Baltiysk
Stadt
Baltijsk/Pillau
Балтийск
Wappen
Wappen
Föderationskreis Nordwestrussland
Oblast Kaliningrad
Erste Erwähnung 1430
Frühere Namen Pillau (bis 1946)
Stadt seit 1725
Fläche 49 km²
Höhe des Zentrums 10 m
Bevölkerung 33.255 Einw. (Stand: 2006)
Bevölkerungsdichte 679 Ew./km²
Zeitzone UTC+2 (Sommerzeit: UTC+3)
Telefonvorwahl (+7) 40145
Postleitzahl 238520–238528
Kfz-Kennzeichen 39, 91
OKATO 27 405
Webseite http://www.baltisk.ru/
Geographische Lage
Koordinaten: 54° 39′ N, 19° 55′ O54.6519.91666666666710Koordinaten: 54° 39′ 0″ N, 19° 55′ 0″ O
Baltijsk (Russland)
DEC
Baltijsk (Oblast Kaliningrad)
DEC
Oblast Kaliningrad
Liste der Städte in Russland

Baltijsk (russisch Балтийск, deutsch Pillau, polnisch Piława) ist eine rajonsunabhängige (kreisfreie) Stadt an der Ostsee und Vorhafen von Kaliningrad, Oblast Kaliningrad, Russland, mit 33.255 Einwohnern (2006). Der Name geht auf prußisch „pile, pille, pils“ (Festung, Burg) zurück[1]. Bis 1945 gehörte die Stadt unter dem Namen Pillau zum ostpreußischen Landkreis Samland.

Inhaltsverzeichnis

Geographie

Baltijsk liegt nördlich des Pillauer Seetiefs, das die Halbinsel Frische Nehrung vom Samland trennt. Es ist zugleich südlichster Ort der Bernsteinküste. Über Land ist Kaliningrad, ehemals Königsberg (Preußen), etwa 60 km entfernt. Baltijsk ist die westlichste Stadt Russlands.

Geschichte

Gründung

Urkundlich wird 1430 erstmals eine Siedlung namens Pilen erwähnt. Der Ort gewann entscheidend an Bedeutung, als schwere Stürme 1479 und 1510 die Frische Nehrung durchbrachen und eine schiffbare Rinne schufen, genannt „Das Gatt“. Dadurch konnte sich Pillau später zu einer strategisch wichtigen Hafenstadt entwickeln.

Festung Pillau

Im Zuge des Dreißigjährigen Krieges landete am 6. Juli 1626 der schwedische König Gustav Adolf mit einer Flotte von 37 Schiffen in Pillau, das anschließend von den Schweden zehn Jahre lang besetzt war. Sie bauten die schon vorhandenen Schanzen aus und errichteten die Festung Pillau. Während der Schwedenzeit vergrößerte sich der Ort, eine erste Kirche aus Holz wurde erbaut. Als 1635 die Schweden abzogen, baute der Große Kurfürst Pillau zum brandenburgischen Flottenstützpunkt aus. Dadurch wuchs die Bevölkerung erneut an, im Einzugsgebiet der Festung siedelten sich Lotsen, Händler und ehemalige Offiziere an. 1660 wurde die Holzkirche durch einen Steinbau ersetzt und erhielt eine Orgel.

König Friedrich Wilhelm I. verlieh Pillau am 18. Januar 1725 das Stadtrecht. In den Jahren 1758 bis 1762 standen Stadt und Festung unter russischer Besatzung. Im Vierten Koalitionskrieg belagerten französische Truppen 1807 Pillau vergeblich, so dass die Festung durch den Tilsiter Frieden für Preußen erhalten blieb. Infolge des französisch-preußischen Bündnisses gegen Russland musste die Festung im Sommer 1812 ein französisches Besatzungskontingent aufnehmen. Als Ostpreußen sich Anfang 1813 gegen Napoleon erhob, gelang es dem Kommandanten des preußischen Kontingentes bei dem Erscheinen russischer Truppen vor Pillau die französische Besatzung am 8. Februar 1813 zum kampflosen Abzug zu bewegen und eine Einnahme der Festung durch die Russen zu verhindern.

