Svatovit

Svatovit
Der vierköpfige Svantovit als künstlerische Nachbildung am Kap Arkona

Svantovit (auch Svantevit, Sveti Vid, Swantewit, Svetovit, Svatovit, Świętowit oder Святовит) ist eine slawische Gottheit. Er war der Kriegsgott und die oberste Gottheit der Ranen auf Rügen und anderer Elb- und Ostseeslawen, vergleichbar mit dem obersten Gott Perun anderer slawischer Stämme. Slawische Gottheiten haben oft mehrere Köpfe. Svantovit ist vierköpfig, jeder Kopf schaut in eine Himmelsrichtung. Er wurde auf Rügen von den slawischen Bewohnern insbesondere als Orakelspender verehrt.

Inhaltsverzeichnis

Svantovit-Kultstätte auf Rügen

Svantowitstein in der Pfarrkirche Altenkirchen

Auf Kap Arkona auf der Insel Rügen stand eine Holzstatue, die ihn mit vier Gesichtern und einem mit Wein gefüllten Horn darstellte. Die Statue befand sich in einem quadratischen, säulengetragenen Tempel innerhalb der Jaromarsburg. Das Heiligtum galt als geistiges Zentrum der Slawen und insbesondere der auf Rügen ansässigen Ranen. Es wurde 1168 vom dänischen König Waldemar zerstört. Ein Steinrelief, das sich in der Kirche von Altenkirchen auf Rügen befindet und von dem man annehmen könnte, dass es Svantovit abbildet, zeigt ebenfalls eine männliche Figur mit einem großen Trinkhorn. Wahrscheinlicher ist aber, dass es sich dabei um einen Priester der Gottheit handelt.

1921 glaubte der deutsche Archäologe Carl Schuchhardt, mithilfe der genauen Ortsbeschreibung des dänischen Geschichtsschreibers Saxo Grammaticus die Svantovit-Kultstätte gefunden zu haben. Forschungen nach dem Zweiten Weltkrieg ergaben jedoch, dass es sich bei seinem Fund vermutlich um eine dänische Missionskirche gehandelt hatte. Wegen fortschreitender Hochuferabbrüche finden seit einigen Jahren erneut archäologische Notgrabungen statt, durch die überraschenderweise der Standort des Svantovit-Tempels gefunden wurde. Es handelt sich hierbei um eine rechteckige Fläche, die völlig frei von Fundstücken war, um die herum aber umso mehr Fundstücke zu finden waren, welche auf Opfergaben und (siegreich zerstörte?) Waffenteile hindeuten. Dies deckt sich auch mit der detaillierten Beschreibung durch Saxo Grammaticus, die besagt, dass der Priester innerhalb des Tempels nicht einmal atmen durfte, um ihn nicht zu verunreinigen.

Belege des Svantovit-Kults

Für den Svantovit-Kult auf der Insel Rügen gibt es zahlreiche schriftliche und archäologische Nachweise. Die Chronica Slavorum des Chronisten Helmold von Bosau (12. Jh.) beschreibt das Svantovit-Orakel, dem zahlreiche Geschenke und Opfergaben aus der gesamten slawischen und der benachbarten nichtslawischen Welt dargebracht wurden. Ein Beispiel sei ein vom Dänenkönig Sven Gabelbart erhaltener, wertvoller Pokal. Die slawische Bevölkerung auf Rügen hielt länger als andere Slawenstämme der christlichen Missionierung stand und brachte dem Standbild auch Menschenopfer, meist christliche Gefangene. Erst der Angriff der Dänen 1168 und die Zerstörung der Opferstätte beendete die Zeit der Slawenherrschaft an der Ostsee.

Auch Saxo Grammaticus berichtet Ende des 12. Jahrhunderts von dem Svantovit-Kult. Er beschreibt genau die Kultstätte auf Kap Arkona: Ein Holztempel mit einem einzigen Eingang und einem roten Dach beherbergte das hölzerne, überlebensgroße Standbild von Svantovit. Von den vier Köpfen blickten zwei nach vorne und zwei nach hinten. Das Trinkhorn in der rechten Hand war aus Metall und wurde von einem einzelnen Priester einmal im Jahr mit Wein gefüllt, dessen Zustand der Weissagung über die kommende Ernte diente.

Symbole Svantovits

Von der Vielköpfigkeit, die besonders bei slawischen Gottheiten vermehrt auftritt (im Gegensatz zu keltischen und römischen Göttern), wird angenommen, sie sei ein Symbol der vielfachen Macht des jeweiligen Gottes.

Weitere Kultgegenstände, die um das Götterbild angeordnet waren, sowie ein Schimmel, der nur vom Priester geritten werden durfte, wurden für andere Weissagungen eingesetzt, das Pferd z. B. für Orakel zu Kriegserfolg oder -misserfolg. Dreihundert Reiter waren jederzeit zum Schutz des Gottes und zur Mehrung seines Schatzes im Dienst.

Opferzeremonien und Kulthandlungen

Nach den Opferzeremonien, bei denen der Priester mit angehaltenem Atem Wein und Honigkuchen darbrachte, gab es regelmäßig umfangreiche Opfergelage, die mit reichlichem Alkoholgenuss einhergingen.

Literatur

  • Zdeněk Váňa (Text), Pavel Vácha (Photos): Die Welt der alten Slawen. Artia, Praha 1983
  • Alfred Wieczorek (Hrsg.): Europas Mitte um 1000. Theiss, Stuttgart 2000, ISBN 3-8062-1544-8

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