Stibnit
Stibnit
(Antimonit, Antimonglanz, Antimonsulfid, Grauspießglanz)
Stibnite-271372.jpg
Teilweise buntfarbig angelaufene, langprismatische Stibnitkristalle mit typischer Längsstreifung aus der Ichinokawa Mine, Japan
Gesamtgröße der Stufe: 37 × 9 × 7,5 cm
Chemische Formel Sb2S3
Mineralklasse Sulfide, Sulfosalze – Metall:Schwefel (Selen,Tellur) < 1:1
2.DB.05 (8. Auflage: II/D.08-20) (nach Strunz)
02.11.02.01 (nach Dana)
Kristallsystem orthorhombisch
Kristallklasse orthorhombisch-dipyramidal 2/m\ 2/m\ 2/m
Farbe stahl- bis bleigrau, buntfarbig anlaufend
Strichfarbe bleigrau
Mohshärte 2 bis 2,5
Dichte (g/cm3) 4,6 bis 4,7
Glanz Metallglanz, matt
Transparenz undurchsichtig
Bruch muschelig, biegsam
Spaltbarkeit sehr vollkommen nach {010}
Habitus prismatisch, nadelig, radialstrahlig, körnig
Weitere Eigenschaften
Schmelzpunkt 550 °C
Ähnliche Minerale Enargit, Manganit, Zinkenit

Stibnit, auch unter den Namen Antimonit, Antimonglanz, Antimonsulfid oder Grauspießglanz bekannt, ist ein häufig vorkommendes Mineral aus der Mineralklasse der „Sulfide und Sulfosalze“. Er kristallisiert im orthorhombischen Kristallsystem mit der chemischen Zusammensetzung Sb2S3. Chemisch gesehen ist Stibnit damit ein Antimon(III)-sulfid (auch Antimontrisulfid), wenn man Antimon als Metall ansieht.

Stibnit ist undurchsichtig und entwickelt meist kurze bis lange, prismatische, nadelige oder radialstrahlige Kristalle, aber auch massige Aggregate von bleigrauer Farbe und Strichfarbe. Die Stibnitkristalle sind typischerweise in Längsrichtung gestreift, zeigen im frischen Zustand einen ausgeprägten Metallglanz und können Längen bis über einem Meter erreichen.

Inhaltsverzeichnis

Besondere Eigenschaften

An der Luft verblasst der Glanz des Stibnits mit der Zeit und läuft buntfarbig an. Die Mohshärte beträgt je nach Reinheit 2 bis 2,5 (VHN100 = 71 bis 86 kg/mm²[1]) und die Dichte zwischen 4,6 bis 4,7 g/cm³.

Stibnit wird gelegentlich mit Galenit verwechselt, unterscheidet sich von diesem jedoch dadurch, dass es bereits in der Streichholzflamme schmilzt.

Etymologie und Geschichte

Das Mineral ist bereits seit der Antike bekannt und wurde als schwarzer Schminkpuder zum Färben von Augenlidern und Augenbrauen verwendet. Dunkel gefärbte Augenränder gelten in der arabischen Kultur als Schönheitsideal und zugleich als magisches Abwehrmittel. In der Antike Griechenlands wurde es zudem zur Herstellung von Bronze eingesetzt.

Im arabischen Sprachraum ist al-kuhl (arabischالكحل‎, das Färbende) das Wort für den traditionellen arabischen Antimon-Schminkpuder. Francis Bacon führte 1626 in seiner "Sylva sylvarum; or a naturall historie" diesen aus einem Mineral erstellten Puder unter dem Begriff Alcohole auf.[2]

Der Mineralname Stibnit leitet sich von den griechischen Worten stimmi oder stibi sowie dem lateinischen Wort stibium ab, die diesen schwarzen, mineralischen Puder bezeichnen. Ausgehend von dem lateinischen stibium führte François Sulpice Beudant 1832 den Namen Stibine[3] ein, der von James Dwight Dana 1854 zu Stibnite geändert wurde.[2]

