Tamil Eelam

Tamil Eelam
„Tamil Eelam“: Von den tamilischen Separatisten beanspruchte Gebiete Sri Lankas

Tamil Eelam ist eine Bezeichnung für die von tamilischen Separatisten geforderten Staat, der den Nord- und Ostteil Sri Lankas umfassen soll. Während des Bürgerkriegs in Sri Lanka (1983–2009) beherrschte die Rebellenorganisation Liberation Tigers of Tamil Eelam (LTTE) Teile des Gebiets als De-facto-Regime. Seit Ende des Bürgerkriegs steht das gesamte Gebiet wieder unter der Kontrolle der sri-lankischen Regierung.

Inhaltsverzeichnis

Zum Begriff

Die Form „Tamil Eelam“ ist die an der englischen Orthographie orientierte Transkription von tam. தமிழீழம் Tamiḻīḻam [ˈt̪amɨɻˈˈiːɻʌm] (in Sri Lanka auch [ˈt̪amɨɭˈiːɭʌm]). Tamililam bedeutet „tamilisches Ilam“, wobei es sich beim Begriff Ilam um eine alte tamilisch-geographischen Bezeichnung der Insel Sri Lanka handelt. Deren heutiger Gebrauch ist politisch stark konnotiert, wobei sich der Ausdruck Tamililam in etwa mit dem Ausdruck „Deutschböhmen“ (für Teile Tschechiens) vergleichen lässt. Der politisch neutrale und in der nichtpolitischen tamilischen Literatur weit gängigere Name Sri Lankas ist dagegen der von Lanka abgeleitete Ausdruck இலங்கை Ilaṅkai.

Die Etymologie von Īḻam ist nicht geklärt. Möglicherweise besteht ein Zusammenhang zum Begriff Sinhala, einem alten Namen Sri Lankas, von dem das Ethnonym der Singhalesen und der Name Ceylon abgeleitet sind. Dabei könnte Īḻam eine Entlehnung aus Prakrit sīhala- ( < Sanskrit siṃhala) sein,[1] auch der umgekehrte Entlehnungsweg ist aber möglich.[2] Unklar ist ebenfalls, ob ein etymologischer Zusammenhang zum Wort īḻam für „Palmwein“ besteht, das in mehreren dravidischen Sprachen belegt ist.[3]

Geschichte

Das Konzept vom Tamil Eelam geht auf die Organisation Tamil United Liberation Front zurück, die 1976 erstmals einen eigenen Staat für die tamilische Bevölkerung vorschlug. Nach den politischen Konflikten um die Verfassungsänderung 1978, mit der die Zentralregierung den Abspaltungsbestrebungen zu begegnen suchte, entstanden eine Reihe militanter Organisationen, die die Idee vom Tamil Eelam übernahmen. Wie die TULF auch bezeichneten sie damit die Gebiete der Bezirke Jaffna, Kilinochchi, Mullaitivu, Mannar, Puttalam, Trincomalee, Batticaloa und Amparai. Nur eine Minderheit der Gruppen, wie die EPRLF, zählten alle Gebiete mit tamilischer Bevölkerungsmehrheit dazu, d. h. auch Gegenden im Landesinneren, wo viele von den Briten z. T. zwangsweise nach Sri Lanka umgesiedelte tamilische Plantagenarbeiter leben.

Gerichtsgebäude in Kilinochchi

Die Separatistenorganisation Liberation Tigers of Tamil Eelam (LTTE) forcierte die Abspaltung dieses Gebietes von der zentralen Regierung. Sie bezeichnete dabei den von ihr kontrollierten Teil der Insel als Tamil Eelam. Insbesondere der Norden der Insel unterstand nicht mehr der Kontrolle der Zentralregierung, sondern war de facto quasi-unabhängig, jedenfalls existieren dort eigene Institutionen der Justiz, Verwaltung, Zentralbank, Militär usw. Die Souveränität dieser besetzten Gebiete wurde jedoch weder von der Regierung in Colombo noch von irgendeinem Mitglied der UNO anerkannt, und sie waren weiterhin in Hinblick auf Waren- und Stromversorgung und Verkehr (es gibt beispielsweise keinen eigenen Flughafen) auf Sri Lanka angewiesen. Die Sri-Lanka-Rupie war Zahlungsmittel in den von der LTTE kontrollierten Gebieten.

Das einzige nahezu vollständig von der LTTE kontrollierte Gebiet war die historische Vanni-Region der Nordprovinz, welche die Nordspitze des Landes ohne die Halbinsel Jaffna umfasst. Ihre Südgrenze verläuft im Westen von der Marinebasis Mannar über den Distriktshauptort Vavuniya im Zentrum und im Osten zu dem kleinen Armeestützpunkt Punani, die alle zum Einflussbereich der Regierung gehören und gelegentlich Ziel von Angriffen der LTTE waren. Der Ort Vakarai an der Ostküste wurde im Januar 2007 nach Kämpfen von der Armee eingenommen.

