Balkantürken
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Rumelien als Teil der europäischen Türkei, Karte um 1800
Ethnische Karte der europäischen Türkei und dessen Vasallenstaaten (1861)

Türkische Minderheiten in Südosteuropa (türkisch: Rumeli Türkleri/Rumelien-Türken, auch Balkan Türkleri/Balkan-Türken) sind Türken, die sich seit dem 14. Jahrhundert in Rumelien, also im europäischen Teil des Osmanischen Reiches angesiedelt haben.

Obgleich bei der Zurückdrängung der osmanischen Herrschaft aus Südosteuropa im Lauf des 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts viele Türken nach Kleinasien und Ostthrakien abwanderten oder vertrieben wurden, blieb ein Teil auch in ihren balkanischen Siedlungsgebieten wohnen. In einigen südosteuropäischen Staaten bilden sie bis heute größere nationale Minderheiten.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Bald nachdem sich die osmanische Expansion nach Südosteuropa ausgedehnt hatte, begann Ende des 14. Jahrhunderts die Einwanderung von Türken auf dem Balkan. Grob lassen sich diese Ansiedler in zwei Gruppen einteilen: 1. In allen größeren Städten siedelten sich osmanische Beamte und Soldaten an, die zur Beherrschung der eroberten Länder gebraucht wurden. Zu deren Betreuung kamen muslimische Geistliche in die Städte, die auch für die Verbreitung des Islam unter der alteingesessenen Bevölkerung zu sorgen hatten. Alsbald folgten auch Kaufleute, die sich im Balkanhandel engagierten und Handwerker, die sich in den neuen Provinzen einen wirtschaftlichen Aufstieg erhofften. Die Chancen dafür standen gut, da sie als Muslime rechtlich und steuerlich bevorzugt wurden. 2. In den Kernländern Rumeliens, Thrakien und Mazedonien, siedelten sich Türken auch auf dem Land in größerer Zahl an. Zum einen kamen Nomaden aus Kleinasien, die von der Viehhaltung lebten, noch größer war die Zahl der türkischen Bauern, die in den Ländern am Nordrand der Ägäis ansässig wurden. Türkische Bauern siedelten sich auch in der Dobrudscha an.

Im osmanischen Vielvölkerreich kannte man keine Trennung der unterschiedlichen Bevölkerungsgruppen nach ethnischen und sprachlichen Kriterien. Das wichtigste Unterscheidungskriterium war die Religion. Eine deutliche Trennung zwischen den Türken und den übrigen Muslimen gab es bis zum Erwachen des modernen Nationalismus nicht. Viele Einwohner des Balkans bedienten sich ohnehin mehrerer Sprachen. Die gebildeten Muslime, gleich welcher Herkunft, beherrschten natürlich die Verwaltungssprache Türkisch, die Kultsprache Arabisch, die jeweilige Landessprache und oft auch Persisch.

In den Gegenden, wo große Teile der Bevölkerung zum Islam übertraten, vermischten sich die Türken schnell mit der alteingesessenen Bevölkerung. So gab es vor allem in Bosnien und Albanien schon zu Beginn des 16. Jahrhunderts eine slawisch- bzw. albanischsprachige muslimische Bevölkerung, dagegen aber nur mehr sehr wenige Türken. In Griechenland und Serbien, wo die meisten Einwohner Christen blieben, blieben die Türken in den Städten weitgehend unter sich. Die türkischen Viertel existierten bis zum 19. Jahrhundert, als diese Länder dem osmanischen Reich verloren gingen. Ebenso verhielt es sich mit der türkischen bäuerlichen Bevölkerung in Thrakien und Teilen Mazedoniens. Als diese Gebiete in die südosteuropäischen Nationalstaaten eingegliedert wurden, blieben die türkischen Bauern zum größten Teil dort wohnen. Unmittelbar vor dem Ersten Weltkrieg hatten Bulgarien, Griechenland und Serbien (in Vardar-Mazedonien und Kosovo) große türkische Minderheiten innerhalb ihrer Grenzen.

Aus Griechenland wurden die meisten Balkan-Türken zwischen 1913 und 1922 vertrieben. Im Zuge des Vertrags von Lausanne wurde nur festgeschrieben, dass die im griechischen Westthrakien lebenden Türken im Land bleiben durften. Weder in Griechenland noch in Bulgarien oder im serbisch dominierten Jugoslawien wurden den Türken während der Zwischenkriegszeit Minderheitenrechte zugestanden. Sie waren überall Bürger zweiter Klasse, die als Fremdkörper in den neuen Nationalstaaten betrachtet wurden. Die christlichen Mehrheiten bezeichneten oft alle Muslime in ihren Ländern als Türken, wobei diese Zuschreibung abwertend gemeint war, denn die Türken galten in der Epoche des Nationalismus als Erzfeind der christlichen Balkanvölker. Insgesamt kamen in allen Balkanstaaten zwischen 1914 und 1925 etwa 27% der Muslime ums Leben, über 60% emigrierten in die Türkei oder wurden dorthin ausgewiesen.[1].

Auch nach dem Zweiten Weltkrieg wurden die türkischen Minderheiten in Griechenland, Jugoslawien und Bulgarien, mehr oder weniger stark unterdrückt. Aus diesem Grund und auch wegen der schlechten wirtschaftlichen Lage ist die Abwanderung in die Türkei und später auch nach Westeuropa nie ganz zum Stillstand gekommen. Dem Islam weniger verbundene Balkan-Türken assimilierten sich gleichzeitig an die Mehrheitsbevölkerung, so dass der türkische Bevölkerungsanteil in den Balkanstaaten überall zurückgeht.

