Bahnstrecke Seesen–Derneburg
Derneburg–Seesen
Kursbuchstrecke (DB): ex 241, ex 206e
Streckennummer: 1823
Streckenlänge: 31 km
Spurweite: 1435 mm (Normalspur)
Legende
Strecke – geradeaus
aus Hildesheim
Bahnhof, Station
0 Derneburg
Abzweig – in Fahrtrichtung: nach links
nach Goslar, und ehemals Braunschweig
3,4 Wohldenberg
6,7 Nienhagen (Nette)
7,8 Schlewecke (Nette)
11 Bockenem
14,3 Königsdahlum
15,7 Bornum am Harz zu Bockenem
19,2 Großrhüden zu Seesen
23,4 Bornhausen
30,7 Seesen Landesbahnhof
aus Braunschweig und Goslar
31,1 Seesen Staatsbahnhof
nach Herzberg am Harz
nach Kreiensen

Die Bahnstrecke Derneburg–Seesen war eine 31 km lange Nebenbahn im westlichen Vorland des Harz. Sie diente hauptsächlich der regionalen Erschließung. Wichtigster Zwischenhalt war Bockenem.

Sie verlief von Derneburg an der Bahnstrecke Hildesheim–Goslar entlang dem Flüsschen Nette nach Süden. In einer großen Schleife wurde Seesen und die Bahnstrecke Braunschweig–Kreiensen erreicht.

Zwischen Derneburg und Bornum am Harz wird sie 2007 noch mit Güterzügen bedient.

Geschichte

Diese Strecke ist der südwestlichste Teil des Netzes, mit dem die Braunschweigische Landes-Eisenbahn-Gesellschaft die ländlicheren Regionen des Herzogtums erschließen wollte. Diese hatte 1886 die Bahnstrecke Braunschweig–Derneburg errichtet. Von dort aus wurde etappenweise nach Süden weiter gebaut. Am 27. Mai 1887 wurde Derneburg–Bockenem in Betrieb genommen, am 1. Oktober ging es bis Großrhüden weiter. Über eineinhalb Jahre später, am 1. Mai 1889, wurde Seesen erreicht. Die Landeseisenbahn, die formell privat war, aber vom Herzogtum finanziell unterstützt wurde, hatte einen eigenen Bahnhof in Seesen, etwa 400 m nach Nordosten vom Bahnhof der Preußischen Staatsbahn entfernt. Die heutige Straße „An der Landesbahn“ erinnert daran. Nur für den Güterverkehr wurde eine Verbindung zwischen den Bahngesellschaften eingerichtet.

1938 wurde die Landesbahn verstaatlicht und ihr Netz in die Reichsbahn eingegliedert. Seitdem fuhren die Personenzüge bis in den Seesener Staatsbahnhof. Einige Züge wechselten dort auf die Bahnstrecke Herzberg–Seesen, zeitweilig wurden Zugverbindungen von Hildesheim über Bockenem, Seesen und Osterode am Harz nach Herzberg angeboten.

Besondere oder überregionale Bedeutung erreichte diese Strecke nur wenige Tage als Umleitung für die Hannöversche Südbahn. Zusätzlich zu den bei ländlichen Nebenbahnen üblichen Problemen wurde diese Strecke dadurch entwertet, dass sie direkt parallel zur Bundesautobahn 7 verlief.

Bereits in den 1970er Jahren wurde der Personenverkehr auf fünf Züge pro Tag und Richtung zurückgenommen, ab 1982 fuhren sie nur noch werktags. 1984 wurde die angrenzende Stammstrecke der Landesbahn von Salzgitter-Lebenstedt nach Derneburg aufgegeben.

In den 1980er Jahren wurde die Strecke mit Akkutriebwagen (Baureihe 515), Wendezügen mit Dieselloks (BR 212) und Dieseltriebwagen (BR 614) bedient. Am 25. Mai 1990 fuhr der letzte planmäßige Personenzug. Zum 31. Dezember 1995 wurde der Güterverkehr eingestellt, die Strecke wurde zum 1. Januar 1996 stillgelegt.

In Bockenem produziert ein Kunststoffwerk unter anderem Innenbeschichtungen für Kesselwagen. 1996 hat das Unternehmen die Strecke Derneburg–Bornum gepachtet und betreibt sie bislang (2007) weiterhin als Werksanschluss. Der Abschnitt Seesen–Bornum ist heute unbefahrbar und offiziell stillgelegt, aber noch nicht vollständig abgebaut.

Literatur

  • Andreas Froböse: Die Nebenbahn Derneburg – Seesen, hrsg. durch die Seesener Eisenbahnfreunde, Göttingen 1990
  • Ekkehard Eder: 125 Jahre Eisenbahnstrecke Seesen – Osterode – Herzberg, 8. Sonderheft der „Heimatblätter“ des Heimat- und Geschichtsvereins Osterode am Harz und Umgebung e. V., Osterode 1996, S. 103 ff
  • Fiegenbaum/Klee: Abschied von der Schiene, Stillgelegte Bahnstrecken im Personenverkehr Deutschlands 1986 – 1990, Motorbuch Verlag, Stuttgart 1991, ISBN 3-613-01417-3, S. 28 ff

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