Ballonfahren
Heißluftballons bei der Warsteiner Montgolfiade

Ballonfahren bezeichnet die Luftfahrt mit Gasballon und Heißluftballon, speziell mit Freiballonen, da mit Fesselballonen demgegenüber strenggenommen nicht „gefahren“ werden kann. Lenkbare Ballone werden als Luftschiffe bezeichnet und als eigene Luftfahrzeugart von den Ballonen im engeren Sinne abgetrennt.

Inhaltsverzeichnis

Das Prinzip eines Ballons

Ein Ballon besitzt eine gasdichte Hülle, die mit einem Treibgas befüllt wird, welches leichter ist als die ihn umgebende Luft. Dies bewirkt den Auftrieb des Ballons. Der Dichteunterschied zwischen dem Gas in der Ballonhülle (heiße Luft oder auch Helium/Wasserstoff) und der Umgebungsluft ist so groß, dass sogar schwere und große Lasten von einem Ballon getragen werden können.

In der Luftfahrt spricht man vom „fliegen“, wenn der Auftrieb durch die Bewegung des Fluggerätes oder wesentlicher Teile von ihm (wie z. B. der Rotor eines Hubschraubers) in der Luft erfolgt. Sobald dies nicht der Fall ist, sondern Auftrieb und Bewegung (weitgehend) unabhängig voneinander sind, spricht man also wiederum vom „fahren“. Verantwortlich für den Auftrieb im letzteren Fall sind die Gesetze der Aerostatik, unter der man die Lehre der strömungsfreien und unbewegten Gase versteht. Ist also das gesamte Ballongewicht geringer als das Gewicht der verdrängten Luft, so erhebt sich der Ballon in die Luft. Bereits die ersten Ballonfahrer sprachen vom „Ballonfahren“, da sie den Himmel mit dem Meer verglichen. Weil Schiffe auf dem Ozean fahren, übernahm man den Begriff des „Fahrens“ für die Ballone. Ein Ballon fährt nach dieser Vorstellung im Himmel, wie das Schiff auf dem Meer. Dieses ist allerdings historisch nicht belegt. Der Begriff Ballonfliegen gewinnt außerhalb der Ballonfahrer immer mehr an Bedeutung.

Ein Ballon darf in Deutschland höchstens ein Volumen von 12.000 m³ besitzen. Heißluftballone für den Personentransport sind üblicherweise 3000–5000 m³ groß, Gasballone 500 - 1000m³. Als Racer (Wettbewerbsballone) werden Ballon von 1600 - 2600 m³ bezeichnet.

Praxis

Ein Ballonfahrer 1988.

Die Geschwindigkeit eines Ballons hängt von der örtlichen Windgeschwindigkeit ab. Beim Start sowie bei der Landung sollten Geschwindigkeiten von weit unter 20 km/h herrschen. Des Weiteren darf keine oder nur sehr geringe Thermik herrschen. Während der Fahrt gelten 40 km/h schon als zügig. Über den Alpen sind beispielsweise jedoch auch Geschwindigkeiten von über 100 km/h möglich.

Theoretisch sind der Höhe von normalen Sportballonenen Grenzen bei ca. 9.000 Metern gesetzt. Personenfahrten finden normalerweise zwischen 300 und 3000 Metern statt. Einflussfaktoren sind dabei die jeweiligen Wetterbedingungen, der Einsatzort und die Beladung des Ballons. In Gebirgen können sogar Höhen von über 6000 Metern erreicht werden, ab 3000 Metern aber nur mit Sauerstoffgeräten für die Insassen.

Bei der Fahrtdauer von Heißluftballonen spielen vier Faktoren eine erhebliche Rolle: der Gasvorrat, die Windgeschwindigkeit, die Wetterbedingungen und die Anzahl der Mitfahrer. In der Regel legen Ballone während einer Fahrt in ein bis zwei Stunden zwischen 5 und 30 km zurück. Der Gasballon kann mehrere Tage und Nächte fahren. Sportfahrten mit Gästen dauern 4 bis 12 Stunden und sind im Gegensatz zum Heißluftballon angenehm geräuschlos.