Kultureller Einfluss der Türken auf dem Balkan

Die Jahrhunderte währende Herrschaft der Osmanen hat zu einem tiefgreifenden kulturellen Wandel in Südosteuropa geführt, der beinahe alle Lebensbereiche betraf. Durch die Türken wurde die islamische Religion auf dem Balkan heimisch; siehe dazu den Artikel: Islam in Europa. Im Gefolge der neuen Religion verbreiteten sich auch aus dem islamischen Kulturkreis stammende rechtliche Institutionen auf dem Balkan, z.B.: Vakuf und Esnaf. Aus der türkischen Sprache wurden zahlreiche Fremdwörter in die balkanischen Idiome übernommen und auch die Literaturen Südosteuropas haben von den Türken vermittelte Motive und Themen aus dem islamischen Kulturkreis aufgenommen. Die osmanische Baukunst prägte mit Moscheen, Medresen, Bädern, Brücken und anderem mehr das Bild der südosteuropäischen Städte. In der Regel ging die osmanische Architektur, die ja selbst teilweise auf byzantinischen Vorbildern beruhte, eine fruchtbare Symbiose mit einheimischen Traditionen ein. Nur selten gründeten die Türken auf dem Balkan neue Städte, z.B.: Sarajevo und Elbasan. Durch die Osmanen wurde auch die Landwirtschaft des Balkans mit neuen Kulturen bereichert, z.B.: Ausbreitung des Reisanbaus in Thrakien und Mazedonien. Der Einfluss der türkischen Kochkunst ist bis heute bei allen Balkanvölkern sehr stark.

Sprache und Dialekte

Die Balkan-Türken sprechen verschiedene Dialekte der osmanisch-türkischen Sprache. Schriftsprache ist das moderne Türkisch. Die heutige türkische Sprache beeinflusst über die modernen Medien die von den Balkan-Türken gesprochenen Dialekte sehr stark. Auch der an der türkischen Schriftsprache orientierte muttersprachliche Unterricht in den Minderheitenschulen trägt zur Nivellierung der Unterschiede bei. Die Balkan-Türken waren zu jeder Zeit Teil der großen türkischen Sprachgemeinschaft.

Die größeren Dialekte der Türken auf dem Balkan waren:

  1. Donau-Türkisch (Danubija)
  2. Rumeli-Türkisch (Rumelija)
  3. Yörük-Türkisch (Yörük Türkçe)
  4. verschiedene Teildialekte des Gagausischen (nicht osmanischen Ursprungs; siehe Gagausen)

Türkische Minderheiten heute

Balkan-Türken siedeln in folgenden Ländern:

  1. Bulgarien: 725.000
  2. Griechenland: 80.000-120.000
  3. Mazedonien 77.959 (nach Volkszählung in Mazedonien 2002)
  4. Rumänien 35.000
  5. Kosovo 15.000

Türken in Bulgarien

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Zusammen mit den slawisch-sprachigen Pomaken bilden Türken in Bulgarien die Hauptvertreter des Islams im Land. Sie machen zusammen etwa 9,4 % Prozent der bulgarischen Gesamtbevölkerung aus. In zahlreichen Städten und Bezirken stellen sie die Mehrheit, so z.B. im Oblast Rasgrad (Norden) und in Kardschali (Süden). Im nordostbulgarischen Schumen steht die größte Moschee Bulgariens, die zugleich eine der größten Moscheen des gesamten Balkans ist. Bekanntester Bulgarien-Türke war der jungtürkische Großwesir Talat Pascha, aus Rustschuk stammten einige weitere türkische Großwesire. Die türkische Minderheit in Bulgarien hat zudem mehrere international herausragende Gewichtheber hervorgebracht.

Nach dem Zusammenbruch der türkischen Herrschaft 1878 setzte eine Auswanderung in die Türkei ein, was sich unter kommunistischer Herrschaft in den 1980ern wiederholte, als bis zu 350.000 Türken und Pomaken vor der staatlich verordneten "Bulgarisierung" flohen. Nach dem Zusammenbruch des Kommunismus ist die türkische Minderheit seit 1991 mit einer eigenen Partei (Bewegung für Bürgerrechte und Freiheiten, DPS - Движение за права и свободи, ДПС) im Parlament vertreten, obwohl ethnische Parteien laut bulgarischer Verfassung (Artikel 11, Abs. 4) verboten sind. Im Gegensatz zu den Pomaken sind die Türken als ethnische Minderheit anerkannt, auch viele Pomaken und muslimische Roma betrachten und bezeichnen sich daher heute als Türken.

Türken in Rumänien

Nur zwei Gebiete des heutigen Rumänien hatten unter direkter osmanisch-türkischer Herrschaft gestanden: 1393-1878 die Dobrudscha im äußersten Osten Rumäniens und 1551-1718 das Banat im äußersten Westen des Landes. Während in der Dobrudscha noch heute Türken und Tataren leben, so wurden aus dem Banat alle Türken nach der österreichischen Eroberung vertrieben. Eine weitere türkische Gemeinde war bis 1971 Ada Kaleh, eine Donauinsel, an der Grenze zu Jugoslawien. Heute sind in ihrer "Hochburg", dem Bezirk Constanta, nur noch gut 6% der Bevölkerung türkische oder tatarische Muslime. Heute sitzt je ein Repräsentant der Demokratischen Union Türkisch-Islamischer Tataren Rumäniens (Uniunea Democrată a Tătarilor Turco-Musulmani din România) und der Türkischen Demokratischen Union Rumäniens (Uniunea Democrată Turcă din România) im Parlament. Die Zahl der turksprachigen Bevölkerung in der Norddobrudscha zu verschiedenen Zeitpunkten:

Erhebungsjahr Türken Tataren
1880[2] 18.624 (13%) 29.476 (21%)
1899[3] 12.146 (4%) 28.670 (11%)
1913[4] 20.092 (5,3%) 21.350 (5,6%)
1930[5] 21.748 (5%) 15.546 (3,6%)
1956[6] 11.994 (2%) 20.239 (3,4%)
1966[7] 16.209 (2,3%) 21.939 (3,1%)
1977[8] 21.666 (2,5%) 22.875 (2,65%)
1992[9] 27.685 (2,7%) 24.185 (2,4%)
2002[10] 27.643 (2,85%) 23.404 (2,4%)

Außerdem leben noch ca. 2.500 Gagausen, ein christliches Turkvolk, in der nördlichen Dobrudscha.

