Bahnstrecke Freilassing–Berchtesgaden
Freilassing–Berchtesgaden
Kursbuchstrecke (DB): 954
Streckennummer: 5740 bis Bad R'hall
5741 ab Bad R'hall
Streckenlänge: 33,671 km
Spurweite: 1435 mm (Normalspur)
Stromsystem: 15 kV 16,7 Hz ~
Maximale Neigung: 40,8 
Legende
Strecke – geradeaus
von Salzburg
Bahnhof, Station
0,0 Freilassing  S3   S4  421 m
Abzweig – in Fahrtrichtung: nach rechts
nach Mühldorf
Abzweig – in Fahrtrichtung: nach rechts
nach Rosenheim
   
Freilassing-Hofham (gepl. ab 2012)
Abzweig – in Fahrtrichtung: nach rechts
zur Kreis-Müllumladestation
Haltepunkt, Haltestelle
3,3 Ainring  S3   S4  431 m
Abzweig – in Gegenrichtung: nach rechts
Anschlussbahn Stahlwerk Annahütte
Bahnhof, Station
5,9 Hammerau  S3   S4  441 m
Straßenbrücke
Bundesautobahn 8
Bahnhof, Station
10,8 Piding  S3   S4  453 m
Brücke über Wasserlauf (groß)
Saalach
Bahnhof, Station
14,9
0,0
Bad Reichenhall Hbf  S3   S4  466 m
   
0,8 zur Neuen Saline
Haltepunkt, Haltestelle
1,7 Bad Reichenhall-Kirchberg  S4  476 m
Strecke – geradeaus
1,7 Beginn der Steilstrecke
Haltepunkt, Haltestelle
3,4 Bayerisch Gmain  S4  540 m
Strecke – geradeaus
7,3 Ende der Steilstrecke
Bahnhof ohne Personenverkehr
7,4 Hallthurm 699 m
   
10,2 Winkl 665 m
Bahnhof, Station
13,6 Bischofswiesen  S4  614 m
   
17,7 Gmundbrücke
   
18,8 Berchtesgaden Hbf  S4  540 m
   
Verbindungsgleis zur Königsseebahn
   
Grüne Elektrische nach Salzburg
Steilstrecke kurz vor Hallthurm

Die elektrifizierte Bahnstrecke Freilassing–Berchtesgaden wird im Kursbuch der Deutschen Bahn unter der Kursbuchstreckennummer 954 geführt. Die 33,671 Kilometer lange Strecke zweigt in Freilassing als eingleisige Strecke von der zweigleisigen Hauptbahn Rosenheim–Salzburg ab. Bis Bad Reichenhall Hbf ist sie als Hauptbahn klassifiziert, danach als Nebenbahn. Der Abschnitt zwischen Bad Reichenhall-Kirchberg und Hallthurm gilt als Steilstrecke mit besonderen betrieblichen Anforderungen gemäß Anhang 8 der Steilstreckenvorschrift der Deutschen Bahn.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte und ehemalige Anschlussbahnen

Der Abschnitt Freilassing–Bad Reichenhall wurde 1866 eröffnet. Im Jahre 1867 wurde eine Projektierung einer Bahnstrecke von Reichenhall nach Berchtesgaden vergeben, die Unterstützung bei der Administration der bayerischen Berg-, Hütten- und Salzwerke fand. Die Projektierung des Abschnittes Reichenhall-Berchtesgaden war erst 1884 abgeschlossen. Am 25. Oktober 1888 befuhr ein festlich geschmückter Zug von Reichenhall nach Berchtesgaden als Erster die Strecke. Die Fahrzeit über die Gesamtstrecke betrug anfangs 90 Minuten und wurde später auf 70 Minuten reduziert. 1914 wurde die Strecke elektrifiziert. Den dafür benötigten Fahrstrom stellte das vom gestauten Saalachsee gespeiste Wasserkraftwerk Reichenhall zur Verfügung, das auch heute noch Bahnstrom liefert. Der elektrische Zugbetrieb wurde 1916 mit speziell konstruierten Elektrolokomotiven EP 3/6 aufgenommen.

Von 1909 bis 1965 bestand am Endpunkt Berchtesgaden ein Anschluss an die Königsseebahn zum Königssee. Als weitere Anschlussstrecke existierte von 1908 bis in die 1930er-Jahre die Lokalbahn Berchtesgaden–Hangenden Stein der Königlich Bayerischen Staatseisenbahnen, auch Grüne Elektrische genannt. Diese wiederum hatte Anschluss an die Straßenbahn Salzburg, die sogenannte Rote Elektrische. Im Dritten Reich wurde diese Bahnverbindung im Rahmen des geplanten Ausbaus zur zweigleisigen Hauptbahn und des Straßenausbaues eingestellt. Seither verkehren hier die Omnibusse des Watzmannexpress. Die Arbeiten für den Bahnausbau wurden zwar begonnen, aber kriegsbedingt nie fertiggestellt. Noch heute erinnert ein Tunnel ohne Gleise nahe dem Berchtesgadener Hauptbahnhof an das unvollendete Bahnprojekt.

