Tassilo III.
Tassilo reitet in Begleitung von drei Knechten zur Jagd (Meister der Pollinger Tafeln, 1444)

Tassilo III. (* um 741; † um 796) war der letzte bayerische Herzog aus dem Geschlecht der Agilolfinger und ein Vetter Karls des Großen.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Als Sohn Herzog Odilos und mit Zustimmung des Frankenkönigs Pippin wurde Tassilo III. im Jahr 748 noch im Kindesalter Herzog von Bayern.

Tassilo nahm auf das kirchliche Leben in seinem Herzogtum auf der Synode von Aschheim (756?), und den Synoden von Dingolfing (769/770 oder 776/777?) und Neuching (771) starken Einfluss. Er stiftete Klöster (s.u.) und beteiligte sich an der Gründung von Adelsklöstern, um eine Herzogskirche aufzubauen. Er weitete seinen Machtbereich nach Osten aus, in dem er 772 die Karantanen unterwarf.

Die Bande zwischen den Langobarden und Bayern waren aus politischen und wirtschaftlichen Gründen immer stark gewesen. So hält sich Tassilo seit den 760er Jahren mehrfach in Italien auf, wo er sich 768/769 mit Desiderius und dem Papst verbündet. 772 taufte Papst Hadrian I. Tassilos Sohn Theodo in Rom. Tassilo selbst war mit Liutberga verheiratet, der Tochter des letzten Langobardenkönigs Desiderius. Das Bündnis mit den Langobarden brachte ihn in einen Konflikt mit Karl dem Großen. Mit der Eroberung des Langobardenreiches durch Karl den Großen 774 verlor Tassilo seinen wichtigsten Bündnispartner.

Die Reichsannalen berichten, dass Tassilo, der seit 757 den Franken lehnspflichtig gewesen sein soll, sich 763 geweigert habe, den Franken bei einem Feldzug in Aquitanien Heeresfolge zu leisten, zu der er sich durch Eid verpflichtet hatte, mithin habe er sich der Fahnenflucht (althochdeutsch harisliz) schuldig gemacht, ein Bericht, den die moderne Forschung in Zweifel gezogen hat.[1]

Herzog blieb Tassilo III., bis er im Jahr 787 von Karl aus politischen Gründen (geplantes Bündnis mit den Langobarden zur Sicherung der bayerischen Eigenständigkeit; später Kooperation mit den Awaren) zum Lehnsmann degradiert wurde. Im Jahr 788 wurde Tassilo durch einen lehnsrechtlichen Prozess in der Ingelheimer Pfalz wegen der Vorgänge von 763 und seines Bündnisses mit den Awaren in Anwesenheit seiner Landsleute erst zum Tode verurteilt, später begnadigt und endgültig in die Abtei Jumièges verbannt.

Karl der Große verbrachte zwei aufeinanderfolgende Winter (791–793) in der alten bayerischen Herzogsstadt Regensburg, um die Einverleibung Bayerns in das Fränkische Reich persönlich abzusichern. Als Nachfolger in der bayerischen Herrschaft setzte er sodann einen seiner Schwager, den fränkisch-alamannischen Grafen Gerold, als Präfekten ein. 794 wurde Tassilo aus seinem Kloster vor eine Reichssynode in Frankfurt zitiert, wo er für sich und seine Nachkommen den endgültigen Verzicht auf Bayern beurkunden musste.

Seine Lebensdaten werden von 741 bis zum 11. Dezember 796 geschätzt. Es gibt hierzu jedoch keine gesicherten Erkenntnisse; es ist unsicher, wann und wo Tassilo gestorben ist. Möglicherweise verbrachte er die letzten Jahre seines Lebens im Kloster Lorsch als einfacher Mönch. In der inzwischen zerstörten Basilika soll sich eine Grabschrift befunden haben, die sich auf Tassilo bezog.

Klostergründungen

Nachwirken

Nach ihm ist der berühmte Tassilokelch, der Tassilo-Preis, Tassilone, das Tassilo-Gymnasium Simbach a. Inn, der Tassilopsalter und die Tassilolinde in Wessobrunn benannt. Er gilt als Heiliger, sein Gedenktag ist der 11. Dezember.

Literatur

  • Matthias Becher: Ingelheim 788. Der Prozeß gegen Herzog Tassilo III. von Bayern. In: Karl der Große in Ingelheim. Ingelheim 1998, ISBN 3-00-003290-8, S. 60 ff. (Beiträge zur Ingelheimer Geschichte, Heft 43).
  • Lothar Kolmer, Christian Rohr (Hrsg.): Tassilo III. von Bayern. Pustet, Regensburg 2005, ISBN 3-79171-949-1.

Weblinks

 Commons: Tassilo III. – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Anmerkungen

  1. M. Becher, Eid und Herrschaft (Vorträge und Forschungen, Sonderbd. 39, 1993)


Vorgänger Amt Nachfolger
Odilo Herzog von Baiern
748–788
Karl der Große

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