Türken in Moldawien

In Chotyn, das einst zum rumänischen Fürstentum Moldau, dann direkt zum Osmanischen Reich gehörte, wurde Mustafa Bairaktar geboren, der bis zu seinem Tode 1808 osmanischer Großwesir war. Zwei weitere zwischen 1821 und 1828 amtierende türkische Großwesire stammten aus dem moldawischen Bender.

Ein christliches Turkvolk sind die Gagausen, die eine autonome Republik (Gagausien) im Süden des heutigen Moldawien haben, seit dem 13. Jahrhundert aber auch in den angrenzenden Gebieten Rumäniens (Norddobrudscha), Bulgariens (Süddobrudscha) und der Ukraine (Budschak) leben.

Türken in Griechenland (Westthrakien)

Hauptartikel: Westthrakien-Türken

Die türkische Minderheit von Griechenland, die Westthrakien-Türken (Batı Trakya Türkleri), sind die einzige Gruppe der Balkan-Türken, deren vertragliche Minderheitenrechte mit der Türkei ausgehandelt wurden (siehe Vertrag von Lausanne). Die Westthrakien-Türken sind heute auch die einzige Gruppe der Balkan-Türken, die nicht als türkische Minderheit anerkannt ist. Zusammen mit allen anderen Bürgern Westthrakiens muslimischen Glaubens sind die Westthrakien-Türken als muslimische Minderheit anerkannt (offizielle Bezeichnung: muslimische Einwohner von Westthrakien). Die muslimische Minderheit ist die einzige von Griechenland anerkannte Minderheit des Landes.

Der größere Anteil der Westthrakien-Türken lebt heute in der Diaspora. Die Zahlen der emigrierten Westthrakien-Türken und ihrer Nachkommen betragen nach Angaben der Föderation der Westthrakien-Türken in Europa heute wie folgend: 700.000 leben in der Türkei, 15.000 in Deutschland, 1.000 in Australien, 700 in den Niederlanden, 700 in Belgien, 400 in den USA und 300 in Großbritannien.

Dabei sollte erwähnt werden, dass die Zahlen auch den regulären Anteil der ethnischen Pomaken und der muslimischen Roma enthalten, da diese mit überwältigender Mehrheit sich ebenfalls zur türkischen Identität bekennen und Türkisch als Muttersprache sprechen. Darüber hinaus werden damit auch die ca. 60.000 von Griechenland zwischen 1955 und 1998 Ausgebürgerten mitgezählt, die heute nicht mehr die griechische Staatsangehörigkeit besitzen und meist staatenlos sind oder andere Staatsbürgerschaften angenommen haben (siehe Artikel 19-Geschädigte).

Human Rights Watch gibt an, dass seit 1920 ca. 300.000 bis 400.000 Türken ihre westthrakische Heimat verlassen haben. Die Zahlen der Föderation der Westthrakien-Türken in Europa beinhalten auch deren Nachkommen.

Darüber hinaus gibt es in Griechenland eine geringe Zahl an Türken auf dem Dodekanes vor allem auf Rhodos und Kos. Da sich diese Inseln zur Zeit des Bevölkerungsaustausches von 1923 unter der Oberhoheit Italiens und nicht Griechenlands befanden, fielen die dortigen Türken ebenfalls nicht unter die Zwangsumsiedlungsvereinbarung zwischen der Türkei und Griechenland. Dieser Abschnitt behandelt schwerpunktsmäßig die Türken in Westthrakien.

Geschichte der Westthrakien-Türken

Mit der Niederlage der serbisch-bosnisch-ungarischen Armee in der Schlacht an der Maritza kam Westthrakien 1363-1364 unter osmanische Kontrolle. Der damalige Sultan des Osmanischen Reiches, Murat I., besiedelte daraufhin die neu erworbenen Gebiete mit Türken aus Anatolien. Gleichzeitig gewährte er den Christen der Region den geschützten Status der Dhimmas gemäß dem traditionellen Islamischen Recht, das zur Toleranz gegenüber Nichtmuslimen im eigenen Land (Dhimmas) und zum staatlichen Schutz dieser verpflichtet.

Westthrakien blieb bis zum Ersten Balkankrieg 1912-1913 unter Osmanischer Herrschaft. Als Ergebnis des Ersten Balkankrieges fiel der größte Teil Westthrakiens 1913 unter bulgarische Kontrolle. Die großen Gebietsansprüche Bulgariens führten zum zweiten Balkankrieg, indem Serbien und Griechenland gemeinsam gegen Bulgarien vorgingen. Am 14. Juli 1913 wurde die westthrakische Stadt Gümülcine (heute: Komotini) von griechischen Truppen eingenommen. Am 10. August wurde aber im Vertrag von Bukarest die Region den Bulgaren zugesprochen, was in der hiesigen Bevölkerung auf Ablehnung stieß, von der griechischen Regierung aber akzeptiert wurde. Angesichts der bevorstehenden Rückkehr der Bulgaren, schlossen sich Christen und Muslime der Region zusammen und erklärten das Gebiet am 31. August 1913 zur Provisorischen Regierung Westthrakien (später: Unabhängige Regierung Westthrakien) mit Gümülcine als Hauptstadt. Als aber im Vertrag von Konstantinopel zwischen Bulgarien und dem Osmanischen Reich am 29. September 1913 das Gebiet endgültig Bulgarien zugesprochen wurde, besetzte Bulgarien Ende Oktober 1913 die Region endgültig. Die Republik existierte nur anderthalb Monate, doch ihre Flagge wird manchmal für die türkische Minderheit in Westthrakien verwendet.

Die Region blieb bis zum Ende des Ersten Weltkriegs unter der Herrschaft Bulgariens. 1919 musste Bulgarien die Region mit dem Vertrag von Neuilly-sur-Seine an die Entente abtreten. Eine gemischte - teilweise griechische - Administration der Entente kontrollierte in nächster Zeit das Territorium. 1920 wurde Westthrakien in dem mit Griechenland geschlossenen Vertrag von Sèvres (nicht zu verwechseln mit dem gleichnamigen Vertrag mit dem Osmanischen Reich) von der Entente an Griechenland übergeben. Das Territorium ist seitdem Teil Griechenlands.

