Ballettflug
Drachen in Sternform
Flugbär - gut zu erkennen: die Drachenschnur

Ein Drachen (nach chinesischen, als Drachenbilder ausgeführten Drachen)[1] ist ein Spiel- und Sportgerät, das mit Wind betrieben wird. Er besteht in der einfachsten Ausführung aus einem Segel, das in der Regel durch ein Gestänge aufgespannt wird und einer am Gestänge befestigten Leine, die vom Drachensteigenden (im Drachensport oft: Pilot) gehalten wird. Der Drachen wird so in den Wind gestellt, dass durch die Anströmung der Luft gegen das Drachensegel aerodynamischer Auftrieb entsteht und der Drachen nach oben steigt.

Es gibt auch ein Drachenfliegen ohne Wind, bei dem die Luftanströmung durch Fortbewegung des Piloten erzielt wird. Auf diese Weise kann bei Windstille oder in geschlossenen Räumen geflogen werden.

Inhaltsverzeichnis

Funktionsweise

Ein Drachen bezieht seine Auftriebsenergie aus dem Wind, der über die Segelfläche gelenkt wird. Er fängt den Wind nicht ein wie ein Fallschirm, sondern er leitet den Wind über seine Auftriebsflächen und legt sich auf die Strömung oder lässt sich von dem Unterdruck über der Segelfläche emporziehen. Dazu muss ein Drachen eine Strömungsrichtung definieren und sich in die geeignete Richtung in den Wind drehen. Kastendrachen erreichen dies mit den senkrechten Flächen des Kastens, die den Drachen in die Richtung mit dem kleinsten Widerstand rücken. Flachdrachen leiten die Windströmung von der Mitte nach außen ab, indem sie sich im Winddruck beugen, also die äußeren Segelspitzen nach hinten biegen. Um auch bei geringen Windgeschwindigkeiten stabile Fluglagen zu erzielen, ist in der Regel bereits das Quergestänge gewinkelt angebracht.

Geschichte

Ursprung der Drachen

Der Ursprung der Drachen ist heute nur noch sehr schwer feststellbar. Es gibt Hinweise, dass die Drachen bereits im 6. Jahrhundert v. Chr. erfunden wurden. Die erste geschichtliche Erwähnung von Drachen als Flugobjekt stammt aus dem China des 5. Jahrhundert v. Chr. Jüngste Funde im indonesischen Raum lassen jedoch die Möglichkeit offen, dass Drachen als Flugobjekt noch wesentlich älter sein könnten.

Drachen in Asien

Chinesischer Drachen

Die ersten Drachen, die in China im 5. Jahrhundert v. Chr. auftauchten, bestanden hauptsächlich aus Bambusstäben und Seide. Weil letztere teuer war, verbreitete sich der Drachen nur langsam. Das änderte sich, als das erste Papier entwickelt wurde. Man vermutet, dass die Drachen durch buddhistische Missionare und über den Handel mit Papier im 2. Jahrhundert v. Chr. schließlich auch Japan und Korea erreichten. Die Menschen im alten China und Japan glaubten, dass sie durch die Drachen ihre Wünsche und Bitten zu den Göttern tragen könnten. So entstanden im Laufe der Zeit viele Volksfeste, bei denen Drachen eine zentrale Bedeutung erhielten. Ein Beispiel ist hier das japanische Neujahrsfest.

Auch in Afghanistan spielen Drachen insbesondere im Herbst und in Wintermonaten eine große Rolle. Doch der Höhepunkt des Drachensteigens ist während des traditionellen Neujahrfestes, Nauroz, das seit jeher am Frühlingsanfang zelebriert wird.

