Bakunismus
Michail Bakunin auf einer Fotografie von Nadar

Michail Alexandrowitsch Bakunin (russisch Михаил Александрович Бакунин, wiss. Transliteration Michail Aleksandrovič Bakunin; * 18. Maijul./ 30. Mai 1814greg. in Prjamuchino, Oblast Twer; † 19. Junijul./ 1. Juli 1876greg. in Bern) war ein russischer Revolutionär und Anarchist. Er gilt als einer der einflussreichsten Denker der anarchistischen Bewegung und als deren erster Organisator.

Bakunin entstammte einer alten russischen Adelsfamilie und war Artillerieoffizier und Mathematiklehrer. Durch seinen Aufenthalt in Westeuropa mit vielen revolutionären Persönlichkeiten bekannt, nahm er 1848 an den Aufständen in Paris und Prag, sowie 1849 an führender Stelle in Dresden teil. Nach der Niederschlagung wurde Bakunin festgenommen und verbrachte acht Jahre in Gefängnissen und weitere vier Jahre im sibirischen Exil bis ihm die Flucht gelang. Seine revolutionären Aktivitäten konzentrierte er in der Folge auf Polen und Italien und entwickelte seine Ideen eines kollektivistischen Anarchismus. In der Internationalen Arbeiterassoziation war Bakunin die Hauptfigur der Anti-autoritären und mit Generalratsmitglied Karl Marx im Konflikt, was zur Teilung der Internationale führte und gleichzeitig zur Trennung der anarchistischen Bewegung von der kommunistischen Bewegung und der Sozialdemokratie.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Frühe Jahre in Russland (1814–1840)

Wappen der Familie Bakunin

Michail Bakunin wurde als ältester Sohn und drittes von elf Kindern einer aristokratischen Familie im kleinen Dorf Prjamuchino geboren. Seine Mutter stammte aus der Familie Murawjow und sein Vater gehörte dem westlich orientierten Teil der russischen Gesellschaft an und gab Michail eine liberale Erziehung. Wegen der Verwicklung von Freunden in den Dekabristenaufstand und der drohenden Repression sah er sich zu absoluter Loyalität gegenüber dem Zaren Nikolaus I. verpflichtet, was für den Sohn Michail bedeutete, zum Militärdienst geschickt zu werden.

Selbstportrait Michail Bakunins aus dem Jahr 1838
Geburtshaus Bakunins in Prjamuchino

Bakunin trat im Alter von 14 Jahren als Kadett in die Artillerieschule St. Petersburg ein und schlug die Offizierslaufbahn ein. Mit dem Militär und den militärischen Umgangsformen war er zutiefst unzufrieden. 1832 wurde er im Alter von 18 Jahren als Leutnant nach Grodno geschickt, wo er kurz nach dem polnischen Aufstand eintraf. Die Brutalität, mit der das russische Reich bei der Niederschlagung vorging, schockierte den jungen Bakunin; seine Abscheu gegenüber dem Militär wuchs. Drei Jahre später meldete er sich krank und verließ das Militär.

Daraufhin zog Michail Bakunin gegen den Willen seines Vaters nach Moskau und versuchte, seinen Lebensunterhalt als Mathematiklehrer zu verdienen. Später nahm er an der Moskauer Universität ein Studium der Philosophie auf und schloss sich dort dem Stankewitsch-Zirkel an, einer literarischen und philosophischen Gruppe um Nikolai Stankewitsch, den er bereits während seiner Militärzeit kennengelernt hatte. Mehrere junge Studenten, später wichtige Persönlichkeiten des gesellschaftlichen und politischen Leben Russlands, gehörten dieser Gruppe an, darunter auch Wissarion Belinski, mit dem er eine enge Freundschaft schloss. Bakunin interessierte sich besonders für die deutsche Philosophie und las Kant, Fichte und Schelling. Er übersetzte Goethes Briefwechsel mit einem Kinde von Bettina von Arnim, Die Anweisung zum seligen Leben von Fichte und Hegels Gymnasialreden in die russische Sprache. Durch sein intensives Studium von Hegel galt er als größter Hegel-Kenner seiner Zeit in Russland.

In Moskau lernte Bakunin die Slawophilen Konstantin Aksakow – auch Mitglied der Gruppe um Stankewitsch – und Pjotr Tschaadajew kennen. Eine weitere Inspiration war die Freundschaft mit dem Sozialisten Alexander Herzen und dessen Freund Nikolai Ogarjow, die in dieser Zeit entstand. Bakunin lernte Herzen 1839 in Moskau kennen, wo sie ein Jahr lang zusammen wohnten. Herzen schrieb rückblickend über die gemeinsame Zeit:

„Bakunin trieb mich dazu an, mich immer mehr in das Studium Hegels zu vertiefen; ich bemühte mich, mehr revolutionäre Elemente in seine strenge Wissenschaft einzuführen.“

Alexander Herzen an Jules Michelet: Brief vom November 1851.[1]

Beteiligung in den revolutionären Kreisen Europas (1840–1848)

Im Sommer 1840 begab sich Michail Bakunin dank finanzieller Unterstützung Herzens nach Berlin, um sich auf eine Professur in Moskau vorzubereiten. In Berlin lernte er unter anderem Varnhagen von Ense kennen und war mit Iwan Turgenew stark befreundet. Letzterer stellte ihn später in seinem Roman Rudin als großen Denker dar, der seine Ideen indes nie in die Tat umsetzt. Zwei Jahre später schrieb Michail an seinen Bruder Nikolai, dass er nicht mehr nach Russland zurückkehren würde. Sein Aufenthalt in Deutschland hatte ihn stark verändert und in seiner Beichte an den Zaren schrieb er rückblickend:

Der junge Michail Bakunin

„Im übrigen aber heilte mich Deutschland selbst von der philosophischen Krankheit, an der es litt; als ich mit den metaphysischen Fragen näher vertraut wurde, überzeugte ich mich ziemlich rasch von der Nichtigkeit und Eitelkeit der ganzen Methaphysik: ich suchte Leben in ihr, aber sie ist langweilig, wirkt tödlich; ich suchte Taten, sie aber ist die absolute Untätigkeit. Ich gab die Philosophie preis und ergab mich der Politik.“

Michail Bakunin: Beichte an Zar Nikolaus I. vom Jahre 1851.[2]

„Russland wie es wirklich ist!“ Die Rede zum Jahrestag des polnischen Aufstands machte Bakunin europaweit bekannt.

Der Kontakt mit Ludwig Feuerbach hatte massgeblichen Einfluss an Bakunins Abkehr vom metaphysischen Denken. Anfangs 1842 kam er mit den Junghegelianern in Kontakt, die in dieser Zeit durch die Repression radikalisiert wurden und lernte Arnold Ruge in Dresden kennen. Ruge war Herausgeber der Zeitschrift Deutsche Jahrbücher für Wissenschaft und Kunst, das Organ der Junghegelianer, für das Bakunin 1842 unter dem Pseudonym Jules Elysard den Artikel Die Reaction in Deutschland schrieb. Der dialektische Schlusssatz „Die Lust der Zerstörung ist zugleich eine schaffende Lust!“[3] machte ihn in weiten Kreisen der Revolutionäre berühmt. Bakunin begann sich nun verstärkt für den Sozialismus zu interessieren. Eine besondere Rolle spielte dabei das Buch Der Sozialismus und Kommunismus des heutigen Frankreich von Lorenz von Stein, das die Ideen französischer Frühsozialisten sowie Louis Blanc und Pierre Joseph Proudhon im deutschsprachigen Raum popularisierte.

Weil sich Bakunin in Dresden nicht mehr sicher fühlte, verließ er gemeinsam mit Georg Herwegh das Königreich Sachsen in Richtung Zürich, das damals zahlreichen politischen Emigranten Asyl gewährte und wo mit dem Literarischen Comptoir Zürich und Winterthur ein wichtiger Verlag für radikale deutsche Literatur entstanden war. Dort verkehrte er – vermittelt durch Herwegh – mit Wilhelm Weitling, dessen kommunistischen Gesellschaftsentwurf er aber stark kritisierte. Im selben Jahr wurde Weitling festgenommen und die bei ihm gefundenen Papiere lieferten dem schweizer Juristen Johann Caspar Bluntschli den Stoff für seinen anti-kommunistischen Bluntschli-Bericht, in dem auch Bakunin erwähnt wurde. Der russische Konsul wurde dadurch auf Bakunin aufmerksam und forderte seine sofortige Rückkehr. Als Bakunin sich weigerte und nach Brüssel floh, wurde ihm durch einen Ukas des Zaren sein Adelstitel aberkannt und er wurde in contumacia zu Zwangsarbeit in Sibirien verurteilt.

