Bahnstrecke Germersheim–Bruchsal
Stationen und Hochbauten
Strecke der Bruhrainbahn
Kursbuchstrecke (DB): 704
Streckennummer: 3450 (Rheinsheim–Germersheim)
4132 (Bruchsal–Rheinsheim)
Streckenlänge: 25,62 km
Stromsystem: bis Graben-Neudorf: 15 kV, 16,7 Hz ~
Maximale Neigung: 12 
Minimaler Radius: 300 m
Legende
Strecke – geradeaus
Westbahn von Bietigheim-Bissingen
Abzweig – in Gegenrichtung: nach rechts
Baden-Kurpfalz-Bahn von Karlsruhe
Bahnhof, Station
0,0 Bruchsal
Abzweig – in Fahrtrichtung: nach rechts
Baden-Kurpfalz-Bahn nach Heidelberg
Bruchsal Sportzentrum (geplant)
Bruchsal Am Mantel (geplant)
Haltepunkt, Haltestelle
4,4 Karlsdorf
Abzweig – in Gegenrichtung: nach rechts
Rheinbahn von Karlsruhe
Hardtbahn von Karlsruhe (bis 1967)
Bahnhof, Station
9,4 Graben-Neudorf
11,3 Graben-Neudorf Nord
Rheinbahn nach Mannheim
Haltepunkt, Haltestelle
13,8 Huttenheim
Philippsburg (Baden) Süd (geplant)
Bahnhof, Station
18,0 Philippsburg
Abzweig – in Fahrtrichtung: nach rechts
Abzweig zum Kernkraftwerk Philippsburg
Haltepunkt, Haltestelle
21,0 Rheinsheim
22,1
0,0
Grenze Baden-Württemberg / Rheinland-Pfalz
Brücke über Wasserlauf (groß)
Rheinbrücke Germersheim (268 m)
Abzweig – in Gegenrichtung: nach rechts
Strecke von Wörth (Rhein)
Germersheim Ost (geplant)
Bahnhof, Station
3,5 Germersheim
Strecke nach Schifferstadt
Untere Queichtalbahn nach Landau (bis 1998)

Die Bruhrainbahn ist eine Eisenbahnstrecke von Bruchsal nach Germersheim in den Bundesländern Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz. Während sie früher Teil einer überregionalen Magistrale war und somit dem Fernverkehr diente, wird die Strecke heute ausschließlich vom Nahverkehr bedient.

Den Namen erhielt sie von dem Bruhrain, einer Landschaft, die sich im nordwestlichen Landkreis Karlsruhe befindet und die sie durchquert.

Inhaltsverzeichnis

Streckenverlauf

Die Strecke verläuft komplett innerhalb der Rheinebene; zwischen Bruchsal und Graben-Neudorf ist sie fast geradlinig. Die beiden größten Kunstbauten sind die Überführung über die Rheinbahn nördlich von Graben-Neudorf und die Rheinbrücke zwischen Rheinsheim und Germersheim

Passiert werden Bruchsal, die Gemeinden Karlsdorf-Neuthard und Graben-Neudorf, von Huttenheim bis Rheinsheim verläuft die Strecke auf der Gemarkung der Stadt Philippsburg, bevor sie schließlich Germersheim erreicht. Von Bruchsal bis Rheinsheim verläuft die Strecke dabei innerhalb des Landkreis Karlsruhe; Germersheim gehört zum gleichnamigen Landkreis.

Geschichte

Planung, Bau und Entwicklung bis 1900

Der Staatsvertrag zwischen Baden und Bayern hatte den Bau einer Bahnlinie von Bruchsal nach Germersheim festgelegt.

Rheinbrücke Germersheim
Bruhrainbahn (links im Bild) nördlich von Graben-Neudorf, rechts die Rheinbahn. Diese niveaufreie Kreuzung wurde 1909 errichtet

Am 15. August 1870 wurde zwischen beiden Städten eine provisorische „Kriegsbahn“ eingeweiht, die ab dem 12. August 1871 jedoch wieder abgebrochen wurde. Zum Teil benutzte sie die später verwendete Trasse, zum Teil aber auch bestehende Straßen.