In den nach den Balkankriegen 1912/13 an Griechenland gefallenen Gebieten (Epirus und Makedonien) lebten zu diesem Zeitpunkt 700.000 bis 800.000 Türken. Noch vor dem Ersten Weltkrieg emigrierte ein Teil von ihnen in das Osmanische Reich. Die griechische Regierung plante, diesen Prozess durch Druck auf die Türken zu beschleunigen. Letztlich strebte Athen die Vertreibung sämtlicher Muslime von seinem Staatsgebiet an. Dies konnte wegen der Verwicklung Griechenlands in den Ersten Weltkrieg (1915) zunächst nicht umgesetzt werden.

Kurz nach dem Ersten Weltkrieg brach 1919 der griechisch-türkische Krieg aus. Die griechische Regierung unter Eleftherios Venizelos sah die Chance gekommen, die Megali Idea (Vereinigung aller griechisch besiedelten Gebiete diesseits und jenseits der Ägäis) in die Tat umzusetzen. Das in Agonie liegende Osmanische Reich hatte eben den Vertrag von Sèvres unterzeichnet, der u.a. den Griechen eine Besatzungszone in Kleinasien (Smyrna) einräumte, ihnen aber den Besitz Konstantinopels versagte. Gegen diesen Vertrag regte sich bald bewaffneter Widerstand der national gesinnten Türken unter Führung Kemal Atatürks. Der neuen türkischen Armee gelang es, die griechischen Truppen bis 1922 aus Kleinasien zu vertreiben.

Infolge dessen wurde 1923 zwischen beiden Ländern der Vertrag von Lausanne geschlossen, der große Rückwirkungen auf die Situation der ethnischen Minderheiten in Griechenland und in der Türkei hatte. Westthrakien wurde endgültig Griechenland zugesprochen. Die bereits am 30. Januar 1923 zwischen Griechenland und der Türkei vereinbarte separate Konvention zum Bevölkerungsaustausch war Teil des Vertrags von Lausanne (Art. 142). Auf Grund dieser Konvention wurden die innerhalb der griechischen Grenzen von 1913 lebenden Muslime (ca. 500.000 Menschen) in die Türkei vertrieben und die in Kleinasien ansässigen Griechen und griechischsprachige Gruppen (etwa 1,5 Mio. Menschen) wurden nach Griechenland vertrieben.

Von dem Bevölkerungsaustausch ausgenommen waren die Griechen in Istanbul, und auf den Inseln Imbros (Gökçeada) und Tenedos (Bozcaada). Im Gegenzug konnten die Türken und Pomaken im eben an Griechenland gefallenen Westthrakien (ca. 110.000 Menschen) ebenfalls in ihrer Heimat bleiben. Gemäß der Konvention von Lausanne wurden die Nichtgriechen in Westthrakien zwar als religiöse nicht aber als nationale Minderheit anerkannt. Der Haupttext des Vertrags von Lausanne verweist auf sie als muslimische Minderheiten Griechenlands. Der Vertrag regelte in Art. 37-45 den Schutz der religiösen Minderheiten in Griechenland und der Türkei. Für die Türken in Westthrakien ist er bis heute die wesentliche Rechtsgrundlage ihrer Gruppenrechte.

Nach 1923 spiegelte sich die wechselseitige Behandlung der griechischen Minderheit in Istanbul und der türkischen Minderheit in Westthrakien stets auf die griechisch-türkischen zwischenstaatlichen Beziehungen wider und umgekehrt. Beide Minderheiten profitierten vorerst von der Annäherung beider Staaten, die durch die zwei ehemaligen Rivalen Mustafa Kemal Atatürk und Eleftherios Venizelos in die Wege geleitet wurde. Diese Phase dauerte von 1930 bis 1955.

Angesichts der aus dem faschistischen Italien drohenden Angriffsgefahr unterzeichneten beide Staaten im September 1933 einen Freundschaftspakt. Nach dem Zweiten Weltkrieg verbündeten sich Griechenland, die Türkei und Jugoslawien angesichts der sowjetischen Ausdehnungen mittels eines Vertrages für Freundschaft und gegenseitige Unterstützung, auf den ein Jahr später der Balkanpakt folgen sollte.

Während eines Staatsbesuchs in Griechenland im Jahre 1954 bezeichnete der damalige türkische Präsident Celal Bayar die griechisch-türkische Freundschaft als "das beste Beispiel dafür, wie zwei Länder, die sich irrtümlicherweise jahrhundertelang gegenseitig misstraut hatten, sich nun als ein Resultat der Einsicht in die Realitäten des Lebens für vertraute und loyale Zusammenarbeit entschieden haben".

Allerdings sollte sich die Situation nach 1955 im Zuge des Zypernkonflikts ändern - der Zypernkonflikt sollte sich negativ auf das Schicksal der türkischen Minderheit in Griechenland und das der griechischen Minderheit in Istanbul auswirken. Die Bestrebungen der Zypern-Griechen sich von der britischen Kolonialherrschaft loszureißen und Zypern an Griechenland anzuschließen, dem Enosis, endeten oftmals in blutigen Übergriffen auf die Zypern-Türken, die damals 20% der Gesamtbevölkerung der Insel ausmachten und sich einer Vereinigung der Insel mit Griechenland widersetzten. Die Attacken der griechischen Zyprer auf die türkischen Zyprer lösten wie du mir, so ich dir-Gegenmaßnahmen gegen die griechische Minderheit Istanbuls aus. Vermutlich durch die damalige Regierung des Ministerpräsidenten Adnan Menderes angeordnete groß angelegte Gewalt in der Nacht vom 6. auf den 7. September 1955 gegen die griechische Minderheit Istanbuls zerstörte geschätzte 3.000 bis 4.000 Geschäftsläden und hatte zur Folge, dass Tausende ethnischer Griechen aus Angst vor weiteren Gewaltausschreitungen aus Istanbul flüchteten. Auf auch nach der Unabhängigkeit im Jahre 1960 weitergehende Gewaltausschreitungen auf der Insel, die mit den blutigen Übergriffen auf die türkischen Zyprer im Dezember 1963 anfingen („Blutige Weihnachten“), antwortete die türkische Regierung damit, dass sie die Aufenthaltserlaubnis von 12.000 Griechen Istanbuls für ungültig erklärte und deren Eigentum beschlagnahmte. Im Juli 1974 drang die Türkei als Garantiemacht gemäß dem Londoner Garantievertrag auf Zypern ein, nachdem der Putsch des fanatischen Türkenhassers Nikos Sampson die gewählte Makarios-Regierung abgesetzt hatte, um die Vereinigungsbemühungen mit Griechenland voranzutreiben. Letzten Endes belagerte die Türkei ca. 40% der Insel.