1844 ließ er sich in Paris nieder, dem damaligen Zentrum des europäischen Radikalismus, und gewann dort die Sympathien Joachim Lelewels und der Exilpolen. Im gleichen Jahr wurde in der einzigen Ausgabe der Deutsch-Französischen Jahrbücher ein alter Brief Bakunins an Ruge publiziert, in dem er über seine Hoffnungen schrieb, die er in das revolutionäre Potential der Deutschen setzte. Die anfänglich intensiven Kontakte mit dem Herausgeberkreis um den Vorwärts stellte Bakunin jedoch ein, weil besonders die Diskussionen mit Karl Marx mehrfach im Streit endeten. Dagegen schloß er mit Pierre Joseph Proudhon eine enge Freundschaft, die bis zum Tode Proudhons im Jahre 1865 anhielt. Bakunin schrieb einige Zeitungsartikel, in denen er mit den Polen sympathisierte und kritisierte erstmals öffentlich den Zaren und die russische Autokratie. Nachdem er im Jahre 1847, am Gedenktag für den polnischen Aufstand, eine Rede gehalten hatte („Russland wie es wirklich ist!“), in der er sich für einen gemeinsamen Kampf der Russen und Polen gegen den russischen Zaren aussprach, wurde er europaweit bekannt. Auf Forderung Russlands wurde er aus Frankreich ausgewiesen und ging ein weiteres Mal nach Brüssel.

Bakunin in den Revolutionen von 1848/49

Zeitgenössische Bilderreihe mit Szenen vom Prager Pfingstaufstand von 1848: Bakunin beteiligte sich nach dem Scheitern des Slawenkongresses am Aufstand der Tschechen

Nach dem Ausbruch der Februarrevolution 1848, die zum Sturz von Ludwig Philipp I. und zur Ausrufung der Zweiten Französischen Republik führte, kehrte Bakunin nach Paris zurück und nahm am revolutionären Kampf teil. Auf seinen Vorschlag hin, die Revolution auch im russischen Teil Polens zu unterstützen, erhielt er 2000 Francs und Pässe von der republikanischen Regierung, die ihre Macht zu konsolidieren versuchte und die Gelegenheit nutzte, den Revolutionär loszuwerden. Er begab sich nach Frankfurt am Main und verhalf seinem Freund Arnold Ruge durch seine Kontakte zu Breslauer Demokraten zu einem Sitz in der Frankfurter Nationalversammlung. Seine Versuche, die demokratischen Kräfte der Nationalversammlung für eine Zusammenarbeit mit den polnischen Revolutionären zu gewinnen, blieben ohne Wirkung.

Gutschein eines revolutionären Komitees in Frankreich 1848, mit den Namen von Bakunin, Batthyány, Blum und den Gebrüdern Bandiera.

Bakunin reiste weiter nach Polen, um sich der polnischen Bauernarmee von Ludwik Mierosławski anzuschließen, der plante, von Posen aus Polen zu befreien. Als Bakunin in Breslau ankam, war der Aufstand bereits von der preußischen Armee niedergeschlagen worden. Nun unterstützte er die Deutsche Demokratische Legion von Herwegh, die versuchte, Friedrich Heckers Truppen in Baden zu verstärken und damit die Badische Revolution zu retten. Auch dieser Versuch scheiterte, denn die Truppen Herweghs wurden auf dem Weg von den Württembergern geschlagen, bevor die Legion Baden erreichte. Als Marx das Vorgehen Herweghs kritisierte, verteidigte ihn Bakunin, und es kam zum Bruch.

Anfang Juni reiste Bakunin nach Prag, um als einziger Russe am Slawenkongress teilzunehmen. Die Forderung nach Gleichberechtigung der Völker in der Habsburgermonarchie stieß in Österreich auf offene Ablehnung, und es kam zum Aufstand der Tschechen gegen die österreichische Fremdherrschaft, bei dem auch Bakunin mitkämpfte. Die Erhebung wurde nach fünf Tagen durch österreichische Truppen unter dem Befehl des Prager Stadtkommandanten Fürst Windisch-Graetz gewaltsam niedergeschlagen und war damit der erste entscheidende Sieg der herrschenden Kräfte der Restaurationsära.

Bakunin konnte sich nach dem Prager Pfingstaufstand mit diesem Passierschein nach Breslau absetzen
Bakunin (vor dem Tisch, sitzend) bei einer Beratung mit den Mitgliedern der provisorischen Regierung im Rathaus von Dresden

Nach dem Scheitern des Aufstands begab sich Bakunin nach Breslau. Über Mittelsmänner in Rijeka ließ er einem demokratischen Zirkel in Odessa Waffen zukommen und druckte mit der Hilfe von Heinrich Brockhaus Schriften in verschiedenen slawischen Sprachen, die als Gebete getarnt verteilt wurden. Noch in Breslau las Bakunin in Marx' Rheinischer Zeitung einen Artikel, in dem behauptet wurde, George Sand hätte Beweise in der Hand, dass Bakunin ein Agent des russischen Zaren sei. Als sich George Sand mit einem Brief bei der Zeitung meldete und der Behauptung widersprach, wurde der Fehler korrigiert. Der Ruf, ein russischer Agent zu sein, begleitete Bakunin dennoch sein Leben lang und fand in der Person David Urquharts einen leidenschaftlichen Verfechter.

Bakunin war enttäuscht vom Verlauf der 1848er Revolutionen, vor allem von den Ergebnissen in Deutschland, wo die Frankfurter Nationalversammlung beschloss, von Polen und Tschechen bewohnte Gebiete unter deutsche Herrschaft zu stellen. Eine weitere Enttäuschung war die Niederschlagung des Wiener Oktoberaufstands durch Truppen unter der Führung von Josip Jelačić, den er bis dahin wegen seinem Kampf gegen den ungarischen Nationalismus unterstützte. Ende 1848 publizierte Bakunin auf Initiative von Hermann Müller-Strübing seinen Aufruf an die Slawen, in dem er betonte, dass die nationale Frage untrennbar mit der sozialen Frage verbunden ist. Er kritisierte dabei die Vorgänge in Deutschland und rief zum gemeinsamen Kampf von Deutschen und Slawen gegen die herrschenden Kräfte auf.

Im Mai 1849 beteiligte er sich an führender Stelle am Aufstand in Dresden zur Durchsetzung einer sächsischen Republik. Anfangs verlief dieser zu Gunsten der Aufständischen, und König Friedrich August II., der zuvor das Parlament aufgelöst und die Verfassung abgelehnt hatte, musste flüchten. Praktisch kampflos übernahmen die Revolutionäre die Kontrolle über Dresden und organisierten eine provisorische Regierung mit Otto Heubner, Samuel Tzschirner und Karl Todt an der Spitze. Bakunin übernahm die militärische Leitung des Aufstands und beriet die provisorische Regierung. Mit Hilfe eines großen preußischen Militäraufgebots wurde Dresden belagert und nach sieben Tagen waren die Aufständischen dazu gezwungen in Richtung Freiberg abzuziehen. Am 10. Mai 1849 wurde Bakunin jedoch gemeinsam mit August Röckel und Otto Leonhard Heubner in Chemnitz, wo sie die aufständischen Kräfte sammeln wollten, verhaftet.

Haft, Exil und Flucht (1849–1861)

Bakunins Zelle in der Peter-und-Paul-Festung in St. Petersburg.

Bakunin wurde zuerst in Dresden, dann in der Festung Königstein inhaftiert. Im Königreich Sachsen wurde er nach der Festnahme zum Tode verurteilt, später wurde seine Strafe jedoch in lebenslange Haft umgewandelt. Kurz nach seiner Festnahme verlangten Russland und auch – wegen seiner Beteiligung am Slawenkongress und dem Prager Aufstand – Österreich seine Auslieferung.

Die Dresdner Prozessakten

Im Juni 1850 wurde der Bitte Österreichs Folge geleistet und Bakunin anfangs in der Prager Burg festgesetzt, 1851 nach Olmütz transferiert und ein weiteres Mal zum Tode verurteilt. Kurz darauf wurde Bakunin zu lebenslanger Kerkerhaft begnadigt und in Olmütz an eine Kerkerwand geschmiedet. Zu dieser Zeit wusste niemand genau, wo sich Bakunin befand und ob er überhaupt noch am Leben war; Fehlmeldungen über seinen Tod gingen durch die Presse Europas.

