Bahnstrecke Murnau–Oberammergau
Ammergaubahn
ET 426 in Oberammergau
ET 426 in Oberammergau
Kursbuchstrecke (DB): 963
Streckennummer: 5451
Streckenlänge: 23,671 km
Spurweite: 1435 mm (Normalspur)
Stromsystem: 15 kV 16,7 Hz ~
Legende
von München
0,000 Murnau
Murnau Lokalbahnhof
stillgelegt am 3. Mai 1960
0,411 Murnau Ort
0,5     nach Garmisch-Partenkirchen
1,6     Ramsachleite
3,261 Seeleiten-Berggeist Bedarfshalt
5,568 Grafenaschau ehemals Bahnhof
9,392 Jägerhaus Bedarfshalt
11,680 Bad Kohlgrub
13,130 Bad Kohlgrub Kurhaus Bedarfshalt
14,263 Saulgrub
16,623 Altenau (Bay)
19,0     Scherenau
20,412 Unterammergau ehemals Bahnhof
Ammer
23,671 Oberammergau ehemals Bahnhof

Die Ammergaubahn – seltener: Ammertalbahn, bis 1938 Lokalbahn Murnau–Oberammergau – ist eine eingleisige, elektrifizierte Bahnstrecke in Bayern. Sie führt von Murnau nach Oberammergau, in der zweiten Streckenhälfte folgt sie dabei dem Tal der namengebenden Ammer. Die Stichbahn nach Oberammergau zweigt in Murnau von der Hauptstrecke München–Garmisch-Partenkirchen ab.

Inhaltsverzeichnis

Betrieb und Geschichte

Ein LAG-Triebwagen im Frühjahr 1905 im Bahnhof Oberammergau

Die 23,671 km lange Strecke wurde am 1. Mai 1900 nach einer bayerischen Konzession vom 24. Januar 1897 von der Lokalbahn Aktien-Gesellschaft erbaut[1]. Am 1. Januar 1905 wurde der elektrische Betrieb aufgenommen. Damit war sie die erste mit Einphasen-Wechselstrom betriebene Eisenbahn in Deutschland. Ursprünglich war die Bahn mit 5,5 kV bei einer Frequenz von 16 Hz elektrifiziert. Mit Wirkung zum 1. August 1938 ging die LAG auf die Deutsche Reichsbahn über. Erst 1954/55 rüstete die Deutsche Bundesbahn auf die sonst üblichen 15 kV bei damals noch 162/3 Hz um, und vier der fünf Elektrolokomotiven der Baureihe E 69 wurden entsprechend umgebaut.

Mit der zunehmenden Popularität des Automobils erging es der Ammergaubahn nicht anders als den anderen Nebenstrecken der Bahn. Der Güterverkehr verschwand fast völlig, die Fahrgastzahlen sanken kontinuierlich auf 500 bis 1.000 Fahrgäste täglich. Daher kam es zu einem massiven Rückbau der Infrastruktur.

1999 gab es Verhandlungen mit dem Fahrgastverband Pro Bahn und der DB Regio Bayern AG. Pro Bahn forderte unter anderem eine neue Kreuzungsmöglichkeit in Altenau (Bay) und den Erhalt des zweiten Gleises in Oberammergau. Dadurch hätte man die Reisezeit um ca. 10 Minuten verkürzen können. Doch die Kosten von etwa 4 Millionen Mark waren zu hoch, und das Projekt wurde auf Eis gelegt.

Modernisierungsmaßnahmen

In jüngerer Zeit wurde die Strecke umfangreich modernisiert, dieser Modernisierung fiel jedoch auch sämtliche im Planbetrieb nicht mehr benötigte Infrastruktur zum Opfer (was der Deutschen Bahn unter anderem massive Kritik vom Fahrgastverband Pro Bahn einbrachte). So gibt es etwa am Endpunkt Oberammergau seit der Sanierung im Herbst 2005 nur noch ein Gleis (die restliche Fläche wurde unter anderem mit einem Busbahnhof überbaut), in diesem Zusammenhang wurde die Endstation von einem Bahnhof zu einem Haltepunkt zurückgestuft. Gleichermaßen zu einfachen Haltepunkten zurückgestuft wurden die Bahnhofe Grafenaschau und Unterammergau, dort können sich seither keine Züge mehr begegnen. Bedingt durch diese Rationalisierungsmaßnahmen sind auf der Strecke nach Oberammergau tagsüber keine Sonderfahrten mehr möglich (weil keine Kreuzungsmöglichkeiten mehr zur Verfügung stehen), die einzig verbliebene Kreuzungsmöglichkeit in Bad Kohlgrub wird für den Planbetrieb benötigt (dort kreuzen die Züge stündlich). Ferner kann am Endpunkt Oberammergau nicht mehr umgesetzt werden, dorthin können nur noch Wendezüge oder Triebzüge eingesetzt werden.

Im Bereich Bad Kohlgrub wurden 10 Kilometer der etwa 80 Jahre alten Gleise erneuert, die neuen Schienen wurden dabei endlos verschweißt. Ferner wurde die Strecke 2005 mit dem digitalen Zugfunksystem GSM-R ausgestattet. Seit dem 28. November 2008 wird die Strecke vom elektronischen Stellwerk Garmisch-Partenkirchen aus ferngesteuert. Durch diese Maßnahme kann auch der bislang in Bad Kohlgrub eingesetzten Fahrdienstleiter eingespart werden.

Eine Kuriosität gibt es am Bedarfshalt Jägerhaus: dort fahren die Züge bei Dunkelheit aus Sicherheitsgründen ohne Halt durch, weil es an diesem Haltepunkt keine Bahnsteigbeleuchtung gibt.

Fahrzeugeinsatz

Nachdem die Ursprungs-Lokomotiven der Baureihe 169 Anfang der 1980er-Jahre wegen völliger Überalterung ausgemustert wurden, ersetzte man sie durch Lokomotiven der Baureihe 141. Am eingesetzten Wagenmaterial änderte sich dadurch nichts, es wurden weiterhin die sogenannten Silberlinge eingesetzt (zwei Wagen je Zug). Vor wenigen Jahren wurden die lokbespannten Züge schließlich durch moderne Triebwagen der Baureihen 425 bzw. 426 abgelöst (für den Planbetrieb werden zwei Umläufe benötigt), die letzten Wendezüge mit der Baureihe 141 verkehrten im Herbst 2004.

Literatur

  1. Horst-Werner Dumjahn: Handbuch der deutschen Eisenbahnstrecken; Eröffnungsdaten 1835-1935. Nachdruck nach Vorlage Reichsbahn 1935; Dumjahn, Mainz 1984, ISBN 3-921426-29-4
  • Ralf Roman Rossberg: Die Lokalbahn Murnau–Oberammergau. Frankh’sche Verlagshandlung, Stuttgart 1970, ISBN 3-440-03731-2
  • Ralf Roman Rossberg: Die Lokalbahn Murnau–Oberammergau. In: Eisenbahn-Kurier. Nr. 215/Jahrgang 24/1990. EK-Verlag GmbH, ISSN 0170-5288, S. 46–48.
  • Bernd Mühlstraßer: Die Baureihe E 69: Die bayerischen Localbahn-Elloks und die Strecke Murnau–Oberammergau. EK-Verlag GmbH, Freiburg 2005, ISBN 3-88255-169-0
  • Peter Blath: Die Lokalbahn Murnau - Oberammergau im Buch:

"Schienenverkehr im Werdenfelser Land" Sutton-Verlag Erfurt 2005 ISBN 3-89702-886-7

Weblinks


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