Industrialisierung

Seekarte von Pillau, 1880
Lage von Pillau um 1880

Ab Mitte des 19. Jahrhunderts brachte die Industrialisierung neuen Aufschwung für die Stadt. Eine Eisenbahnlinie verband sie ab 1865 mit Königsberg, der Hafen wurde erheblich erweitert. Durch den Bau einer großen Kaserne wurde der Marinestandort weiter aufgewertet. Zu Beginn des 20. Jahrhundert wurde bei Pillau der Königsberger Seekanal durch das Haff fertiggestellt, der auch im Winter offengehalten werden konnte. Dadurch blieben fortan die Häfen Königsberg, Elbing und Braunsberg das ganze Jahr in Betrieb. Nach der Eingemeindung Alt-Pillaus und der Festung Pillau in die Stadt im Jahre 1902 wuchs die Bevölkerungszahl auf über 7.000 an. 1937 kamen weitere Gemeinden hinzu, so dass Pillau zu Beginn des Zweiten Weltkrieges 12.000 Einwohner hatte.

Zweiter Weltkrieg

Flüchtlinge im Hafen, Januar 1945

Im Zweiten Weltkrieg gewann der Marinestandort Pillau große Bedeutung. Schon 1933 war Pillau Heimathafen einer Minensuchflottille geworden, 1939 kam ein Seefliegerhorst hinzu und ein Jahr später wurde eine U-Bootlehrdivision stationiert. Es wurden neue Hafenbecken als Liegeplätze für Kreuzer geschaffen. Als sich der Krieg zum Ende neigte, wurden über die Stadt die Flüchtlingstransporte per Schiff abgewickelt. Am 5. Februar 1945 richtete ein erster sowjetischer Fliegerangriff große Schäden an.

Sowjetunion

Am 25. April 1945 wurde Pillau als letzte ostpreußische Stadt von der Roten Armee erobert und aufgrund der Festlegungen des Potsdamer Abkommens mit dem nördlichen Ostpreußen unter sowjetische Verwaltung gestellt. Pillau wurde am 27. November 1946 in Baltijsk umbenannt (Bedeutung etwa Baltische Stadt). Die Einwohnerzahl der Stadt wurde 1944 bis 1947 durch Flucht und Vertreibung der deutschen Bevölkerung nahezu auf Null reduziert und stieg nur langsam wieder durch den Zuzug von Neubürgern aus Zentralrussland, der Gegend des heutigen Föderationskreises Wolga und Weißrusslands. Bis zum Zusammenbruch der Sowjetunion war Baltijsk ein sogar innerhalb des gesperrten Kaliningrader Gebietes besonders abgeschottetes militärisches Sperrgebiet.

Russische Föderation

Leuchtturm und Peter-I.-Denkmal in Baltijsk

Dies lockerte sich erst allmählich nach der Öffnung der Oblast. In dieser Zeit wurden in Baltijsk eine russisch-orthodoxe Kirche eröffnet und jeweils ein markantes Denkmal des Zaren Peter I., genannt „der Große“, und der Zarin Elisabeth errichtet. Auch heute ist das Stadtgebiet Baltijsks noch nicht uneingeschränkt zugänglich, jedoch existieren Planungen, die Stadt zu einem zivilen Hafen auszubauen.

Einwohnerentwicklung

Jahr Einwohnerzahlen
1875 3.196 *
1890 3.303 *
1933 7.577 *
1939 10.980 *
1959 17.400 **
1979 23.600 **
1989 27.070 *
2002 33.252 *
2006 33.255

Anmerkung: * Volkszählung ** Volkszählung (gerundet)

Verkehr

Bei Baltijsk wird ein für die Oblast Kaliningrad wichtiges Fährterminal gebaut, von dem aus eine für die Exklave sehr wichtige (weil visumfreie) Verbindung mit dem russischen Kernland bestehen soll. Die Autofähren nach Ust-Luga bei Sankt Petersburg sind eisfest und benötigen für eine Richtung 48 Stunden. Der Einsatz von Schnellfähren, welche nur noch 15 Stunden brauchen werden, ist geplant. Ins Hinterland besteht – neben der Straßenverbindung – auch eine Eisenbahnverbindung mit Kaliningrad; eine Fahrt via Swetlogorsk ist nach Stilllegung des Abschnitts Swetlogorsk – Primorsk seit 2006 nicht mehr möglich.