Die hohen Temperaturen von teilweise über 100 °C und die UV-Strahlung setzen der Heißluftballonhülle massiv zu. Je nach Pflege hält eine Heißluftballonhülle zwischen 400 und 600 Betriebsstunden.

Brenner und Korb halten doppelt so lang. Alle 100 Betriebsstunden bzw. einmal im Jahr wird ein Ballon von einem Sachverständigen des Luftfahrtbundesamtes auf seine Fahrtauglichkeit überprüft (TÜV).

Um einen Ballon zu führen, benötigt man eine Pilotenlizenz (PPL-D). Die Ausbildung unterteilt sich in einen theoretischen und praktischen Teil. Der theoretische Teil umfasst Fragen aus den Gebieten Luftrecht, Meteorologie, Navigation, Technik, Verhalten in besonderen Fällen und menschliches Leistungsvermögen. Der praktische Teil umfasst mind. 20 Std. Ballonfahren sowie 50 Starts und Landungen, der Durchschnitt liegt bei ca. 30-40 Stunden. Die Prüfungen werden vor der zuständigen Bezirksregierung abgelegt. Die Ausbildung in Deutschland wird von kommerziellen Schulen als auch von Ballonsportclubs durchgeführt. Für die komplette Ausbildung ist mit Kosten zwischen 3500 und 6000 Euro zu rechnen.

Es ist auch nachts möglich, mit einem Ballon zu fahren. Um dies durchführen zu dürfen, benötigt der Pilot eine Nachtfahrausbildung. Üblicherweise startet man vor Sonnenaufgang, um im Hellen wieder zu landen. Da der Ballon nicht bzw. nur gering steuerbar ist, wäre die Landung auf einem unbekannten Gebiet im Dunkel der Nacht mit einem hohen Risiko verbunden.

Die Sicherheit der Personen im Korb hat bei den Starts und den Landungen höchste Priorität. Starts sind von jedem zugelassen Flugplatz/Startplatz möglich. Um Außenstarts, d. h. Starts außerhalb dieser genehmigten Plätze durchzuführen, benötigt der jeweilige Pilot eine Außenstartberechtigung sowie die Zustimmung des Grundstückseigentümers. Die Außenstartberechtigung erfordert min. 50 Stunden als PIC (Pilot in Command) und eine Überprüfung durch eine abnahmeberechtigte Person (i. d. R. Prüfer). Ein Ballon besitzt eine permanente Außenlandegenehmigung. Der Ballonpilot darf überall landen, er sollte aber die Verhältnismäßigkeiten wahren. (Eine Landung auf einem Autobahnkreuz oder in einem Fußballstadion ist durchaus möglich und bleibt auch straffrei, sofern es einen Grund für die Landung an diesem Ort wie technische Schwierigkeiten gibt). Ein vorausschauender Pilot meidet solche Gebiete. Eine alte Ballonerweisheit sagt: Landung immer am Anfang der Wiese, sie wird automatisch kleiner/kürzer.

Sollte während der Landung ein Schaden an fremdem Eigentum entstanden sein, muss die Versicherung des Piloten für den Schaden aufkommen. Ebenfalls hat der Grundstückseigentümer das Recht, die persönlichen Daten wie Name, Adresse etc. des Piloten zu erfragen. Er darf in Deutschland die Landung und den Abtransport des Ballons jedoch nicht verhindern. Im Ausland gelten andere Regeln.

Da der Ballon mit dem Wind fährt, weht im Ballonkorb kein Wind. Allerdings spürt man bei starkem Steigen oder Sinken Wind von "oben" bzw. von "unten".

Bei Veranstaltungen wird oftmals das sogenannte Ballonglühen durchgeführt. Hierbei werden die Ballons gefüllt und die Brenner heizen zumTakt der Musik

Ballontypen

Je nach Befüllung der Ballone unterscheidet man zwischen einem Heißluftballon und einem Gasballon. Befüllt man also die gasdichte Hülle mit Luft, so handelt es sich um einen Heißluftballon, bei Verwendung von Helium oder Wasserstoff ist von einem Gasballon die Rede. Diese beiden Typen sind leicht durch ihre Form zu unterscheiden: Gasballone sind kugelförmig, Heißluftballone birnenförmig. Heißluftballonhüllen gibt es aber auch in verschiedenen Sonderformen. Schon einer der ersten Ballonfahrer, Pilâtre de Rozier, kombinierte die beiden Ballonarten miteinander und erfand so die nach ihm benannte Rozière.

