Ballonspiel

Das italienische Ballonspiel gilt als Vorläufer des heute besonders in Deutschland sehr verbreiteten Faustballspiels, das, wie jedes andere Ballspiel, eine lange Entwicklungsgeschichte durchgemacht hat.

Geschichte

Unter den um 1300 n. Chr. von den Italienern betriebenen Sportarten wurde u.a. auch das Ballonspiel gepflegt. Der italienische Humanist Antonio Scaino (1524–1612) beschreibt dieses Spiel in seinem 1555 erschienenen Ballspielbuch Trattato del glace della palla, in dem er auch dessen Regeln kodifizierte.

Das Ballonspiel blieb in Italien lange populär. Goethe hat auf seinen Reisen durch Italien solchen Spielen beigewohnt. In seiner Italienischen Reise beschreibt er ein Ballonspiel, das er im Jahre 1786 in Verona beobachtete. Aber auch in Frankreich, Spanien und England hat man dieses Spiel gekannt, und aus einer Zeichnung aus dem Jahre 1644 des in Hamburg lebenden Holländers Arnold Petersen ist ersichtlich, dass es im 17. Jahrhundert auch vor den Toren Hamburgs gespielt wurde. Seine Weiterentwicklung fand es im modernen Faustball.

Regeln

Nach den Beschreibungen Scainos traten zu dem damaligen Volksspiel auf jeder Seite drei Spieler an. Der Spielplatz, der meist an einer hohen Stadtmauer lag, war 90 m lang und 20 m breit. Gespielt wurde mit einer stark aufgepumpten Schweinsblase mit dreifacher Lederhülle. Der Ball wog etwa 1 kg. Sein Durchmesser betrug 36 cm.

Die Regel war folgende: Der Ball musste von den Spielern mit dem Arm oder der Faust über eine Mittellinie in das gegnerische Feld geschlagen werden. Eine gespannte Leine gab es nicht. Durch einen Angabeschlag wurde der Ball von der eigenen Hintergrenze in das Feld des Gegners geschlagen.

Er musste von der gegnerischen Seiten und von der eigenen Partei in gleicher Weise aus der Luft oder nach einmaligem Aufspringen hin- und hergeschlagen werden. Wurde der Ball nicht regelgerecht zurückgespielt, so lag ein Fehler vor, und die Mannschaft, die den Fehler machte, erhielt einen Verlustpunkt. Eine Mannschaft hatte das Spiel verloren, wenn sie vier Verlustpunkte, jedoch mindestens zwei mehr als der Gegner, aufzuweisen hatte.

Das Spiel konnte auch mit einem Schlage entschieden werden, und zwar dann, wenn der Ball von der Hintergrenze des eigenen Feldes über das Mal des Gegners hinaus geschlagen wurde. Da der schwere Ball jedoch auf solche Entfernung nicht mit dem bloßen Arm geschlagen werden konnte, benutzten die Spieler eine hölzerne Schlagmanschette (Bracciale). Dieser Schutzärmel war bis zu 2 kg schwer und wurde an einem innen angebrachten Griff festgehalten. Dadurch, dass der Ball auch gegen die angrenzende Mauer geschlagen werden konnte, erschwerte man dem Gegner den Rückschlag, gleichzeitig wurde das Spiel aber auch interessanter.

Siehe auch


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