In der Nachfolgeperiode nach 1955 verstärkte auch Griechenland den Druck auf die türkische Minderheit in Westthrakien auf eine nicht weniger schädliche Weise. Den ethnischen Türken gehörende ländliches Eigentum wurde durch den Staat in Besitz genommen, Berufslizenzen wurden verweigert, Zwangsemigrationen wurden durch den einseitigen Entzug der Staatsbürgerschaft hergeleitet (zwischen 1955 und 1998 waren davon ca. 60.000 Minderheitenangehörige betroffen), religiöse Freiheiten wurden eingeschränkt – kurz gesagt, eine generelle Politik der Diskriminierung wurde in Gang gesetzt und in den Folgejahren kontinuierlich fortgeführt und etabliert. Mitte der 80er Jahre hatten die Diskriminierungspraktiken bis hin zu Veränderungen der zivilen Rechte der türkischen Minderheit geführt, die zum damaligen Zeitpunkt von Sadık Ahmet bis zu dessen umstrittenem Tod geführt wurde.

In der Nachfolgezeit kam es bei so gut wie jedem politischen Konflikt mit der Türkei oder bei Konflikten mit Politikern der türkischen Minderheit zu Gewaltausschreitungen griechischer Extremisten gegen die türkische Minderheit.

Die ab 1955 initiierte und nach und nach etablierte Diskriminierungspolitik Griechenlands sollte sich erst Anfang der 90er Jahre zu bessern anfangen.

Die Ära Dr. Sadık Ahmets und ihre Auswirkungen auf die türkische Minderheit

Die Ära unter der Führung Dr. Sadık Ahmets hat eine immense Bedeutung in der Geschichte der türkischen Minderheit. Sie bedeutet für sie nach jahrzehntelanger institutionalisierter und etablierter Einschüchterungs- und Diskriminierungsmethodiken den schwierigen Ausweg aus der absoluten Isolation und die schwierige Anfangsphase der Emanzipation, ohne dafür Griechenland verlassen zu müssen. Sie läutete ab Mitte der 80er Jahre den Anfang der Kehrtwende des Schicksals der türkischen Minderheit ein. Das politische Leben Sadık Ahmets spiegelt den Kern der Probleme der nichtgriechischen Minderheiten Griechenlands wider.

Sadık Ahmet machte die damalige Helsinki Watch, die heutige Human Rights Watch, auf die Minderheitenpolitik des EU-Mitglieds Griechenland aufmerksam, die daraufhin ihren ersten Bericht über Menschenrechtsverletzungen Griechenlands mit dem Titel Destroying Ethnic Identity – The Turks of Greece am 1. August 1990 veröffentlichte. Auf weitere Menschenrechtsverletzungsberichte über Griechenland bezüglich der türkischen Minderheit sollten auch Berichte über die ähnliche Problematik der slawisch-mazedonischen Minderheit in der griechischen Region Makedonien folgen. (Erstmals am 1. April 1994 in dem Bericht Denying Ethnic Identity – The Macedonians of Greece).

Der Erhalt der Aufmerksamkeit der Human Rights Watch ist auch insofern bedeutend, da schon deren erster Bericht über die türkische Minderheit im Jahre 1990 Effekte zeigte und erstmals seit 1955 leichte Verbesserungen der Situation der türkischen Minderheit zu spüren wurden. Den Türken war es nun erlaubt, offiziell Häuser oder Land zu kaufen und zu verkaufen, Häuser und Moscheen zu reparieren, Führerscheine zu machen oder Beamte zu werden, wie in dem Bericht Greece: Improvements for Turkish Minority – Problems remain vom 20. April 1992 berichtet wird.

Nachdem Sadık Ahmet im Januar 1990 für die Bezeichnung der türkischen Minderheit als "türkische Minderheit" während seiner Wahlkampagne eine Haftstrafe auferlegt bekommen hatte, deren Prozessverlauf von internationalen Beobachtern beobachtet und vom niederländischen Fernsehen gefilmt wurde, hagelte es internationale Proteste auf Griechenland.

Zwei Tage nach dem Prozess kam es zu Gewaltausschreitungen von bis zu 1000 griechischen Extremisten in Komotini, während der über 400 türkische Geschäftsläden zerstört und 21 Menschen verletzt wurden. Dabei wurden griechische Geschäftsläden nicht angerührt. Die griechische Polizei schaute tatenlos zu.

Der CDU-Politiker und spätere Europaabgeordnete Werner Langen setzte sich im Zuge der internationalen Proteste ebenfalls für die Westthrakien-Türken ein. Im Nachrichtenmagazin Focus erschien in der Ausgabe vom 29. April 1995 mit der Überschrift Ärger mit Griechenland – Politischer Sprengstoff: Die türkische Minderheit in Westthrakien erkor Deutschland zur Protestplattform unter Befragung Langens erstmals ein Bericht über die Westthrakien-Türken. Die Stellungnahme zu den internationalen Protesten kam ca. einen Monat später vom Griechischen Generalkonsulat München. Nach Ansicht von Dr. Nikolaos Sotiriou gebe es keine Menschenrechtsverletzungen in Griechenland und diese gelte "ebenfalls für die griechischen Muslime im Nordosten des Landes." Wie in der Focus-Ausgabe vom 22. Mai 1995 darüber hinaus berichtet wurde, wäre es nach Ansicht von Dr. Sotiriou nicht korrekt von "Türken" zu sprechen, da der Vertrag von Lausanne von "Muslimen" spreche.

