Bahnstrecke Neckarbischofsheim-Hüffenhardt
Krebsbachtalbahn
Strecke der Krebsbachtalbahn
Kursbuchstrecke (DB): 707
Streckennummer: 9410
Streckenlänge: 17,0 km
Maximale Neigung: 22 
Minimaler Radius: 180 m
Legende
Strecke – geradeaus
Schwarzbachtalbahn von Meckesheim
Bahnhof, Station
0,0 Neckarbischofsheim Nord
Abzweig – in Fahrtrichtung: nach links
Schwarzbachtalbahn nach Aglasterhausen
Bahnhof, Station
2,8 Neckarbischofsheim Stadt
Bahnhof, Station
5,9 Neckarbischofsheim Helmhof
Bahnhof, Station
7,6 Untergimpern
8,9 Obergimpern Zementwerk
Bahnhof, Station
10,5 Obergimpern
Bahnhof ohne Personenverkehr – Dienststation, Betriebs- oder Güterbahnhof
13,6 Siegelsbach Wald
Bahnhof, Station
14,7 Siegelsbach
16,9 Hüffenhardt

Die Krebsbachtalbahn ist eine 17 km lange Nebenbahn im Norden von Baden-Württemberg, die bei Neckarbischofsheim Nord von der Schwarzbachtalbahn (Meckesheim–Aglasterhausen) abzweigt und nach Hüffenhardt verläuft.

Inhaltsverzeichnis

Topografie

Die Krebsbachtalbahn erschließt den äußersten Nordosten des Kraichgaus. Ihren Namen erhielt sie vom Krebsbach, einem Nebenfluss des Schwarzbach, dem sie von Neckarbischofsheim bis Obergimpern folgt. Von Neckarbischofsheim Nord bis Untergimpern befindet sich die Bahnlinie innerhalb des Rhein-Neckar-Kreis, Obergimpern und Siegelsbach sind Teil des Landkreis Heilbronn, die Endstation Hüffenhardt liegt im Neckar-Odenwald-Kreis.

Interessant ist die geografische Situation des Ausgangsbahnhofs Neckarbischofsheim Nord, an dem die Strecke von der Schwarzbachtalbahn abzweigt: Er liegt drei Kilometer von der Stadt Neckarbischofsheim entfernt und nicht einmal auf deren Gemarkung, sondern auf dem Terrain von Waibstadt und erschließt dessen Stadtteil Bernau.

Geschichte

Zug im Bahnhof Neckarbischofsheim Stadt ca. 1905

Planung und Bau

Im Zuge des Baus der Badischen Odenwaldbahn war die Stadt Neckarbischofsheim außer Acht geblieben; denn die Bahn führte drei Kilometer an ihr vorbei. Zwar war die Stadt in der Folgezeit bemüht, wenigstens einen Bahnhaltepunkt zu bekommen, was jedoch am Widerstand der Badischen Staatseisenbahnen scheiterte, die auf die geringe Nutzung der nächstgelegenen Stationen Waibstadt und Helmstadt verwiesen.

Erst im Jahr 1887 erhielt Neckarbischofsheim an der ehemaligen Odenwaldbahn-Teilstrecke Meckesheim-Neckarelz einen Bahnhof. Allerdings blieb dessen Ausführung eher bescheiden. So wurde beispielsweise darauf verzichtet, Güterladegleise zu errichten. Der Grund hierfür war, dass das Kosten-Nutzen-Verhältnis ansonsten negativ ausgefallen wäre. Dies hatte zur Folge, dass sich die Stadt Neckarbischofsheim für den Bau einer Nebenbahn einsetzte. Aber auch die Kalkbrüche zwischen Helmhof und Obergimpern favorisierten einen Bahnanschluss. Daher gründete sich in den neunziger Jahren des 19. Jahrhunderts ein entsprechendes Bahnkomitee, das sich für eine Nebenbahn von Neckarbischofsheim über Obergimpern und Siegelsbach bis nach Hüffenhardt einsetzte. Dieses richtete sich wiederum die Firma Lenz & Co, die daraufhin eine Projektstudie durchführte. Die Realisierung des Projekts erfolgte als Privatbahn durch die Badische Lokal-Eisenbahnen (BLEAG), einer Tochtergesellschaft von Lenz & Co.

War ursprünglich Waibstadt als Ausgangspunkt der Nebenbahn vorgesehen, wobei die Nebenbahn bis zur Station Neckarbischofsheim der Staatsbahnstrecke folgen sollte, so scheiterte dies am Widerstand der Waibstädter Bevölkerung, die durch dort stationierte Lokomotiven eine Ruß- und Rauchbelästigung befürchtete. Am 6. Februar 1900 legte die badische Regierung ein Gesetz vor, das den Bau dieser Nebenbahn beinhaltete. Da sich in Obergimpern der Grunderwerb für den Bahnbau schwierig gestaltete, konnte die Strecke erst ab März 1902 gebaut werden. Trotzdem verlief die Errichtung der Bahnlinie sehr schnell.