Fahrzeuge

Für ein halbes Jahrhundert (1930er-Jahre bis zur Ausmusterung 1983) erbrachten die acht Elektrolokomotiven der DRG-Baureihe E44.5 beziehungsweise Deutsche Bundesbahn 144 502–509 den Großteil der Traktionsleistung auf dieser Strecke. Die Maschinen waren im Bahnbetriebswerk Freilassing beheimatet. Eine ist heute im Museum Lokwelt Freilassing ausgestellt.

Fernverkehr

Mit dem InterCity-Zugpaar 2082/2083 Königssee von Hamburg nach Berchtesgaden und zurück besteht einmal täglich eine Direktverbindung zwischen zahlreichen deutschen Großstädten und den Ferienorten im Berchtesgadener Land. Da die nächtliche Abstellung der InterCity-Garnitur aus logistischen Gründen in Freilassing erfolgt, verkehrt der Wagenpark des InterCity morgens von Freilassing nach Berchtesgaden Hbf und von dort zurück nach Hamburg. Nachmittags wird ähnlich verfahren, das heißt der aus Hamburg kommende Zug verkehrt unmittelbar nach der Ankunft zurück nach Freilassing.

Weil die genannten vier Züge auf der eingleisigen Strecke nicht zusätzlich zu den regulären Regionalzügen geführt werden, verkehren sie anstatt den Taktzügen der Berchtesgadener-Land-Bahn (BLB). Damit sich für die Fahrgäste mit Fahrausweisen des Nahverkehrs keine Taktlücken ergeben, verkehren diese auf der hier behandelten Bahnstrecke als RegionalExpress. Zuglok für diese Leistungen ist eine ÖBB-Lokomotive der Baureihe 1016/1116. Da die Zugfahrten von Freilassing nach Berchtesgaden und zurück als RegionalBahn erfolgen, befindet sich auf dem Zug auch Zugpersonal von DB Regio.

Ein weiterer InterCity nach Berchtesgaden, das Zugpaar 2428/2429 ins Ruhrgebiet, wurde hingegen zum Fahrplanwechsel im Dezember 2007 eingestellt. Auch diese Leistung verkehrte zwischen Freilassing und Berchtesgaden in beiden Richtungen als RegionalBahn.

Nahverkehr heute

S-Bahn Salzburg

Seit 2006 ist die Strecke in das Salzburger S-Bahnsystem integriert und wird von den Zügen der Linie S3 (Salzburg beziehungsweise Golling/Abtenau nach Bad Reichenhall) und der überlagerten S4 (Freilassing - Berchtesgaden) vorerst im Stundentakt befahren. Die Zugführung verlängerte sich dabei bei der S3 vom bisherigen Endhalt in Salzburg Hauptbahnhof bis nach Golling - Abtenau.[1] Im Stadtgebiet von Salzburg bestehen seither zusätzliche Haltepunkte neben dem Hauptbahnhof. Als Fahrzeuge wurden von Juni 2006 bis Dezember 2009 dreiteilige Triebwagengarnituren der ÖBB-Baureihen 4023 und 4024 („Talent“) eingesetzt. Ab dem Fahrplanwechsel 2009 verkehren die Talent nur noch auf den Kursen der S3 zwischen Salzburg und Bad Reichenhall. Auf dem bayerischen Teil der S-Bahn-Strecke werden die Züge von deutschem Personal geführt.

Berchtesgadener LandBahn (BLB)

Ein BLB-Triebwagen zwischen Bayerisch Gmain und Bad Reichenhall-Kirchberg

Aus der Ausschreibung der RegionalBahn-Leistungen im Sommer 2006 ging im Oktober desselben Jahres ein Konsortium aus der Regentalbahn und der Salzburg AG als Sieger hervor.[2] Unter der Bezeichnung „Berchtesgadener-Land-Bahn“ (offiziell Berchtesgadener LandBahn GmbH, BLB) übernahm die am 4. Mai 2009 gegründete Gesellschaft den Verkehr zum Fahrplanwechsel am 13. Dezember 2009. Ursprünglich sollte mit Beginn der Streckenübernahme die Strecke mit fünf über Angel Trains geleasten dreiteiligen Triebwagen des Typs FLIRT von Stadler Rail bedient werden.[3] Am 9. Dezember 2009 erklärte die BLB, dass aufgrund technischer Probleme die Personenverkehrs-Zulassung dieser neuen FLIRT-Triebwagen durch das Eisenbahnbundesamt (EBA) rechtzeitig zum Fahrplanwechsel nicht möglich sei und erst im Januar 2010 mit einer Zulassung und dem Einsatz der FLIRT zu rechnen sei.[4] Die Verantwortung dafür schieben sich EBA und Stadler gegenseitig zu.[5] Aufgrund des vorerst nicht einsetzbaren eigenen Rollmaterials wurde von Freilassing bis Bad Reichenhall ein Behelfsverkehr mit verschiedenen ausgeliehenen Ersatz-Schienenfahrzeugen und von Bad Reichenhall bis Berchtesgaden ein Schienenersatzverkehr mit Bussen eingerichtet. Seit 23. Januar 2010 wurde auch Berchtesgaden, ebenfalls mit Ersatzfahrzeugen, die eine Steilstreckenzulassung besitzen, fahrplanmäßig wieder auf der Schiene bedient.[6]. Am 24. und 25. Februar 2010 wurden die fehlenden Zulassungen für die FLIRT vom EBA erteilt und der Planbetrieb aufgenommen. In der darauf folgenden Nacht auf den 26. Februar 2010 wurden vier abgestellte FLIRT-Garnituren durch Vandalismus in den Bahnhöfen Freilassing und Berchtesgaden so stark beschädigt, dass sogleich wieder ein Schienenersatzverkehr eingerichtet werden musste.[7] Seit dem 1. März 2010 sind die FLIRT-Züge auf der Strecke im Einsatz, teilweise seit dem 12. April 2010 auch grenzüberschreitend nach Golling and der Salzach (Tennengau) .[8]