Im Zuge dieser mit rasanter Geschwindigkeit geschehenden Ereignisse hatten die Westthrakien-Türken Deutschland als Protestplattform ausgewählt.

Am 24. Juli 1995, exakt am 72. Jahrestag der Unterzeichnung des Vertrags von Lausanne, starb Sadık Ahmet bei einem Autounfall.

Die durch Sadık Ahmet initiierten Verbesserungen der Lage der Minderheit sollten soweit gehen, dass im Jahre 1998 der seit 1955 geltende Artikel 19 des Griechischen Staatsangehörigkeitsgesetzes, auf dessen Grundlage über die letzten Jahrzehnte nach Angaben der Gesellschaft für bedrohte Völker insgesamt 60.000 Westthrakien-Türken ausgebürgert worden waren, abgeschafft werden sollte.

Sadık Ahmet gilt unter der türkischen Bevölkerung Westthrakiens als ihr großer Held. Sein tragischer Tod beim Zusammenprall mit einem bei Nacht unbelichtet fahrenden Traktor gilt für die türkische Minderheit als Attentat zur Beseitigung ihres für Griechenland unbequemen Politikers.

Auswirkungen der Minderheitenpolitik Griechenlands auf die türkische Minderheit

Während die griechische Regierung die Existenz anderer nationaler Minderheiten (Albaner und Mazedonier) mehr oder weniger zu leugnen versucht bzw. diese ignoriert und ihnen Gruppenrechte weitgehend vorenthält, ist dies in Bezug auf die Muslime Westthrakiens wegen des Vertrags von Lausanne nicht möglich. Gleichwohl müssen die Türken in Griechenland vielerlei Zurücksetzungen erdulden und sie führen seit Jahrzehnten einen politischen Kampf um die Umsetzung ihrer Gruppenrechte. In den letzten beiden Jahrzehnten versuchen sie dabei vermehrt die Unterstützung europäischer Institutionen zu gewinnen, denn das EU-Mitglied Griechenland ist auch aufgrund verschiedener europäischer Konventionen und Verträge zum Minderheitenschutz verpflichtet.

Unzureichend ist der muttersprachliche Unterricht für die Minderheit. Gemäß einem griechisch-türkischen Abkommen von 1955 durften jeweils 35 Lehrer an den Mittelschulen des anderen Landes unterrichten. Diese Zahl wurde 1988 von der griechischen Regierung mit Verweis auf das Gegenseitigkeitsprinzip auf 16 reduziert. Begründet wurde dies damit, dass die griechische Minderheit in Istanbul, bedingt durch Flucht in Folge des Pogroms von Istanbul von 1955, die Zwangsausbürgerung von 12.000 Istanbuler Griechen 1964 und Auswanderung, marginalisiert worden war und deshalb kaum mehr Lehrer benötigte. Nur 1000 Schulkinder, die pro Jahr die Grundschule abschließen, werden per Losverfahren in eine der beiden Mittelschulen für die Minderheit vermittelt. Unabhängig von der Gesamtzahl der Grundschulabgänger können von jeder Grundschule nur 40 Kinder eine dieser Schulen besuchen. Die übrigen 900 Schulkinder (2001) müssen auf eine einsprachige griechische Mittelschule gehen oder eine Schule in der Türkei besuchen.

Die türkische Minderheit darf nach griechischem Recht keine nationalen Vereine bilden, die das Wort türkisch im Namen haben. Gegen diese Bestimmung ist (2006) eine Klage am Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte anhängig. Die für Ehesachen zuständigen Muftis sind seit 1990 vom griechischen Staat ernannte Beamte; die muslimische Minderheit fordert jedoch die freie Wahl dieser Geistlichen, wie sie die Gemeinden vorher jahrzehntelang ausgeübt hatten. Die Benachteiligung der Muslime bei der Erteilung von Bau- oder Gewerbegenehmigungen wurden im vergangenen Jahrzehnt abgebaut. Bei der Bewerbung um Stellen im Dienst der Gemeinden in der Minderheitenregion werden die Türken jedoch weiterhin diskriminiert.

Eine Änderung des Wahlgesetzes von 1992 brachte die Türken um die Möglichkeit, bei den Wahlen einen unabhängigen Kandidaten durchzubringen, weil die 3-Prozent-Hürde seitdem auch für Einzelkandidaten gilt. Derzeit ist ein Muslim als Abgeordneter der Nea Demokratia im griechischen Parlament vertreten. Die PASOK hat im Mai 2006 eine türkische Kandidatin für das Amt der Präfektin in der Region Rodopi aufgestellt. Dies brachte den Sozialisten die Missbilligung konservativer Kreise und der orthodoxen Kirche ein. Die Mehrheit der Griechen empfindet die Kandidatur einer Türkin laut Umfragen aber als normal und nicht verwerflich.

Die Artikel-19-Geschädigten

Auf der Grundlage des 1955 eingeführten Artikel 19 des Griechischen Staatsbürgerschaftsgesetzes wurden bis 1998 ca. 60.000 Türken ausgebürgert. Der Artikel erlaubte es, "Personen, die nichtgriechischer ethnischer Abstammung waren und die das Land ohne der Absicht auf Rückkehr verlassen hatten", auszubürgern. Das Ziel dieser Maßnahme (sowie bei allen anderen Diskriminierungsmaßnahmen) war, die demographische Balance Westthrakiens zu Gunsten der ethnischen Griechen zu verschieben.

