Baltijsk
Stadt
Baltijsk/Pillau
Балтийск
Wappen
Wappen
Vorlage:Infobox Ort in Russland/Wartung/AltFöderationskreis Nordwestrussland
Oblast Kaliningrad
Rajon Baltijsk
Erste Erwähnung 1430
Frühere Namen Pillau (bis 1946)
Stadt seit 1725
Fläche 49 km²
Höhe des Zentrums 10 m
Bevölkerung 34.057 Einw. (Stand: 2010)
Bevölkerungsdichte 695 Ew./km²
Zeitzone UTC+3
Telefonvorwahl (+7) 40145
Postleitzahl 238520–238528
Kfz-Kennzeichen 39, 91
OKATO 27 405
Website http://www.baltiysk.ru/
Geographische Lage
Koordinaten 54° 39′ N, 19° 55′ O54.6519.91666666666710Koordinaten: 54° 39′ 0″ N, 19° 55′ 0″ O
Baltijsk (Russland)
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Baltijsk (Oblast Kaliningrad)
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Oblast Kaliningrad
Liste der Städte in Russland

Baltijsk, russisch Балтийск, deutsch Pillau, ist eine Stadt an der Ostsee und Vorhafen von Kaliningrad, Oblast Kaliningrad, Russland, mit 34.057 Einwohnern (2010) und Sitz einer Rajonsverwaltung. Der historische Name Pillau ging auf prußisch „pile, pille, pils“ (Festung, Burg) zurück[1]. Bis 1945 gehörte die Stadt unter dem Namen Pillau zum ostpreußischen Landkreis Samland.

Baltijsk ist auch Sitz der städtischen Gemeinde Baltijskoje gorodskoje posselenije mit den beiden weiteren Siedlungen Beregowoje (russisch Береговое) (Tenkitten) und Lunino (russisch Лунино) (Dargen).

Inhaltsverzeichnis

Geographie

Baltijsk liegt nördlich des Pillauer Tiefs, das die Halbinsel Frische Nehrung vom Samland trennt. Es ist zugleich südlichster Ort der Bernsteinküste. Über Land ist Kaliningrad, ehemals Königsberg (Preußen), etwa 60 km entfernt. Baltijsk ist die westlichste Stadt Russlands.

Geschichte

Gründung

Die überlieferte Chronik von Pillau[2] reicht bis ins Jahr 1370 zurück, als die Schlacht bei Rudau stattfand. Vor der Auseinandersetzung soll der Deutsche Orden sein Heer vor Pillau versammelt haben. Urkundlich wird 1430 erstmals eine Siedlung namens Pilen erwähnt. Der Ort gewann entscheidend an Bedeutung, als schwere Stürme 1479 und 1510 die Frische Nehrung durchbrachen und eine schiffbare Rinne schufen, genannt „Das Gatt“. Dadurch konnte sich Pillau später zu einer strategisch wichtigen Hafenstadt entwickeln.

Festung Pillau

Im Zuge des Dreißigjährigen Krieges landete am 6. Juli 1626 der schwedische König Gustav Adolf mit einer Flotte von 37 Schiffen in Pillau, das anschließend von den Schweden zehn Jahre lang besetzt war. Sie bauten die schon vorhandenen Schanzen aus und errichteten die Festung Pillau. Während der Schwedenzeit vergrößerte sich der Ort, eine erste Kirche aus Holz wurde erbaut. Als 1635 die Schweden abzogen, baute der Große Kurfürst Pillau zum brandenburgischen Flottenstützpunkt aus. Dadurch wuchs die Bevölkerung erneut an, im Einzugsgebiet der Festung siedelten sich Lotsen, Händler und ehemalige Offiziere an. 1660 wurde die Holzkirche durch einen Steinbau ersetzt und erhielt eine Orgel.

König Friedrich Wilhelm I. verlieh Pillau am 18. Januar 1725 das Stadtrecht. In den Jahren 1758 bis 1762 standen Stadt und Festung unter russischer Besatzung. Im Vierten Koalitionskrieg belagerten französische Truppen 1807 Pillau vergeblich, so dass die Festung durch den Tilsiter Frieden für Preußen erhalten blieb. Infolge des französisch-preußischen Bündnisses gegen Russland musste die Festung im Sommer 1812 ein französisches Besatzungskontingent von 1.200 Mann unter General Castella aufnehmen. Als Ostpreußen sich Anfang 1813 gegen Napoleon erhob, gelang es dem Kommandanten des preußischen Kontingentes bei dem Erscheinen russischer Truppen vor Pillau die französische Besatzung am 8. Februar 1813 zum kampflosen Abzug zu bewegen und eine Einnahme der Festung durch die Russen zu verhindern.

Industrialisierung

Seekarte von Pillau, 1880
Lage von Pillau um 1880

Ab Mitte des 19. Jahrhunderts brachte die Industrialisierung neuen Aufschwung für die Stadt. Die in Pillau niedergelassenen Reeder verfügten 1848 über acht Handelsschiffe.[3] Eine Eisenbahnlinie verband die Stadt ab 1865 mit Königsberg, der Hafen wurde erheblich erweitert. Durch den Bau einer großen Kaserne wurde der Marinestandort weiter aufgewertet. Zu Beginn des 20. Jahrhundert wurde bei Pillau der Königsberger Seekanal durch das Haff fertiggestellt, der auch im Winter offengehalten werden konnte. Dadurch blieben fortan die Häfen Königsberg, Elbing und Braunsberg das ganze Jahr in Betrieb. Nach der Eingemeindung Alt-Pillaus und der Festung Pillau in die Stadt im Jahre 1902 wuchs die Bevölkerungszahl auf über 7.000 an. 1937 kamen weitere Gemeinden hinzu, so dass Pillau zu Beginn des Zweiten Weltkrieges 12.000 Einwohner hatte.