Ballonkörbe

Ballonkörbe werden üblicherweise aus einer Bodenplatte aus Holz mit verstärktem Edelstahlrahmen, verstärkt durch zwei Stahlseile, gebaut. Für die Seitenelemente werden häufig Rattan und Leder verwendet. Ballonkörbe gibt es in unterschiedlichen Größen für 1 bis 3 Piloten und maximal bis zu 16 Passagiere.

Um in den Korb hinein zu kommen, muss man üblicherweise über die Bordwand klettern. Während der Fahrt stehen Pilot und alle Passagiere in je nach Größe und Aufteilung des Korbinnern in bis zu 5 getrennten Abteilungen.

Seit 1994 gibt es einen Korb, der mit 2 Sitzplätzen und einer Bordküche ausgestattet ist, vom Guinness-Buch der Rekorde als kleinstes Restaurant der Welt prämiert. Die Ausstattung des Korbes wurde extra vom Luftfahrtbundesamt zugelassen, der Landkreis Harburg erteilte eine Gaststättenkonzession.

Am 23. September 2008 konnte in Isenbüttel zum ersten Mal in Deutschland eine Rollstuhlfahrerin in einer barrierefreien Spezialanfertigung eines Ballonkorbs an einer Fahrt teilnehmen, nachdem der Spezialkorb bereits Ende April vom Luftfahrt-Bundesamt in Braunschweig abgenommen worden war. [1]

Sonderformen

In manchen Fällen entwickeln Menschen Sonderformen des Ballonfahrens. So stieg der Lastwagenfahrer Larry Walters am 2. Juli 1982 in Los Angeles mit Hilfe von 42 Heliumballons, die er an einen Gartensstuhl gebunden hatte, 5000 Meter hoch. Die Luftpistole, mit der er einzelne Ballons zerschießen wollte, um kontrolliert zu sinken, verlor er während des Flugs. Weil sich Walters außerdem hinsichtlich der maximalen Höhe des Aufstiegs verrechnet hatte und in den Luftraum des Flughafens von Los Angeles getrieben wurde, kam es zu einer grotesken Situation: Der Pilot eines Linienflugzeugs im Landeanflug meldete dem Tower, er sei in einer Höhe von 16.000 Fuß an einem Mann in einem Gartenstuhl vorbeigeflogen.[2]

Ballonadelsstand

Dabei handelt es sich um eine alte Tradition. In der Anfangszeit der Ballonfahrt durften sich nur blaublütige Menschen mittels eines Ballons in die Lüfte erheben. König Ludwig der XVI von Frankreich erließ nach der Erfindung des Heißluftballons ein Gesetz, nach dem nur der Adel Ballon fahren durfte. Natürlich ist dies heutzutage nicht mehr der Fall, jedoch hat man hieraus den Brauch der „Ballonfahrertaufe“ und damit Aufnahme in den „Ballonadelsstand“ entwickelt.

Kennung auf der Ballonhülle

Alle in Deutschland zugelassenen Ballone sind beim Luftfahrt-Bundesamt in Braunschweig registriert und bekommen von dort eine Kennung zugeteilt, die sich wie folgt zusammenstellt: D steht für Deutschland, O steht für Freiballon und die anderen drei Buchstaben werden frei vergeben.

In Österreich zugelassene Ballons tragen Kennungen der Form OE-ABC, nämlich Landeskennzeichen, Bindestrich und 3 Buchstaben.

Organisationen

Neben einigen Spezialanwendungen finden Ballone heute hauptsächlich im Luftsport Verwendung. In Deutschland sind die Ballonfahrer überwiegend im Deutschen Freiballonsport-Verband e.V. organisiert.

Fußnoten und Einzelnachweise

  1. http://www.lorenz-ballooning.de/pdf/3043247.GF06.pdf
  2. Do-It-Yourself-Flugpionier. Höhenflug im Gartensessel. (SPIEGEL Online)

Weblinks

 Commons: Heißluftballon – Album mit Bildern und/oder Videos und Audiodateien

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