Nach Angaben der Human Rights Watch und der Gesellschaft für bedrohte Völker wurde durch dieses Gesetz die Ausbürgerung zu einem einfachen Verwaltungsakt ohne Verhör der Ausgebürgerten. Die meisten der Ausgebürgerten erfuhren erst bei ihrem Einreisevorhaben an der griechischen Grenze, dass sie nicht nach Griechenland einreisen dürften, da sie ausgebürgert worden waren.

Am 11. Juni 1998 wurde der Artikel 19 abgeschafft. Allerdings gilt seine Abschaffung nicht rückwirkend. Diesbezüglich laufen mehrere Lösungsansätze, damit die Ausgebürgerten ihre Bürgerrechte zurückerhalten. Nach Angaben der Human Rights Watch verstieß das Gesetz gegen mehrere Abkommen, die Griechenland unterzeichnet hatte, und nicht zuletzt verstieß es auch gegen die Griechische Verfassung selbst, da es u.a. mit der Gleichheit aller Bürger vor dem Gesetz (isonomia) nicht vereinbar war. Der griechische Standpunkt sagt dagegen, dass die isonomia für alle Bürger strikt eingehalten würde (siehe Weblinks).

Der Originaltext des Griechischen Staatsbürgerschaftsgesetzes, Nr. 3370, Kapitel B, Sektion VI, Artikel 19 (gültig von 1955 bis 1998):

Eine Person von nichtgriechischer ethnischer Abstammung, die Griechenland ohne Absicht auf Rückkehr verlässt, kann deklariert werden als Verlierender der griechischen Staatsbürgerschaft. Dieses kann auch angewendet werden auf Personen mit nichtgriechischer ethnischer Abstammung, die im Ausland geboren sind und dort ihren Wohnsitz haben. Ihre im Ausland lebenden minderjährigen Kinder können als Verlierende der griechischen Staatsbürgerschaft deklariert werden, wenn beide Elternteile oder das lebende Elternteil dasselbe verloren haben. Der Innenminister entscheidet in diesen Fällen mit der mitwirkenden Meinung des Nationalrats.

Standpunkt der Human Rights Watch

Die Human Rights Watch fordert in ihrem dritten Bericht über die Menschenrechtslage der türkischen Minderheit Greece – The Turks of Western Thrace vom 1. Januar 1999 Griechenland u.a. dazu auf, die Leugnung bezüglich ethnischer Identität zu beenden und die türkische Minderheit als ebensolche anzuerkennen. Auch wenn es innerhalb der Minderheit ethnische Differenzen gibt (schätzungsweise sind 65-75% ethnische Türken, 15-25% ethnische Pomaken und 5-10% ethnische Roma) identifiziert sich die Minderheit nach Angaben der Human Rights Watch mit überwältigender Mehrheit als Türkisch und sollte deshalb als solche anerkannt werden.

Föderation der Westthrakien-Türken in Europa

Im Jahre 1988 wurde die Föderation der Westthrakien-Türken in Europa als gemeinnütziger Dachverband aller in der Vergangenheit gegründeten europaweiten Vereine der Westthrakien-Türken gegründet. Während die einzelnen Ortsvereine Familientreffpunkte für die türkische Minderheit Griechenlands sind, ist die Föderation der ausschließlich politische Arm aller Vereine mit dem Ziel sich in Europa und weltweit mehr Gehör zu verschaffen. Die Föderation nimmt regelmäßig an OSZE-Konferenzen teil.

Kultur der Westthrakien-Türken

Seit einigen Jahren wird im griechischen Fernsehen wöchentlich die Fernsehserie Μη μου λες αντίο (deutsch: Sag mir nicht Lebwohl) ausgestrahlt. Die Serie erzählt die problematische Liebesgeschichte zwischen einer Griechin und einem Westthrakien-Türken. Die Griechin kommt zum Studieren nach Komotini und lernt an der Universität den türkischstämmigen Murat kennen - beide verlieben sich ineinander.

Die Serie ist deshalb so bedeutungsvoll, da sie zum ersten Mal das Thema der Minderheit in Westthrakien griechenlandweit familientauglich aufbereitet darstellt bzw. in von Thrakien entfernteren Provinzen überhaupt bekannt macht.

In der Serie werden Murat und alle restlichen türkischen Charaktere natürlich schlicht als Moslems und nicht als Türken bezeichnet - nicht zuletzt auch aus dem Grund, weil Letzteres gesetzlich noch strafbar wäre. Aber die Serie ist zumindest ein erster Versuch, die türkische Minderheit von Westthrakien und ihre kulturellen Besonderheiten als integralen Bestandteil von Griechenlands Bevölkerung in ganz Griechenland bekannter zu machen.

Siehe auch

Türken in Mazedonien

In Mazedonien lebt bis heute eine nennenswerte türkische Minderheit. Nach der 2002 in Mazedonien durchgeführten Volkszählung bezeichneten sich 77.959 Einwohner als Türken, das sind 3,9% der Gesamtbevölkerung. In Städten wie Tetovo, Bitola, Veles, Debar, Skopje, Kičevo und insbesondere in Gostivar gibt es größere türkische Gemeinden neben albanischen und mazedonischen Gemeinden.

In Mazedonien gibt es drei Parteien der türkischstämmigen Mazedonier. Mit drei Abgeordneten ist derzeit nur eine davon im mazedonischen Parlament vertreten - die Türkisch-demokratische Partei (türkisch: Türk demokrat partisi). Der Parteivorsitzende der Türkisch-demokratischen Partei ist Dr. Kenan Hasip. Daneben gibt es mehrere türkischsprachige Schulen.

Türken im Kosovo

Bevölkerungsanteil der Türken im Kosovo (Stand 2005)[11]

Mit der Eroberung des Balkan kamen türkische Siedler auch in das Kosovo. Sie ließen sich in der Regel in Städten nieder und bildeten die Mittel- und Oberschicht der Gesellschaft während der osmanischen Herrschaft. Nach der Eroberung des Kosovo durch Serbien und in der Ära des jugoslawischen Königreiches zwischen den Weltkriegen flohen viele von ihnen ins Mutterland oder wurden umgesiedelt.

