Balduin II. von Jerusalem
Balduin übergibt den Tempel Salomons an Hugues de Payns und Gaudefroy de Saint-Homer.

Balduin von Bourcq († 21. August 1131) war Herr von Bourcq, von 1100 bis 1131 Graf von Edessa und als Balduin II. von 1118 bis zu seinem Tod König von Jerusalem.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Er war ein Sohn des Hugo I., Graf von Rethel.

1096 bis 1099 nahm er am Ersten Kreuzzug ins Heilige Land teil. Dort übernahm er 1101 die Grafschaft Edessa von seinem Vetter, Balduin I., dem er 1118 auch auf dem Thron von Jerusalem folgte, woraufhin er die Grafschaft Edessa seinem Vetter (die Mütter waren Schwestern) Joscelin von Courtenay übergab.

Als Graf von Edessa wurde Balduin 1104 von den Seldschuken nach der Schlacht von Harran gefangen genommen und erst 1108, nach vier Jahren, freigelassen.

Fast unmittelbar nach seiner Thronbesteigung in Jerusalem wurde das Königreich gleichzeitig von Syrien her durch die Seldschuken und von Ägypten her durch die Fatimiden angegriffen. Balduin II. gelang es, beide Gegner zurückzudrängen. 1119 wurde das Fürstentum Antiochia angegriffen, die Kreuzfahrer unterlagen in der Schlacht von Ager Sanguinis; trotz dieser schweren Niederlage gelang es Balduin noch im gleichen Jahr, die Seldschuken aus dem Fürstentum zu vertreiben.

1123 wurde er bei einer Grenzpatrouille in der Grafschaft Edessa erneut von den Seldschuken (von Balak ibn Bahram) gefangen genommen, diesmal aber bereits im Folgejahr freigelassen. In der Zwischenzeit hatten die Kreuzritter mit Hilfe einer venezianischen Flotte Tyrus belagert und erobert. Diese Hilfe führte zur Einrichtung von Handelskolonien der italienischen Republiken, nicht nur Venedigs, in den Küstenstädten des Königreichs, die autonom und frei von Steuerlasten und militärischen Pflichten waren.

In die Regierungszeit Balduins II. fällt die Gründung der ersten beiden Ritterorden. 1118 gründete Hugo von Payns in Jerusalem den Templerorden, der seinen Namen dem Umstand verdankt, dass Balduin ihm seinen ehemaligen Palast auf dem Tempelberg als Hauptquartier zur Verfügung stellte. Auch der Johanniterorden trat bald als Militärorden auf und die karitativen Ziele, die er ursprünglich hatte, rückten in den Hintergrund.

1125 sammelte Balduin die Ritter aller Kreuzfahrerstaaten um sich, und schlug die Seldschuken in der Schlacht von Azaz, obwohl deren Armee wesentlich größer war. Als Folge der Schlacht gelang es den Kreuzrittern, viel von dem Einfluss wiederherzustellen, den sie nach dem „Ager Sanguinis“ verloren hatten. Hätten Antiochia und Edessa nach dem Sieg nicht damit begonnen, sich untereinander zu bekämpfen, wäre es Balduin vielleicht gelungen, Aleppo zu erobern. Statt dessen wurden Aleppo und Mosul 1128, unter Zengi vereint. Balduin wandte sich gegen Damaskus, dessen Eroberung aber fehlschlug.

Balduin II. hatte 1101 Morphia von Melitene geheiratet, die Tochter des armenischen Fürsten Gabriel von Melitene. Balduin hatte keine Söhne, aber vier Töchter, Melisende, Alice, Hodierna und Ioveta. Er verheiratete Melisende 1129 mit dem Grafen Fulko V. von Anjou; Fulko und Melisande regierten nach Balduins Tod 1131 gemeinsam. Alice heiratete Bohemund II. von Antiochia, Hodierna Raimund II., den Grafen von Tripolis; Ioveta wurde Äbtissin von Bethanien.

Vorfahren Balduins II.

Manasses I.,
Graf von Rethel
Dada Giselbert I. (* um 950; † 990),
Graf von Roucy
n.n.
Tochter des Grafen Wilhelm III. von Poitiers
Milon de Montlhéry (1034/57 bezeugt) n.n. Wilhelm von Gometz,
Herr von Gometz
n.n.
Manasses II.,
Graf von Rethel
Judith von Roucy Guy I. de Montlhéry (* um 1015; † 1095),
Herr von Rochefort-en-Yvelines
Hodierne de Gometz (* um 1020; † 1074)
Hugo I. († 1118),
Graf von Rethel
Mélisende de Montlhéry
Balduin du Bourcq († 1131),
Graf von Edessa, dann König von Jerusalem

Zur Verwandtschaft mit Balduin I.

Die Frage der Verwandtschaft zwischen den Königen Balduin I. und Balduin II. von Jerusalem wird von Historikern seit langem diskutiert. Sie wird erstmals von Wilhelm von Tyrus, Kanzler von Jerusalem unter Balduin IV. erwähnt, der Balduin II. als consanguineus (Blutsverwandten) von Balduin I. bezeichnet. Zur Erklärung dieser Aussage wurden mehrere Lösungen vorgeschlagen:

  • Mélisende de Montlhéry, Ehefrau von Hugo I. von Rethel und Mutter von Balduin II. sei die Schwester von Eustach II. von Boulogne gewesen. Dies ist jedoch mit Sicherheit nicht der Fall, die Eltern Balduins I. und Balduins II. sind bekannt.
  • Yvette, oder Judith, Ehefrau von Manasses II. von Rethel und Mutter von Hugo I. sei eine Tochter von Eustach I. von Boulogne. Von Yvette weiß man jedoch, dass sie eine Schwester des Eble de Roucy war. Der Möglichkeit, dass eine Witwe eines Grafen von Roucy einen Grafen von Boulogne geheiratet habe oder umgekehrt, steht das Schweigen der zeitgenössischen Quellen dazu gegenüber.

