Balkrishna V. Doshi

Balkrishna Vithaldas Doshi (* 26. August 1927 in Pune, Maharashtra) ist ein indischer Architekt.

Er wurde stark von Le Corbusier beeinflusst, in dessen Büro er Anfang der 1950er Jahre in Europa und von 1954 bis 1957 in Ahmedabad mitarbeitete, wo er die Bauleitungen für vier von Le Corbusier geplanten Industriellenvillen übernahm, darunter für das Sarabhai House von Vikram Sarabhai in Ahmedabad. Diese übten einen wichtigen Einfluss auf seine ersten unabhängigen Arbeiten aus, mit denen er parallel dazu in seinem eigenen Architekturbüro Vastu-Shilpa begann.

Seine ersten Planungen waren eine Wohnsiedlung für Textilarbeiter in Ahmedabad (1957–1960) und 1963 das Indian Institute of Management in Bangalore. Die Gebäude sind zweistöckig aus Natursteinmauerwerk. Das monotone Grau wird strukturiert durch den Lichteinfall, der in den offenen und mit Steingebälk teilweise überdeckten Innenhöfen Schatten wirft.[1] Häufig verwendet Doshi Tonnengewölbe, wie beim Sangah, seinem eigenen Büro und Sitz der Vastu-Shilpa-Stiftung (die Stiftung unternimmt Forschungen im Umweltbereich), fertiggestellt 1981. Die weißen Betonschalen erinnern an die Tonnendächer der frühesten buddhistischen Höhlenklöster oder an Erdhügel. Die Gartenanlage ist harmonisch durch Terrassen, Wasserkanäle und Bäume gestaltet.[2]

Als Stadtplaner gestaltete Doshi 1984–1986 Vidyadhar Nagar, einen Vorort von Jaipur. Die Stadt wird als architektonisches Beispiel zitiert, da sie als Gesamtanlage im 18. Jahrhundert streng nach den Grundsätzen des Vastu Vidiya errichtet worden war. In Doshis Konzept wird der Versuch sichtbar, eine Synthese zwischen dem reformistischen Urbanismus Le Corbusiers und dessen Betonung von Natur und Sonne mit der Tradition von Höfen und engen Straßen zu verbinden. Er übernimmt das von seinem Vorgänger im 18. Jahrhundert angewandte 9-Felder-Diagramm des Vastu Purusha Mandala und reinterpretiert in zeitgemäßer Sprache Dimensionen und soziale Aufteilung bis hin zur Fassadengestaltung. Im Gespräch beklagt er die uniforme Architektur der Moderne und vermisst darin die mythische Welt des Urmenschen.[3] Ein anderer Gebrauch des Vastu Purusha Mandala ist der Entwurf für das Computer Science and Engineering Department 1994 am Indian Institute of Technology in Mumbai, wobei er das Diagramm in diesem Fall eher rituell denn wörtlich einsetzt.

Einzelnachweise

  1. Bhatt und Scriver, S. 64–67
  2. Post Colonial India and its Architecture – II. Balkrishna V Doshi – The Mythical and the Modern. Boloji.com Doshi in Ahmedabad
  3. Doshi in: William Curtis: Balkrishna Doshi. An Architecture for India. 1988, S. 165. Nach: Vibhuti Chakrabarti, S. 28, allg. S. 91

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