Bahnstrecke Nienhagen–Dedeleben–Jerxheim
Jerxheim–Nienhagen
Kursbuchstrecke (DB): ex 319 (DBAG), ex 715 (DR)
Streckennummer: 1943
Streckenlänge: 32,9 km
Spurweite: 1435 mm (Normalspur)
Legende
von Börßum
von Wolfenbüttel
0,0 Jerxheim
nach Helmstedt und nach Oschersleben
5,0 Dedeleben
7,6 Vogelsdorf
9,6 Badersleben
13,0 Anderbeck
16,2 Dingelstedt b. Halberstadt
20,0 Eilenstedt
28,6 Schwanebeck
von Magdeburg
Bahnhof, Station
32,9 Nienhagen
nach Aschersleben
Strecke – geradeaus
nach Halberstadt

Die Bahnstrecke Jerxheim–Nienhagen war eine eingleisige, nicht elektrifizierte Nebenbahn im (heutigen) südöstlichen Niedersachsen und im westlichen Sachsen-Anhalt. Sie wurde landläufig auch Huy-Bahn genannt. Der Huy ist ein Höhenzug nahe der Strecke.

Inhaltsverzeichnis

Streckenbeschreibung

Die Strecke querte etwa einen Kilometer hinter Jerxheim die Grenze zwischen den heutigen Bundesländern Niedersachsen und Sachsen-Anhalt und damit die ehemalige innerdeutsche Grenze. Nach fünf Kilometern wurde in südlicher Richtung der langjährige Endbahnhof Dedeleben erreicht. Dort sorgte lange eine Zuckerfabrik für Güterverkehr. In Badersleben knickte die Strecke dann im rechten Winkel nach Osten ab und verlief auf rund 15 Kilometer Länge parallel zum Huy. Von Anderbeck führte bis 1974 eine Stichstrecke in südlicher Richtung zum Huy. Vor und hinter Schwanebeck wies die Strecke erneut 90-Grad-Kurven auf. In Nienhagen wurde dann die Hauptstrecke Magdeburg–Halberstadt sowie die Aschersleben-Schneidlingen-Nienhagener Eisenbahn erreicht.

Geschichte

Bau und Planung

Hauptgrund für den Bau war die geplante Abfuhr von Salzen, die die Gewerkschaft Wilhelmshall förderte, das Zementwerk in Schwanebeck und die umliegenden Zuckerfabriken. Vorangegangen war 1868 das Ende des staatlichen Salzmonopols in Preußen, das einen beträchtlichen Aufschwung in dieser Branche bewirkte. Der kurvenreiche Trassenverlauf spiegelte dies wider, da möglichst viele Orte angeschlossen werden sollten. Die Bahnstrecke wurde am 15. August 1890 in Betrieb genommen.

Die Zeit bis 1945

1891 wurde die Anschlussbahn von Anderbeck zum Kalibergwerk an der Nordseite des Huy eröffnet. 1907 wurde das Zementwerk bei Schwanebeck durch eine Stichstrecke mit 750 mm Spurweite an die Bahnstrecke Jerxheim–Nienhagen angeschlossen. Vom Zementwerk führte eine Feldbahn mit 600 mm Spurweite zu einem Steinbruch, über den das Werk mit Kalk versorgt wurde.

1914 gab es Überlegungen, eine Strecke Oschersleben–Dedeleben–Heudeber-Danstedt mit einer Stichstrecke Dedeleben–Schlanstedt zu errichten. Hauptinitiator war die Schlanstedter Saatzucht des Unternehmers Strube. Der Kriegsbeginn verhinderte dieses Vorhaben, und es wurde schließlich eine 600-mm-Feldbahn, die Strube-Bahn, vom Bahnhof Eilenstedt nach Schlanstedt gebaut.

Der Personenverkehr auf der Strecke Jerxheim–Nienhagen spielte schon zu Anfang eine untergeordnete Rolle. Die meisten Passagiere waren Pendler zu den Industriebetrieben an der Strecke. Schon 1926 wurde die Salzförderung aufgegeben. Die eigens gebaute Anschlussbahn von Anderbeck nach Wilhelmshall blieb jedoch erhalten und wurde 1934 von der Wehrmacht reaktiviert. In den Schächten des Bergwerks die Heeresmunitionsanstalt Dingelstedt b. Halberstadt, kurz „Muna“, eingerichtet. 1944 waren hier rund 600 Angestellte und Zwangsarbeiter mit der Produktion von Munition beschäftigt, die über die Anschlussstrecke abgefahren wurde. Am 21. September 1944 kam es zu zwei Explosionen mit 59 Toten, von denen eine durch Munition in einem Güterwagen ausgelöst wurde. 1945 kam die Produktion aufgrund des Endes des Zweiten Weltkriegs zum Erliegen.