Entwicklung bis heute

Anlagen der Krebsbachtalbahn in Untergimpern, April 2009

Die Strecke wurde am 15. Oktober 1902 eröffnet; einen Tag später begann der planmäßige Verkehr. In der Folgezeit stellte sich jedoch heraus, dass das Verkehrsaufkommen hinter den Erwartungen zurückblieb. Dies hatte zur Konsequenz, dass die BLEAG 1927 bei der badischen Regierung beantragte, die Bahn stillzulegen. Um das zu verhindern, wurde vereinbart, dass die finanziellen Verluste, die die Strecke verursachte, von staatlicher Seite ausgeglichen werden sollten.

Im Jahr 1931 wechselte die Strecke den Eigentümer, nachdem die BLEAG im Zuge der Weltwirtschaftskrise Konkurs anmelden musste. Neuer Eigentümer war die Deutsche Eisenbahn-Betriebsgesellschaft (DEBG). Das änderte jedoch nichts an den Defiziten der Bahnlinie. 1940 wurde ein Anschlussgleis zu dem 1939 eröffneten Munitionsdepot in der Nähe von Siegelsbach gebaut und die Gleisanlage im Siegelsbacher Bahnhof erweitert.

Während sich der Güterverkehr auf der Krebsbachtalbahn nach dem Zweiten Weltkrieg positiv entwickelte, stagnierten die Beförderungszahlen im Personenverkehr. Deshalb übernahm 1963 die Südwestdeutsche Eisenbahn-Gesellschaft (SWEG) die Strecke, die ihr den offiziellen Namen NH (Neckarbischofsheim - Hüffenhardt) gab. Mitte der sechziger Jahre wurde der Betrieb mit Dampflokomotiven zugunsten von Dieseltriebwagen aufgegeben.

Nachdem die Strecke Meckesheim–Neckarelz, von der die Strecke abzweigt, 1945 durch die Sprengung der Neckarbrücke zwischen Obrigheim und Neckarelz unterbrochen und 1971 der Abschnitt Aglasterhausen-Obrigheim stillgelegt worden war, liebäugelte die DB damit, den Betrieb auf der Reststrecke ebenfalls einzustellen. Da dies jedoch ebenso für die Krebsbachtalbahn das Aus bedeutet hätte, entschloss sich die SWEG, zum 1. Januar 1982 den Streckenabschnitt Meckesheim–Aglasterhausen von der DB zu übernehmen. Im Zusammenhang mit der geplanten Integration Letzterer in das Netz der S-Bahn RheinNeckar soll die Krebsbachtalbahn ab dem 31. Juli 2009 jedoch stillgelegt, zumindest aber nicht mehr im Regelverkehr bedient werden.

Betrieb

Verkehr

MAN-Schienenbus der SWEG im Endbahnhof Hüffenhardt

Seit die Bahnstrecke Meckesheim–Aglasterhausen Anfang der achtziger Jahre durch die SWEG übernommen wurde, bildet die Krebsbachtalbahn zusammen mit dieser betrieblich gesehen eine Einheit; der offizielle SWEG-Name lautet seit 1982 MAH (Meckesheim–Aglasterhausen / Hüffenhardt).

Während ihre Bedeutung ursprünglich vor allem im Transport landwirtschaftlicher Güter lag, steht heute der Schülerverkehr nach Neckarbischofsheim im Mittelpunkt.

Der Verkehr findet nur von Montag bis Freitag zwischen sechs und 18 Uhr statt. Seit Mai 2007 findet aufgrund von Lokführermangels nur noch bis 14.30 Uhr Verkehr statt. Gefahren wird dabei im Zweistundentakt, wobei jedoch kein richtiger „Taktfahrplan“ existiert. An Schultagen gibt es morgens außerdem Züge der Relation von Aglasterhausen – Hüffenhardt. Hierbei wird in Neckarbischofsheim Nord die Fahrtrichtung gewechselt und der Zug fährt anschließend bis zum nächsten Bahnhof der Krebsbachtalbahn. Diese Route wurde vor allem im Interesse des Schülerverkehrs und insbesondere wegen des in Neckarbischofsheim ansässigen Adolf-Schmitthenner-Gymnasiums festgelegt. Außerdem verkehrt werktags am Morgen ein Zug von Meckesheim, dem Ausgangspunkt der Schwarzbachtalbahn, bis nach Hüffenhardt.

