Ballhausen
Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Ballhausen
Ballhausen
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Ballhausen hervorgehoben
51.15555555555610.885162
Basisdaten
Bundesland: Thüringen
Landkreis: Unstrut-Hainich-Kreis
Verwaltungs-
gemeinschaft:
Bad Tennstedt
Höhe: 162 m ü. NN
Fläche: 14,72 km²
Einwohner:

888 (31. Dez. 2010)[1]

Bevölkerungsdichte: 60 Einwohner je km²
Postleitzahl: 99955
Vorwahl: 036041
Kfz-Kennzeichen: UH
Gemeindeschlüssel: 16 0 64 005
Gemeindegliederung: 2 Ortsteile
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Neue Str. 140
99955 Ballhausen
Bürgermeister: Uwe-Karsten Saalfeld
Lage der Gemeinde Ballhausen im Unstrut-Hainich-Kreis
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Über dieses Bild
Kirche von Großballhausen
Familiengrab derer von Ballhausen

Ballhausen ist eine Gemeinde im Unstrut-Hainich-Kreis in Thüringen. Sie gehört der Verwaltungsgemeinschaft Bad Tennstedt mit Sitz in der Stadt Bad Tennstedt an.

Inhaltsverzeichnis

Geografie

Ballhausen liegt am Nordrand der Unstrut-Niederung im Zentrum des Thüringer Beckens, östlich von Bad Tennstedt. Nördlich liegt der Hopfenberg mit 224 m Höhe, südlich verläuft der Schambach in Richtung Hochwasserrückhaltebecken Straußfurt.

Gemeindegliederung

Zwei Ortsteile werden für die Gemeinde geführt:

  • Großballhausen: östlicher Ortsteil
  • Kleinballhausen: westlicher Ortsteil

Geschichte

Ballhausen lag frühgeschichtlich an einer damals wichtigen Nord-Süd-Wegeverbindung. Es gab zwei mittelalterliche Burgen: in Groß-Ballhausen im Bereich von späterem Rotem und Grünem Hof, in Klein-Ballhausen in der Nähe des späteren Herrenhauses. Von letzterer waren Reste noch Ende des 19. Jahrhunderts nachweisbar. 1104 hatte das Peterskloster in Erfurt Besitzungen in Ballhausen. Der erste namentlich bekannte Adlige war Heselin von Ballhausen, 1110 in einer Urkunde von Ludwig dem Springer bezeugt. Konrad von Ballhausen war Mitte des 12. Jahrhunderts ein wichtiger Helfer von Kaiser Friedrich I. bei dessen Italien-Unternehmungen. 1170 erscheinen die Herren von Ballhausen in kaiserlichen Urkunden als Grafen. 1258 wird ein Eckard von Klein-Ballhausen genannt. Letzteres wird zeitweise auch als Wenigen- oder Windischen-Balenhusen bezeichnet.

Im 13. Jahrhundert verfasste ein Pfarrer Sigefridus Presb. de Balhusen oder Siegfried (Lebenszeit bis etwa 1306) eine Weltgeschichte ("Hystoria universalis Sifridi presbyteri indigni de Baluhusin villa Thuringie").[2]

1297 wurden beide Burgen an das Erzbistum Mainz verpfändet. Die Besitzer der Burgen und Güter in Ballhausen wechselten häufig.

1851 erwarb Sebastian Lucius von einem Herrn von Zech das Rittergut in Klein-Ballhausen. 1882 erweiterte sein Sohn Robert Lucius (geadelt: Lucius von Ballhausen) das Schloss um zwei Seitenflügel und einen Turm. Letzterer wurde nach 1945 abgerissen, der Mittelteil verfiel teilweise. Das Schloss wurde von Flüchtlingsfamilien bewohnt und entschädigungslos enteignet. Das wertvolle Inventar des Schlosses, insbesondere eine Sammlung ostasiatischer Kunstwerke, ging 1945 verloren. Nur ein großes Wirtschaftsgebäude ist erhalten (2009), auch ein großer Park. Zum Rittergut hatten 1.200 Morgen Land der Extraklasse gehört, ausgedehnte Stallungen, eine Kartoffelflockenfabrik, eine Wassermühle, Karpfenzucht, Gewächshäuser und ein Gasthof. Der letzte Eigentümer war Johann-Albrecht Freiherr Lucius von Ballhausen.[3]

1860 kaufte Clara Lucius, eine Tochter von Sebastian Lucius, in Groß-Ballhausen das von Reinhardt´sche Rittergut "Der Rothe Hof" mit 750 Morgen. Auch der benachbarte "Grüne Hof" mit 800 Morgen mit großen Obstplantagen kam in den Besitz der Familie Lucius.

Die Herrschaft "Ballhausen/Stoedten" (Lucius) bestand aus den beiden Rittergütern in Großballhausen, dem Gut in Kleinballhausen und dem Rittergut Stödten östlich von Schwerstedt.

