Balibo Kota
Subdistrikt Balibo
Balibo (Osttimor)
DMS
Hauptstadt Balibo
Fläche 296 km²[1]
Einwohnerzahl (2004)[2] 13.540
Sucos Einwohner
Balibo Kota 3.571
Batugade 1.841
Cová 1.940
Leohitu 2.741
Leolima 1.666
Sanirin 1.781
Übersichtskarte
Balibo im Westen des Distrikt Bobonaro
Lage des Distrikts Bobonaro

Die osttimoresische Stadt Balibo (Balibó) ist die Hauptstadt des gleichnamigen Subdistrikt Balibo und des Suco Balibo Kota (Balibo Stadt). Der Ort erlangte traurige Berühmtheit aufgrund der sogenannten Balibo Deklaration und dem Tod der Balibo Five.

Inhaltsverzeichnis

Die Stadt Balibo und der Suco Balibo Kota

Balibo liegt etwa 10 km von der indonesischen Grenze entfernt im äußerten Nordwesten des Landes im Distrikt Bobonaro.

Human Rights Watch schätzt, dass während der Unruhen von 1999 etwa 70 % der Stadt durch Milizen zerstört wurden. Internationale Hilfsorganisationen haben beim Wiederaufbau Hilfe geleistet, so beim Schulwohnheim für Schüler aus abgelegenen Ortschaften, das vollkommen zerstört war.

In der Stadt liegt eine 400 Jahre alte, beachtliche Festung, die zum Schauplatz mehrerer Gefechte während der indonesischen Invasion 1975 wurde. Während der INTERFET-Mission (International Force for East Timor) wurde die Festung nach dem indonesischen Abzug 1999 von 1.000 Mann der UN-Truppen als Stützpunkt benutzt. Im selben Jahr gab Kylie Minogue im Rahmen ihrer Tour of Duty series of concerts hier ein Konzert für die UN-Truppen.

Auf dem Hauptplatz befindet sich immer noch das indonesische „Integrationsdenkmal“ (Integrasi monument). Es stellt einen timoresischen Bauern dar, der die Fesseln der portugiesischen Kolonialherrschaft zerreißt und eine Flagge hält.

Der Subdistrikt Balibo

Verwaltungsgliederung von Bobonaro
Grenzposten bei Mota'ain

Balibo liegt im Westen des Distrikts Bobonaro an der Sawusee. Im Nordosten grenzt es an den Subdistrikt Atabae und im Westen befindet sich jenseits des Flusses Nunura der Subdistrikt Maliana. Im Süden wird Balibo vom indonesischen Westtimor umschlossen. Einen Großteil der internationalen Grenze bildet der Fluss Talau, der schließlich in den Nunura mündet.

Der Subdistrikt teilt sich in sechs Sucos: Balibo Kota (Balibo Vila, , Balibo-Stadt), Batugade, Cová (Cowa, Kowa), Leohitu (Leohito), Leolima und Sanirin (Sanir, Saniry). Der Suco Balibo Kota (Tetum für Balibo Stadt) liegt im Zentrum des Subdistrikts mit dem Ort Balibo in der Mitte. Alle anderen Sucos des Distrikts grenzen an Balibo Kota und umschließen ihn vollständig.

Die Important Bird Area Be Malae-Atabae ist ein für Ornithologen interessantes Gebiet von 3.000 ha mit Wald und Feuchtgebieten. [3]

Im Subdistrikt Balibo leben 13.540 Menschen (2004). Die größte Sprachgruppe bilden die Sprecher der Nationalsprache Kemak. Eine weitere Gruppe spricht Bekais. Der Altersdurchschnitt beträgt 20,0 Jahre.[1]

91 % der Haushalte bauen Mais an, 77 % Kokosnüsse, 76 % Maniok und 17 % Reis.[1] Bei Leolima wird ein Wiederaufforstungsprojekt betrieben. Bei Batugade befindet sich der wichtigste offizielle Grenzübergang des Landes Osttimors zu Indonesien.