Der Betrieb auf dem Abschnitt von Jerxheim–Dedeleben wurde in Folge der Errichtung der innerdeutschen Grenze unterbrochen; die Strecke abgebaut. Fortan fand nur noch auf dem Abschnitt Dedeleben–Nienhagen Bahnverkehr statt.

Die Zeit nach 1945

Die Anschlussstrecke zur ehemaligen Munitionsanstalt wurde weiterhin zum Güterumschlag angrenzender Unternehmen benutzt. Nachdem feststand, dass eine Wiederinbetriebnahme des Kalibergwerks unrentabel war, wurde diese Strecke 1974 abgebaut.

Bereits 1969 war die Feldbahn nach Schlanstedt stillgelegt worden. Noch heute existiert dort ein Feldbahnmuseumsbetrieb.

Das Schwanebecker Zementwerk blieb länger an das Streckennetz angeschlossen. 1951 wurde eine neue, normalspurige Anschlussbahn zwischen Bahnhof und Zementwerk in Betrieb genommen. Ebenso wurde ein neues 900-mm-Gleis zum Steinbruch verlegt, so dass dort teilweise ein Dreischienengleis entstand.

Erste Stilllegungsbestrebungen

Schon Anfang der 1970er Jahre gab es erste Stilllegungsbestrebungen für die Strecke Dedeleben–Nienhagen, da der Oberbau in einem schlechten Zustand war. Es erfolgte jedoch noch einmal eine Totalsanierung, vor allem im Sommer 1974. Die hierbei verbauten Betonschwellen wiesen jedoch nach einigen Jahren starke Alkali-Schäden auf. Nur mit großer Mühe konnte die Strecke in einem befahrbaren Zustand gehalten werden. Im Winterhalbjahr 1975/76 befuhren täglich sieben Personenzugpaare die Strecke. Alle Züge waren von und nach Halberstadt durchgebunden.

Das Ende

Durch die Wende brach der Güterverkehr und damit die Existenzgrundlage dieser Verbindung weitgehend zusammen. Der Personenverkehr erlitt ähnliche Einbußen. Daher erfolgten schon 1990 erste Rationalisierungen. 1992 stellte einer der Hauptgüterkunden, das Zementwerk Schwanebeck, die Produktion ein. Auch die bis dahin verkehrenden Getreidezüge aus Badersleben wurden eingestellt. In Folge dessen wurde der Güterverkehr zwischen Schwanebeck und Dedeleben am 22. Mai 1993 eingestellt, auf der Strecke Nienhagen–Schwanebeck am 1. Juni 1997. Der Personenverkehr wurde in den letzten Jahren des Bestehens mit Schienenbussen der Baureihen 771 und 772 durchgeführt. Hinzu kamen weitere Oberbaumängel. Zum 1. April 2000 sperrte die DB Netz AG die Strecke, da einige Brücken und Durchlässe nun nicht mehr verkehrssicher waren. Am 1. August 2001 erfolgte die Stilllegung durch das Eisenbahnbundesamt.

Diskussion eines Lückenschlusses

Ein Wiederaufbau der Strecke von Jerxheim zum fünf Kilometer entfernten Dedeleben war nach der Wende zwar von vielen Seiten gefordert worden. Jedoch blieb es bei Absichtserklärungen, zumal mit dem Lückenschluss eine Sanierung der gesamten Strecke hätte einher gehen müssen. Die Strecke Jerxheim–Nienhagen sollte für eine direkte Verbindung Braunschweig–Halberstadt genutzt werden, doch ist diese Relation auch als Umsteigeverbindung über Vienenburg möglich.

Wie nahe ein Lückenschluss war, zeigt eine von Mitgliedern von Bündnis 90/Die Grünen 1996 im Bahnhof Jerxheim organisierte „Lückenschlussparty“.

Seit 2007 ist auch der Bahnhof Jerxheim ohne Verkehr, da die Personenzüge auf dem Abschnitt Schöppenstedt–Helmstedt abbestellt wurden.

Literatur

  • Dirk Endisch: Die Nebenbahn Nienhagen–Jerxheim. Verlag Dirk Endisch, Leonberg-Höfingen 2005, ISBN 3-936893-26-8

Weblinks


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