Standortskunde

Standort ist die zusammenfassende Bezeichnung für die Umweltbedingungen, die auf einen Organismus einwirken. Der Begriff wird vor allem in der Vegetationsökologie verwendet, während man in der Tierökologie von Habitat spricht. Während das Habitat die Umweltbedingungen einer einzelnen Art beschreibt, wird der Begriff des Standorts sowohl auf bestimmte Arten als auch auf ganze Lebensgemeinschaften bezogen. Die Erforschung des Standorts wird auch als Standortsökologie oder Standortskunde bezeichnet.

Der Standort oder Habitat in diesem Sinne beschreibt die ökologische Geländesituation, während der Fundort eines Organismus die konkrete Stelle bezeichnet, an der ein bestimmtes Individuum einer Pflanzen- oder Tierart gefunden worden ist.

Bei der Beschreibung des Standortes (bzw. Habitats) wird vielfach zwischen abiotischen und biotischen Standortsfaktoren (bzw. Umweltfaktoren) unterschieden. In der Vegetationsökologie werden diese beispielsweise zu Faktorenkomplexen zusammengefasst.


Die Bedeutung der einzelnen Standortsfaktoren ist sehr unterschiedlich. In der Regel dominieren abiotische Faktoren (Trockenheit, Kälte, Wind) an Extremstandorten während auf sogenannten mittleren Standorten häufig biotische Faktoren (Licht- und Wurzelkonkurrenz, Fraß u. ä.) begrenzend wirken.


In der Land- und Forstwirtschaft wird der Begriff stark aus Sicht der wirtschaftlichen Nutzung betrachtet, wobei die abiotischen Standortsfaktoren in den Vordergrund treten.

  • Klima: Windbremsung, Kaltluftgefährdung, Spätfrostgefahr, Strahlungsabschirmung, verminderte Abtrocknung mit der Folge höherer Infektionsgefahr durch Pilze
  • Relief: Erosionsgefahr
  • Boden: natürliche Nährkraft, Wärmespeicherung

Die für einen bestimmten Standort bezeichnenden Faktoren bestimmen beispielsweise, welche Baumarten auf ihm gut wachsen können und welche dort schlechte Voraussetzungen haben. So werden jeder Baumart eigene Standortsansprüche zugeschrieben.

In der forstlichen Planungspraxis ist die Standortskartierung ein wesentliches Planungswerk. Die Standortskartierung erfasst die Wuchsbedingungen eines Waldstandortes hinsichtlich Klima, Wasser- und Nährstoffversorgung sowie Gefährdungen wie z.B. Windwurfgefahr. Daran orientiert empfiehlt die Standortkartierung geeignete Bestockungen mit Baumarten oder deren Mischungen, die am gegebenen Standort die besten ökologischen und ökonomischen Erfolgsaussichten haben.

In der Landwirtschaft gibt es den Begriff des Agrarökologischer Sonderstandorts. Damit werden solche Standorte bezeichnet, die sich für eine normale landwirtschaftliche Nutzung gerade noch eignen, da sie entweder zu steil, zu trocken, zu feucht oder zu steinig sind.

Literatur

  • Autorenkollektiv („Arbeitskreis Standortskartierung“ in der „Arbeitsgemeinschaft Forsteinrichtung“): Forstliche Standortsaufnahme. Begriffe, Definitionen, Einteilungen, Kennzeichnungen, Erläuterungen. 6. Auflage. IHW-Verlag, Eching bei München 2003, 352 S., ISBN 3-930167-55-7

Wikimedia Foundation.

Schlagen Sie auch in anderen Wörterbüchern nach:

  • Heinz Ellenberg — (* 1. August 1913 in Harburg (Elbe); † 2. Mai 1997 in Göttingen) war ein deutscher Biologe, Botaniker und Landschaftsökologe. Er gilt als Wegbereiter einer ganzheitlichen Sicht des Ökosystems in Deutschland. Inhaltsverzeichnis 1 Leben und… …   Deutsch Wikipedia

  • Rehfuess — Karl Eugen Rehfuess (* 21. März 1933 in Pforzheim) ist ein deutscher Bodenkundler und Forstwissenschaftler. Er hat maßgeblich zur Weiterentwicklung der wissenschaftlichen Bodenkunde und Standortlehre beigetragen, insbesondere zur Erforschung der… …   Deutsch Wikipedia

  • Erich Oberdorfer — (* 26. März 1905 in Freiburg im Breisgau; † 23. September 2002 ebenda) war ein deutscher Biologe. Sein offizielles botanisches Autorenkürzel lautet „Oberd.“. Inhaltsverzeichnis 1 Leben und Wirken 2 Ehrungen …   Deutsch Wikipedia

  • Geobotanik — Die Geobotanik ist eine Zentralwissenschaft der Biogeographie, der Vegetationskunde, Pflanzenökologie, Standortskunde und Vegetationsgeschichte. Erfasst, beschrieben und erklärt wird das Vorkommen und die räumlichen und zeitlichen Verbreitung der …   Deutsch Wikipedia

  • Geobotaniker — Die Geobotanik ist eine Zentralwissenschaft der Biogeographie, der Vegetationskunde, Pflanzenökologie, Standortskunde und Vegetationsgeschichte. Erfasst, beschrieben und erklärt wird das Vorkommen und die räumlichen und zeitlichen Verbreitung der …   Deutsch Wikipedia

  • Geschichte der Botanik (Zeitstrahl) — Die Zeittafel zur Geschichte der Botanik enthält Angaben zu verschiedenen Forschungsrichtungen dieses Fachs. Eingeschlossen ist auch die Mykologie, da diese zumindest früher zur Botanik gezählt wurde und noch heute an botanischen Instituten… …   Deutsch Wikipedia

  • Karl-Eugen Rehfuess — (* 21. März 1933 in Pforzheim) ist ein deutscher Bodenkundler und Forstwissenschaftler. Er hat maßgeblich zur Weiterentwicklung der wissenschaftlichen Bodenkunde und Standortlehre beigetragen, insbesondere zur Erforschung der „neuartigen“… …   Deutsch Wikipedia

  • Orkan Wiebke — Durch Wiebke verursachte und bereits aufgearbeitete Sturmwurffläche im Nordschwarzwald (Ostern 1991) Wiebke war ein schwerer Orkan, der in der Nacht vom 28. Februar auf den 1. März 1990 über Deutschland, Teilen der Schweiz und Österreichs wütete …   Deutsch Wikipedia

  • Pflanzengeografie — Die Geobotanik ist eine Zentralwissenschaft der Biogeographie, der Vegetationskunde, Pflanzenökologie, Standortskunde und Vegetationsgeschichte. Erfasst, beschrieben und erklärt wird das Vorkommen und die räumlichen und zeitlichen Verbreitung der …   Deutsch Wikipedia

  • Pflanzengeographie — Die Geobotanik ist eine Zentralwissenschaft der Biogeographie, der Vegetationskunde, Pflanzenökologie, Standortskunde und Vegetationsgeschichte. Erfasst, beschrieben und erklärt wird das Vorkommen und die räumlichen und zeitlichen Verbreitung der …   Deutsch Wikipedia

Share the article and excerpts

Direct link
Do a right-click on the link above
and select “Copy Link”