Drachen im Westen

Die Römer ließen zu besonderen Anlässen wie militärischen Siegen oder Volksfesten bunt verzierte Windsäcke fliegen. Die „echten“ Drachen kamen aber erst im 16. Jahrhundert über holländische, portugiesische und englische Kaufleute nach Europa, die Handel mit Fernost betrieben. Zu Beginn des 18. Jahrhunderts waren die Drachen schließlich als Kinderspielzeug im ganzen Westen verbreitet. Jetzt erst erkannte die Wissenschaft, welche forschungstechnischen Möglichkeiten der Drachen bot. Die Experimente konzentrierten sich zu Beginn auf meteorologische Untersuchungen. So untersuchten zum Beispiel Thomas Melvill und Alexander Wilson mit einem Drachen Temperaturunterschiede zwischen den einzelnen Höhenlagen. Ein bekanntes Experiment dieser Zeit wurde von dem amerikanischen Diplomaten und Wissenschaftler Benjamin Franklin durchgeführt. Franklin untersuchte mit Drachen die Wirkung elektrischer Blitze. Der am Himmel schwebende Drachen trug in dieser Zeit auch stark zum beständigen Wunsch der Menschheit bei, fliegen zu können und beeinflusste so auch maßgeblich die Entwicklung der ersten Flugmaschine.

Im heutigen Griechenland ist das Fliegenlassen von selbstgebauten Papierdrachen fester Bestandteil des Kathara Deftera, dem Montag, an dem die Fastenzeit beginnt und die Karnevalszeit endet. An diesem gesetzlichen Feiertag stehen bei geeignetem Wind hunderttausende von Drachen über ganz Griechenland, wobei laut dem Volksglauben eine große erreichte Höhe des Drachens Glück für das kommende Jahr verheisst.

Militärischer Einsatz

Der Drachen fand auch Anwendung im militärischen Bereich. Aus der Frühzeit und dem Mittelalter sind die folgenden Verfahren überliefert:

Cody´s mankite beim Einsatz als "manlifter"

Im alten Japan verwendeten Heerführer Drachen zur psychologischen Kriegführung. Sie befestigten Apparaturen zur Geräuscherzeugung an den Drachen und ließen sie nachts über den feindlichen Truppen steigen. Die Krieger glaubten so, sie würden von bösen Geistern attackiert. Es gibt auch Aufzeichnungen über riesige Drachen, die Bogenschützen trugen.

In Korea wurden mittelalterliche Schlachten mit Signaldrachen koordiniert, deren Zeichnung direkte Befehle an die Truppen darstellten. Diese waren auch aus bewaldeten Stellungen gut auszumachen und erreichten schnell die verschiedenen Truppen.

Im europäischen Raum wurde bei Belagerungen mit Drachen die Entfernung zu den feindlichen Stellungen ausgemessen. Dabei ließ man den Drachen abstürzen und maß die Länge der ausgegebenen Schnur.

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts experimentierte der Amerikaner Samuel Franklin Cody mit seinem „Man Lifting System“ – bekannt geworden und 1903 patentiert als Cody's Mankite – für die britische Armee. Ziel der Experimente war es, einen Drachen zu konstruieren, der sich eignete, um einen Menschen erfolgreich in die Lüfte zu heben.

Während der Weltkriege fanden Drachen hauptsächlich in Bereichen der Luftüberwachung und Schützentraining ihren Einsatz, wurden aber bald durch neuere Technologien ersetzt. Die Firma Steiff überstand den Krieg durch ihren erfolgreichen Roloplan-Drachen, der vom Militär als Flakziel geordert wurde. Auch zur Abwehr von Tieffliegerangriffen wurden Drachen vielfach eingesetzt (Sauls Luftabwehrdrachen). Das Ziel dabei war die Störung der Flugbahn der Angreifer.

Im Zweiten Weltkrieg kam der Drachen Gibson Girl zum Einsatz. Er war Teil der Seenotrettungsausrüstung für Flugbesatzungen, die notwassern mussten. Der Drachen trug eine dünne Notantenne in den Himmel, die mit einem Funkgerät verbunden war. Ein handbetriebener Generator erlaubte der Flugbesatzung, SOS zu funken.

Zivile Verwendung

Meteorologischer Drachen der U.S. National Oceanic and Atmospheric Administration

Neben der Verwendung als Kinderspielzeug können Drachen auch zum Transport verwendet werden. Ein Beispiel hierfür ist Skysails, ein in Entwicklung befindliches (Stand 2008) computergesteuertes Drachensystem zur Senkung des Kraftstoffverbrauchs von Schiffen. Dabei wird ein Lenkdrachen mit einer Fläche von bis zu 600 m² an einem Schiff befestigt und dient so als zusätzlicher Antrieb.