Zweiter Weltkrieg

Flüchtlinge im Hafen, Januar 1945

Im Zweiten Weltkrieg gewann der Marinestandort Pillau große Bedeutung. Schon 1933 war Pillau Heimathafen einer Minensuchflottille geworden, 1939 kam ein Seefliegerhorst hinzu und ein Jahr später wurde eine U-Bootlehrdivision stationiert. Es wurden neue Hafenbecken als Liegeplätze für Kreuzer geschaffen. Als sich der Krieg zum Ende neigte, wurden über die Stadt die Flüchtlingstransporte per Schiff abgewickelt. Am 5. Februar 1945 richtete ein erster sowjetischer Fliegerangriff große Schäden an.

Sowjetunion

Am 25. April 1945 wurde Pillau als letzte ostpreußische Stadt von der Roten Armee erobert und aufgrund der Festlegungen des Potsdamer Abkommens mit dem nördlichen Ostpreußen unter sowjetische Verwaltung gestellt. Pillau wurde am 27. November 1946 in Baltijsk umbenannt (Bedeutung etwa Baltische Stadt). Die Einwohnerzahl der Stadt wurde 1944 bis 1947 durch Flucht und Vertreibung der deutschen Bevölkerung nahezu auf Null reduziert und stieg nur langsam wieder durch den Zuzug von Neubürgern aus Zentralrussland, der Gegend des heutigen Föderationskreises Wolga und Weißrusslands. Bis zum Zusammenbruch der Sowjetunion war Baltijsk ein sogar innerhalb des gesperrten Kaliningrader Gebietes besonders abgeschottetes militärisches Sperrgebiet.

Russische Föderation

Leuchtturm und Peter-I.-Denkmal in Baltijsk

Dies lockerte sich erst allmählich nach der Öffnung der Oblast. In dieser Zeit wurden in Baltijsk eine russisch-orthodoxe Kirche eröffnet und jeweils ein markantes Denkmal des Zaren Peter I., genannt „der Große“, und der Zarin Elisabeth errichtet. Auch heute ist das Stadtgebiet Baltijsks noch nicht uneingeschränkt zugänglich, jedoch existieren Planungen, die Stadt zu einem zivilen Hafen auszubauen.

Einwohnerentwicklung

Jahr Einwohnerzahlen
1875 3.196 *
1890 3.303 *
1933 7.577 *
1939 10.980 *
1959 17.400 **
1979 23.600 **
1989 27.070 *
2002 33.252 *
2006 33.255

Anmerkung: * Volkszählung ** Volkszählung (gerundet)

Verkehr

Bei Baltijsk wird ein für die Oblast Kaliningrad wichtiges Fährterminal gebaut, von dem aus eine für die Exklave sehr wichtige (weil visumfreie) Verbindung mit dem russischen Kernland bestehen soll. Die Autofähren nach Ust-Luga bei Sankt Petersburg sind eisfest und benötigen für eine Richtung 48 Stunden. Der Einsatz von Schnellfähren, welche nur noch 15 Stunden brauchen werden, ist geplant. Ins Hinterland besteht – neben der Straßenverbindung – auch eine Eisenbahnverbindung auf einem Teilstück der ehemaligen Ostpreußischen Südbahn mit Kaliningrad; eine Fahrt via Swetlogorsk ist nach Stilllegung des Abschnitts Swetlogorsk – Primorsk seit 2006 nicht mehr möglich.

Zwischen Juni 2007 und Dezember 2009 bestand eine Direktverbindung mit dem deutschen Fährhafen Sassnitz für den Eisenbahnverkehr.

Persönlichkeiten aus Pillau

Weblinks

 Commons: Baltijsk – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Literatur

  • Гостюхин, Александр Федорович (Hrsg.): Пиллау – Балтийск. Прошлое и настоящее. Калиниград [2000].
  • Blocksdorf, Helmut: Pillau – Chronik eines Untergangs. Die Flucht aus Ostpreußen. Hamburg 2000. ISBN 3-8132-0722-6
  • Haberland, Konrad; Lomber, Wilhelm; Arendt, Alexander: Pillau einst und jetzt. 1725–1925. Festschrift. Pillau 1925.
  • Zu den Vorgängen 1812/13: Häusser, Ludwig: Deutsche Geschichte vom Tode Friedrich des Großen bis zur Gründung des Deutschen Bundes, Meersburg, Naunhof, Leipzig 1933, Vierter Band, S. 35/36.

Fußnoten

  1. Gerullis, Georg: Die altpreußischen Ortsnamen, Berlin, Leipzig 1922, S.122
  2. Faber: Das Merkwürdigste aus der Chronik der Stadt und Festung Pillau. Beiträge zur Kunde Preußens, Band 6, Königsberg 1824, Nr. 1, S. 42-70, und Nr. 2, S. 130-150.
  3. Übersicht der Preußischen Handelsmarine (E. Wendt & Co., Hrsg.), Stettin 1848, S. 16.

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