Ballsha
Wappen der Balšići
Herrschaftsgebiet der Balšić 1372 bis 1378

Die Balšići (kyr. Балишићи, alban. Balsha) waren eine in der Zeta und Nordalbanien ansässige serbische Adelsfamilie. Sie spielten im 14. und 15. Jahrhundert eine bedeutende Rolle in der Geschichte dieser Region.

Erstmals genannt werden die Balšići während der Regierung des serbischen Zaren Stefan Dušan. Ein Angehöriger des Geschlechts ist als Kleinadeliger in der Zeta Besitzer eines Dorfes. Dieser Balša I. diente als Befehlshaber im Heer des serbischen Zaren. Die Wirren nach dem Tode Stefan Dušans und den Zerfall des Reiches wusste er geschickt zu nutzen. Um 1360 hatte er sich in der Gegend von Shkodra ein größeres Herrschaftsgebiet aufgebaut; dieses Territorium in der Zeta hinterließ er 1362 seinen drei Söhnen Stracimir, Georg und Balša II..

Die drei Söhne von Balša I., Stracimir, Đurađ (Georg) und Balša II., herrschten seit 1362 gemeinsam über das ererbte Fürstentum. Dazu gehörten neben der Hauptstadt Shkodra auch die Städte Ulcinj und Kotor, sowie Trogir und Šibenik im Süden Dalmatiens, wobei die letzteren drei nur in einem mehr oder weniger losen Abhängigkeitsverhältnis zu den Balšići standen. 1365–1367 waren die Balšić-Brüder mit der Republik Ragusa verbündet und man führte erfolgreich Krieg gegen andere lokale Feudalherren der Zeta.

Um politisch beim Hl. Stuhl besser angesehen zu sein, entschlossen sich die Balšići 1368 den römisch-katholischen Glauben anzunehmen. Sie nahmen daher Kontakt mit Papst Urban V. auf. Nachdem sie der römischen Kirche Treue gelobt und sich verpflichtet hatten, den katholischen Bischof von Kotor in seinen Rechten zu schützen, wurden sie 1369 in die römische Kirche aufgenommen. In den folgenden Jahren unterhandelte die römische Kirche mehrfach mit den Balšići über die Neuordnung des Kirchenwesens in ihrem Fürstentum.

Đurađ Balšić schloss als Familienoberhaupt (Stracimir war inzwischen gestorben) ein Bündnis mit dem serbischen Fürsten Lazar Hrebeljanović, dem bosnischen König Tvrtko I., Nikola Gorjanski und König Ludwig I. von Ungarn, das sich gegen Nikola Altomanović, Fürst der Herzegowina richtete, dessen Armee die Verbündeten 1373 vollständig besiegten. Đurađs Gewinn aus diesem Krieg waren die Orte Trebinje, Konavlje und Dracevica. Später kam es wegen dieser Orte zu Auseinandersetzungen mit Tvrtko, der den Balšići die Kriegsbeute streitig machte.

In den siebziger Jahren des 14. Jahrhunderts dehnten die Balšići ihre Macht durch verschiedene Kriegszüge nach Mittel- und Südalbanien aus, wo sie unter anderem die Hafenstadt Vlora erobern konnten. Osmanische Angriffe und venezianische Intrigen schwächten die Macht der Dynastie, so dass Djuradj II. im Jahr 1396 seine bedeutendsten Gebiete und die Stadt Skutari an Venedig abtrat. Nach Đurađs Tod herrschte seit 1378 Balša II. allein. Er machte einen erfolglosen Versuch, Kotor einzunehmen und führte im Süden Krieg gegen Karl Thopia, welcher die Osmanen gegen Balša II. zu Hilfe rief. 1385 starb er in der Schlacht von Savra. Balša III. (1403-21), der letzte männliche Nachkomme der Familie, versuchte erfolglos, an Einfluss zu gewinnen.