Bakunin mit seiner Frau Antonia

Am 17. Mai 1851 betrat Bakunin als Gefangener wieder russischen Boden, nachdem Österreich ihn ausgeliefert hatte. Er kam, wie viele andere politische Gefangene Russlands, in die berüchtigte Peter-und-Paul-Festung in St. Petersburg und wurde dort von Graf Orlow darüber in Kenntnis gesetzt, dass Zar Nikolaus I. von ihm ein schriftliches Geständnis wünsche und zwar „wie ein geistiger Sohn an seinen geistigen Vater schreiben soll.“[4] Durch dieses Geständnis (bekannt als Beichte an den Zaren) erhoffte sich Bakunin eine Lockerung der Haftbedingungen und schilderte seine bisherigen revolutionären Aktivitäten. Sein Versuch, den Zaren milde zu stimmen scheiterte, denn dieser schätzte Bakunin immer noch als zu gefährlich ein.

1854 wurde er wegen der Nähe zur Front im Krimkrieg in die Schlüsselburg östlich von Petersburg verlegt. Durch die schlechte Ernährung erkrankte Bakunin an Skorbut und litt an krankheitsbedingtem Zahnausfall und Fettleibigkeit. Als Zar Nikolaus 1855 starb, wurde Bakunin von seinem Nachfolger Alexander II. persönlich von der Amnestieliste gestrichen und seine lebenslange Haft bestätigt.

Auf wiederholte Gnadengesuche der Familie Bakunin hin wurde im März 1857 Bakunins lebenslange Haftstrafe in lebenslange Verbannung nach Sibirien umgewandelt. Er wurde über Omsk nach Tomsk gebracht, wo er die Polin Antonia Kwiatkowska kennen lernte und 1858 heiratete. Ein Jahr später wurde er nach Irkutsk, der damaligen Hauptstadt Ost-Sibiriens, deportiert und genoss wieder gewisse Freiheiten, wegen seiner Verwandtschaft mit Murawjow-Amurski, dem damaligen Gouverneur von Ost-Sibirien. Bakunin knüpfte während seiner Zeit in Sibirien Kontakte mit vielen verbannten Dekabristen und Petraschewzen.

Mitte 1861 konnte er auf einer Forschungsreise am Amur seinen Bewachern entfliehen. Dazu schrieb er später, formuliert als Wortspiel an seine Freunde: „C'est l'Amour qui m'a sauvé!“ – übersetzt: „Der Amur / Die Liebe hat mich gerettet“.[5] Von Nikolajewsk aus entkam er und erreichte am 9. August 1861 mit einem amerikanischen Klipper Hakodate an der japanischen Küste.

Wiederaufnahme revolutionärer Aktivitäten (1861–1868)

Bakunins Mitgliedsausweis für die Internationale Liga für Frieden und Freiheit

Über Yokohama, San Francisco, Panama und Boston erreichte Bakunin Ende 1861 Europa und begab sich zu Alexander Herzen nach London „mehr denn je bereit zu jedem Versuch, zu jedem Opfer.“[6] Er nahm Kontakt mit Giuseppe Garibaldi auf, dessen Erfolge er bereits in Sibirien mitverfolgt hatte, und schrieb für Herzens Kolokol (‘Die Glocke’). Zeitweilig wurden die Beziehungen zu Marx wieder freundschaftlicher und dieser schätzte Bakunin als einen „der wenigen Leute, die ich nach 16 Jahren nicht zurück-, sondern weiterentwickelt finde.“[7] Bakunin übersetzte für Marx in London das Manifest der Kommunistischen Partei erstmals ins Russische.

Bakunin während seiner Zeit in Italien
Mitgliedsausweis der Alliance mit der Unterschrift Bakunins

Durch seine spektakuläre Flucht in Russland berühmt geworden, wurde er gemeinsam mit Herzen zum Feindbild der zaristischen und konservativen Öffentlichkeit Russlands. Kropotkin schrieb nach dem Brand in St. Petersburg in seinen Memoiren:

„Katkow, der Exliberale, der voller Hass gegen Herzen steckte und ganz besonders gegen Bakunin, […] beschuldigte gleich am Tag nach dem Brand die Polen und die russischen Revolutionäre der Anstiftung, eine Ansicht, die in St. Peterburg und Moskau allgemein vorherrschte.“

Peter Kropotkin: Memoiren eines Revolutionärs.[8]

Bakunin stand mit vielen Exilpolen und der Bewegung Semlja i wolja (‘Land und Freiheit’) im Kontakt, die sich für die Unabhängigkeit Polens einsetzte. Als 1863 der Januaraufstand in Polen ausbrach, begab sich Bakunin nach Stockholm und schrieb dort einige Artikel über Russland für Aftonbladet. Später konnte er an einer polnischen Expedition teilnehmen und versuchte sich so über Kopenhagen nach Polen einzuschiffen, was indes scheiterte. Enttäuscht durch das Fehlen einer sozialen Revolution, gegen die sich die aristokratischen Führer der Aufständischen stellten, kehrte er nach London zurück und wandte sich ganz dem Sozialismus und der Revolution von unten zu.

Bakunin ließ sich 1864 in Italien nieder, wo er durch Empfehlungsschreiben von Giuseppe Mazzini und Aurelio Saffi in die italienischen revolutionären Kreise eingeführt wurde und erste Bekanntschaften schloß. Im selben Jahr gründete er die Fraternité Internationale (‘Internationale Bruderschaft’), eine Keimzelle der später einflussreichen anarchistischen Bewegung in Italien, in der auch Elisée Reclus Mitglied war. Nach Artikeln in verschiedenen italienischen Zeitschriften gab Bakunin La Situazione italiana heraus, das erste sozialrevolutionäre Blatt Italiens. Die Zeitung war gegen die Ideen Mazzinis und Garibaldis gerichtet und vertrat anarchistische und atheistische Positionen.[9] In dieser Zeit in Italien entwickelte er seine anarchistischen Auffassungen, die er in den Programmen der Internationalen Bruderschaft z. B. dem Revolutionären Katechismus festhielt. Ein Jahr später bezeichnete er sich erstmals in der italienischen Zeitung Libertà e Giustizia als Anarchist.

Bakunin begab sich 1867 wieder nach Genf, um am Gründungskongress der Internationalen Liga für Frieden und Freiheit teilzunehmen. Er wurde ins Zentralkomitee der neugegründeten Liga gewählt, doch sein Versuch, die Organisation von ihrem gemäßigten Kurs abzubringen, wurde von den Mitgliedern mehrheitlich abgelehnt.

Teilnahme an der Arbeiterbewegung (1868–1873)

Bakunin hält eine Rede am Basler Kongress der Internationalen Arbeiterassoziation im Jahr 1869

1868 wurde Bakunin Mitglied der Genfer Sektion der Internationalen Arbeiterassoziation und warb für eine Zusammenarbeit der Organisation mit der Friedensliga, was von beiden Seiten abgelehnt wurde. Bereits am zweiten Kongress der Friedenliga im Jahr darauf trat er unter Verlesung einer Protestnote mit 17 weiteren Mitgliedern aus, weil er der Organisation jeglichen Nutzen zur Erhaltung des Friedens absprach. Fortan organisierten sich die Ausgetretenen in der neugebildeten Allianz der sozialistischen Demokratie. Nachdem ein Beitritt der Allianz als internationale Organisation in die Internationale vom Generalrat abgelehnt wurde, entschlossen sich die Mitglieder dazu, die Allianz nur noch in verschiedenen nationalen Organisationen weiterzuführen. Bakunin schrieb ab 1868 gemeinsam mit André Léo für die Égalité, das Organ der Genfer Sektion. Im selben Jahr plante er eine Agitationsreise nach Spanien, die Giuseppe Fanelli unternahm und zur Bildung neuer Sektionen der Internationale in Spanien führte.

Michail Bakunin gehörte zu den Verfassern der Proklamation der Lyoner Kommune. Der Aufstand war von kurzer Dauer und wurde noch im selben Monat von der Regierung beendet.

Im Jahr darauf lernte er Sergei Netschajew kennen, von dem er anfangs begeistert war. Doch nachdem ans Licht kam, dass Netschajew insgeheim Briefe und persönliche Dokumente Bakunins entwendete, um sie im geeigneten Zeitpunkt gegen ihn zu verwenden, kam es zum Bruch zwischen den Beiden.

Im September 1870 nahm Bakunin am Aufstand in Lyon teil, nachdem sich eine Niederlage Frankreichs im Deutsch-Französischen Krieg abzeichnete. Er gehörte zu den Verfassern einer revolutionären Proklamation in Lyon, die später vor 6.000 Leuten verlesen und in der Region verteilt wurde. Der Aufstand wurde noch im selben Monat von der Regierung beendet, diente aber der Pariser Kommune als Vorbild, an der Bakunin nicht teilnehmen konnte. Nach der Rückkehr in die Schweiz verfasste Bakunin seinen in Briefform gehaltenen Appell Lettres à un français sur la crise actuelle (‘Briefe an einen Franzosen zur aktuellen Krise’), in dem er die Wichtigkeit einer Allianz der Arbeiter und Bauern zu einer gemeinsamen revolutionären Kraft hervorhob.