Der Name Antimonit wird ungefähr seit 1834 als chemischer Name für die Salze der Antimonsäure verwendet und Wilhelm Haidinger leitete 1845 daraus den Mineralnamen Antimonit ab.[2]

Klassifikation

In der mittlerweile veralteten, aber noch gebräuchlichen 8. Auflage der Mineralsystematik nach Strunz gehörte der Stibnit zur Mineralklasse der „Sulfide und Sulfosalze“ und dort zur Abteilung der „Sulfide mit dem Stoffmengenverhältnis Metall : Schwefel, Selen, Tellur < 1 : 1“, wo er zusammen mit Antimonselit, Bismuthinit, Guanajuatit, Metastibnit, Ottemannit und Pääkkönenit eine eigene Gruppe bildete.

Die seit 2001 gültige und von der International Mineralogical Association (IMA) verwendete 9. Auflage der Strunz’schen Mineralsystematik ordnet den Stibnit ebenfalls in die Klasse der „Sulfide und Sulfosalze“ ein, allerdings erweitert um die ebenfalls verwandten Selenide, Telluride, Arsenide, Antimonide, Bismutide, Sulfarsenite, Sulfantimonite und Sulfbismuthite. Die Abteilungen dieser Klasse sind teilweise neu definiert und weiter unterteilt nach dem genauen Verhältnis zwischen Metall und Schwefel und/oder dem dominierenden Metallion der Verbindung. Das Mineral ist entsprechend seiner Zusammensetzung in der Abteilung der „Metallsulfide mit M : S =3 : 4 und 2 : 3“ und dort in der Unterabteilung „M : S = 2 : 3“ zu finden ist, wo es ebenfalls zusammen mit Antimonselit, Bismuthinit, Guanajuatit, Metastibnit und Pääkkönenit die unbenannte Gruppe 2.DB.05 bildet.

Auch die vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchliche Systematik der Minerale nach Dana ordnet den Stibnit in die Klasse der „Sulfide (und Verwandte)“ und dort in die Abteilung der „Sulfidminerale“ ein. Hier ist namensgebendes Mineral der „Stibnitgruppe (Orthorhombisch: Pbnm)“ mit der System-Nr. 02.11.02 und den weiteren Mitgliedern Antimonselit, Bismuthinit und Guanajuatit innerhalb der Unterabteilung „Sulfide - einschließlich Seleniden und Telluriden - mit der Zusammensetzung AmBnXp, mit (m+n) : p = 2 : 3

Modifikationen und Varietäten

Die Verbindung Sb2S3 ist dimorph, das heißt in der Natur tritt sie neben dem orthorhombisch kristallisierenden Stibnit noch als amorpher Metastibnit auf.

Bildung und Fundorte

40,5 × 2,4 × 1,3 cm großer Stibnitkristall aus Qinglong, Provinz Guizhou, China

Stibnit bildet sich in Hydrothermalen Erzadern in einem weiten Temperaturbereich etwa zwischen 300 bis 1000 °C. Dort tritt er in Paragenese mit vielen weiteren Sulfidmineralen wie unter anderem Arsenopyrit, Auripigment, Cinnabarit, Galenit, Markasit, Pyrit, Realgar, aber auch mit Ankerit, Calcit, Baryt, Cervantit, Stibiconit und Quarz (meist in Form von Chalcedon) auf.