In der Zeta herrschten die Balšići bis 1421, als mit Balša III. die direkte männliche Linie des Geschlechts ausstarb. Balša III. vermachte sein Herrschaftsgebiet seinem Onkel Stefan Lazarević. Der Niedergang der Balšići begünstigte den Aufstieg der Dynastie Crnojević.

1444 beteiligten sich Angehörige der Familie an der Liga von Lezha unter Führung Skanderbegs. Sie waren vermutlich die Nachkommen eines weiteren Balšić namens Gjergj, einem unehelichen Sohn des oben genannten Georg Balšić. Dieser zweite Gjergj ist 1393 als Bürger Venedigs bezeugt.


Literatur

Weblinks


Wikimedia Foundation.

Schlagen Sie auch in anderen Wörterbüchern nach:

  • Ballsha I. — Balša I. (zu dt. Balscha; † 1362) war ein serbischer Adliger, der Mitte des 14. Jahrhunderts eine eigenständige Herrschaft über die Landschaft Zeta begründete. Er ist der Ahnherr der Adelsfamilie der Balšići. Balša I. diente im Heer des Kaisers… …   Deutsch Wikipedia

  • Ballsha II. — Balša II. († 18. September 1385 in Savra) war ein Fürst aus dem Adelsgeschlecht Balšić. Seit 1362 herrschte er gemeinsam mit seinem Brüdern Stracimir und Đurađ (zu dt. Georg) über ein größeres Territorium in der Zeta und Nordalbanien. Nach dem… …   Deutsch Wikipedia

  • Ballsha III. — Balša III. Stracimirović (* 1386; † 1421), war ein serbischer Fürst in Montenegro aus der Herrscherfamilie der Balšići. Er regierte als letzter seiner Familie über die Zeta. Balša war der Sohn des Fürsten Đurađ II. Balšić und dessen Frau Jelena,… …   Deutsch Wikipedia

  • Georg II. Ballsha — Đurađ II. (zu dt. Georg) Stracimirović Balšić († 1403) war ein Fürst aus dem serbischen Adelsgeschlecht der Balšići. Als sein Vater Stracimir 1373 starb, wurde Đurađ von seinen beiden Onkeln Đurađ I. und Balša II. zum Mitregenten über Zeta,… …   Deutsch Wikipedia

  • Karl Topia — Karl Thopia (* um 1335/40; † 1388) war ein albanischer Fürst. Sein Vater war Andreas Thopia, seine Mutter eine illegitime namentlich nicht bekannte Tochter Roberts von Anjou. Karl wuchs nach dem frühen Tod seiner Eltern auf der Burg von Kruja auf …   Deutsch Wikipedia

  • Albanische Geschichte — Tempelruine in Apollonia, nahe der Stadt Fier in Mittelalbanien Inhaltsverzeichnis 1 Vorgeschichte 2 Antike 3 …   Deutsch Wikipedia

  • Geschichte des Staates Albanien — Tempelruine in Apollonia, nahe der Stadt Fier in Mittelalbanien Inhaltsverzeichnis 1 Vorgeschichte 2 Antike 3 …   Deutsch Wikipedia

  • Crnojević — Die Crnojevići (kyrill. Schrift: Црнојевићи) waren eine bedeutende montenegrinische Adelsfamilie im Fürstentum Zeta. Dieses Fürstentum umfasste im späten Mittelalter das Gebiet des heutigen Montenegro und einige angrenzende Landstriche; dessen… …   Deutsch Wikipedia

  • Karl Thopia — (* um 1335/40; † 1388) war ein albanischer Fürst. Sein Vater war Andreas Thopia, seine Mutter eine illegitime namentlich nicht bekannte Tochter Roberts von Anjou. Karl wuchs nach dem frühen Tod seiner Eltern auf der Burg von Kruja auf. 1358 erhob …   Deutsch Wikipedia

  • Katholische Kirche in Albanien — Jesuitenkirche in Tirana Neue Kirche in Elbasan …   Deutsch Wikipedia

Share the article and excerpts

Direct link
Do a right-click on the link above
and select “Copy Link”