Drachen können auch für die Realisierung eines Antennenträgers in größerer Höhe verwendet werden. So ist es möglich, dass die Drachenschnur in Form eines Kabels ausgeführt ist und somit als Antenne für Längstwelle, Langwelle oder Mittelwelle dient.

Seit ca. 100 Jahren bekannt ist eine Art der Fotografie, bei der die Zugkraft eines Drachens genutzt wird, um eine Kamera zu heben. Dies wird international als Kite Aerial Photography (kurz KAP) bezeichnet.

Viele Jahre wurden Drachen auch für die meteorologische Untersuchung der Atmosphäre benutzt. Am Aeronautischen Observatorium in Lindenberg wurde am 1. August 1919 der noch heute gültige Höhenweltrekord für Drachen von 9740 m unter dem Aufstiegsleiter Stüve erreicht. Dabei wurde eine Drachenkette aus acht Schirmdrachen verwendet.

Von Drachen auf Höhe gebrachte Rotorenkette

Außerde wurden sämtliche Konstruktionsprinzipien der Luftfahrtpioniere direkt von Erfahrungen aus dem Drachenbau abgeleitet. Otto Lilienthal, Gustav Weißkopf, Graham Bell und die Brüder Wright arbeiteten sich mit Drachen an ihre Konstruktionen heran.

Da in großer Höhe bessere Windverhältnissen für Windgeneratoren herrschen, hat es Versuche gegeben, diese mit Drachen auf Höhe zu bringen und dort zu halten. [2]

Bestandteile

Ein Drachen besteht meist aus einem Gestänge, das mit Tuch bespannt ist; über die Waage sind die Leinen daran befestigt, welche zum Piloten führen.

Gestänge

Als Material für das Gestänge können Stäbe zum Beispiel aus Bambus, Holz, Aluminium, glasfaser- oder kohlenstofffaserverstärkter Kunststoff in unterschiedlichen Profilformen als Baumaterial verwendet werden. Zur Verbindung der Stäbe werden oft kurze Stücke von Kunststoffschläuchen als Muffen verwendet; industriell hergestellte Drachen verwenden meist passend angefertigte Kunststoffteile.

Bespannung

Als Bespannung können Papier, Segeltuch (aus Ripstop-Nylon oder Polyester), Baumwoll-/Hanftuch, Tyvek (auch Papierstoff genannt), Naturmaterialien (Blätter, Leder), Folien aus Polyester oder Aluminium u. a. dienen.

Waage

Die Drachenwaage, kurz auch Waage genannt, verbindet Drachen und Leine miteinander. Die Waage ist für die Stellung des Drachens zum Wind verantwortlich. Diese bestimmt die Flugeigenschaften des Drachen. Es gibt verschiedene Waagetypen, die sich durch unterschiedliche Verstellmöglichkeiten und Anwendungszwecke auszeichnen. Grundsätzlich wird mit der Waage das Verhältnis von Zugkraft zu Auftriebskraft beim Aufteilen der Windkraft bestimmt. Je steiler der Drachen steht, umso mehr wird in Zugkraft verwandelt, je flacher, umso mehr in Auftriebskraft.

Leine

Über die Leine ist der Drachen mit dem Piloten verbunden. Eine Leine endet meist in einer Haspel, auf der sie aufgewickelt werden kann. Haspeln für Einleiner haben manchmal zwei Griffe, damit sie mit beiden Händen gehalten und vor allem aufgewickelt werden können. Bei Lenkdrachen werden die Leinen dagegen auf Griffe oder Spulen aufgewickelt, die mit je einer Hand gehalten werden können. Alternativ werden Lenkdrachen auch mit Lenkschlaufen gelenkt (welche um das Handgelenk gelegt werden) oder mit einer Lenkstange; bei sehr zugstarken Lenkdrachen kann der Pilot auch ein Trapez tragen, das die Zugkraft aufnimmt; der Pilot muss dann mit den Armen nur noch steuern, ohne mit ihnen die Zugkraft kompensieren zu müssen. Einleiner werden oft auch nicht direkt vom Piloten gehalten, sondern an einem Bodenanker befestigt. Falls der Drachen sehr hoch steigen soll, verwendet man eine Umlenkrolle, Winsch und Seilwinde. Drachenleinen von Lenkdrachen werden heute üblicherweise aus Dyneema, Polyethylen oder Kevlar hergestellt. Im Gegensatz zu den Leinen ungelenkter Drachen wird bei Lenkdrachen kein Reck verwendet. Daher wird bei Lenkdrachen kein Nylon verwendet, weil sich dieses unter Zug längt, was den Drachen schwerer steuerbar machen würde.

