Bahnstrecke Immelborn–Steinbach
Immelborn–Liebenstein-Schweina
–Steinbach (Kreis Meiningen)
Immelborn, Einfahrt in den Bahnhof aus Richtung Bad Liebenstein
Immelborn, Einfahrt in den Bahnhof aus Richtung Bad Liebenstein
Strecke der Bahnstrecke Immelborn–Steinbach
Kursbuchstrecke: 190a (1967), 631 (1968)
Streckennummer: 6701
Streckenlänge: 8,6 km
Spurweite: 1435 mm (Normalspur)
Maximale Neigung: 26 
Minimaler Radius: 220 m
Höchstgeschwindigkeit: 50 km/h
Legende
Strecke – geradeaus
Werrabahn
Abzweig – in Fahrtrichtung: nach rechts
Immelborn Weiche 4
Brücke (mittel)
B 62
Kilometer-Wechsel
0,0
Bahnübergang
0,1 B 62 (Unterführung zu schmal) Schranken
   
0,2 Fußweg zum Bus
Bahnhof, Station
0,2 Immelborn Keilbahnhof 247,41m
Bahnübergang
0,5 Zufahrt Gewerbegebiet ehemals Blinklicht
Abzweig – in Fahrtrichtung: nach rechts
0,5 Anschluss Kieswerk 244,23m
   
0,9 Streckenende seit 2008
   
1,0 Flutbrücke Werra (10m)
   
1,1 Strombrücke Werra (39m) 245,15m
   
1,1 Gleisende
   
1,2 Flutbrücke Werra (8m)
   
1,7 B 19 Schranken
   
1,7 Barchfeld Haltepunkt - besetzt 246,58m
   
1,9 Verbindungsstraße Schranken
   
5,0 Ortsverbindungsstraße Meimers
   
5,1 Marienthal (Thür.) Haltestelle/Hp 317,34m
   
5,5 L 1027 Blinklicht
   
5,8 Anschluss Wehrmacht/Wlassow (1944–45) 327,54m
   
5,8 Ortsverbindungsstraße „Breiter Fahrweg“
   
6,6 Bad Liebenstein 342,25m
   
6,7 Ortsverbindungsstraße „Bahnhofstraße“ Schranken
   
7,3 L 1027 Blinklicht
   
8,4 Steinbach - ab 1927 368,20m
   
8,6 Anschluss Bergwerksverwaltung - ab 1927
   
und dort Steinbacher Bergwerksbahn (600mm)

Die Bahnstrecke Immelborn–Liebenstein-Schweina (–Steinbach) war eine eingleisige Nebenbahn, die von der Werrabahn abzweigte, und als Stichbahn in Richtung Kamm des Thüringer Waldes führte. Die längste Zeit trug sie die Kursbuchnummer 190a.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Schon Joseph Meyer, Verfasser des Meyers Konversations-Lexikon, schrieb in seinem „Plan zum Thüringer Centraleisenbahnnetz“ (Hildburghausen, 1848) von einer „Thüringer Werrabahn mit einer Zweigstrecke nach Liebenstein“.

1885 beginnt die Werra-Eisenbahn-Gesellschaft mit den Vorarbeiten für eine Eisenbahnstrecke. Am 28. Juni 1887 genehmigte die Generalversammlung der Werra-Eisenbahn-Gesellschaft den Bau und Betrieb einer normalspurigen Eisenbahn von Immelborn nach Liebenstein. Am 1. August 1889 konnte die Bahnstrecke mit eigenem Lokbahnhof feierlich eröffnet werden.

Die Kommanditgesellschaft Lübbecke & Kehl, Eisenach plante 1911 die Erweiterung der Bahnstrecke nach Brotterode und Waltershausen unter Einbeziehung der Trusebahn, was aber scheiterte. Per Erlass des Reichsverkehrsministeriums vom 29. April 1922 durfte die Verlängerung bis Steinbach nun auch gebaut werden, aber erst am 29. Mai 1927 konnte das Teilstück in Betrieb gehen. Im 2. Weltkrieg kamen sehr häufig schwere Lazarettzüge direkt von der Ostfront nach Bad Liebenstein. Als dann der Krieg zu Ende ging, versuchte der Volkssturm, die amerikanischen Truppen durch Sprengung der Werrabrücke aufzuhalten. In den 50er Jahren erlebte die Bahn dann einen wirklichen Höhepunkt.

Mit dem sich stark entwickelndem Kur- und Fremdenverkehrswesen fuhr ein direkter Eilzug meist mit vier Wagen von Steinbach, später nur noch von Bad Liebenstein nach Leipzig Hbf. Auch fuhr in dieser Zeit des Öfteren der rege genutzte "Theaterzug", ein Sonderzug von Bad Liebenstein nach Meiningen zu Vorführungen im Meininger Theater. Der Niedergang der Strecke begann in den 1960er Jahren mit dem zunehmenden Kraftverkehr. So wuchsen die Fahrzeiten langsam aber stetig an und gipfelten im Sommerfahrplan 1968, als die Ein-Stunden-Grenze locker überschritten wurde. (1936 wurden für die Gesamtstrecke nur 22 Minuten benötigt). Aus dem Eilzug war nunmehr ein Kurswagen geworden. Ab dem 26. Mai 1968 wurde im Schienenersatzverkehr gefahren und ab dem 4. August 1968 übernahm der „VEB Kraftverkehr“ die Leistungen. Noch bis 1970 gab es Güterverkehr. In der Akte Verkehrsträgerwechsel steht: „Die Stilllegung und der Abbau des Streckenabschnittes Immelborn–Steinbach, km 1,10 – 8,44, sowie Schließung der Gütertarifbahnhöfe erfolgte am 13. Januar 1973.“