Heutige Situation

Nachdem Sri Lankas Armee Anfang Januar 2009 die Rebellen-Hochburg Kilinochchi und wichtige Stützpunkte der Aufständischen einnehmen konnte, konnte sie auch die Kontrolle über den strategischen wichtigen Elefanten-Pass übernehmen.[4] Am 25. Januar 2009 wurde Mullaitivu von der sri-lankischen Armee eingenommen. Die LTTE verlor damit ihre bislang letzte noch kontrollierte Stadt.[5]

Der sri-lankische Präsident Mahinda Rajapaksa erklärte den Bürgerkrieg am 19. Mai 2009 offiziell für beendet. Am Tag zuvor wurde die gesamte Führungsetage der LTTE getötet.[6]

Unabhängigkeitsreferenden

Nach dem militärischen Sieg über die Liberation Tigers of Tamil Eelam (LTTE) Anfang 2009 veranstalteten verschiedene Tamilische Organisationen Umfragen unter den im westlichen Ausland lebenden Tamilen, ob sie einen unabhängigen Tamilischen Staat auf der Insel Lanka befürworten. Diese Umfragen stehen inhaltlich der Vaddukoddai Resolution von 1976 nah.[7] Bei diesen Umfragen, welche mit einer Abstimmung verbunden waren, äußerten eine Mehrheit der Teilnehmer ihre Befürwortung für einen unabhängigen Staat.

Bisher wurden die Abstimmungen in Norwegen, Frankreich, Kanada, Schweiz, Deutschland, Niederlande, Grossbritannien, Dänemark und Italien durchgeführt.[8][9][10] Diese Umfragen demonstrieren das Sentiment der Teilnehmer, lassen jedoch keinen Rückschluß über eine Mehrheitsmeinung zu. Eine statistische Erhebung bezüglich der Anzahl und Verteilung expatriierter Tamilen steht zu Vergleichen nicht zur Verfügung und Zahlen zur Umfrangenbeteiligung werden nicht veröffentlicht (s. Umfragenresultate der Umfrage in Kanada). Des Weiteren umfasste die Berechtigung zur Teilnahme an der Abstimmung Tamilische Muttersprachler Sri Lankas, als auch deren Gatten – unabhängig der Nationalität. Nachkommen einer solchen Verbindung waren ebenfalls nationalitätenunabhängig abstimmungsberechtigt. Die Berechtigung wurde vor Ort nicht überprüft. Wählerlisten wurden nicht erstellt. Die Teilnahme an der Wahl wurde mit einer Tintenmarkierung des Zeigefingers der Teilnehmer dokumentiert.[11][12]

Transnational Government of Tamil Eelam

Die Transnational Government of Tamil Eelam (TGTE) ist eine international nicht anerkannte transnationale Regierung, welche die tamilische Diaspora von Sri Lanka (bzw. aus den tamilischen Gebiet; Tamil Eelam) vertreten soll. sie hat keinen Sitz in einen bestimmten Land. Das sogenannte Parlament wurde Anfang Mai 2010 gewählt und zählt 135 Parlamentarier. Die Idee wurde nach der militärischen Niederlage der LTTE im Jahr 2009 entworfen. Der Vorsitzende des Beratungskommitee (TGTE) war Visvanthan Rudrakumaran (Rechtsanwalt aus dem politischen Flügel der LTTE).

Einzelnachweise

  1. T. Burrow: A Dravidian etymological dictionary. 2nd ed., Clarendon Press, Oxford (Oxfordshire) 1984, ISBN 0-19-864326-8, DEDR 469.
  2. Peter Schalk: "Robert Caldwell's Derivation īlam<sīhala: A Critical Assessment", in: Jean-Luc Chevillard (Hrsg.): South-Indian Horizons: Felicitation Volume for François Gros on the occasion of his 70th birthday. Pondichéry: Institut Français de Pondichéry, 2004. S. 347–364.
  3. DEDR 468.
  4. Sri Lankas Armee übernimmt Kontrolle über wichtigen Pass, www.dw-world.de, 9. Januar 2009
  5. http://www.tagesschau.de/ausland/srilanka136.html (nicht mehr online verfügbar)
  6. Sri Lanka: Offizielles Ende des Bürgerkriegs, in: Focus Online, 19. Mai 2009
  7. http://www.tamilelections.ca/faq.shtml
  8. SReferendum calls for independent Tamil state in Sri Lanka, www.thestar.com, 23. März 2010
  9. Schweizer Tamilen wollen eigenen Staat, www.20min.ch, 23. März 2010
  10. 99% assent Tamil Eelam in overwhelming turn out of 31,000 in France, www.tamilnet.com, 23. März 2010
  11. http://www.tamilelections.ca/rules.shtml
  12. http://www.tamilelection.ch/englisch/rules.html

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