Für die Leinen von einleinigen, ungelenkten Drachen verwendet man das elastischere Nylon oder Polyester. Es längt sich unter Zug, was dazu führt, dass die Leine Windschwankungen ausgleichen kann. Traditionell fanden Flachs- und Hanfkordeln Verwendung.

Drachenleinen können durch ihren geringen Durchmesser, verbunden mit der starken auf ihr lastenden Zugkraft, schneidend wirken. Deswegen dürfen sich keine Zuschauer in der Viertelkugel (auch: Windfenster), die Drachen und Piloten zusammen mit den Leinen beschreiben können, aufhalten; selbst die Drachenlenker vermeiden es mit bloßen Händen unter Zug stehende Leinen zu halten. Die Leinen werden üblicherweise mittels Spleiß und in einem Schutzmantel mit den Halteösen verbunden.

Schwanz

Einige Drachen besitzen einen Schwanz; dieser kann aus Stoffbändern bestehen (Streamer), oder ein Schlauch oder beispielsweise auch ein kleiner Windsack. Bei vielen Drachen dient der Schwanz zur Stabilisierung (ähnlich wie bei einem Schiff ein Treibanker) – ohne ihn verhält sich der Drachen sehr nervös und bricht ständig zur Seite aus.

Drachentypen

Einleinerdrachen

Einleinerdrachen: Flachdrachen für leichten Wind: DoPeRo und Genki

Einleinerdrachen sind die Grundform der Drachen. Sie sind üblicherweise ungelenkt. In Europa sind deltoide Flachdrachen der verbreitetste Typ. In der Konstruktion sind die einleinigen Drachen recht anspruchsvoll, da während des Flugs kaum Einfluss auf das Verhalten des Drachen genommen werden kann.

Kampfdrachen sind einleinige Lenkdrachen. Wird die Leine locker gelassen, bricht der Drachen seitlich aus. Durch Ziehen an der Leine stabilisiert er seine Flugbahn in einen Geradeausflug. Durch die Gestängekonstruktion (Querstrebe in der Mitte dicker als außen) werden die Segelflächen durch den höheren Winddruck nach hinten gebogen, so dass durch die starre Mittelstrebe ein sogenannter Kiel entsteht, welcher den Drachen stabilisiert.

Weitere Einerlenkdrachen sind z. B. Kastendrachen, Roloplan, Gleitdrachen, Cody Warkite, Saul's Barrage Drachen, Markoni und Rokkaku.

Mehrleinige Drachen

Mehrleinige Drachen sind in der Regel lenkbar. Sie haben gewöhnlich zwei Leinen, an denen unterschiedlich stark gezogen werden kann. Jeweils eine Leine ist mit einem Ende des Drachens verbunden. Meist gibt es ein linkes und ein rechtes Ende, an dem jeweils eine Leine befestigt ist. Damit sich der Drachen nicht nur in Flugrichtung (nach oben) lenken lässt, sondern auch ein Stillstand und Gegenrichtung (also nach unten) möglich wird, ist ein weiteres Leinenpaar erforderlich. Der Pilot lenkt dabei seinen Vierleiner mit jeweils links und rechts gehaltenen Griffhanteln.

Ein Deltalenkdrachen

Da Drachen die Eigenschaft haben, bei genügend Wind von allein aufzusteigen, kann, wenn z. B. an der rechten Leine stärker gezogen wird, in diesem Fall der linke Teil des Drachens schneller aufsteigen. Folglich dreht er sich in diesem Fall um seinen rechten Teil, vom Piloten aus gesehen im Uhrzeigersinn. Dabei stehen sich der Vektor der Windkraft und der Vektor der Zugkraft nicht genau gegenüber. Folglich verdreht sich der linke Teil des Drachens leicht nach hinten (nach Lee), so dass der Drachen aus Sicht des Piloten weiter nach rechts zeigt. Das hat zur Folge, dass der Drachen auch weiter nach rechts fliegt. Mit dem Zug an der linken Leine verhält es sich spiegelsymmetrisch.

