Baltischer Rasensport-Verband

Der Baltische Rasen- und Wintersport-Verband (BRWV) war der regionale Fußballverband für den Bereich Nordostdeutschland. Zu seinem Verbandsgebiet gehörten Ostpreußen, Westpreußen, Danzig, Memelland und von 1911 bis 1930 auch Pommern. Gegründet wurde der Verband am 26. Januar 1908 als Baltischer Rasensport-Verband (BRV). Im Dezember 1910 erfolgte die Umbenennung in Baltischer Rasen- und Wintersport-Verband und am 10. April 1927 in Baltischer Sport-Verband.

Inhaltsverzeichnis

Entwicklung

Die erste Endrunde um die baltische Meisterschaft fand bereits im Frühjahr 1908 statt. An dieser beteiligten sich die drei Meister aus Ostpreußen, Westpreußen und Danzig. Meister wurde der VfB 1900 Königsberg.

Die Spielbezirke wurden über die Jahre bis 1933 mehrfach unterteilt. In Ostpreußen entstanden neben Königsberg die Bezirke Tilsit/Memel, Insterburg/Gumbinnen, Rastenburg/Lyk und Allenstein/Osterode. Nach dem 1. Weltkrieg erfolgte die Einteilung in Königsberg, Nord, West und Süd. 1921/22 umfasste der Bezirk sogar acht gleichrangige Ligen. Diese wurden mit den Jahren reduziert und Mitte der 1920-er Jahre entstand die Ostpreußenliga (auch Bezirksliga und Liga Ostpreußen genannt). Nach der Angliederung des Memellandes an Litauen konnten die Vereine aus Memel und Umgebung sich nicht mehr an den Punktspielen des baltischen Verbandes beteiligen.

Westpreußen und Danzig waren vor dem 1. Weltkrieg in erst zwei, später drei Kreise eingeteilt (Graudenz, Elbing und Danzig). Ab 1919/20 ging man wieder auf das ursprüngliche Format von zwei Ligen (Westpreußen und Danzig) zurück.

1911 schlossen sich auch die ersten Vereine Pommerns dem baltischen Verband an. Der in Stettin beheimatete Verband Pommerscher Ballspiel-Vereine trat erst 1913 bei, nachdem der Versuch, einen eigenen Regionalverband zu gründen, kläglich gescheitert war. Aus Pommern wurde in den zeitgenössischen Sportzeitungen in der Regel nur aus Stettin berichtet. In den 1920-er Jahren gab es bis zu sieben Kreise (Stolp/Lauenburg, Kolberg/Köslin, Stettin, Stargard, Grenzmark/Schneidemühl, Uckermark/Pasewalk und Gollnow/Pyritz).

Die Vereine aus Vorpommern gehörten bis 1925/26 zum Norddeutschen Fußball-Verband (NFV); der VfB Swinemünde sowie Stralsund 07 (zweimal) nahmen an dessen Meisterschafts-Endrunden teil, bis das Gebiet an den Baltenverband abgegeben wurde.

Das spielerische Niveau im gesamten Nordosten blieb sehr schwach. Durch die dünne Besiedelung mit nur sehr wenigen Großstädten, weite Entfernungen und schlechte Verkehrsverbindungen konnte der enorme Rückstand zu den Metropolen und Industriezentren im Westen nie überbrückt werden. Die Spielstärke war, verglichen mit den deutlich stärkeren Vereinen im Westen, bestenfalls zweitklassig.

Deutsche Meisterschaft

Als erste Baltenmeister nahm der VfB 1900 Königsberg an der Endrunde um die Deutsche Meisterschaft 1907/08 teil. Trotz Heimvorteil wurde den Königsbergern beim 0-7 gegen den späteren Deutschen Meister BTuFC Viktoria 1889 deutlich der Klassenunterschied aufgezeigt. In der darauf folgenden Saison trafen sich beide Vereine erneut an gleicher Stelle, diesmal wurde der VfB mit 1-12 deklassiert. 1909/10 schied der Baltenmeister, diesmal die SpVgg. Prussia Samland 1904 Königsberg, in der Vorrunde gegen den Meister des Märkischen Fußball-Bundes FC Tasmania 1900 Rixdorf mit 1-5 auf dem VfB Platz aus. In der Saison 1910/11 verzichtete der Baltenmeister SC Lituania 1907 Tilsit selbst auf das Vorrundenspiel, wodurch die Berliner Viktoria kampflos das Semifinale erreichte.