Der Streckenabschnitt Bruchsal–Rheinsheim wurde am 23. November 1874 eröffnet. Die Verlängerung nach Germersheim verzögerte sich zunächst um einige Jahre, da die Militärbehörden darauf beharrten, dass die Brücke einen Standort erhalten sollte, der das Schussfeld der Festung Germersheim nicht behindert. Im August 1874 wurde, nachdem eine Einigung in Bezug auf den Standort der Rheinbrücke erzielt wurde, der Plan zur Verlängerung der Strecke nach Germersheim genehmigt, sodass am 9. April 1875 die Arbeiten beginnen konnten.

Am 15. Mai 1877 wurde die Lücke zwischen Rheinsheim und Germersheim geschlossen. Die Bruhrainbahn war fortan durchgängig befahrbar. Während die Rheinbrücke Germersheim bei der Streckeneröffnung zunächst nur eingleisig betrieben wurde, wurde bereits einige Jahre später auf ihr das zweite Gleis in Betrieb genommen.

Die Bruhrainbahn war ab 1890 zunächst Teil der überregionalen Verbindung Bruchsal–Germersheim–Landau–BiebermühleZweibrücken–Rohrbach–Saarbrücken, die heute zwischen Germersheim und Landau stillgelegt ist (siehe auch Untere Queichtalbahn, Queichtalbahn und Schwarzbachtalbahn (Pfalz)). So fuhren ab dieser Zeit auch Fernzüge der Relation München–Saarbrücken über die Bruhrainbahn.

Entwicklung bis zum Zweiten Weltkrieg

Der Fernverkehr gewann noch weiter an Bedeutung, als im Jahr 1909 eine niveaufreie Einfädelung der Bruhrainbahn nördlich von Graben-Neudorf in die Rheintalbahn in Betrieb genommen wurde. Die alte Trasse zwischen Huttenheim und Graben-Neudorf ist heute noch durch die Straßenführung und anhand zweier Bahnwärterhäuschen erkennbar.

Da die Zuggewichte auf der Strecke stetig zugenommen hatten, wurde es notwendig, die Brückenkonstruktion der Rheinbrücke zu verstärken. Dies wurde im Zeitraum von 1927 bis 1930 vorgenommen.

1938 wurden die über die Bruhrainbahn verkehrenden Schnellzüge der Relation Saarbrücken–München jedoch eingestellt. Die Bruhrainbahn sollte fortan im Fernverkehr nur noch den Güterverkehr bewältigen, während der Personenfernverkehr anstatt dessen künftig über Karlsruhe und Wörth und anschließend weiter über Landau und Zweibrücken bis nach Saarbrücken geführt werden sollte.

Im Zweiten Weltkrieg fuhren außerdem mehrere Militärzüge über die Strecke. Im Kriegsverlauf wuchs die Bedeutung der Strecke, da nach und nach alle Rheinbrücken – mit Ausnahme der Rheinbrücke zwischen Rheinsheim und Germersheim – von deutschen Truppen gesprengt wurden, um den alliierten Truppen den Gang über den Rhein zu erschweren. Die erwähnte Rheinbrücke wurde am 24. März 1945 schließlich ebenfalls gesprengt.

Bahnhof Karlsdorf mit durchfahrendem Güterzug

Betrieb unter der Deutschen Bahn (seit 1945)

Im Zuge von Reparationszahlungen, die Deutschland aufgrund des verlorenen Weltkrieges leisten musste, wurde die Bruhrainbahn zwischen Graben-Neudorf und Germersheim eingleisig zurückgebaut. Da der Streckenabschnitt zwischen Graben-Neudorf und Bruchsal jedoch große Bedeutung im Bahnverkehr besaß, behielt er sein zweites Gleis und wurde in den fünfziger Jahren elektrifiziert, sodass zum 1. Juni 1958 dort der elektrische Betrieb aufgenommen werden konnte.

Ab den 1960er Jahren wurde heftig über den Wiederaufbau der Rheinbrücke diskutiert. Gegner des Wiederaufbaus verwiesen auf die geringe verkehrliche Bedeutung der Brücke; trotzdem wurde der Bau im Jahr 1964 ausgeschrieben. Drei Jahre später, am 23. Oktober 1967 wurde die Rheinbrücke wiedereröffnet. Allerdings erlangte sie entgegen den Erwartungen keinerlei überregionale Bedeutung mehr.