Piloten können mit Zug an den Leinen den Lenkdrachen Loopings, Schrauben, Winkel und andere Figuren fliegen lassen. Je nach Leinen sind bis zu 15 Loopings und somit Verdrehungen der Steuerleinen nach einer Seite möglich. Das funktioniert auch als Mannschaftssport, üblicherweise vier Piloten bilden eine Crew und fliegen in Wettkämpfen gemeinsame Figuren.

Der Deltadrachen ist der klassische Lenkdrachen. Er wurde neben dem Rhombusdrachen als erster als Lenkdrachen eingesetzt.

Der Delta besteht aus einem V-förmigen Segel, das durch ein etwas schmaleres V in der Stabkonstruktion aufgespannt wird. Der Wind wölbt die Segelflächen nach oben und bildet das Profil aus. Bei etwa einem Drittel der Stablänge des V und bei rund zwei Dritteln wird je eine Waagenleine befestigt. Eine dritte Leine wird an das untere Ende der Mittelstrebe geführt (Dreipunktaufhängung). Damit erhält man zwei Befestigungspunkte für die Steuerleinen.

Deltadrachen gibt es in vielen Ausführungsvarianten. Beim rechts abgebildeten Exemplar wird die Segelfläche durch kleine Ständer, so genannte Stand-Offs, vorgespannt.

Grundsätzlich gilt, dass kleine Drachen schneller in ihren Bewegungen sind, große dagegen langsamer. Große Drachen entwickeln deutlich höhere Zugkräfte als kleine.

Mattendrachen

Illustration einer stablosen sogenannten „Lenkmatte“

Mattendrachen (auch: Airfoils, Parafoils, Lenkmatte oder einfach Matte genannt) sind stablose Drachen, die bei Anströmung ein Flügelprofil ähnlich einem Gleitschirm entwickeln. Da sie vollständig aus Gewebe und Leinen bestehen, können sie platzsparend gefaltet werden und problemlos auch im Fluggepäck transportiert werden.

Die Matten bestehen aus Ober- und Untersegel, denen durch verbindende Stege ein Flügelprofil gegeben wird. Die entstehenden Kammern sind alle oder teilweise an der Anströmungsseite geöffnet. Die Kammern sind untereinander verbunden, damit Druckunterschiede im Innern ausgeglichen werden können.

Bei Anströmung auf die Vorderkante füllen sich die Kammern mit dem Staudruck, der höher ist als die Drücke auf der umströmten Außenfläche. Dadurch wird das Profil der Matte stabilisiert. Der durch den Unterdruck auf der Oberseite entstehende Auftrieb, wird durch eine komplexe vielleinige Waage von der Unterseite auf die zwei Zugleinen abgeleitet.

Matten werden durch unterschiedliche Längen der beiden Zugleinen gelenkt. „Vierleiner“-Matten besitzen zwei weitere Leinen – Bremsleinen –, die auf die hintere Kante des Profils wirken. Bremsleinen unterstützen die Lenkbarkeit. Durch gleichzeitigen Zug an beiden Bremsleinen kann der Auftrieb der bewegten Matte erhöht werden oder auch die Matte abgebremst und gelandet werden. Vierleiner können auch rückwärts vom Boden starten. Der Einsatz aller vier Leinen wird im sportlichen Einsatz wegen der exakteren Lenkbarkeit und Dosierbarkeit der Zugkräfte bevorzugt. Manche Lenkmatten können wahlweise als „Zweileiner“ oder „Vierleiner“ geflogen werden.