Bakunin mit Teilnehmern des Kongresses der Internationale in Basel 1869

Als Giuseppe Mazzini in Artikeln die Pariser Kommune und die Internationale kritisierte und die italienischen Arbeiter vor dem Sozialismus warnte, antwortete Bakunin mit dem Zeitungsartikel Antwort eines Mitglieds der Internationale an Giuseppe Mazzini, der durch seine hohe Resonanz der Internationale in Italien entscheidenden Auftrieb gab. In der Internationale wuchsen die Konflikte zwischen den Anti-autoritären und dem Zentralrat in London mit Karl Marx und Friedrich Engels. Am Kongress in Den Haag wurde Bakunin schließlich gemeinsam mit James Guillaume aus der Internationale ausgeschlossen. In der Folge spaltete sich der anti-autoritäre Teil ab und gründete die Antiautoritäre Internationale in St. Imier, an der Bakunin indes nicht mehr aktiv mitwirkte. Bakunin beteiligte sich mit einigen seiner Mitstreiter, wie Guillaume und Adhémar Schwitzguébel, an der Juraföderation, dem Kern der neuen Internationale und beschloss sich aus der Öffentlichkeit zurückzuziehen.

Bakunin schrieb 1873 sein Werk Staatlichkeit und Anarchie, das in hohen Stückzahlen nach Russland geschmuggelt wurde und die Bewegung der Narodniki stark beeinflusste. Darin forderte er die jungen Revolutionäre in Russland dazu auf, am Leben der Bauern teilzunehmen, ihre Probleme mitzuerleben und so die Revolution ins Volk zu tragen. Ebenfalls in der Schweiz traf Bakunin den erst 18-jährigen Sozialrevolutionär Errico Malatesta, der in Italien steckbrieflich gesucht wurde und sich, von Bakunin beeinflusst, in den folgenden Jahrzehnten zu einem der Wortführer des italienischen Anarchismus entwickelte.

Rückzug und Tod (1873–1876)

Bakunin während seiner Zeit in Locarno

Im Oktober 1873 beschloss Bakunin seinen Rückzug aus der anarchistischen Arbeiterbewegung und verließ die Juraföderation, im Glauben, nichts mehr für die Bewegung tun zu können. Zu dieser Zeit war er von einer schweren Krankheit gezeichnet und resignierte, da sich seine Erwartung der nahen Revolution nicht erfüllt hatte und der Glaube daran schwand.

„Erinnert euch an den, der alles opferte für die Freiheit seines Landes“, Grabstein Bakunins im Bremgartenfriedhof Bern

Von November 1869 an lebte Bakunin in Locarno und kaufte 1873 – mit finanzieller Unterstützung Carlo Cafieros – die Villa La Baronata in Minusio, die zum Zufluchtsort für polizeilich gesuchte Revolutionäre werden sollte. Nach einem Zerwürfnis mit Cafiero zog er nach Lugano, das ebenfalls im Kanton Tessin und in der Nähe zu Italien liegt. Viele seiner engsten Freunde waren Italiener und er setzte die größten Hoffnungen auf revolutionäre Umwälzungen in Italien, das er aber nicht mehr betreten durfte.

Bakunin versuchte 1874 trotz seiner Krankheit an einem Aufstand in Bologna teilzunehmen. Der Aufstand sollte ein Startsignal senden für Aufstände in ganz Italien, doch wurden bereits im Vorfeld viele zentrale Personen von den Carabinieri festgenommen. Einige tausend Aufständische marschierten dennoch in der Nacht vom 7. auf den 8. August auf Bologna zu und wurden von Heeresdetachements schließlich zur Aufgabe gezwungen. Nach dem Scheitern konnte Bakunin wieder unentdeckt in die Schweiz zurückkehren.

Als sich sein gesundheitlicher Zustand im Sommer 1876 weiter verschlechterte, war er gezwungen, in ärztliche Behandlung zu treten. In einer Krankenpension in Bern war er in der Obhut des Arztes Carl Vogt und wurde von Adolf Reichel gepflegt, beide waren langjährige Freunde Bakunins. Zu Adolf Reichel meinte Bakunin zehn Tage vor seinem Tod:

„Die Völker aller Nationen haben heute den revolutionären Instinkt verloren. Sie sind zu sehr mit ihrer Lage zufrieden, und die Furcht, auch noch das zu verlieren, was sie haben, macht sie harmlos und träge. Nein, wenn ich noch ein wenig zu Kräften komme, möchte ich eine Ethik schreiben, die auf den Grundlagen des Kollektivismus aufbaut, ohne philosophische und religiöse Phrasen.“

Adolf Reichel an Carlo Gambuzzi: Brief vom 6. / 7. Juli 1876.[10]

Dieses Werk konnte er nicht mehr in Angriff nehmen, da sich sein Gesundheitszustand überraschend schnell verschlechterte. Am 1. Juli 1876 kurz vor Mittag erlag Michael Bakunin im Alter von 62 Jahren seiner Krankheit.

Denken

Gott und der Staat, Titelblatt des ersten Drucks im Jahre 1882. Das Werk gehört zu den bekanntesten Schriften Bakunins und der anarchistischen Bewegung im allgemeinen

Bakunins politische und philosophische Positionen veränderten sich im Laufe seines Lebens: Als junger Mann vertrat er stark religiös geprägte und panslawistische Ansichten, kehrte später davon ab und entwickelte auf der Basis des erkenntnistheoretischen Materialismus die Idee eines anti-autoritären Sozialismus. Dieses kollektivistische Gemeinschaftswesen sollte ein Leben in größtmöglicher Autonomie und Chancengleichheit ermöglichen und jedem Menschen den vollen Anteil am Produkt seiner eigenen Arbeit garantieren.[11] Der Wandel zum Anarchisten zeichnet sich in den Schriften ab, die er während seiner Zeit in Italien von 1864 bis 1867 verfasste. Dort formulierte er im Wesentlichen bereits seine Ideen, für die er später in der Internationalen Arbeiterassoziation einstand und die er in Gott und der Staat oder Staatlichkeit und Anarchie niederschrieb.[12] Dennoch strebte Bakunin keine ausgearbeitete Theorie an, „denn jede absolute Theorie wird nie verfehlen, in praktischen Despotismus und Ausbeutung umzuschlagen.“[13] Es sei auch nicht möglich theoretisch im vornherein das soziale Paradies zu konstruieren, und schreibt, „daß wir wohl die großen Grundsätze der künftigen Entwicklung verkünden können, daß wir aber der Erfahrung der Zukunft die praktische Verwirklichung dieser Grundsätze überlassen müssen.“[14]

Freiheit, Sozialismus und Föderalismus gehören zum Fundament von Bakunins Konzept einer neuen Gesellschaftsordnung. Einen besonderen Stellenwert nimmt dabei Bakunins Kritik des Autoritarismus und der Religion (beiziehungsweise der Theologie) ein.[12]

Prinzipien einer neuen Gesellschaft

Bakunin sieht die Freiheit, den Sozialismus und den Föderalismus untrennbar voneinander als Grundprinzipien einer egalitären Gesellschaft und weist darauf hin „daß Freiheit ohne Sozialismus Privilegienwirtschaft und Ungerechtigkeit bedeutet; und daß Sozialismus ohne Freiheit Sklaverei und Brutalität ist.“[15] Der Föderalismus verhindere, daß sich Macht in einer zentralen Gewalt konzentriert, die Sozialismus und Freiheit unmöglich mache.[16]

Unter Freiheit versteht Bakunin kein abstraktes Ideal, sondern einen Zustand der gleichen Freiheit für jeden durch die Freiheit aller. In Anlehnung an Immanuel Kant definiert er die negative Freiheit (die Freiheit von) und die positive Freiheit (die Freiheit zu). Die negative Freiheit beschreibt Bakunin als die Auflehnung gegen die göttliche, kollektive oder individuelle Autorität[17] und schreibt, „die Freiheit des Menschen besteht einzig darin, daß er den Naturgesetzen gehorcht, weil er sie selbst als solche erkannt hat und nicht, weil sie ihm von außen her von irgend einem fremden Willen, sei er göttlich oder menschlich, kollektiv oder individuell, auferlegt sind.“[18] Die positive Freiheit bestehe darin, die Möglichkeit zu haben, seine Fähigkeiten bestmöglich zu entwickeln, und zwar durch Bildung und den nötigen materiellen Wohlstand.[19] Das Opfern der Freiheit unter dem Vorwand der Verteidigung der Freiheit oder für den Staat sieht Bakunin als gefährlich,[16] denn man könne die Freiheit nur mit derselben erhalten:

„Seien wir Sozialisten, aber werden wir nie Herdenvölker. Suchen wir die Gerechtigkeit, die ganze politische, ökonomische und soziale Gerechtigkeit nur auf dem Wege der Freiheit. Es kann nichts Lebendiges und Menschliches außerhalb der Freiheit geben, und ein Sozialismus, der sie aus seiner Mitte verstößt oder der sie nicht als das einzige schöpferische Prinzip und als Grundlage akzeptiert, würde uns ganz direkt zu Sklaverei und Bestialität zurückführen.“

Michail Bakunin: Brief an „La Démocratie“.[20]

Bakunin versteht unter Sozialismus wirtschaftliche und soziale Gleichheit, also eine Gesellschaft ohne Klassen und den gleichen Zugang zu Produktionsmitteln und Bildung.[21] Den Sozialismus sieht er als natürliche Form des Zusammenlebens und warnt, daß „jede bevorrechtete Stellung die Eigentümlichkeit [hat], Geist und Herz der Menschen zu töten.“[22]

Unter Föderalismus versteht Bakunin gemäß dem Materialismus den Aufbau der Gesellschaft von unten nach oben, das heißt, von der Basis zur Spitze. Diese Föderation solle auf freier Assoziation der Individuen, Produktionsgemeinschaften und Kommunen basieren und zur größtmöglichen Unabhängigkeit und Selbstbestimmung führen, zu einer Ordnung, „die keine andere Grundlage hat als die Interessen, Bedürfnisse und die natürliche Affinität der Bevölkerung.“[23]

Soziale Revolution

Bakunin lehnt Revolutionen ab, die nur zu einem Machtwechsel führen, wie die Französischen Revolutionen von 1789 und 1848 oder den Polnischen Aufstand von 1863.[24] Er ist davon überzeugt, dass sich das Los der wirtschaftlich und politisch Benachteiligten mit einer sozialen Revolution direkt verbessern muss, denn „jede politische Revolution, welche nicht die unmittelbare und sofortige wirtschaftliche Gleichheit zum Ziele hat, [ist] vom Standpunkt des Volksinteresses und der Volksrechte nur eine heuchlerische und maskierte Reaktion.“[25] Der Kampf soll in erster Linie gegen alle Institutionen geführt werden, die Privilegien schaffen:

„Entfesselt die soziale Revolution! Macht, daß alle Bedürfnisse wirklich solidarisch werden, daß die materiellen und sozialen Interessen eines jeden seinen menschlichen Pflichten gleich werden! Hierzu gibt es nur ein einziges Mittel: Zerstört alle Einrichtungen der Ungleichheit, gründet die wirtschaftliche und soziale Gleichheit aller, und auf dieser Grundlage wird sich die Freiheit, die Sittlichkeit und die solidarische Menschlichkeit aller erheben.“

Michail Bakunin: Gott und der Staat.[26]

Die Menschen selbst sollen die Verantwortung für die weitere Entwicklung ihrer lokalen Gemeinschaften und insbesondere den Verlauf der ökonomischen Umverteilung tragen. Dabei soll als unmittelbare Massnahme das Privateigentums an Land und Produktionsmitteln abgeschafft werden: Das Land muss denen gehören, die es bebauen, und die Produktionsmittel allen denen, die damit arbeiten.[16] Bakunin forderte, dass in Folge einer spontanen Volksrevolution die Arbeitergewerkschaften und Bauern die Produktionsmittel und das Land in Besitz nehmen, um dadurch eine gemeinschaftliche Produktion zu ermöglichen.[27] Dabei sieht Bakunin es als notwendig, dass ein Zusammenschluss von prinzipientreuen Revolutionären sich damit befasst, die Revolution vor der möglichen Machtübernahme von einzelnen Individuen oder Gruppen zu schützen.[28] Es darf aber keine Avantgarde oder Vorhut der Arbeiterklasse die Revolution anführen oder eine Arbeiter-, oder Revolutionsregierung gebildet werden. Die soziale Revolution kann Bakunin zufolge nicht die Einzelrevolution eines Volkes sein, sondern wird unvermeidlich eine internationale und „universelle“ Revolution zur Folge haben.[29]

Bakunin fordert die Emanzipation und Gleichstellung der Frau[30] und tritt für die Abschaffung der legalen Ehe ein, die durch die „freie Ehe“, also den freiwilligen Bund zweier Menschen, ersetzt werden kann.[31] Für Bakunin stellt die privilegierte Wissenschaft eine Hürde dar, die durch die freie Wissenschaft ersetzt werden sollte.[32] Er sieht aber in der wissenschaftlichen Bildung und Erziehung des Volkes nicht die Lösung des Problems, und glaubt, „dass das Denken […] sich aus dem Leben ergibt und dass man, um das Denken zu ändern, zunächst das Leben ändern muss. Gebt dem Volk die ganze Weite des menschlichen Lebens, und es wird Euch durch die tiefe Rationalität seines Denkens erstaunen.“[33]

Anti-Autoritarismus

Bakunin lehnt den Staat und allgemein alle Formen institutionalisierter und zentralisierter Autorität ab, weil diese „stets auf gleiche Weise der Freiheit der Massen verhängnisvoll und feindlich sind, weil sie ihnen ein System äußerlicher und daher despotischer Gesetze aufzwingen. […] sie würde, wie alle bestehenden Mächte, sich damit befassen, sich ewige Dauer zu verschaffen, indem sie die ihr anvertraute Gesellschaft immer dümmer und folglich ihrer Regierung und Leitung immer bedürftiger machen würde.“[34] Bakunin beschreibt in Gott und der Staat ausführlich, was er unter Autorität versteht:

„Folgt hieraus, daß ich jede Autorität verwerfe? Dieser Gedanke liegt mir fern. Wenn es sich um Stiefel handelt, wende ich mich an die Autorität des Schusters; handelt es sich um ein Haus, einen Kanal oder eine Eisenbahn, so befrage ich die Autorität des Architekten oder des Ingenieurs. […] Aber ich erkenne keine unfehlbare Autorität an, selbst nicht in ganz speziellen Fragen; folglich, welche Achtung ich auch immer für die Ehrlichkeit und Aufrichtigkeit einer Person habe, setze ich in niemanden unbedingten Glauben. Ein solcher Glaube wäre verhängnisvoll für meine Vernunft, meine Freiheit und den Erfolg meines Unternehmens, er würde mich sofort in einen dummen Sklaven und ein Werkzeug des Willens und der Interessen anderer verwandeln. Wenn ich mich vor der Autorität von Spezialisten beuge und bereit bin, ihren Angaben und selbst ihrer Leitung in gewissem Grade und, solange es mir notwendig erscheint, zu folgen, tue ich das, weil diese Autorität mir von niemand aufgezwungen ist, nicht von den Menschen und nicht von Gott. […] Ich neige mich vor der Autorität von Spezialisten, weil sie mir von meiner eigenen Vernunft auferlegt wird. Ich bin mir bewußt, daß ich nur einen sehr kleinen Teil der menschlichen Wissenschaft in allen Einzelheiten und positiven Entwicklungen umfassen kann. Die größte Intelligenz genügt nicht, alles zu umfassen. Daraus folgt für die Wissenschaft wie für die Industrie die Notwendigkeit der Arbeitsteilung und Vereinigung. Ich empfange und ich gebe, so ist das menschliche Leben. Jeder ist abwechselnd leitende Autorität oder Geleiteter. Es gibt also keine stetige und feststehende Autorität, sondern einen beständigen Wechsel von gegenseitiger Autorität und Unterordnung, die vorübergehend und vor allem freiwillig ist.“

Michail Bakunin: Gott und der Staat.[35]

Für Bakunin spielt es keine Rolle, ob die Herrschaft eine königliche Herrschaft ist, die marxistische Diktatur des Proletariats oder die auf allgemeinem Wahlrecht basierende Volksherrschaft, denn:

„Kein Staat […] kann dem Volke das geben, was es braucht, nämlich die freie Organisation der eigenen Interessen von unten nach oben, ohne jede Einmischung, Bevormundung oder Nötigung von oben, weil jeglicher Staat, selbst der republikanischste und demokratischste, und sogar der Pseudo-Volksstaat, wie ihn Marx geplant hat, letzten Endes nichts anderes darstellt als die Beherrschung der Massen von oben nach unten durch eine intellektuelle und eben dadurch privilegierte Minderheit, die angeblich die wahren Interessen des Volkes besser erkennt als das Volk selbst.“

