Balaena mysticetus
Grönlandwal
Grönlandwal

Grönlandwal

Systematik
Überordnung: Laurasiatheria
Ordnung: Wale (Cetacea)
Unterordnung: Bartenwale (Mysticeti)
Familie: Glattwale (Balaenidae)
Gattung: Balaena
Art: Grönlandwal
Wissenschaftlicher Name
Balaena mysticetus
Linnaeus, 1758
Verbreitungsgebiet

Der Grönlandwal (Balaena mysticetus) ist eine bis 18 m lange Art der Glattwale in arktischen Meeren. Wissenschaftliche Untersuchungen zeigen, dass sie über 200 Jahre alt werden können.[1] [2]

Inhaltsverzeichnis

Körperbau

Grönlandwal (Foxe Basin)
Grönlandwal (Foxe Basin)

Da der Grönlandwal nur in arktischen Gewässern lebt, hat er eine bis zu 60 cm dicke Fettschicht, die ihn vor der eisigen Kälte schützt. Der Kopf ist im Verhältnis zum Körper sehr groß, fast ein Drittel der Gesamtlänge wird vom Kopf eingenommen. Das hat den Vorteil, dass das Maul groß werden kann: Es kann bis zu fünf Metern lang, vier Meter hoch und zweieinhalb Meter breit werden. Allein die Zunge kann ein Gewicht von fast 900 kg erreichen. Er besitzt zwei Blaslöcher, aus denen er zwei „Fontänen“ über vier Meter weit in die Luft blasen kann.

Der Grönlandwal hat eine dunkelblaue bis schwarze Farbe. Nur am Unterkiefer befindet sich ein weißer Fleck mit unregelmäßig angeordneten schwarzen Punkten. Am Bauch sind öfter weiße oder graue Striche vorhanden.

Der Grönlandwal hat keine Finne. Die Fluke kann eine maximale Länge von 8 Metern erreichen. Die Brustflossen sind im Verhältnis zur Körpergröße klein. Sie sind paddelförmig.

Ausgewachsene Männchen können bis zu 16 Metern lang werden und erreichen ein Gewicht von 50 bis 70 Tonnen. Die Weibchen werden sogar noch größer: Sie erreichen eine Länge von 18 Metern und ein Gewicht von bis zu 100 Tonnen.

Nahrung

Der Grönlandwal frisst Plankton, einschließlich aller Kleinkrebse sowie Krustentiere (z. B. Krill). Er nimmt täglich etwa 1,8 Tonnen Nahrung zu sich. Erwachsene Tiere brauchen im Jahr schätzungsweise 100 Tonnen Nahrung. Er besitzt zwischen 325 und 360 Barten auf jeder Seite. Während der Nahrungsaufnahme schwimmt der Wal mit ständig geöffnetem Maul. Dabei verfangen sich die Kleintiere in den Barten, die mit der Zunge abgestreift und geschluckt werden. Die Barten dieses Wales sind sogar so fein, dass er so kleine Tiere aus dem Wasser filtern kann, die andere Walarten nicht erwischen können. Da dieser Wal bis zu 15 Minuten lang untergetaucht bleiben kann, ist die Nahrungssuche auch im tieferen Wasser möglich.

Fortpflanzung

Die Paarung findet im Frühling oder Frühsommer statt. Die Tragzeit beträgt etwa 13 Monate, im April oder Juni kommt das Junge zur Welt. Neugeborene Kälber sind noch etwa 4 Meter lang. Das Kalb wird ein halbes Jahr lang gesäugt. Der Abstand zwischen zwei Geburten beträgt für gewöhnlich drei Jahre. Kälber werden schon mit einer dicken Speckschicht geboren.

Verhalten

Grönlandwale

Während der Wanderungen im Frühling und Herbst tun sich die Grönlandwale zu Gruppen von bis zu 14 Tieren zusammen, die in einer V-förmigen Formation schwimmen. Vor der Zeit des exzessiven Walfangs sollen diese Verbände aus bis zu hundert Einzeltieren bestanden haben.

Der Grönlandwal bleibt das gesamte Jahr über in den arktischen Meeren. Im arktischen Winter kann er sich mittels Echoortung im Dunkeln zurechtfinden.