Ende der achtziger Jahre verkehrten für wenige Wochen überregionale Züge der Relation Saarbrücken–Zweibrücken–Landau–Karlsruhe über die Bruhrainbahn, da die Rheinbrücke zwischen Karlsruhe und Wörth nach einem Schiffsunglück repariert werden musste und die Schnellzüge somit über die Bruhrainbahn umgeleitet werden mussten.

1994 wurde die Rheinbrücke zwischen Rheinsheim und Germersheim nur noch eingleisig betrieben; ebenso wurde zur selben Zeit Bahnhof Rheinsheim zum Haltepunkt zurückgebaut. Im Mai 1994 wurde zwischen dem Bahnhof Graben-Neudorf und Huttenheim der Haltepunkt Graben-Neudorf Nord in Betrieb genommen, der seither den Ortsteil Neudorf besser erschließt. Ab Mai 2000 wurde zusätzlich die Regionalexpress-Linie Mainz–Germersheim–Karlsruhe im Zweistundentakt eingeführt, die den Bruhrainbahn-Abschnitt Germersheim–Graben-Neudorf befährt.

Betrieb

Zug (Baureihe 628) der Bruhrainbahn in Bruchsal

Fahrplan

Die Bruhrainbahn ist als KBS 704 im Kursbuch der Deutschen Bahn verzeichnet. Ab Mai 1994 profitierte die Bruhrainbahn außerdem von zwei Attraktivitätssteigerungen im Nahverkehr: Zum einen durch die Gründung des Karlsruher Verkehrsverbundes (KVV), der seither auf der gesamten Strecke gilt und wodurch sie die Bezeichnung „R9“ erhielt und zum anderen durch den ebenfalls im Mai 1994 eingeführten „Rheinland-Pfalz-Takt“. So wurde ein Stundentakt eingeführt, außerdem verkehrten erstmals seit 1945 durchgehende Züge an Sonntagen.

Bahnhof Philippsburg

Auf der Strecke verkehren Regionalbahnen (RB) mit rot lackierten Dieseltriebwagen der Baureihe 628, die bisher bis nach Speyer durchgebunden wurden, seit der Verlängerung der S-Bahn RheinNeckar nach Germersheim am 10. Dezember 2006 jedoch dort enden. Im Abschnitt Graben-Neudorf–Germersheim fahren zweistündlich Regionalexpresse (RE) der Relation Karlsruhe–Germersheim–Speyer–Ludwigshafen–Worms–Mainz, die mit Neigetechnikzügen der Baureihe 612 ausgestattet sind. Einziger Zwischenhalt der RE ist Philippsburg.

Die Fahrt mit der Regionalbahn von Bruchsal nach Germersheim beträgt insgesamt 34 Minuten, eine Fahrt im Regionalexpress von Graben-Neudorf nach Germersheim dauert 16 Minuten.

Verkehr

Zwischen Graben-Neudorf und Bruchsal ist die Strecke elektrifiziert, da auf diesem Abschnitt überregionale Güterzüge Richtung Stuttgart verkehren. Auf dem Abschnitt Graben-Neudorf–Germersheim ist der Güterverkehr in den letzten Jahrzahnten deutlich zurückgegangen; es besteht zwischen Philippsburg und Rheinsheim jedoch ein Anschlussgleis zum Atomkraftwerk von Philippsburg, zu dem noch einige Güterzüge verkehren.

Stillgelegtes Gütergleis in Philippsburg

Kreuzungsmöglichkeiten bestehen auf der Bruhrainbahn auf dem gesamten Streckenabschnitt Bruchsal–Graben-Neudorf sowie in den Bahnhöfen von Philippsburg und Germersheim.