Derzeit leben nach Schätzungen der OSZE zwischen 14.000 und 15.000 Türken im Kosovo, Zentrum der türkischen Siedelung ist die Stadt Prizren. Die Türken sind mit einer eigenen Partei, der KDTP (Kosova Demokratik Türk Partisi / deutsch: Demokratische Türkische Partei des Kosovo) mit drei 3 Sitzen im Parlament des Kosovo vertreten. Neben den Amtssprachen Albanisch und Serbisch ist Türkisch in einigen überwiegend türkisch besiedelten Gemeinden offiziell zugelassen.

In Prizren gibt es den Radiosender Yeni Donem, er sendet überwiegend in türkischer Sprache, dazu kommt täglich eine Stunde auf Albanisch, Bosnisch und Romani. Die gleichnamige türkische Zeitung Yeni Donem erscheint einmal wöchentlich. In der Stadt Prizren genießt die türkische Minderheit - nach Angaben der OSZE - ein vergleichsweise hohes Maß an Einfluss und Ansehen, selbst viele Albaner in Prizren sind demzufolge des Türkischen mächtig.

siehe auch: Minderheiten im Kosovo

Berühmte Vertreter der türkischen Minderheiten

Berühmte Türken aus dem heutigen Bulgarien

  • Halil Mutlu, türkischer Gewichtheber, mehrmaliger Olympiagoldmedaillengewinner.
  • Taner Sağır, Sportler, jüngster Goldmedaillengewinner im Schwergewichtheben.
  • Naim Süleymanoğlu, türkischer Gewichtheber, mehrmaliger Olympiagoldmedaillengewinner.
  • Talat Pascha (1871-1921), jungtürkischer Großwesir

Berühmte Türken aus dem heutigen Griechenland

Berühmte Türken aus dem heutigen Mazedonien

  • Candan Erçetin, Sängerin, Vertreterin der Türkei beim Eurovision Song Contest 1986.

Sonstige

Einzelnachweise

  1. David Nicolle: Die Osmanen - 600 Jahre islamisches Weltreich, Seite 184. Wien 2008
  2. G. Dănescu, Dobrogea (La Dobroudja). Étude de Géographie physique et ethnographique
  3. G. Dănescu, Dobrogea (La Dobroudja). Étude de Géographie physique et ethnographique
  4. Nicolae Iorga. La population de la Dobrogea. D'apres le recensement du 1913
  5. Sabin Mănuilă. La Population de la Dobroudja. Institut Central de Statistique. Bucharest
  6. Populaţia după etnie la recensămintele din perioada 1930-2002
  7. Populaţia după etnie la recensămintele din perioada 1930-2002
  8. Populaţia după etnie la recensămintele din perioada 1930-2002
  9. Populaţia după etnie la recensămintele din perioada 1930-2002
  10. www.recensamant.ro
  11. OSZE-Bericht 2005

Literatur

1. Türken in Bulgarien

  • Petar-Emil Mitev: Von der Nachbarschaft zur Mitbürgerschaft. Die Bulgaren und die türkische Minderheit. (=Aktuelle Analysen des Bundesinstituts für Ostwissenschaftliche und Internationale Studien. Nr. 10/2000). Köln 2000.
  • Valeri Stojanov: Die türkische Minderheit Bulgariens bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges. In: Österreichische Osthefte. 36(1994), S.279-294.
  • James W. Warhola: The Turkish minority in contemporary Bulgaria. In: Nationalities papers. 31(2003), S.225-280.
  • Ömer Turan: The Turkish minority in Bulgaria (1878 - 1908). Ankara 1998. ISBN 975-16-0955-0
  • Ali Eminov: Turkish and other Muslim minorities in Bulgaria. London 1997. ISBN 1-85065-319-4

2. Türken in Westthrakien (Griechenland)

  • Michael Ackermann: Die türkische Minderheit in West-Thrakien. Geschichte und Gegenwart. (=Südost-Studienreihe. Bd. 5). Ulm 2000. ISBN 3-87336-001-2
  • Nachrichtenmagazin Focus: Ärger mit Griechenland - Politischer Sprengstoff: Die türkische Minderheit in Westthrakien erkor Deutschland zur Protestplattform, Ausgabe vom 29. April 1995
  • Nachrichtenmagazin Focus: Muslime oder Türken? - Ärger mit Griechenland, Ausgabe vom 22. Mai 1995
  • Olga Maya Demetriou: Divisive visions. A study of minority identities among Turkish-speakers in Komotini, northern Greece. Diss. London 2002.

3. Türken in der Republik Mazedonien

  • Виолета Ачкоска: Иселувањето на Турците од НР Македонија по Втората светска војна (1945-1960). [Die Auswanderung der Türken aus der VR Mazedonien nach dem Zweiten Weltkrieg (1945-1960)]. In: ИСТОРИЈА 38(2002), S. 89-102.
  • Thede Kahl: Ethnische Gruppen in der Republik Makedonien und ihre demographischen Eigenschaften. In: Schubert, Gabriella (Hg.): Makedonien. Prägungen und Perspektiven. Wiesbaden, S. 57-80.

4. Türken im Ex-Jugoslawien

  • Charles N. O. Bartlett: The Turkish minority in Yugoslavia. [Bradford, West Yorkshire] 1980.
  • Илија Јосифовски: Македонското, албанското и турското население на село во Полог. Социолошка студија. [Die mazedonische, albanische und türkische Bevölkerung im Dorf des Polog. Soziolog. Studie]. Скопје 1974.
  • Vladimir Stojancevic: Tursko stanovnistvo u Srbiji pred prvi Srpski Ustanak. [Die türkische Bevölkerung in Serbien vor dem ersten serbischen Aufstand]. In: Zbornik za Drustvene Nauke. 13/14(1956), S. 127-134

Weblinks

1. Allgemein

2. Türken in Bulgarien

3. Türken in Westthrakien (Griechenland)

4. Türken in der Republik Mazedonien

5. Tataren und Türken in Rumänien


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