Angesichts des jährlichen Betriebskostenzuschuss von 365.000 Euro hat der zuständige ÖPNV-Aufgabenträger Nahverkehrsgesellschaft Baden-Württemberg (NVBW) den Schienenpersonennahverkehr zum 31. Juli 2009 abbestellt.[1]

MAN-Schienenbus der SWEG im Bahnhof Neckarbischofsheim Stadt

Fahrzeugeinsatz

In den beiden ersten Jahrzehnten des Betriebs kamen die beiden Vulcan-B-Loks 3c und 4c der BLEAG zum Einsatz. Mitte der Sechziger wurde der Dampfzugbetrieb − wie auf allen Strecken der SWEG, die zwischenzeitlich Betreiber der Krebsbachtalbahn war − zugunsten von Dieseltriebwagen aufgegeben. Ab 1969 verkehrten Esslinger VT 114 auf der Bahnlinie, die jedoch von überwiegend anderen, zwischenzeitlich stillgelegten SWEG-Strecken kamen. Ab 1982, als auch die Strecke Meckesheim–Aglasterhausen von der SWEG übernommen wurde, fuhren auch fabrikneue NE81-Triebwagen auf der Krebsbachtalbahn sowie vereinzelt solche von MAN. Im Jahr 1998 endete schließlich der Einsatz der Esslinger Triebwagen auf der Strecke.

Der Personenverkehr wird heute mit Dieseltriebwagen von MAN und Triebwagen vom NE 81 bedient. Bei Ersteren handelt es sich um sogenannte Verbrennungstriebwagen (VT).

Güterverkehr

Entlang der Strecke wurde in relativ großem Umfang Güterwagen mit Holz aus dem Kleinen Odenwald beladen, die ebenfalls mit NE-81-Triebwagen befördert wurden. Nachdem aber die Güterverkehrsgleise am Ende der Schwarzbachtalbahn (Baden) in Meckesheim entfernt wurden, ist ein Umschlag von der SWEG auf die DB nicht mehr möglich. Zudem wurden die beiden NE-81-Triebwagen zu anderen SWEG-Betriebsstellen abgegeben. Darüber hinaus wird das Siegelsbacher Depot der Bundeswehr gelegentlich bedient. [2]

Zukunft

Im Zusammenhang mit der Integration der Schwarzbachtalbahn in das Netz der S-Bahn RheinNeckar im Jahr 2009 wird die SWEG den Schienenpersonenverkehr auf der Strecke zum 31. Juli einstellen. Da bereits viele Mitarbeiter der SWEG Waibstadt wegen der absehbaren Stilllegung gekündigt haben, herrscht ein Lokführermangel, weshalb rund die Hälfte der planmäßigen Fahrten im Mai 2007 auf Busverkehr umgestellt wurden. Für den Fall einer Gesamt-Stilllegung gibt es seitens der Anliegergemeinden und des Landratsamtes Überlegungen, die Strecke mittels eines Museumsbahnbetriebes für die Zukunft zu erhalten.[3][4]. Die Deutsche Bahn brachte einen Weiterbetrieb "auf einfachem technischen Niveau" ins Gespräch.[5] Die Lokomotivenfabrik Gmeinder aus Mosbach hat am 5. März 2008 am Bahnhof Neckarbischofsheim Nord ein neues Zweigwerk in Betrieb genommen, in dem Lokomotiven modernisiert oder repariert werden.[6] Die Strecke soll in diesem Zusammenhang künftig für Testfahrten genutzt werden.[7]

Einzelnachweise

  1. Vgl.: www.eurailpress.de, "SWEG: Krebsbachtalbahn wird stillgelegt". 23. April 2009. Abgerufen am 23. April 2009.
  2. der schienenbus. 6/2005, S. 79
  3. Bahn-Report 3/2006, S. 72
  4. Rhein-Neckar-Zeitung vom 24. Januar 2006
  5. Rhein-Neckar-Zeitung vom 18. Oktober 2008.
  6. http://www.glfg.de/news.html Pressemitteilung Gmeinder.
  7. Rhein-Neckar-Zeitung vom 26. Februar 2008.

Literatur

  • Thomas Estler: Eisenbahnreiseführer Baden-Württemberg, Bd.2, Nordschwarzwald, Hohenlohe, Schwäbischer Wald, Kraichgau. Transpress, Stuttgart 1999, ISBN 3-613-71106-0. 
  • Thomas Estler: Esslinger Triebwagen. transpress Fahrzeugportrait. Transpress, Stuttgart 2002, ISBN 3-613-71182-6. 
  • Hans-Wolfgang Scharf: Eisenbahnen zwischen Neckar, Tauber und Main. Bd. 1: Historische Entwicklung und Bahnbau. EK-Verlag, Freiburg (Breisgau) 2001, ISBN 3-8825-5766-4. 
  • Hans-Wolfgang Scharf: Eisenbahnen zwischen Neckar, Tauber und Main. Bd. 2: Ausgestaltung, Betrieb und Maschinendienst. EK-Verlag, Freiburg (Breisgau) 2001, ISBN 3-8825-5768-0. 
  • Gerd Wolff, Hans-Dieter Menges: Deutsche Kleinbahnen und Privatbahnen, Bd.2, Baden. EK-Verlag, Freiburg (Breisgau) 1992, ISBN 3-88255-6536. 

Weblinks


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