Die durchschnittliche Lebensdauer beträgt vierzig Jahre. Anhand alter Harpunenspitzen im Körper erlegter Wale konnte man aber feststellen, dass Grönlandwale weit älter als 100 Jahre werden können. Mittels molekularbiologischer Untersuchungen wurde das Alter eines Tieres sogar auf 211 Jahre bestimmt. Damit sind sie die langlebigsten Säugetiere.

Schutz

Harpunierter Grönlandwal (Iglulik 2002); das Foto macht die Größenverhältnisse deutlich.

Der Grönlandwal war früher so überaus häufig, dass er von den britischen Walfängern als Common Whale („Gewöhnlicher Wal“) bezeichnet wurde. Wegen der dicken Fettschicht und der langen Barten galt er als kommerziell sehr wertvoll. Schon im frühen 18. Jahrhundert war der Grönlandwal in der Umgebung Spitzbergens beinahe ausgerottet. Der Fang verlagerte sich in die Gewässer zwischen Grönland und Kanada, wo die Bestände während des 18. und 19. Jahrhunderts geplündert wurden. Ab der Mitte des 19. Jahrhunderts begannen die USA, den Walfang auch im Beringmeer voranzutreiben, womit die Jagd auf die pazifischen Grönlandwale ebenfalls eröffnet war.

1931 wurden die Wale als weltweit erste Wildtierart überhaupt vom Völkerbund unter Schutz gestellt.[3]

Durch Schutzmaßnahmen nehmen die noch geringen Bestände wieder zu. Weltweit gibt es nun schätzungsweise zwischen 5.000 und 8.000 Grönlandwale, die jedoch fast alle im Nordpazifik leben. Im Nordatlantik galt die Art Anfang des 20. Jahrhunderts als völlig ausgestorben, doch auch hier scheint eine kleine Population überlebt zu haben, die sich wieder zu vermehren beginnt.

Die ursprüngliche Bestandsgröße am Anfang des 17. Jahrhunderts, also noch vor dem systematischen Walfang, lässt sich schwer einschätzen, lag aber wahrscheinlich bei 50.000 Grönlandwalen. Bis zum Anfang des 20. Jahrhunderts wurde der Bestand aber fast ganz ausgerottet. Seit 1946 sind die Grönlandwale komplett geschützt und dürfen nicht mehr gejagt werden. Dennoch gibt es noch immer Sonderlizenzen, die es einigen Inuit-Stämmen erlauben, eine festgelegte Anzahl an Walen zu jagen, um ihr eigenes Überleben zu sichern. In den letzten Jahren wurden etwa 50 Tiere jährlich gejagt.[4] Um das Jahr 1900 wurden oft 200 Tiere pro Jahr erlegt. Damals waren die verwertbaren Teile eines solchen Tieres noch sehr wertvoll, aber seit der Erfindung von Ersatzstoffen lohnt sich die Jagd kaum noch.

Literatur

Grönlandwal
  • M. Carwardine: Wale und Delphine. Delius Klasing, 1996, ISBN 3-7688-0949-8 (hochwertiger Führer)
  • Ralf Kiefner: Wale und Delphine weltweit. Jahr Top Special Verlag, 2002, ISBN 3-86132-620-5 (Führer der Zeitschrift "tauchen", sehr detailliert)
  • J. Niethammer, F. Krapp (Hrsg): Handbuch der Säugetiere Europas. Band 6: Meeressäuger, Teil 1 A: Wale und Delphine. AULA-Verlag, Wiesbaden 1994, ISBN 3-89104-559-X (sehr detailliertes Fachbuch)
  • R. R. Reeves, B. S. Stewart, P. J. Clapham, J. A. Powell: See Mammals of the World - a complete Guide to Whales, Dolphins, Seals, Sea Lions and Sea Cows. A&C Black, 2002, ISBN 0-7136-6334-0 (Führer mit zahlreichen Bildern)
  • M. Würtz, N. Repetto: Underwater world: Dolphins and Whales. White Star Guides, 2003, ISBN 88-8095-943-3 (Bestimmungsbuch)

Quellen

  1. Bowhead Whales May Be the World's Oldest Mammals
  2. vgl. „Uralte Harpune in totem Wal gefunden“, Artikel auf SPIEGEL Online Abgerufen am 13.06.2007.
  3. n-tv.de, Fundsache, Nr. 186 – Mehr Grönlandwale vor Grönland, 10. August 2007
  4. http://www.iwcoffice.org/_documents/table_aboriginal.htm

Weblinks


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