Michail Bakunin: Staatlichkeit und Anarchie.[36]

Bakunin kritisiert auch die Forderung nach der „Herrschaft der Wissenschaft“, weil die Wissenschaft durch ihre privilegierte Stellung in der Gesellschaft nicht fähig und nicht gewillt sei, den Menschen zu dienen, sondern den Privilegierten selbst. Die Forderung Auguste Comtes, dass das gesellschaftliche Leben den Gesetzen der Wissenschaft unterworfen sein müsse, stellt in Bakunins Augen eine Gefahr für die Gesellschaft dar.[37] Er lehnte besonders die Ideen Jean-Jacques Rousseau ab, sowie die gesellschaftliche Vertragstheorie im Allgemeinen und sah Rousseau als den Propheten des doktrinären Staates.[38]

Atheismus

Bakunin sieht Gott als Produkt menschlichen Denkens an, „das erste Erwachen der [menschlichen] Vernunft […] in Gestalt der [göttlichen] Unvernunft.“[39] Somit erkennt er den Glauben an Gott als entwicklungsgeschichtliche Notwendigkeit an, die es jedoch zu überwinden gilt, um Freiheit zu erlangen. Die Religion und die Theologie lehnt er ab, weil diese den Menschen nicht als kreativen Schöpfer sehen und der menschlichen Vernunft und dem Gerechtigkeitssinn entgegengesetzt sind:

„So wird die menschliche Vernunft, das einzige Organ, das wir besitzen, um die Wahrheit zu erkennen, durch ihre Verwandlung in göttliche Vernunft unverständlich für uns und erscheint dem Gläubigen zwangsläufig als Offenbarung des Absurden. So äußert sich die Ehrfurcht vor dem Himmel in der Verachtung für die Erde und die Verehrung der Gottheit in der Herabwürdigung der Menschheit. Die menschliche Liebe, dieses unermessliche Band natürlicher Solidarität, das alle Individuen, alle Völker umspannt und die Freiheit und das Glück jedes einzelnen von der Freiheit und dem Glück aller anderen abhängig macht und die Menschen, allen Unterschieden der Rasse und Hautfarbe zum Trotz, früher oder später zu einer brüderlichen Gemeinschaft verbinden muß – diese Liebe wird, wenn sie sich in Liebe zu Gott und religiöse Nächstenliebe verwandelt, alsbald zu einer Geißel der Menschheit: Alles Blut, das seit Anbeginn der Geschichte im Namen der Religion vergossen wurde, die Millionen Menschen, die dem höchsten Ruhm der Götter geopfert wurden, legen davon Zeugnis ab…“

Michail Bakunin: Föderalismus, Sozialismus, Antitheologismus.[40]

In Gott und der Staat versucht er, die Existenz Gottes zu widerlegen, was in einer berühmten Stelle des Buches in der Aussage gipfelt:

„Wenn Gott existiert, ist der Mensch ein Sklave; der Mensch kann und soll aber frei sein: Folglich existiert Gott nicht. Ich fordere jeden auf, diesem Kreis zu entgehen, und nun mag man wählen.“

Michail Bakunin: Gott und der Staat.[41]

Wirkung

Bakunin gilt als erster Organisator der anarchistischen Bewegung und stellte durch sein Wirken den Anarchismus auf die Basis der Arbeiterbewegung. Durch sein Wirken in Italien schaffte er den Keim einer anarchistischen Bewegung und gewann dafür später durch seine publizistische Arbeit viele ehemalige Mazzinisten für die Bewegung.[42] Gleiches gilt für Spanien, wo Bakunin vermittelt durch Giuseppe Fanelli grosse Teile der spanischen Arbeiterschaft für die Internationale und den revolutionären Sozialismus gewann.[43] Darüber hinaus beeinflussten seine Werke und Ideen überall auf der Welt neue anarchistische Bewegungen.

Gemeinsam mit César De Paepe gilt Bakunin als Begründer des kollektivistischen Anarchismus, deren Idee beide unabhängig voneinander erstmals im Jahre 1866 formulierten.[44] Richtungsweisend für die gesamte sozialistische Bewegung war der Konflikt zwischen Karl Marx und Bakunin in der Ersten Internationale, der mit dem Ausschluss Bakunins aus der Internationale und einer definitiven Trennung der anarchistischen von der restlichen sozialistischen Bewegung endete.

Kritik

Revolutionäre Gewalt und Terrorismus

Bakunin auf einem Poster als moderner Danton dargestellt: „Um die Gegner des Proletariats zu besiegen, müssen wir zerstören, noch mehr zerstören und immer zerstören.“

Bakunin wird vorgeworfen, dass er Gewalt und Zerstörung predigte. Der dialektische Schlusssatz seines Zeitungsartikels von 1842, „Die Lust der Zerstörung ist zugleich eine schaffende Lust!“[3] wird bis in die heutige Zeit als Beispiel und Beweis für Bakunins terroristische Gesinnung verwendet.[45][46][47] Seine Einstellung zur revolutionären Gewalt beschreibt Bakunin an anderer Stelle folgendermaßen:

„Diese destruktive Leidenschaft reicht zwar als Grundlage einer revolutionären Tat bei weitem nicht aus, aber ohne sie ist eine Revolution undenkbar, unmöglich, denn es kann keine Revolution geben ohne weitreichende, leidenschaftliche Zerstörung, ohne rettende und fruchtbringende Zerstörung, weil nämlich aus ihr und nur durch sie neue Welten entstehen.“

Michail Bakunin: Staatlichkeit und Anarchie.[48]

Diese Gewalt und Zerstörung der Revolution soll aber „mehr gegen Stellungen und Einrichtungen als gegen Menschen Krieg führen [...] Man muß das Eigentum und den Staat zerstören, dann wird man nicht nötig haben, Menschen zu zerstören und sich zu der unfehlbaren, unvermeidlichen Reaktion zu verurteilen, die in jeder Gesellschaft das Massaker von Menschen stets herbeiführte und stets herbeiführen wird.“[49] Bakunin war auch entschiedener Gegner von politisch motivierten Attentaten, die nach Bakunins Tod eine Zeit lang die anarchistische Bewegung prägten: „Alle Revolutionäre, die Unterdrückten, die leidenden Opfer des gegenwärtigen Gesellschaftszustandes, deren Herzen natürlich von Rache und Haß erfüllt sind, müssen sich wohl daran erinnern, dass die Könige, die Unterdrücker, die Ausbeuter aller Art ebenso schuldig sind wie die aus den Volksmassen hervorgegangenen Verbrecher: sie sind Übeltäter, aber nicht schuldig, weil auch sie, wie die gewöhnlichen Verbrecher, unfreiwillige Produkte der gegenwärtigen Gesellschaftszustandes sind.“[50] Dennoch sah er in der Gewalt das einzige Mittel zur sozialen Revolution, weil sie gegen die Gewalt des Staats durchgesetzt werden musste. Durch die Erfahrung mit der Pariser Kommune sah er sich bestätigt und schrieb:

„Um erfolgreich gegen militärische Gewalt kämpfen zu können, die künftig vor nichts mehr Achtung hat und zudem noch mit den schrecklichsten Vernichtungswaffen ausgerüstet und bereit ist, bei der Zerstörung nicht nur von Häusern und Strassen, sondern von ganzen Städten mit all ihren Bewohnern von ihnen Gebrauch zu machen, um also gegen eine so wilde Bestie ankämpfen zu können, muss man eine andere, nicht weniger wilde, dafür aber gerechtere Bestie haben: die organisierte Revolte des ganzen Volkes, die soziale Revolution, welche genauso erbarmungslos ist wie die militärische Reaktion und vor nichts zurückschreckt.“

Michail Bakunin: Staatlichkeit und Anarchie.[51]

