Ballade Nr. 2 (Chopin)

Die Ballade Nr. 2 F-Dur op. 38 ist die zweite von insgesamt vier Balladen des polnischen Komponisten Frédéric Chopin. Chopin komponierte dieses Werk zwischen 1836 und 1839 und widmete es seinem gleichaltrigen Kollegen Robert Schumann.

Inhaltsverzeichnis

Entstehung

Wie die anderen Balladen von Chopin wurde auch dieses Werk von den „Litauischen Balladen“ seines Landsmannes Adam Mickiewicz inspiriert. „Der Switez“ lautet der Name des dramatischen Gedichts, das dem Musikstück zu Grunde liegen soll. Der Komponist begann mit der Arbeit an seinem Werk 1836 in Nohant, beendet wurde es 1838 nach einer Reise nach Mallorca, die er aus gesundheitlichen Gründen antreten musste. Schumann, dem Chopin das Werk aus Dankbarkeit für dessen Widmung der Kreisleriana gewidmet hat, erinnert sich, dass der Komponist ihm die Ballade mit einem Schluss in F-dur vorgespielt hatte, obwohl der veröffentlichte Schluss in a-moll steht.

Analyse

Zweimal wechseln ein schlicht gesetztes, pastorales Thema schumannscher Prägung und ein stürmischer Mollsatz einander rondoartig ab. Die dramatische Vorlage von Mickiewicz handelt von Mädchen einer versunkenen Stadt, die in Wasserblumen verwandelt worden waren, um den einfallenden russischen Horden zu entgehen. Der schwankende Rhythmus, in dem sich die liedhaft schlichte Melodie des ersten Teiles (Andantino) bewegt, ist perfekt geeignet um die Erzählung von den leise im Wind rauschenden Wasserlilien tonmalerisch zu illustrieren. Der folgende Teil, Presto con Fuoco, malt mit Hilfe fallender Tonkaskaden in der rechten Hand sehr drastisch den Einfall der moskowitischen Horden. Der wiederkehrende erste Teil ist diesmal stark abgewandelt, und im Gegensatz zum Anfang bricht hier der dramatische Teil nicht attaca über den Zuhörer herein, sondern die Spannung wird schrittweise im Laufe des sanften Teiles aufgebaut. Der neuerliche Sturm des Prestos wird noch gesteigert durch einen angehängten Agitato-Teil, in welchem sich der Sturm der Gefühle ins unermessliche zu steigern scheint, bis nach einem abgerissenen harfenähnlichen Akkord noch einmal der Dichter im Stil des sanften Teiles spricht. Das leide Lied der verzauberten Mädchen klingt in wenigen Takten aus, diesmal allerdings in a-moll, der Tonart des stürmischen Teiles, nicht in F-dur.

Rezeption

Die zweite gilt als die leichteste von Chopins Balladen, da sich weder die technischen Schwierigkeiten von der vierten noch die musikalisch heiklen Passagen der dritten aufweist. Ihre Aufführungsdauer beträgt in etwa sieben Minuten. Aufnahmen gibt es fast ausschließlich zusammen mit den anderen Werken dieser Gattung als Gesamtaufnahme. Von diesen sind am nennenswertesten die Aufnahmen Krystian Zimermans, Evgeny Kissins und Maurizio Pollinis.

Weblinks


Wikimedia Foundation.

Schlagen Sie auch in anderen Wörterbüchern nach:

  • Ballade Nr. 3 (Chopin) — Die Ballade Nr. 3 As Dur Op.47 von Frédéric Chopin ist das dritte Werk des polnischen Komponisten in dieser Gattung und kommt in heutigen Zeit häufig zur Aufführung in Konzerten . Entstehung Die Ballade entstand zwischen 1840 und 1841 und wurde… …   Deutsch Wikipedia

  • Ballade Nr. 1 (Chopin) — Die Ballade Nr. 1 g Moll op. 23 von Frédéric Chopin ist sein erstes Werk dieser Gattung. Sie wurde 1831 in Wien skizziert und 1835 in Paris fertiggestellt. Sie erschien 1836 gleichzeitig in Leipzig, Paris und London und ist dem Baron Nathaniel… …   Deutsch Wikipedia

  • Ballade (Klaviermusik) — Die Ballade ist in der Klaviermusik eine Gattung des 19. Jahrhunderts, die ähnlich wie das Charakterstück oder das Lied ohne Worte formal nicht festgelegt ist. Gelegentlich lassen sich die Komponisten von Dichtungen (z. B. Chopin und Brahms) …   Deutsch Wikipedia

  • 2. Klavierkonzert — Johann Sebastian Bach gilt als Erfinder einer der beliebtesten Gattungen der klassischen Musik: des Klavierkonzertes (damals noch Cembalo). In seinem 5. Brandenburgischen Konzert verwendete er erstmals das Cembalo als Soloinstrument in einem… …   Deutsch Wikipedia

  • Chopin-Akkord — in C Dur (c Moll) Der Chopin Akkord (auch Dominant 13 Akkord) ist ein dominantischer Akkord mit kleiner Septime und großer Tredezime (bzw. Sexte) anstelle der Quinte. In der Grundtonart C Dur lauten seine Töne demnach g h f e; in der Grundtonart… …   Deutsch Wikipedia

  • Frederic Chopin — Frédéric Chopin – Bild von Francesco Hayez aus dem Jahr 1833 Fryderyk Franciszek Chopin (Frédéric François Chopin; Geburtsname Fryderyk Franciszek Szopen) (* 22. Februar oder 1. März 1810 in Żelazowa Wola, nahe Warschau/Polen[1]; † …   Deutsch Wikipedia

  • Friedrich Chopin — Frédéric Chopin – Bild von Francesco Hayez aus dem Jahr 1833 Fryderyk Franciszek Chopin (Frédéric François Chopin; Geburtsname Fryderyk Franciszek Szopen) (* 22. Februar oder 1. März 1810 in Żelazowa Wola, nahe Warschau/Polen[1]; † …   Deutsch Wikipedia

  • Fryderyk Chopin — Frédéric Chopin – Bild von Francesco Hayez aus dem Jahr 1833 Fryderyk Franciszek Chopin (Frédéric François Chopin; Geburtsname Fryderyk Franciszek Szopen) (* 22. Februar oder 1. März 1810 in Żelazowa Wola, nahe Warschau/Polen[1]; † …   Deutsch Wikipedia

  • Frédéric François Chopin — Frédéric Chopin – Bild von Francesco Hayez aus dem Jahr 1833 Fryderyk Franciszek Chopin (Frédéric François Chopin; Geburtsname Fryderyk Franciszek Szopen) (* 22. Februar oder 1. März 1810 in Żelazowa Wola, nahe Warschau/Polen[1]; † …   Deutsch Wikipedia

  • Frédéric Chopin — Chopin, 1835 Frédéric Chopin im Jahr 1849 – dieses Bil …   Deutsch Wikipedia

Share the article and excerpts

Direct link
Do a right-click on the link above
and select “Copy Link”