Balch
بلخ
Balch
Balch (Afghanistan)
Balch
Balch
Basisdaten
Staat Afghanistan
Provinz Balch
Einwohner 11.300 (2003)
ISO 3166-2 AF-BAL
36.75805555555666.898888888889
Balch und die Seidenstraße
Hellenisches Kapitell aus Balkh
Die Grüne Moschee von Balch

Balch (auch Balkh; persisch ‏بلخ‎, DMG Balḫ, altgriechisch Baktra oder Zariaspa) ist eine Stadt in der Provinz Balch im Norden von Afghanistan und ein Vorort von Masar-e Scharif, der größten Stadt Nordafghanistans, und gleichzeitig die wichtigste Wallfahrtsstätte des Landes. Die Einwohnerzahl betrug 7.242 (Volkszählung 1979) und 11.300 (Schätzung 2003).

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Balch gilt als eine Wiege der iranischen Zivilisation. In der Antike unter dem Namen Baktra (griech.: Βακτρα) bekannt, war sie die Hauptstadt Baktriens. In Baktra traf die Seidenstraße auf eine andere Handelsroute, die in nordwestlicher Richtung dem Lauf des Oxus folgend zum Kaspischen Meer führte, sowie in südöstlicher Richtung über den Khyberpass nach Vorderindien.

Um das Jahr 500 v. Chr. wurde Baktrien von den Persern erobert und dem Perserreich einverleibt. Bis zur Eroberung Persiens durch Alexander den Großen blieb Baktrien eine der wichtigsten Satrapien der Achämeniden. Dareios II. war selbst Sohn einer baktrischen Mutter; nach dem Tod Dareios III. wurde der Statthalter von Baktrien, Bessos, zum neuen Herrscher ausgerufen; er unterlag aber bald darauf Alexander dem Großen. Im Winter 329/28 v. Chr. befand sich in Baktra auch das Hauptquartier Alexanders.

Unter der Herrschaft der Seleukiden war Baktra/Balch fast ausschließlich eine griechische Kolonie. Nach 250 v. Chr. wurde es Bestandteil des nun selbständigen griechisch-baktrischen Reiches, bevor dieses im 2. Jahrhundert dem Ansturm der Saken unterlag. Unter dem Einfluss des Buddhismus entstand hier eine griechisch-buddhistische Mischkultur. Die im Jahre 2001 durch die Taliban zerstörten Buddha-Statuen von Bamiyan entstammen dieser Kultur.

In der Spätantike war Baktra unter den Sassaniden wieder Teil eines vereinten Perserreichs, bevor die Stadt im 7. Jahrhundert von den Arabern erobert und islamisiert wurde. Im Mittelalter war Balch eine Hauptstadt der (aus der Stadt selbst stammenden) Samaniden und entwickelte sich zu einem Zentrum der persischen Kultur und Literatur. Nach dem Fall der Samaniden war sie abwechselnd unter der Herrschaft der Ghaznawiden, Ghuriden, Seldschuken und der Choresm-Schahs, bevor die Stadt von den Mongolen erobert und vollkommen zerstört wurde. Nach dem Wiederaufbau wurde Balch von Timur-e Lang erobert, und entwickelte sich unter seinen Nachkommen, den Timuriden, zu einer der wichtigsten Städte Chorasans.

Ende des 18. Jahrhunderts wurde die Stadt von den Afghanen unter der Führung Ahmad Schah Durranis erobert und dem neu gegründeten Afghanistan einverleibt. Danach geriet Balch unter die Herrschaft des expandierenden Russland, bevor die Stadt Mitte des 19. Jahrhunderts - im Verlaufe des Great Game und den darauf basierenden Verträge zwischen den europäischen Kolonialmächten Russland und Großbritannien - endgültig Afghanistan zugesprochen wurde.

Berühmter Sohn der Stadt war der Sufi und Dichter Dschalal ad-Din Rumi (Maulana). Die bekannteste Dichterin der Stadt war Râbia-e Balkhi.

Persönlichkeiten

Siehe auch

Weblinks

 Commons: Balkh – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

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