Alan V. Murray hat eine neue Hypothese vorgelegt: der erste bekannte Graf von Rethel ist Manasses I., Urgroßvater von Balduin II., 1026 bezeugt und mit einer Dada verheiratet. Dieser Vorname ist ähnlich dem Vornamen Doda, demjenigen der Ehefrau von Gottfried II. von Niederlothringen und Großmutter mütterlicherseits von Gottfried von Bouillon und Balduin I. Wenn Doda die Tochter von Manasses und Dada war, würde dies die Verwandtschaft zwischen Balduin I. und Balduin II. als Vettern zweiten Grades erklären:

  1. Manasses I., Graf von Rethel ∞ Dada
    1.  ? Doda ∞ Gottfried II. der Bärtige, Herzog von Niederlothringen
      1. Ida von Lothringen ∞ Eustach II., Graf von Boulogne
        1. Balduin I.
        2. Gottfried von Bouillon
    2. Manasses II., Graf von Rethel ∞ Judith de Roucy
      1. Hugo I., Graf von Rethel ∞ Mélisende de Montlhéry
        1. Balduin II.

Andere Lösungsansätze führen die Genealogie der beiden über sieben beziehungsweise acht Generationen zurück, um einen gemeinsamen Ahnherren zu finden, wobei jedoch nicht klar wird, ob dies im frühen Mittelalter noch als consanguineus bezeichnet wurde.

Literatur

  • Alan V. Murray: The crusader Kingdom of Jérusalem, A Dynastic History 1099–1125. Linacre College Oxford, 2000, ISBN 1-900934-03-5

Weblinks

Vorgänger Amt Nachfolger
Balduin I. König von Jerusalem
1118–1131
Fulko und Melisende
Graf von Edessa
1100–1118
Joscelin I.

Wikimedia Foundation.

Schlagen Sie auch in anderen Wörterbüchern nach:

  • Balduin II. (Jerusalem) — Balduin übergibt den Tempel Salomons an Hugo von Payns und Gottfried von Saint Omer. Balduin von Bourcq (* vor 1080 † 21. August 1131) war Herr von Bourcq, von 1100 bis 1131 Graf von E …   Deutsch Wikipedia

  • Balduin II. (Lateinisches Kaiserreich) — Balduin II. von Courtenay (* 1217; † 1273 in Neapel) war von 1228 bis 1261 der letzte Kaiser des Lateinischen Kaiserreichs aus dem Haus Courtenay. Leben Kaiser Balduin II. verabschiedet 1260 die Brüder Niccolò und Maffeo Polo zu ihrer Reise nach… …   Deutsch Wikipedia

  • Balduin II. — Balduin hießen folgende Herrscher: Inhaltsverzeichnis 1 Balduin I. 2 Balduin II. 3 Balduin III. 4 Balduin IV. 5 Balduin V. 6 Balduin VI.–IX …   Deutsch Wikipedia

  • Balduin von Ibelin (Bailli von Jerusalem) — Balduin von Ibelin (frz. Baudouin d Ibelin; * um 1245; † nach August 1286) war ein führender Adliger des Königreichs Zypern aus dem Haus Ibelin. Er war ein Sohn des Guido von Ibelin, Marschall und Connétable von Zypern, und der Philippa Barlais.… …   Deutsch Wikipedia

  • Lateinischer Patriarch von Jerusalem — Basisdaten Staat Palästinensische Autonomiegebiete, Teile von Israel, Jordanien und Zypern Kirchenprovinz Immediat …   Deutsch Wikipedia

  • Lateinisches Patriarchat von Jerusalem — Basisdaten Staat Palästinensische Autonomiegebiete Israel Jordanien Zypern Kirchenprovinz …   Deutsch Wikipedia

  • Haute Cour von Jerusalem — Die Haute Cour (dt. Hohes Gericht, Hoher Gerichtshof; englisch High Court) war der feudale Rat des Königreichs Jerusalem; sie wurde manchmal auch curia generalis, curia regis und seltener Parlament genannt. Inhaltsverzeichnis 1 Zusammensetzung… …   Deutsch Wikipedia

  • König von Jerusalem — Wappen des Königreichs Jerusalem Das Königreich Jerusalem war einer der Kreuzfahrerstaaten in Outremer (Palästina). Es bestand von 1099 bis 1291 und umfasste zur Zeit seiner größten Ausdehnung die Gebiete des heutigen Israel ohne den Negev, einen …   Deutsch Wikipedia

  • Liste der Krönungen der Könige von Jerusalem — König Balduin III. von Jerusalem wird gekrönt. Mittelalterliche Darstellung aus dem 13. Jahrhundert. Die Liste der Krönungen der Könige von Jerusalem beinhaltet alle Erstkrönungen und Salbungen der Könige des Königreichs Jerusalem von seiner… …   Deutsch Wikipedia

  • Liste der Könige von Jerusalem — Die Liste der Könige von Jerusalem beinhaltet alle Könige und Königinnen des Königreichs Jerusalem von seiner Begründung nach dem ersten Kreuzzug im Jahr 1099 bis zu seinem Ende im Jahr 1291. Farblich unterlegte und dick geschriebene Könige bzw.… …   Deutsch Wikipedia

Share the article and excerpts

Direct link
Do a right-click on the link above
and select “Copy Link”