Geschichte

Kolonialzeit

Balibo, Cová und Sanirin waren früher traditionelle Reiche Timors, die von Liurais regiert wurden. Sie erscheinen auf einer Liste von Afonso de Castro, einem ehemaligen Gouverneur von Portugiesisch-Timor, der im Jahre 1868 47 Reiche aufführte.[4][5] Das Reich Covás reichte von der Nordküste bis ins Gebiet des niederländischen Westtimors. Auch Batugade, mit seiner portugiesischen Festung, lag auf dem Gebiet Covás.[6]

1865 vereinigte sich Balibo mit dem Tetum-Reich von Cová im Kampf gegen die Portugiesen. Der Umstand, dass Cová auch von Herrschern aus dem Westteil der Insel unterstützt wurde, beunruhigte die Portugiesen zusätzlich. Portugal reagierte mit dem Beschuss der Küste durch die Dampfschiff-Korvette Sa de Bandeira. 1868 entsandten die Portugiesen eine Streitmacht nach Sanirin in der Militärkommandantur Batugade, dessen Liurai sich weigerte Steuern zu Zahlen. Die Kemak von Sanirin waren offiziell Balibo tributpflichtig. Ebenfalls 1868 begann von Batugade aus eine Offensive gegen Cová und Balibo. 1871 kapitulierte die Königin von Balibo, Dona Maria Michaelia Doutel da Costa. Sie traf, wie vereinbart, am 29. Mai in Batugade mit Gouverneur João Clímaco de Carvalho zusammen. Die Königin von Cová, Dona Maria Pires, kam nicht. Daher unterzeichnete Dona Maria am 1. Juni allein die ihr vorgelegten Vereinbarungen, die eine Unterwerfung Balibos als Vasallen Portugals bedeuteten. Cová erkannte erst 1881 die Vorherrschaft Portugals an.[6]

Flagge des Bureau de Luta pela Libertação de Timor und der Vereinigten Republik von Timor

Anfang 1961 versuchte das linksgerichtete Kampfbüro zur Befreiung Timors (Bureau de Luta pela Libertação de Timor). Am 9. April riefen sie in Batugade eine Republik aus. Die Portugiesen schlugen den Aufstand schnell nieder und die Kämpfer flohen nach Indonesien.

Die Balibo Deklaration

In der Balibo Deklaration verurteilten angeblich die Führer der osttimoresischen Parteien UDT, APODETI, KOTA und der Partido Trabalhista die Unabhängigkeitserklärung Osttimors von 1975 und riefen zum Anschluss des Landes an Indonesien auf. Die Deklaration wurde jedoch vom indonesischen Geheimdienst ausgearbeitet und auf Bali und nicht in Balibo unterzeichnet. Xanana Gusmão, der spätere erste Präsident Osttimors nach der indonesischen Besatzung, nannte sie die Balibohong Declaration, ein Wortspiel mit dem indonesischen Wort für „Lüge“.

Die Balibo Deklaration wurde später von der indonesischen Regierung als Rechtfertigung für die Besetzung Osttimors benutzt.

Die „Balibo Five“

siehe Hauptartikel: Balibo Five

Am 16. Oktober 1975 wurden in Balibo fünf Fernsehjournalisten, die sogenannten Balibo Five, durch indonesische Soldaten ermordet. Am Tag ihres Todes filmten sie, von der alten Festung aus, den Einmarsch indonesischer Streitkräfte. Diese Einfälle Indonesiens in die damalige Kolonie Portugiesisch-Timor dienten zur Vorbereitung der eigentlichen Invasion am 7. Dezember 1975. Das so genannte „Australian Flag house“ am Hauptplatz, an das die Reporter die Flagge Australiens gemalt hatten, um auf ihren neutralen Status hinzuweisen, wurde mit Mitteln des australischen Bundesstaates Victoria zu einem Gemeindezentrum ausgebaut, das 2003 eröffnet wurde.

Balibo im unabhängigen Osttimor

Balibo war einer der Subdistrikte Osttimors in denen es im November 2007 aufgrund von Unwettern zu einer extremen Nahrungsmittelknappheit kam.

Einzelnachweise

  1. a b c Census of Population and Housing Atlas 2004
  2. Statistisches Amt Timor-Leste Census 2004
  3. Birdlife International - Be Malae-Atabae
  4. TIMOR LORO SAE, Um pouco de história
  5. East Timor - PORTUGUESE DEPENDENCY OF EAST TIMOR
  6. a b History of Timor – Technische Universität Lissabon

Weblinks

-8.9666666666667125.033333333337Koordinaten: 8° 58′ S, 125° 2′ O


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