Nationalismus und Antisemitismus

In seinen Polemiken gegen Karl Marx und Moses Hess wiederholte Bakunin antisemitische Klischees. In einem posthum veröffentlichten Manuskript schreibt Bakunin: „Diese ganze jüdische Welt, die eine ausbeuterische Sekte, ein Blutegelvolk, einen einzigen fressenden Parasiten bildet, eng und intim nicht nur über die Staatsgrenzen hin, sondern auch über alle Verschiedenheiten der politischen Meinungen hinweg.“[52] Des Weiteren benutzte Bakunin auch den – im 19. Jahrhundert – populären Begriff der Rassen um Unterschiede in Charakter und Zusammenleben der Menschen zu erklären. Er schreibt beispielsweise in Staatlichkeit und Anarchie: „Es gibt […] trotz aller Unterschiede in den Mundarten, Sitten und Bräuchen einen gemein-italienischen Charakter und Typ, wonach man sofort den Italiener von einem Menschen anderer Rasse […] unterscheiden kann.“[53] Im Gegensatz zum Sozialdarwinismus sieht Bakunin aber in den Unterschieden der verschiedenen Rassen keine biologischen Ursachen und sieht sein Ideal in „einer Organisation, die auf freien wirtschaftlichen Bündnissen unter den Völkern, ungeachtet aller alten Staatsgrenzen und aller nationalen Unterschiede auf der einen Grundlage beruht, und zwar der Grundlage produktiver, ganz vermenschlichter und bei aller Vielfalt völlig solidarischer Arbeit.“[54] Bakunins Biograf Max Nettlau relativiert dessen Internationalismus insofern, dass Bakunins „Abschätzungen und Urteile über sozialistische Möglichkeiten [...] eng mit dem Gesamtkomplex der europäischen Politik verbunden, und [für seine Abschätzungen und Urteile] leidenschaftliche persönliche nationale Sympathien und Aversionen in erster Linie maßgebend sind.“[55]

Postanarchistische Kritik

Postanarchistische Theoretiker kritisieren Bakunin, weil sein Denken auf essentialistischen Konzepten beruhe. Nach Saul Newman ist Bakunin zwar ein Kritiker der Unterdrückung durch den Staat und das Göttliche, setzt an deren Stelle aber essentialistische Konzepte der Aufklärung und des Humanismus, wie die Menschlichkeit und die Moral. Postanarchistischen Theoretikern zufolge können diese Konzepte dagegen auch unterdrückend wirken, weil sie abstrakte Konzepte sind, die man nicht in der Realität festmachen kann und deshalb einen äußeren Zwang auf den Menschen darstellen.[56]

Werke

Portrait Bakunins von Félix Vallotton

Zu Lebzeiten sind nur zwei größere Werke von Bakunin erschienen (Das Knuto-germanische Kaiserreich und die soziale Revolution. Teil I. und Staatlichkeit und Anarchie). Übrig blieben vor allem Fragmente, die posthum veröffentlicht wurden. Zu Lebzeiten auf seine fragmentarischen Arbeiten angesprochen, pflegte er zu antworten: „Mein Leben ist bloß ein Fragment!“[57] Bakunin wurde oft ein Talent als Redner attestiert und so erinnern seine Schriften stark an Reden.[58] Dass Bakunins Schreibstil die Proportionen zwischen Wichtigem und Nebensächlichem vermissen lasse, wird beispielsweise von Élisée Reclus hervorgehoben.[59] Dagegen sieht Max Nettlau den Schreibstil Bakunins als „intellektuelle Reise“ oder „Spaziergang mit einem brillanten libertären Gesprächspartner.“[60] Bakunin meinte zu seinem Werk: „Ich habe in meinem Leben sehr wenig geschrieben und tat dies immer nur, wenn eine leidenschaftliche Überzeugung mich dazu zwang, meinen instinktiven Widerwillen gegen jede öffentliche Ausstellung meines eigenen Ichs zu besiegen.“[61]

Schriften Bakunins (Auswahl)

  • 1842: Die Reaction in Deutschland. Ein Fragment von einem Franzosen, Zeitungsartikel. (Englisch)
  • 1847: Rußland wie es wirklich ist!, Rede. (Ausgabe Mannheim 1848)
  • 1848: Aufruf an die Slawen, Broschüre. (Deutsche Erstausgabe)
  • 1851: Beichte an Zar Nikolaus I., Brief, ISBN 3-87956-197-4
  • 1862: An meine russischen und polnischen Freunde, Zeitungsartikel. (Französisch)
  • 1866: Revolutionärer Katechismus, Programm für die Internationale Bruderschaft. Nicht zu verwechseln mit Netschajews Revolutionärem Katechismus von 1869.
  • 1867: Föderalismus, Sozialismus, Antitheologismus, Rede, ISBN 3-89771-903-7
  • 1870: Briefe an einen Franzosen zur aktuellen Krise, Brief. (Französisches Original)
  • 1871: Sozialismus und Freiheit, Fragment. (Sozialismus und Freiheit)
  • 1871: Antwort eines Mitglieds der Internationale an Giuseppe Mazzini, Zeitungsartikel.
  • 1871: Das Knuto-germanische Kaiserreich und die soziale Revolution, Teil I. Soziale Revolution oder Militärdiktatur, Buch. (Französisches Original)
  • 1871: Gott und der Staat, Buch, 1882 erstmals von Carlo Cafiero und Elisée Reclus veröffentlicht, ISBN 3-87956-222-9 (Gott und der Staat)
  • 1873: Staatlichkeit und Anarchie, Buch, ISBN 978-3-87956-319-7

Sammelbände

Literatur

  • Fritz Brupbacher: Marx und Bakunin. Ein Beitrag zur Geschichte der Internationalen Arbeiterassoziation. Die Aktion, Berlin-Wilmersdorf 1922. Neuauflage: Karin Kramer Verlag, Berlin 1976.
  • Fritz Brupbacher: Michael Bakunin. Der Satan der Revolte. Libertad Verlag, Berlin / Köln 1979, ISBN 3-922226-00-0
  • Wolfgang Eckhardt / Bernd Kramer: Bakunin-Almanach, Band 1. Karin Kramer Verlag, Berlin, 2007, ISBN 978-3-87956-320-3. (enthält eine Weiterführung der Bakunin-Bibliographie; Berlin / Köln 1994)
  • Wolfgang Eckhardt: Michail A. Bakunin (1814–1876). Bibliographie der Primär- und Sekundärliteratur in deutscher Sprache. Libertad Verlag, Berlin / Köln 1994, ISBN 3-922226-20-5
  • Wolfgang Eckhardt: Von der Dresdner Mairevolution zur Ersten Internationalen. Untersuchungen zu Leben und Werk Michail Bakunins. Verlag Edition AV, Lich 2005, ISBN 3-936049-53-X
  • Madeleine Grawitz: Bakunin. Ein Leben für die Freiheit. Edition Nautilus, Hamburg 1999, ISBN 3-89401-339-7
  • Ricarda Huch: Michail Bakunin und die Anarchie. Suhrkamp Verlag, Frankfurt 1972, ISBN 3-518-37993-3
  • Michael Lausberg: Bakunins Philosophie des kollektiven Anarchismus. Unrast Verlag, Münster 2008, ISBN 978-3-89771-483-0
  • Arthur Lehning: Unterhaltungen mit Bakunin. Franz Greno, Nördlingen 1987, ISBN 3-89190-228-X
  • Max Nettlau: Michael Bakunin. Eine biographische Skizze. Berlin 1901.
  • Georg Steklow: Michael Bakunin. Ein Lebensbild. Stuttgart 1913. (Kap. I-V & Kap. VI-XI)
  • Wim van Dooren: Bakunin zur Einführung. Junius Verlag, Hamburg 1985, ISBN 3-88506-817-6
  • Justus Franz Wittkop: Bakunin. Rowohlt Verlag, Hamburg 1974, ISBN 3-499-50218-6