Alle Güter wurden 1945 durch die Bodenreform entschädigungslos enteignet. In den Roten Hof zog ein Kindergarten ein. Der Hof ist seit 2009 im Besitz eines Windkraft-Unternehmens. Der Grüne Hof wurde abgerissen (wie auch das Gut Stödten).[4]

Eingemeindungen

Die Gemeinde entstand 1952 durch Zusammenlegung der Orte Großballhausen und Kleinballhausen.

Einwohnerentwicklung

1939 hatte Groß-Ballhausen 733 und Klein-Ballhausen 573 Einwohner (zus. 1306 Einwohner). 2008 wies Ballhausen eine Einwohnerzahl von 926 auf. Dazwischen war es zu einem starken Zustrom von Heimatvertriebenen gekommen.

Politik

Stadtrat

Der Rat der Gemeinde Ballhausen besteht aus 8 Ratsfrauen und Ratsherren.

  • FWG 8 Sitze

(Stand: Kommunalwahl am 7. Juni 2009)

Bürgermeister

Der ehrenamtliche Bürgermeister Uwe-Karsten Saalfeld wurde am 6. Juni 2010 gewählt.[5]

Sehenswürdigkeiten

  • Dorfkirche St Vitii in Groß-Ballhausen, mit umgebendem Kirchhof. Vor der Kirche steht ein Kriegerdenkmal für die Gefallenen des Ersten Weltkriegs. An der Außenwand der Nordseite der Kirche befinden sich Gräber der Familie Lucius von Ballhausen: Freiherr Robert Lucius von Ballhausen (1835 - 1914), Hellmuth Freiherr Lucius von Stödten (1869 - 1934) /Diplomat, Reinhart Freiherr Lucius von Ballhausen (1906 - 1996)
  • Pfarrhaus in Groß-Ballhausen
  • "Roter Hof" in Groß-Ballhausen
  • Dorfkirche St. Aegidii in Klein-Ballhausen. Im Eingang zur Kirche Namenstafel "Den Gefallenen des Zweiten Weltkrieges zum Gedächtnis".
  • Früheres Schloss in Klein-Ballhausen: sanierungsbedürftig. Mittelteil in der Fassade und im Dachbereich stark vereinfacht im Wiederaufbau. Ein erhaltenes großes Fachwerk-Wirtschaftsgebäude des ehemaligen Gutes.
  • Früherer Gutspark in Klein-Ballhausen mit Tiergehege

Persönlichkeiten

  • Sifrid von Ballhausen († um 1307): Pfarrer in Ballhausen und Verfasser einer Weltgeschichte
  • Robert Lucius Freiherr von Ballhausen (1835 – 1914), Politiker und Besitzer von Groß- und Klein-Ballhausen. Er verstarb im Schloss Klein-Ballhausen.

Verkehr

Ballhausen wird von der B 176 durchquert. Die frühere Eisenbahn-Anbindung existiert nicht mehr.

Einzelnachweise

  1. Thüringer Landesamt für Statistik – Bevölkerung nach Gemeinden, erfüllenden Gemeinden und Verwaltungsgemeinschaften (Hilfe dazu)
  2. Handbuch der historischen Stätten Deutschlands. Band 9: Thüringen. Hrsg. Hans Patze. Alfred Kröner-Verlag, Stuttgart 1989. S.172-173. ISBN 3-520-31302-2
  3. Robert von Lucius: Die Erfurter Familie Lucius. Erfurter Heimatbrief Nr.37, 1978, S.35-36
  4. Robert von Lucius: Die Erfurter Familie Lucius. Erfurter Heimatbrief Nr.37, 1978, S.36
  5. Kommunalwahlen in Thüringen am 6. Juni 2010. Wahlen der Gemeinde- und Stadtratsmitglieder. Vorläufige Ergebnisse. Der Landeswahlleiter, abgerufen am 6. Juni 2010.

Literatur

  • Groß- und Kleinballhausen in "Handbuch der historischen Stätten Deutschlands", Band 9 Thüringen. Hrsg. Hans Patze. Alfred -Kröner-Verlag, Stuttgart 1989. ISBN 3-520-31302-2
  • Ballhausen und Kleinballhausen in Michael Köhler: "Thüringer Burgen und befestigte vor- und frühgeschichtliche Wohnplätze". Jenzig-Verlag Gabriele Köhler, Jena 2003. ISBN 3-910141-56-0
  • Reinhold Andert, Die Tretenburg, Herbsleben und die Königsleutedörfer, In: "Der Thüringer Königshort", Dingsda-Verlag, Querfurt 1995, ISBN 3-928498-45-2
  • Reinhold Andert, Der Ring um Herbsleben, In: "Der fränkische Reiter", Dingsda-Verlag Querfurt, Leipzig 2006, ISBN 3-928498-92-4

Weblinks

 Commons: Ballhausen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

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