In den drei letzten Endrunden vor dem ersten Weltkrieg erging es den Baltenmeistern nicht besser, 1911/12 unterlag der BuEV Danzig auf eigenem Platz dem BTuFC Viktoria 1889 mit 0-7, 1912/13 musste der Meister Prussia Samland erstmals reisen, verlor in Berlin gegen Viktoria 1-6 und 1913/14 zog, erneut Prussia Samland, gegen den VfB 1893 Leipzig auf dem VfB Königsberg Platz mit 1-4 den kürzeren.

Erst in der Saison 1919/20 überlebte der Baltenmeister erstmals die Vorrunde. Überraschend wurde der Nordmeister SV Arminia 1910 Hannover in Kiel in der Verlängerung mit 2-1 besiegt. In der nächsten Runde, dem Semifinale, folgte mit dem 0-3 auf dem Berliner Preußenplatz gegen den späteren Deutschen Meister 1. FC 1900 Nürnberg dann aber das Aus. Durch ein Freilos erreichte der VfB 1900 Königsberg 1922/23 das Semifinale und verlor in Stettin nur denkbar knapp mit 2-3 gegen den Hamburger SV 1887.

Ab der Saison 1924/25 nahmen zwei Vertreter der Balten an der Endrunde um die Deutsche Meisterschaft teil. Der VfB 1900 Königsberg traf auf Hertha BSC und schied mit dem gleichen knappen Resultat von 2-3 aus. Gleichzeitig verlor der FC Titania 1902 Stettin gegen den Altonaer FC von 1893 mit 2-4. Auch 1926/27 schied der VfB Königsberg nur knapp mit 1-2 gegen die Berliner Hertha aus. In der folgenden Saison 1927/28 gewann der VfB 1900 Königsberg in Breslau gegen den dortigen SC 1908, scheiterte aber mit 0-4 im Viertelfinale am Hamburger SV 1887 in heimischer Umgebung.

Erst in der letzten Saison des Baltischen Sport-Verbandes 1932/33 überstand einer seiner Vertreter das Achtelfinale. Der SV Hindenburg Allenstein schlug Hertha BSC 1892 überraschend mit 4-1, ging im Viertelfinale aber mit 2-12 bei der SG Eintracht 1899 Frankfurt unter.

In 32 Endrundenspielen um die Deutsche Meisterschaft einschl. einem Verzicht kamen die Meister und Vizemeister der Balten zu ganzen drei Siegen bei 29 Niederlagen. Das Torsaldo von 37-154 zeigte auf, wie spielerisch schwach und unterentwickelt der Nordosten im Vergleich zu anderen Verbänden war.

Kronprinzenpokal

Der Baltische Rasensport-Verband beteiligte sich mit seiner Auswahlmannschaft auch am Kronprinzenpokal seit seiner Einführung in der Saison 1908/09. In der Vorrunde gelang ein 1-0 Sieg über Südostdeutschland, im Semifinale folgte aber eine 0-8 Niederlage gegen Mitteldeutschland. In den zwölf Spielen im Kronprinzenpokal gelang den Balten nur ein Sieg und ein Unentschieden (mit verlorener Wiederholung), denen neun Niederlagen mit 10-63 Toren gegenüberstanden.


