „Seku“ mit dem Aufkommen des Autoverkehrs an Bedeutung, nicht zuletzt da sie an Vorfahrtsstraßen anhalten musste. Nach den immer häufiger werdenden Unfällen war die Höchstgeschwindigkeit per Gerichtsbeschluss schließlich auf 15 km/h festgelegt worden.

Am 1. Mai 1961 wurde der Abschnitt von Neunkirchen am Brand nach Eschenau für den Gesamtverkehr stillgelegt. Am 17. Februar 1963 fuhr der letzte Personenzug auf der restlichen Strecke. Obwohl der Landkreis den Fortbestand gefordert hatte, hatte das Bundesverkehrsministerium die Stilllegung beschlossen. Der letzte Güterzug verkehrte am 31. Dezember 1963. Die Strecke bis Eschenau wurde bald darauf abgebaut.

Omnibusverkehr als Nachfolger

Die Nachfolge der „Seku“ trat eine Omnibuslinie vom Bahnhof Erlangen nach Eschenau an, wo Anschluss an die Gräfenbergbahn besteht. Die frühere Bahnbus-Verbindung wird heute vom Omnibusverkehr Franken als Linie 209 betrieben und unterliegt dem Verbundtarif des Verkehrsverbundes Großraum Nürnberg.

Spuren der „Seku“ heute

Auch heute noch ist beim genaueren Hinsehen die eine oder andere Spur der früheren Sekundärbahn-Strecke ausfindig zu machen:

  • ein breiter, heute begrünter Mittelstreifen in der Werner-von-Siemens-Straße in Erlangen
  • zum Wohnhaus umgebautes, ehemaliges Bahnhofsgebäude in Uttenreuth gegenüber der Metzgerei/Gasthaus Fürsattel
  • Verbindungsstraße zwischen Uttenreuth und Weiher auf ehemaligem Bahndamm (Radweg ist die ehemalige Straße)
  • weitgehend originalgetreu restauriertes, früheres Bahnhofsgebäude in Neunkirchen am Brand
  • Radweg zwischen Neunkirchen und Kleinsendelbach auf der früheren Bahntrasse
  • ehemaliger Güterschuppen in Steinbach; heute befindet sich das „Sozialkaufhaus Erlangen-Höchstadt“ an der Stelle des früheren Haltepunkts
  • am Ortsende von Brand Richtung Eschenau ist links ein Damm zu sehen, der von der Hauptstraße abzweigt. Auf diesem Damm verließen früher die Gleise der „Seku“ die Straße und verliefen in einer Linkskurve weiter in Richtung Bahnhof Eschenau.

Stadt-Umland-Bahn

Seit den 1990er Jahren gibt es Planungen für eine als Stadt-Umland-Bahn bezeichnete Stadtbahn für den Raum Erlangen. Dabei würde der Ostast der Ost-West-Strecke von Herzogenaurach nach Neunkirchen am Brand einem Teilstück der alten Seku-Route folgen.

Literatur

  • Günther Klebes: Die Seekuh – Sekundärbahn Erlangen–Gräfenberg. Freiburg 1978. ISBN 3-88255-852-0
  • Amtliches Kursbuch. Sommer 1949. Freiburg 1984 (Repr.). ISBN 3-88255-949-7

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