Der Bahnhof Bad Liebenstein wurde nach Stilllegung und Abbau der Strecke zu einem Kuriosum, da er noch bis in die 1990er Jahre hinein mit Fahrkartenverkauf, Güterabfertigung und Mitropa-Gaststätte auch ohne Gleisanschluss in Betrieb blieb. Abgerissen wurde das Bahnhofsgebäude 2002, obwohl der wunderschöne Fachwerkbau bis dato unter Denkmalschutz gestanden hatte und private Interessenten hier gern ein Museum einrichten wollten. Die Stadt errichtete auf dem Gelände einen Busbahnhof. Im Jahr 2006 wurde der zweiständige Lokschuppen in Bad Liebenstein zum Feuerwehrhaus umgebaut und erweitert.

Die letzten Meter Gleis nutzt nun die Kieswerk GmbH: Wenn Aufträge vorlagen, verlässt ein schwerer Kieszug mit zwei Lokomotiven der Baureihe 232 die Anschlussbahn. Von 1997 bis 2005 war am Bahnübergang Immelborn ein Gleis zerstört, so dass erst 2006 die Anschlussbahn wieder in Betrieb genommen wurde. 2007 erhielt der Anschluss deutschlandweite Bekanntheit durch den Einsatz der letzten deutschen V 200 für den Kieszug Immelborn–Eisenach (–Berlin).

Lokomotiveinsatz

Als die Strecke noch zu der Werrabahn-Gesellschaft gehörten kamen die Lokomotiven № 45 und 46 zum Einsatz. Schon bald wurden sie durch die preußische T 3 abgelöst. In den Jahren um den ersten Weltkrieg ist hier die pr. T 9.2 belegt. ERFURT 7230 war in dem Lokbahnhof Liebenstein-Schweina beheimatet. Als 1927 die Bahnstrecke bis nach Steinbach eröffnet wurde, zog den Eröffnungszug die Lok 91 321 – eine pr. T 9.3. In den Jahren um 1936 gab es umfangreiche Studien zur Erhöhung der Streckengeschwindigkeit, nun kamen Loks der Baureihe pr. T 12 zum Einsatz.

In den Kriegsjahren wurde es bunter: Belegt sind Lokomotiven der Baureihen pr. G 10, pr. P 8 sowie der Kriegsbaureihe 52 und französische und belgische Beuteloks.

Nach dem Krieg wurde eingesetzt, was fahren konnte: Auch die Lokomotiven der Kaliwerke Merkers (9 und 10) und die nun verstaatlichte Lok der WOeE 89 6001 in Erstbesetzung kamen auf die Strecke. Um 1955 gibt es Belege für die pr. P 8, pr. G 8.1, pr. G 8.2, pr. G 12, pr. T 14.1, pr. T 16.1 und im Eilzugdienst fuhr die pr. T 18. Die letzten Personenzüge um 1968 fuhren Lokomotiven der Baureihen pr. P 8 und pr. G 8.2.

Im Güterzugdienst wurden auch erste Diesellokomotiven der Baureihe V 60 eingesetzt. Den Abbauzug zog 106 631, die noch in den 1990er Jahren in Vacha stationiert war. Zumindest einmal kam eine V 100 in den Bahnhof Bad Liebenstein. Auch war in Immelborn am Gleis 3O um 1940 eine Kleinlok (Kö) beheimatet. Der Streckeneinsatz war möglich, scheiterte sicher meist am fehlenden Treibstoff.

Unfälle

Es wird nur ein schwerwiegender Unfall aus der Anfangszeit überliefert: Am 8.Februar 1890, „als sich eine Mannsperson, bei dem Orte Barchfeld, freiwillig von einem Zuge überfahren ließ. Die Person fand sofortigen Tod.

In den letzten Betriebsjahren häuften sich auf Grund des schlechten Oberbauzustandes die Entgleisungen, so am 9., 10. und 13. November 1969 als innerhalb kurzer Zeit drei Mal der Hilfszug zum Einsatz kam.

Sonstiges

Der Bahnhof Steinbach hieß bis 1950 Steinbach (Kreis Meiningen), dann Steinbach (Kreis Bad Salzungen). Zur gleichen Zeit kam es zur Umbenennung des Bahnhofes Bad Liebenstein-Schweina in Bad Liebenstein, der bis 1924 nur Liebenstein-Schweina hieß, obwohl das "Bad" schon 1907 verliehen wurde.

Das Kursbuch führte die Strecke meist ab Bad Salzungen, wo auch die meisten Züge begannen oder endeten. Weiterhin gab es dort zeitweise eine Bemerkung: Reisenden aus oder nach Richtung Meiningen ist Umweg über Bad Salzungen ohne Nachzahlung gestattet!

Im November 2007 wurden bei Bauarbeiten am Ortsausgang Bad Liebenstein in Richtung Steinbach Gleisreste am ehemaligen Bahnübergang sichtbar. Die Ursache ist dabei, dass beim Rückbau die Gleisjoche der Straßenübergange meist liegenblieben und nur überteert worden sind.

Bildergalerie

Literatur

  • Gunnar Möller, Gernot Malsch, Günter Paulik: Den Hockelhans hinauf. Wachsenburgverlag, Arnstadt 2002, ISBN 3-935795-04-1

Siehe auch

Weblinks


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