Weblinks

Einzelnachweise

  1. zitiert nach Lehning, Arthur: Unterhaltungen mit Bakunin. Nördlingen, 1987, S. 49.
  2. zitiert nach Bakunin, Michail: Beichte aus der Peter-Pauls-Festung an Zar Nikolaus I. Frankfurt a.M., 1973, S. 55.
  3. a b zitiert nach Elysard, Jules (Michail Bakunin): Die Reaction in Deutschland. Ein Fragment von einem Franzosen. In: Deutsche Jahrbücher für Wissenschaft und Kunst, Nr. 247-251, 1842.
  4. zitiert nach Brupbacher, Fritz: Michael Bakunin: Der Satan der Revolte. Zürich 1929, S. 67.
  5. zitiert nach Grawitz, Madeleine: Bakunin. Ein Leben für die Freiheit. Edition Nautilus, Hamburg 1999, S. 203.
  6. zitiert nach Herzen, Alexander: Mein Leben, Bd. III, 1852–1868. Berlin 1962, S. 450.
  7. zitiert nach MEW. Band 31, Berlin 1965, S. 16.
  8. zitiert nach Kropotkin, Peter A.: Memoiren eines Revolutionärs, Band I. Münster 2002, S. 187
  9. vgl. Ravindranathan, T. R.: Bakunin in Naples. An Assessment. In: Journal of Modern History 53, Juni 1983, S. 189–212.
  10. zitiert nach Lehning, Arthur: Unterhaltungen mit Bakunin. Nördlingen 1987, S. 389.
  11. vgl. Nettlau, Max: Bibliographie de l'anarchie. Brüssel 1897, S. 52.
  12. a b vgl. Angaut, Jean-Christophe: Liberté et histoire chez Michel Bakounine. Nancy 2005, S. 364 ff. (Angaut: Bakounine 2.Teil)
  13. zitiert nach Bakunin, Michail: Schreiben an die "Brüder der Allianz". In: Nettlau, Max (Hrsg.): Gesammelte Werke. Berlin 1921-1924.
  14. zitiert nach Bakunin, Michail: Der Sozialismus. In: Nettlau, Max: Michael Bakunin. Gesammelte Werke. Band III, Berlin 1924, S. 69.
  15. zitiert nach Bakunin, Michail: Die revolutionäre Frage. Föderalismus, Sozialismus, Antitheologismus. Münster 2005, S. 62
  16. a b c vgl. Bakunin, Michail: Revolutionary Catechism. 1866.
  17. vgl. Bakunin, Michail: Das Knuto-germanische Kaiserreich und die soziale Revolution, Teil I. 1871.
  18. zitiert nach Bakunin, Michail: Gott und der Staat. Karin Kramer Verlag, Berlin 2007, S. 56.
  19. vgl. Bakunin, Michail: Das Knuto-germanische Kaiserreich und die soziale Revolution, Teil I. 1871.
  20. zitiert nach Bakunin, Michail: Brief an „La Démocratie“ (Genf). In: Nettlau, Max (Hrsg.): Gesammelte Werke. Berlin 1921-1924.
  21. vgl. Bakunin, Michail: Die revolutionäre Frage. Föderalismus, Sozialismus, Antitheologismus. Münster 2005, S. 60
  22. zitiert nach Bakunin, Michail: Gott und der Staat. Karin Kramer Verlag, Berlin 2007, S. 57.
  23. zitiert nach Bakunin, Michail: Die revolutionäre Frage. Föderalismus, Sozialismus, Antitheologismus. Münster 2005, S. 32
  24. vgl. Bakunin, Michail: Der Sozialismus. In: Nettlau, Max: Michael Bakunin. Gesammelte Werke. Band III, Berlin 1924, S. 69ff.
  25. vgl. Bakunin, Michail: An die Genossen der Internationalen Arbeiter-Assoziation von Locle und La Chaux-de-Fonds. In: Nettlau, Max: Michael Bakunin. Gesammelte Werke. Band II, Berlin 1923, S. 11.
  26. zitiert nach Bakunin, Michail: Gott und der Staat. Karin Kramer Verlag, Berlin 2007, S. 70.
  27. vgl. Bakunin, Michail: Lettres à un Français sur la crise actuelle. Neuchâtel 1870, S. 16ff.
  28. vgl. Bakunin, Michail: Letter to Nechayev on the role of secret revolutionary societies
  29. vgl. Bakunin, Michail: Staatlichkeit und Anarchie (1873). Berlin 2007, S. 165.
  30. vgl. Bakunin, Michail: Die revolutionäre Frage. Föderalismus, Sozialismus, Antitheologismus. Münster 2005, S. 59.
  31. vgl. Bakunin, Michail: Revolutionärer Katechismus. In: Nettlau, Max: Michael Bakunin. Gesammelte Werke. Band III, Berlin 1924, S. 28.
  32. vgl. Bakunin, Michail: Gott und der Staat. Karin Kramer Verlag, Berlin 2007, S. 60ff.
  33. zitiert nach Bakunin, Michail: Staatlichkeit und Anarchie (1873). Berlin 2007, S. 375.
  34. zitiert nach Bakunin, Michail: Gott und der Staat. Karin Kramer Verlag, Berlin 2007, S. 56.
  35. zitiert nach Bakunin, Michail: Gott und der Staat. Karin Kramer Verlag, Berlin 2007, S. 58ff.
  36. zitiert nach Bakunin, Michail: Staatlichkeit und Anarchie (1873). Berlin 2007, S. 131.
  37. vgl. Bakunin, Michail: Gott und der Staat. Karin Kramer Verlag, Berlin 2007, S. 85ff.
  38. vgl. Bakunin, Michail: Gott und der Staat. Karin Kramer Verlag, Berlin 2007, S. 108ff.
  39. zitiert nach Bakunin, Michail: Die revolutionäre Frage. Föderalismus, Sozialismus, Antitheologismus. Münster 2005, S. 89
  40. zitiert nach Bakunin, Michail: Die revolutionäre Frage. Föderalismus, Sozialismus, Antitheologismus. Münster 2005, S. 89
  41. zitiert nach Bakunin, Michail: Gott und der Staat. Karin Kramer Verlag, Berlin 2007, S. 51.
  42. vgl. Nettlau, Max: Bakunin und die Internationale in Italien bis zum Herbst 1872. In: Grünberg, Carl (Hrsg.): Archiv für die Geschichte des Sozialismus und der Arbeiterbewegung. Nr. 04, 1914.
  43. vgl. Nettlau, Max: Bakunin und die Internationale in Spanien 1868–1873. In: Grünberg, Carl (Hrsg.): Archiv für die Geschichte des Sozialismus und der Arbeiterbewegung. Nr. 02, 1912.
  44. vgl. Nettlau, Max: Der Anarchismus von Proudhon zu Kropotkin. Seine historische Entwicklung in den Jahren 1859-1880. Berlin 1927, S. 107ff.
  45. Brockhaus: http://www.brockhaus.de/aktuell/thema.php?t_id=93&jahr=2001. Stand: 5. Januar 2008. „Der Terrorismus ist hauptsächlich ein Phänomen der Neuzeit, dessen erster Theoretiker Michail Alexandrowitsch Bakunin (1814–1876) verkündete, dass die »Lust an der Zerstörung auch ein schöpferischer Drang« sei.“
  46. Der Spiegel: http://www.spiegel.de/schulspiegel/0,1518,296368,00.html. Stand: 5. Januar 2008. „Das Phänomen des Terrorismus, ist keineswegs neu. Bereits in der Antike philosophierten griechische und römische Denker über die Legitimation des Tyrannenmordes. Im Russland des 19. Jahrhunderts vertrat der Anarchist Michail A. Bakunin die Auffassung, dass die ‚Lust an der Zerstörung auch ein schöpferischer Drang‘ sei.“
  47. Das Gespräch aus der Ferne: http://www.gadf.de/. Heft Nr. 382, Stand: 5. Januar 2008. „Ein Wegbereiter war Michail Bakunin (1814–1876), der russische Begründer des Anarchismus. Er predigte den radikalen Umsturz der „herrschenden Verhältnisse“ mittels Gewalt, nannte die „Lust an der Zerstörung“ selbst einen „schöpferischen Drang“.“
  48. zitiert nach Bakunin, Michail: Staatlichkeit und Anarchie (1873). Berlin 2007, S. 131.
  49. zitiert nach Bakunin, Michail: Gesammelte Werke Band 3, S. 84 ff.
  50. zitiert nach Bakunin, Michail: Gesammelte Werke Band 3, S. 86.
  51. zitiert nach Bakunin, Michail: Staatlichkeit und Anarchie (1873). Berlin 2007, S. 313.
  52. zitiert nach Nettlau, Max: Michael Bakunin. Gesammelte Werke. Band III, Berlin 1924, S. 209.
  53. vgl. Bakunin, Michail: Staatlichkeit und Anarchie (1873). Berlin 2007, S. 140.
  54. zitiert nach Bakunin, Michail: Staatlichkeit und Anarchie (1873). Berlin 2007, S. 161.
  55. vgl. Nettlau Max: Geschichte der Anarchie, Band III. Anarchisten und Sozialrevolutionäre. Impuls Verlag, Leipzig 1978, S. 37.
  56. vgl. Newman, Saul: From Bakunin to Lacan. Anti-Authoritarianism and the Dislocation of Power. Lanham 2001, S. 40ff.
  57. zitiert nach J.M.W.: The Torch of Anarchy. Mikhail Bakunin.
  58. vgl. Brupbacher, Fritz: Michael Bakunin: Der Satan der Revolte. Zürich 1929, S. 87.
  59. vgl. Reclus, Elisée: Vorwort zur französischen Erstausgabe Genf 1882. In: Bakunin, Michail: Gott und der Staat. Karin Kramer Verlag, Berlin 2007, S. 116.
  60. zitiert nach Nettlau, Max (Hrsg.): Miguel Bakunin. Obras. V. Barcelona 1939, S. 6ff.
  61. zitiert nach Präambel zur zweiten Lieferung von "L'Empire knouto-germanique et la révolution sociale". In: Michail Bakunin, Horst Stuke (Hrsg.): Staatlichkeit und Anarchie. Frankfurt a. M., Berlin, Wien 1972.

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