Eine Matte muss immer mit Zug an den Leinen geflogen werden. Wird sie nicht ausreichend angeströmt, so wird sie drucklos und klappt zusammen. Eine hybride Bauform findet man bei den „Flexifoils“ und ihren Nachfolgern den Airfoils. Anstatt des Tubes ist ein sehr biegsamer Gfk-Stab verbaut, welcher die Matte auch bei geringer Anströmung aufspannt. Ein Vorteil der Flexifoils/Airfoils ist, dass diese Schirme problemlos „gestackt“ werden können, d. h. aneinandergehängt werden können. Mit dem sogenannten „stacker6“ der Firma Flexifoil wurde der Geschwindigkeitsrekord mit erstaunlichen 180 km/h aufgestellt.

Einsatzgebiete: Kitebuggy fahren, Kitesurfen, Snowkiting und Kitelandboarding

Vierleiner

Vierleiner-Drachen „vision/ksf“

Die Steigerung des Lenkdrachens findet sich im Vierleinerdrachen wieder. Beim Vierleiner werden die beiden üblichen Steuerleinen durch zwei weitere an der hinteren Segelkante angebrachte „Bremsleinen“ ergänzt. Durch diese beiden Leinen lässt sich der Anstellwinkel der beiden Segelflächen variabel einstellen. Damit lassen sich die Drachen auch rückwärts fliegen, auf der Stelle stehen oder drehen (Propellerspin) und sanft auf den Boden aufsetzen.

Zugdrachen

Zugdrachen sind in der Regel vierleinige Mattendrachen (s. o.) oder mehrleinige so genannte Tubekites (Kitesurfen), Ausnahmen sind hier zweileinige, große Deltadrachen und als Zugdrachen verwendete zweileinige Mattendrachen. Moderne Zugdrachen werden mit hohem technischen Aufwand gefertigt, für das Design und die Konstruktion fließen Erkenntnisse aus dem Paragliding mit ein.

Zugdrachen werden für verschiedene Drachensportarten verwendet, zum Beispiel beim Kitesailing. Kitesailing ist der Oberbegriff für Sportarten wie: Kitesurfen, Snowkiting, Kitebuggyfahren oder Powerkiting. Im Bereich der Schifffahrt gibt es Systeme um Zugdrachen als Antriebsunterstützung einzusetzen (Skysails), diese haben allerdings noch keine weite Verbreitung erlangt.

Weitere typische Lenkdrachen

  • Nasa Wing „Powerkite / Zugschirm“
  • Vierleiner-Ballettdrachen
  • Rhombusdrachen, Eddy-Lenkdrachen

Der sportliche Aspekt

Meist wird der Drachen einfach nur steigen gelassen. Als neudeutsches Wort hat sich für das Drachen steigen lassen der Anglizismus kiting verbreitet, insbesondere für die sportliche Variante. Je nach Wind können Drachen solche Kraft entfalten, dass sie den Piloten mitschleifen oder sogar in die Luft ziehen können. Das bewusste Spiel mit den Kräften des Drachens wird Powerkiting genannt.

Eine weitere Form des sportlichen Drachenfliegens ist das Kitesailing. Kitesailing beinhaltet das Fahren mit einem Buggy (Kitebuggyfahren), das Kitesurfen und das Snowkiting. Hierbei lässt man sich in der Regel von großen zugstarken Matten ziehen.

Trickflug

Weit verbreitet ist der Trickflug oder Ballettflug. Mit Deltadrachen werden in einer Choreographie bestimmte Tricks, die von dem Schwierigkeitsgrad bestimmt werden, nachgeflogen. Zur Zeit gibt es ca. 155 offizielle Figuren, die bei Wettbewerben geflogen werden. Die Wettbewerbsfelder haben definierte Größen, die sich wie folgt darstellen: Die Fläche zwischen den markierten Grenzen soll mindestens den unten wiedergegebenen Abmessungen entsprechen:

  • Für Team- und Paardisziplinen: 110 m × 110 m (360 Fuß)
  • Für Einzelpiloten Zweileiner-Disziplinen: 90 m × 90 m (295 Fuß)
  • Für Einzelpiloten Mehrleiner-Disziplinen: 75 m × 75 m (245 Fuß)

Bekannte Tricks sind zum Beispiel die Lazy Susan, bei der sich der Drachen einmal auf dem Rücken um 360° dreht. Oder der Backflip, wobei sich der Drachen auf den Rücken legt.