Bundespokal

Erst 1922/23 erreichten die Balten durch ein Freilos das Semifinale um den nach dem Sturz der Monarchie in Bundespokal umbenannten Wettbewerb. Dieses ging gegen Süddeutschland mit 1-4 verloren. Auch 1929/30 erreichten die Balten durch ein Freilos das Semifinale, in dem sie in Stettin gegen Brandenburg mit 1-3 ausschieden. In der folgenden Saison 1930/31 brachte der baltische Verband die Auswahl Süddeutschland in Königsberg an den Rand einer Niederlage und gab sich erst in der Verlängerung mit 3-4 geschlagen. Auch 1931/32 war das Ausscheiden mit 3-4 gegen Norddeutschland ehrenvoll. Alle 14 Spiele im Bundespokal gingen mit einem Torsaldo von 17-59 verloren.

Kampfspielpokal

Auch am nur alle vier Jahre ausgetragenen Kampfspielpokal nahm der baltische Verband zweimal teil. Im ersten Wettbewerb 1922 schieden die Balten in Berlin gegen Brandenburg mit 1-5 aus. 1926 gegen Norddeutschland in Hamburg musste sich die baltische Auswahlmannschaft erst in der Verlängerung mit 1-3 beugen. Für den Wettbewerb 1930 waren die Balten nicht qualifiziert.

In allen drei Wettbewerben für Auswahlmannschaften bestritt der baltische Verband insgesamt 27 Spiele, gewann eins, spielte einmal unentschieden und unterlag 25 mal bei 29-130 Toren.


Meister des Baltischen Rasensport-Verbandes

  • Saison 1907/08:
    • Meister: VfB 1900 Königsberg
  • Saison 1908/09:
    • Meister: VfB 1900 Königsberg


Meister des Baltischen Rasen- und Wintersport-Verbandes

  • Saison 1909/10:
    • Meister: SpVgg. Prussia Samland 1904 Königsberg
  • Saison 1910/11:
    • Meister: SC Lituania 1907 Tilsit
  • Saison 1911/12:
    • Meister: BuEV 1903 Danzig
  • Saison 1912/13:
    • Meister: SpVgg. Prussia Samland 1904 Königsberg
  • Saison 1913/14:
    • Meister: SpVgg. Prussia Samland 1904 Königsberg
  • Saison 1914/15:
    • Meister: während des 1. Weltkrieges wurde keine BRWV Meisterschaft ausgetragen
  • Saison 1915/16:
    • Meister: während des 1. Weltkrieges wurde keine BRWV Meisterschaft ausgetragen
  • Saison 1916/17:
    • Meister: während des 1. Weltkrieges wurde keine BRWV Meisterschaft ausgetragen
  • Saison 1917/18:
    • Meister: während des 1. Weltkrieges wurde keine BRWV Meisterschaft ausgetragen
  • Saison 1918/19:
    • Meister: während des 1. Weltkrieges wurde keine BRWV Meisterschaft ausgetragen
  • Saison 1919/20:
    • Meister: FC Titania 1902 Stettin
  • Saison 1920/21:
    • Meister: VfB 1900 Königsberg (nachträglich zum Meister erklärt)
  • Saison 1921/22:
    • Meister: VfB 1900 Königsberg (nachträglich zum Meister erklärt)
  • Saison 1922/23:
    • Meister: VfB 1900 Königsberg
  • Saison 1923/24:
    • Meister: VfB 1900 Königsberg
  • Saison 1924/25:
    • Meister: VfB 1900 Königsberg
  • Saison 1925/26:
    • Meister: VfB 1900 Königsberg


Meister des Baltischen Sport-Verbandes

  • Saison 1926/27:
    • Meister: FC Titania 1902 Stettin
  • Saison 1927/28:
    • Meister: VfB 1900 Königsberg
  • Saison 1928/29:
    • Meister: VfB 1900 Königsberg
  • Saison 1929/30:
    • Meister: VfB 1900 Königsberg
  • Saison 1930/31:
    • Meister: SpVgg. Prussia Samland 1904 Königsberg
  • Saison 1931/32:
    • Meister: SV Hindenburg 1921 Allenstein
  • Saison 1932/33:
    • Meister: SpVgg. Prussia Samland 1904 Königsberg


Siehe auch


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