Weltweit konnte Stibnit bisher (Stand: 2010) an über 2500 Fundorten nachgewiesen werden, so unter anderem in Algerien, der Antarktis, in Argentinien, Australien, Bolivien, Bosnien und Herzegowina, Brasilien, Bulgarien, Chile, China, Costa Rica, Deutschland, Ecuador, Fidschi, Finnland, Frankreich, Georgien, Ghana, Griechenland, Guatemala, Indonesien, Iran, Irland, Isle of Man, Italien, Japan, Kambodscha, Kanada, auf der Kanalinsel Jersey, in Kasachstan, Kirgisistan, Kolumbien, Kosovo, Kuba, Luxemburg, Madagaskar, Malaysia, Marokko, Mazedonien, Mexiko, Mongolei, Namibia, Neukaledonien, Neuseeland, Niger, Norwegen Österreich, Pakistan, Papua-Neuguinea, Peru, den Philippinen, Polen, Portugal, Rumänien, Russland, Saudi-Arabien, Schweden, Schweiz, Serbien, Simbabwe, Slowakei, Slowenien, Spanien, Südafrika, Südkorea, Tadschikistan, Taiwan, Tansania, Thailand, Tschechien, Türkei, Ukraine, Ungarn, Usbekistan, im Vereinigten Königreich (Großbritannien) und den Vereinigten Staaten von Amerika (USA).[4]

Bekannt sind vor allem die Antimon-Lagerstätte bei Xikuangshan in der chinesischen Provinz Hunan, in der über einen Meter lange Kristalle gefunden wurden sowie die „Ichinokawa Mine“ auf Shikoku in Japan, aus der bis zu 60 cm lange Kristalle zutage traten. Auch die „White Caps Mine“ bei Manhattan (Nye County) in Nevada liefert große Kristalle von bis zu 20 cm Länge und bei Kadamdzhai in Kirgisistan wurden Kristalldrusen mit einem Durchmesser bis etwa 15 cm gefunden, in denen Stibnit oft mit Fluorit, Baryt und Calcit vergesellschaftet ist.

Kristallstruktur

Kristallstruktur von Stibnit

Stibnit kristallisiert orthorhombisch in der Raumgruppe Pbnm mit den Gitterparametern a = 11,23 Å; b = 11,31 Å und c = 3,84 Å sowie 4 Formeleinheiten pro Elementarzelle.[5]

Die Moleküle des Antimonsulfids bilden Doppelketten in Richtung der c-Achse, daher auch die typische Längsstreifung der Kristalle und die sehr vollkommene Spaltbarkeit parallel dieser Richtung.

Verwendung

Wirtschaftliche Bedeutung hat das Mineral durch seinen hohen Antimon-Gehalt von bis zu 71,7 %.[6] Dieses sehr seltene Metall, das lediglich 0,00002 % der Erdkruste ausmacht und als Legierungselement in gehärtetem Getriebestahl, als Zumischung in Batterieblei und in der Halbleiterindustrie Verwendung findet, wird hauptsächlich aus Stibnit gewonnen. Hauptexporteur war im Jahre 2003 die Volksrepublik China.

Siehe auch

Literatur

  • Petr Korbel, Milan Novák: Mineralien Enzyklopädie. Nebel Verlag, Eggolsheim 2002, ISBN 3-89555-076-0, S. 39.
  • Martin Okrusch, Siegfried Matthes: Mineralogie: Eine Einführung in die spezielle Mineralogie, Petrologie und Lagerstättenkunde. 7 Auflage. Springer Verlag, Berlin / Heidelberg / New York 2005, ISBN 3-540-23812-3.
  • L.J. Spencer: Some Mineral Names. In: American Mineralogist. 22, 1937, S. 682–685 (PDF 271 kB).

Weblinks

 Commons: Stibnit – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. MinDat - Stibnite (englisch)
  2. a b c L.J. Spencer: Some Mineral Names.
  3. F.S. Beudant: Traité élémentaire de minéralogie. Verdière, Paris 1832.
  4. Localities for Stibnite – Mindat
  5. Hugo Strunz, Ernest H. Nickel: Strunz Mineralogical Tables. 9 Auflage. E. Schweizerbart’sche Verlagsbuchhandlung (Nägele u. Obermiller), Stuttgart 2001, ISBN 3-510-65188-X, S. 95.
  6. Stibnite – Webmineral (englisch)

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