Bahnstrecke Ungerhausen–Ottobeuren
Ungerhausen–Ottobeuren
Kursbuchstrecke: 405e (1963)
Streckennummer: 5412
Streckenlänge: 10,717 km
Spurweite: 1435 mm (Normalspur)
Maximale Neigung: 16,67 
Minimaler Radius: 240 m
Legende
Strecke – geradeaus
von Memmingen
Bahnhof ohne Personenverkehr
0,000 Ungerhausen 615 m
   
nach Buchloe
   
zum Fliegerhorst Memmingerberg
   
2,090 Westerheim 608,2 m
   
Lagerhaus
   
6,820 Hawangen 627,3 m
   
Schinderbächle
   
Günz
   
10,717 Ottobeuren 653,6 m

Die Bahnstrecke Ungerhausen–Ottobeuren (auch Günztalbahn) war eine Nebenbahn in Bayern. Sie verband Ungerhausen mit Ottobeuren im Unterallgäu. In Ungerhausen zweigte sie von der Bahnstrecke Buchloe–Memmingen ab.

Inhaltsverzeichnis

Vorgeschichte und Bau

Nach mehreren ergebnislosen Bemühungen um einen Bahnanschluss bat Ottobeuren am 2. Juni 1891 in einer Petition um die Projektierung einer Stichbahn Ungerhausen–Ottobeuren. Am 17. Juni 1896 wurde der Baubahn durch Gesetz genehmigt, und nach den üblichen Auseinandersetzungen um die genaue Streckenführung begannen nach der endgültigen Festlegung vom 10. Februar 1899 schließlich am 15. Mai 1899 die Bauarbeiten. Ende Juli 1900 war der Streckenbau beendet. Am 15. Oktober feierte man aus Anlass der technischen Inspektion ein Bahneröffnungsfest, und einige Tage später veranstaltete man eine weitere Feier.

Strecke

Die Bahnstrecke zweigte in Ungerhausen von der Hauptbahn Buchloe–Memmingen ab und lief dann bis kurz vor Westerheim parallel zu dieser Richtung Osten. Erst dann trennten sich die Strecken.

Nach einem Schwenk nach Süden, in das Günztal, wurde die Haltestelle Westerheim erreicht, die sich etwas westlich des namengebenden Ortes befand. Dort stand zunächst ein typisch bayerisches Agenturgebäude, das aber noch vor Einstellung des Personenverkehrs durch einen einfachen Unterstand ersetzt wurde. An einem einstmals beidseitig angebundenen Nebengleis war eine Ladestraße vorhanden, von dem aus ein weiteres Stumpfgleis das Lagerhaus der örtlichen Darlehenskasse anschloss. Am Rand der Anlagen betrieb ein Sägewerk eine kurze Rollbahn.

Weiter dem Tal folgend gelangte die Trasse zur östlich der Ortschaft gelegenen Haltestelle Hawangen. Auch dort wurde ein Agenturgebäude errichtet, das bis zum Ende des Personenverkehrs Bestand hatte. Auch in Hawangen befand sich ein in beiden Richtungen angebundenes Nebengleis, an dem ein Lagerhaus der Raiffeisen-Kasse lag.

Im letzten Strecken-Abschnitt nach Ottobeuren folgten die beiden einzigen Brückenbauten, zunächst die kleinere Überquerung des Schinderbächle und kurz vor dem Endbahnhof die größere Brücke über die Günz. In Ottobeuren selbst befand sich ein größeres Empfangsgebäude mit einem Bahnsteiggleis. An mehreren Nebengleisen waren eine Güterhalle, Laderampen und auch eine Lokomotiv-Remise eingerichtet worden. Daneben hatte sich im Bahnhofsareal außerdem die BayWa mit einem eigenen Lagerhaus angesiedelt, und auch ein Sägewerk war durch eine kurze Rollbahn angebunden.

Betrieb

Am 22. Oktober 1900 wurde mit täglich sechs Zugpaaren der öffentliche Reise- und Güterzugverkehr aufgenommen, ein für damalige Verhältnisse sehr dichter Fahrplan. Es verkehrten später aber nur noch täglich vier bis fünf Zugpaare, sie fuhren meist durchgehend von und bis Memmingen.