Weiter besteht seit Mitte Juni 2007 eine Direktverbindung mit dem deutschen Fährhafen Sassnitz für den Eisenbahnverkehr.

Persönlichkeiten aus Pillau

Weblinks

Literatur

  • Гостюхин, Александр Федорович (Hrsg.): Пиллау – Балтийск. Прошлое и настоящее. Калиниград [2000].
  • Blocksdorf, Helmut: Pillau – Chronik eines Untergangs. Die Flucht aus Ostpreußen. Hamburg 2000. ISBN 3-8132-0722-6
  • Haberland, Konrad; Lomber, Wilhelm; Arendt, Alexander: Pillau einst und jetzt. 1725–1925. Festschrift. Pillau 1925.
  • Zu den Vorgängen 1812/13: Häusser, Ludwig: Deutsche Geschichte vom Tode Friedrich des Großen bis zur Gründung des Deutschen Bundes, Meersburg, Naunhof, Leipzig 1933, Vierter Band, S. 35/36.

Fußnoten

  1. Gerullis, Georg: Die altpreußischen Ortsnamen, Berlin, Leipzig 1922, S.122

Wikimedia Foundation.

Schlagen Sie auch in anderen Wörterbüchern nach:

  • Baltiysk — ( ru. Балтийск), prior to 1945 known by its German name Pillau ( pl. Piława; lt. Piliava), is a Russian seaport town in Kaliningrad Oblast. It is situated on the northern part of the Vistula Spit, 29 miles from Kaliningrad, on the shore of the… …   Wikipedia

  • Baltiysk — ▪ Russia also spelled  Baltiisk, or Baltijsk,  formerly  (until 1946) Pillau,         city and port, Kaliningrad oblast (province), northwestern Russia. It lies at the entrance to the tip of the narrow peninsula separating Frisches Lagoon from… …   Universalium

  • Baltiysk — Original name in latin Baltiysk Name in other language Baltiisk, Baltijsk, Baltisk, Baltiysk, Baltyjsk, Batyjsk, Pilawa, Piliava, Pillau, baltiseukeu, Балтийск State code RU Continent/City Europe/Kaliningrad longitude 54.65382 latitude 19.91104… …   Cities with a population over 1000 database

  • Baltiysk — Baltiisk Baltiisk Балтийск …   Wikipédia en Français

  • Baltiysk (air base) — Infobox Airport name = Baltiysk nativename = nativename a = nativename r = image width = caption = IATA = ICAO = type = abandoned owner = operator = unknown city served = location = Baltiysk elevation f = 10 elevation m = 3 coordinates =… …   Wikipedia

  • Strait of Baltiysk — The Strait of Baltiysk is the strait in Kaliningrad Oblast, Russia. It connects Gdansk Bay (Baltic Sea) and Vistula Bay, and separates Sambian Peninsula and Vistula Spit. The strait is the main connection from the open sea to the important ports… …   Wikipedia

  • Gorod Baltiysk — Admin ASC 2 Code Orig. name Gorod Baltiysk Country and Admin Code RU.23.3233216 RU …   World countries Adminstrative division ASC I-II

  • Kaliningrad — This article is about the administrative center of Kaliningrad Oblast, Russia. For other uses, see Kaliningrad (disambiguation). Kaliningrad (English) Калининград …   Wikipedia

  • Golfo de Gdansk — (o bahía) (Zatoka Gdańska (po) Гданьская бухта (ru)) Vista aérea del golfo de Gdansk (septiembre 2007) Ubicación geográfi …   Wikipedia Español

  • Laguna del Vístula — (Zalew Wiślany Калининградский залив Frisches Haff Aismarės) Vista de satélite Localización geográfica / administrativa …   Wikipedia Español

Share the article and excerpts

Direct link
Do a right-click on the link above
and select “Copy Link”