Indoor-Drachen

Indoor-Lenkdrachen „Amazing“

Indoor-Drachen sind ultraleichte Lenkdrachen, die nahezu überhaupt keinen Wind benötigen, um zu fliegen. Durch die extrem leichte Bauweise (erreicht durch Verwendung von Carbongestänge und leichtem Segeltuch) reicht es, sich rückwärts zu bewegen, um den Drachen in die Luft zu bringen.

Das so genannte Indoor-Kiting findet oftmals in Sporthallen oder leerstehenden Fabrikhallen statt. Beim Fliegen von Lenkdrachen im Freien kommt der Wind von hinten und der Drachen kann in einem Bereich von ca. 120 Grad von links nach rechts und zurück bewegt werden. In einer Halle, wo nur durch die individuelle Rückwärtsbewegung Wind in das Segel kommt, ergibt sich hingegen ein Windfenster von vollen 360 Grad.

Auch beim Indoor-Kiting gibt es verschiedene Arten von Lenkdrachen, die in der Regel durch die Anzahl ihrer Steuerleinen klassifiziert sind. Es wird zwischen Ein-, Zwei- und Vierleiner-Drachen unterschieden.

Drachenflugveranstaltungen (Drachenfest)

Große Drachenflugfestivals finden regelmäßig in der „Drachenhauptstadt der Welt“ Weifang (China), Pasir Gudang (Malaysia), Berck sur Mer (Frankreich), Insel Fanø (Dänemark) sowie in Lünen, Travemünde und Kamen (Deutschland) statt. Weitere Veranstaltungen gibt es in Rømø (Dänemark) und Cuxhaven, St. Peter-Ording (Deutschland).

Rechtliches

In Deutschland, aber unter anderem auch Österreich und der Schweiz sind Drachen unabhängig von der Länge der Flugleinen Luftfahrzeuge. Daher besteht einerseits eine Gefährdungshaftung für den Halter des Drachens und damit andererseits korrespondierend eine gesetzliche Versicherungspflicht nach dem Luftverkehrsgesetz. Diese Rechtslage bestand schon vor der letzten Änderung des Luftverkehrsgesetz (LuftVG) im Jahr 2005. Bei üblichen Privathaftpflichtversicherungen sind Drachen in aller Regel nur sehr eingeschränkt mitversichert. Insbesondere ist darauf zu achten, dass Privat-Haftpflichtversicherungen generell nur Schäden aus dem Gebrauch eines Drachens versichern, die Haftung als Halter eines Drachen aber als versichertes Risiko stets ausgeschlossen ist. Insoweit besteht also für den Halter kein Versicherungsschutz. Die Haftung als Halter eines Drachen lässt sich derzeit nur über spezielle Lufthaftpflichtversicherungen abdecken.

Siehe auch

Quellen

  1. Kluge 2002: 212
  2. Generatoren an der Drachenleine

Literatur

  • Masaaki Modegi: The Making of Japanese Kites - Tradition, Beauty and Creation , Japan Pubn (November 2007), ISBN 978-4889962222
  • Paul May: Stuntkiting: Praxishandbuch für Lenkdrachen, Sportlenkdrachen, Freestyler und Trickdrachen., vivita; Auflage: 1., verb. Aufl. (13. November 2008), ISBN 978-3000242229
  • Günter Wolsing: Lenkdrachen und Gespanne, Vth (Januar 2001), ISBN 978-3881807074
  • David Palham: DuMont's Bastelbuch der Drachen, DuMont 1977, ISBN 3-7701-0946-5
  • Walter Diem: Drachen mit Geschichte: Historische Modelle zum Selberbauen, Books on Demand; Auflage: 1 (Mai 2005), ISBN 978-3833427824
  • Walter Diem: Rund um den Drachen. Turbinen, Fähren, Kameras und anderes Drachenbeiwerk, Hugendubel Heinrich GmbH (1997), ISBN 978-3880348424
  • Wolfgang Schimmelpfennig: Hobby Drachen bauen und steigen lassen, Falken; Auflage: 6. Aufl. (1992), ISBN 978-3806807677
  • Kite Society Book Reference List
  • Fr. Kluge: Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache. – 24. Aufl.: LXXXIX + 1023 S.; de Gruyter, Berlin u. New York 2002.


Weblinks

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