Ab Anfang der neunziger Jahre bis zur Einführung der S-Bahn RheinNeckar verkehrten außerdem Zugläufe der Relation Bruchsal – Germersheim – Ludwigshafen am RheinMannheimHeidelbergNeckargemündMeckesheimSinsheim – Steinsfurt – Eppingen/Heilbronn, die mit Lokomotiven der Baureihe 218 und Silberlingen verkehrten. Ende 2003 wurden die Rundkurse bis nach Eppingen beziehungsweise Heilbronn mit der Eröffnung der S-Bahn RheinNeckar jedoch aufgegeben, seither verkehrten die Züge der Bruhrainbahn nur noch bis Speyer. Seit der Verlängerung der S-Bahn RheinNeckar über Speyer hinaus bis Germersheim im Dezember 2006 fahren die Züge der Bruhrainbahn nur noch bis Germersheim.

Ende 2004 wurden die mit Lokomotiven der Baureihe 218 bespannten Wendezüge vollständig durch Dieseltriebwagen der Baureihe 628 ersetzt, nachdem letztere seit Eröffnung der S-Bahn RheinNeckar bereits den größten Teil der Nahverkehrsleistungen auf der Bruhrainbahn bestritten hatten.

Haltepunkt Huttenheim

Zukunftspläne

Die ursprüngliche Planung, die Strecke ins Karlsruher Stadtbahnnetz zu integrieren und so die S9 (Mühlacker–Bruchsal) nach Germersheim zu verlängern, wurde teilweise revidiert.

Stattdessen ist die Integration in das Netz der S-Bahn RheinNeckar vorgesehen, da hierfür ein besseres Kosten-Nutzen-Verhältnis ermittelt wurde. Die S2 wird von Bruchsal über Graben-Neudorf, Germersheim, Speyer und Schifferstadt weiter nach Mannheim verlaufen und dort über Heidelberg bis nach Osterburken durchgebunden. Mittlerweile ist zusätzlich geplant, in den Hauptverkehrszeiten vereinzelt Karlsruher Stadtbahnen der Linie S9 (Mühlacker-Bruchsal) bis nach Germersheim durchzubinden, wohingegen sonst die Anbindung von Germersheim an das Stadtbahnnetz der Stadt Karlsruhe durch eine Durchbindung der Linie S5 und evtl. S4 über die Strecke Wörth–Germersheim erfolgen soll.

RE der Linie Mainz–Karlsruhe bei der Einfahrt in den Bahnhof Graben-Neudorf. Diese Züge sollen im Zuge der Elektrifizierung des Abschnitts Graben-Neudorf–Germersheim künftig durch Elektrotriebwagen ersetzt werden.

In den kommenden Jahren ist hierfür eine grundlegende Modernisierung und vollständige Elektrifizierung geplant. Gleichzeitig werden alle Unterwegsbahnhöfe modernisiert und mit einer Bahnsteighöhe von 76 Zentimetern versehen werden, die einen barrierefreien Einstieg in die S-Bahn-Fahrzeuge ermöglicht. Diese Arbeiten sollen voraussichtlich bis 2010 abgeschlossen sein. Auf rheinland-pfälzischer Seite ist die Errichtung eines neuen Haltepunktes „Germersheim Ost“ vorgesehen, welcher bedeutend näher zur Stadt Germersheim liegt als der Bahnhof. Auf der rechtsrheinischen Seite sind als neue Haltepunkte „Philippsburg Süd“, „Bruchsal Am Mantel“ (im Gewerbegebiet „Im Wendelrot“) und „Bruchsal Sportzentrum“ geplant.

Mittelfristig soll die RE-Verbindung Karlsruhe–Germersheim–Speyer–Mainz auf elektrischen Betrieb umgestellt werden, wodurch sich eine weitere Kapazitätssteigerung auf dieser stark nachgefragten Verbindung erreichen lassen würde.

Des weiteren wurde eine Verlängerung der Hardtbahn (Stadtbahn S1/S11) über Linkenheim-Hochstetten hinaus mit einer Einfädelung im Phillippsburger Bahnhof in die Bruhrainbahn in Erwägung gezogen, was jedoch unter den momentanen Umständen eher unrealistisch scheint.

Über den eventuell notwendig werdenden zweigleisigen Ausbau der westlichen Buhrainbahn wurden keine Aussagen getroffen, obwohl dieser Bereich das einzige eingleisige Nadelöhr im Netz der S-Bahn Rhein-Neckar darstellt und mit den vorhandenen und geplanten Verkehren einer immensen Last ausgesetzt ist.

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