Die ersten zugeteilten Loks waren zwei D VI, aber spätestens seit 1902 versahen vorwiegend D VII den Dienst. Bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges verkehrten zudem D IX und GtL 4/4 auf der Strecke. Letztere dominierten als Baureihe 98.8 von 1945 bis 1953 den Zugverkehr. Ihnen folgte in diesem Jahr die Baureihe 98.18, unterstützt von Lokomotiven der Baureihe 98.10.

Mitte der 1950er Jahre verkehrte kurze Zeit die Baureihe 70.0 auf der Strecke, der von 1955 bis 1957 die Baureihe 98.17 folgte. Ihren Platz übernahmen die Baureihe 64 sowie Uerdinger Schienenbusse vom Typ VT 95.

In den 1960er Jahren waren es werktags zehn Zugpaare, alle Züge führten nur die zweite Klasse, die meisten verkehrten als Triebwagen. Den bis Ende der sechziger Jahre eingesetzten GmP zog eine V 100, um 1968 unterstützt durch die Dampflokomotiven der Baureihe 50 aus dem Bahnbetriebswerk Lindau. Am 17. Dezember 1962 verunglückte ein Zug mit der Lok V 100 1151 in Ottobeuren, ohne dass es trotz des zerstörten Personenwagens, einer Donnerbüchse, zu schwereren Verletzungen kam.

Stilllegung und Sonderfahrten

Obwohl 1967 das Angebot noch auf 14 Zugpaare erweitert worden war, wurde am 1. Oktober 1972 zunächst der Personenverkehr eingestellt. Danach gab es noch vereinzelt IC-Sonderzüge aus München zu den Konzerten in der Ottobeurer Basilika, sowie von Ottobeurer Bürgern organisierte Gesellschafts-Sonderfahrten. Dazu gelangte mindestens einmal eine VT 601-Einheit in Ottobeuren an, ansonsten benutzte man als Triebfahrzeuge die Baureihe 218 mit je einer Lok an jedem Zugende – der Bahnhof Ottobeuren war zum Umsetzen der Loks zu kurz.

Die genossenschaftlichen Lagerhäuser in Westerheim und Hawangen, ein Baustoffhandel in Ottobeuren und gelegentliche Holzverladungen erhielten den Güterverkehr aufrecht, für den Lokomotiven der Baureihen 211 und 260 eingesetzt wurden. Daneben engagierte sich ein Eisenbahnverein für den Erhalt der Strecke und führte dazu Transferfahrten in einem Inspektionsfahrzeug durch.

Im Juli 1974 zog die 86 346 einen Dampfsonderzug aus Krumbach nach Ottobeuren. Am 30. April 1990 sorgte eine komplette dreiteilige VT 798-Garnitur für Aufsehen, 1995 die 75 1118 und zuletzt 1996 die 64 289.

Relikte und Nachnutzung

Nachdem auch der Güterverkehr am 1. Juni 1996 eingestellt wurde, erfolgte am 1. Oktober die Gesamtstilllegung, in der Folgezeit wurde die Strecke abgebaut. Ende Juli 2009 wurde mit dem Umbau der Trasse in einen 8,5 km langen Radweg begonnen, der am 14. November des selben Jahres eingeweiht wurde.

Von den ehemaligen Bahnanlagen entlang der Strecke existiert nicht mehr viel, lediglich die privaten Lagerhäuser in Westerheim und Hawangen stehen noch. In Ottobeuren ist das ehemalige Bahngelände weitergehend überbaut worden. Die Remise war bereits mit Ende des Dampfbetriebs überflüssig und wurde bereits lange vor Stilllegung abgerissen. Das Empfangsgebäude ist dagegen in ein privates Wohnhaus umgebaut worden, und in der Güterhalle hat sich der Eisenbahnverein niedergelassen.

Literatur

  • Siegfried Baum: Ungerhausen–Ottobeuren. In: Wolf-Dieter Machel (Hrsg.): Neben- und Schmalspurbahnen in Deutschland. Weltbild Verlag GmbH, Sammelwerk Service, Augsburg 1994, ISSN 0949-2143 (später: GeraNova Zeitschriften-Verlag, München).
  • Siegfried Baum: Schwäbische Eisenbahn. Die Verkehrsgeschichte der Lokalbahnen in Mittelschwaben. Verlag Wolfgang Zimmer, Eppstein im Taunus 1969.
  • Reinhold Breubeck: Die Eisenbahn in Mittelschwaben zwischen Iller und Wertach. Eisenbahnknoten Memmingen. Druck und Verlag Hans Obermayer GmbH, Buchloe 1999, ISBN 3-927781-18-5.

Weblinks


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