Güterverkehr

Nennenswerter Güterverkehr findet nur noch zwischen Freilassing und Hammerau statt. Der größte Teil des Güteraufkommens sind Halbzeuge und Stahlerzeugnisse des Stahlwerks Annahütte in Hammerau sowie Aufsetzcontainer für den im Landkreis anfallenden Hausmüll, welche in der Müllumladestation Freilassing-Hofham befüllt und zum Transport zur MVA Burgkirchen auf Containertragwagen verladen werden.[9] An den Hauptbahnhöfen in Bad Reichenhall und Berchtesgaden existieren Ladegleise mit Lade- und Auffahrtsrampe, sie werden zur Bahnverladung von Militärfahrzeugen der Bundeswehrstandorte Bad Reichenhall und Strub genutzt. Das Anschlussgleis zur Neuen Saline Bad Reichenhall wird nicht mehr genutzt.

Zukünftige Entwicklung

Von politischer Seite wird konkret erwogen, die durch den Einsatz moderner Triebzüge erzielten Fahrzeitverkürzungen zur Errichtung neuer Haltestellen zu nützen, um dadurch auch der seit der Errichtung der Bahn im 19. Jahrhundert veränderten Besiedelungsstruktur entlang der Strecke Rechnung zu tragen. Auch die Einbindung ins S-Bahnnetz Salzburgs, das sich seit Wegfall der EU-Binnengrenzen zum regionalen Zentrum entwickelt, fördert diese Bemühungen; zudem wurde auf österreichischer Seite bereits mit einem groß angelegten Ausbau der weiterführenden Strecke der S3 zwischen Freilassing und Salzburg begonnen (unter anderem ein drittes Streckengleis für den S-Bahn-Verkehr mit einer neuen Salzachbrücke, neue Haltestellen in Mülln, Aiglhof und Taxham). Eine Weiterführung dieser Arbeiten auf deutscher Seite ab der ebenfalls neu zu errichtenden Saalachbrücke (und damit möglicher Taktverdichtungen auf der KBS 954) steht noch aus.
Öffentlich diskutiert werden Haltestellen im Bereich Bad Reichenhall-Mitte, Bad Reichenhall-Nord im Ortsteil Staufenbrücke auf Höhe Landratsamt sowie in Freilassing-Hofham. Die Errichtung der Haltestelle Hofham zeichnet sich bereits konkret für 2012 ab.[10] Auf dem Abschnitt nach Berchtesgaden ist nach dem Liniennetzplan der BLB eine mögliche Reaktivierung der Haltestelle Hallthurm (ab 2010) in Aussicht.[1] In diesem Betriebsbahnhof werden derzeit nur Zugkreuzungen durchgeführt. Durch die schwierige kurvenreiche Trassierung (Steilstrecke, sowie eine Vielzahl von Langsamfahrstellen durch ungesicherte Bahnübergänge) sind Fahrzeitverkürzungen auf der Strecke ab Bad Reichenhall in Richtung Berchtesgaden nur mit erheblichem technischen Aufwand erzielbar.

Weblinks

 Commons: Bahnstrecke Freilassing–Berchtesgaden – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. a b Liniennetzplan der S3 und S4 Stand August 2009
  2. „Zukünftiges Eisenbahnverkehrsunternehmen für die Strecke Freilassing - Berchtesgaden ausgewählt“: Pressemitteilung des Bayerischen Staatsministeriums für Wirtschaft, Infrastruktur, Verkehr und Technologie
  3. Stadler Rail: Infoseite zu FLIRT-Triebwagen der BLB
  4. Mitteilung der Berchtesgadener LandBahn über Probleme bei der Zulassung des FLIRT
  5. Stellungnahme des EBA zur Zulassungsproblematik des FLIRT im Dezember 2009
  6. Mitteilung vom 19. Januar 2010 der BLB
  7. Bericht im ORF-Salzburg Online über die Beschädigung der Züge
  8. eisenbahn-magazin 5/2010, S. 24
  9. Bahntransportsystem des ZAS - Zweckverband Abfallverwertung Südostbayern
  10. Pressemitteilung vom 3. März 2009 des Landkreises BGL über neue Haltestellen an der BLB

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