Bamberger Straßenbahn

Die Elektrische Straßenbahn Bamberg AG bediente in Bamberg, der größten Stadt im bayerischen Regierungsbezirk Oberfranken, rund 25 Jahre lang den innerstädtischen Verkehr.

Entsprechend seiner Größe – die Volkszählung von 1910 erbrachte die Zahl von 48.000 Einwohnern – sollte auch Bamberg am Ende des 19. Jahrhunderts ein modernes Verkehrsmittel in der Form einer elektrischen Straßenbahn erhalten. Obwohl sich mehrere angesehene Unternehmungen um die Konzession zum Bau und Betrieb dieser Bahn bewarben, erhielt die damals kaum bekannte Electrizitätsgesellschaft Felix Singer & Co in Berlin am 15. Mai 1896 den Zuschlag.

Nachdem der Betrieb am 1. November 1897 eröffnet worden war, erwarb schon am 1. Januar 1899 die Eisenbahn-Baugesellschaft Becker & Co die Konzessionsrechte und übertrug sie auf ihre am 11. Januar 1899 gegründete Tochtergesellschaft „Electrische Straßenbahn Bamberg AG“.

Inhaltsverzeichnis

Liniennetz

Das gesamte Netz umfasste eine Streckenlänge von rund 8 Kilometern und war in Meterspur eingleisig mit Ausweichen angelegt. Die Wagenhalle befand sich östlich des Bahnhofs an der Pödeldorfer Straße. Zunächst verkehrten im Zehnminutentakt vier Linien, die sich durch farbige Schilder und Lichtsignale unterschieden.

  • Die weiße Linie begann im Osten der Stadt an der Infanteriekaserne und führte über den Bahnhof in die Innenstadt hinein. Sie überquerte auf der Ludwigsbrücke die Regnitz und erreichte über den Grünen Markt den Endpunkt Karmeliterkloster am Kaulberg südlich des Domes.
  • Die rote Linie begann am Bahnhof und führte über die Sophienbrücke zum Schönleinsplatz, dann im Norden des Domes zur Schweinfurter Straße.
  • Als Nord-Süd-Verbindung diente die grüne Linie von der Hallstädter Straße, wo der Friedhof lag, über Ludwigsbrücke – Grüner Markt – Schönleinsplatz zum Theresienhain.
  • Eine vierte Linie verstärkte in den ersten Jahren den Verkehr zwischen Bahnhof und Innenstadt, die sie auf einer Schleife durchfuhr, welche Ludwigsplatz – Grüner Markt – Schönleinsplatz und Sophienbrücke berührte.

Im Jahr 1907 reduzierte man die verbliebenen drei Durchmesserlinien auf zwei. Die weiße Linie ersetzte nun zwischen Bahnhof und Schweinfurter Straße die rote Linie, wobei sie nicht mehr über den Schönleinsplatz, sondern über Ludwigsbrücke – Grüner Markt fuhr. Die neue rote Linie fuhr von der Infanteriekaserne über Bahnhof – Schönleinsplatz zum Grünen Markt und dann über die Ludwigsbrücke zur Hallstädter Straße. Beide benötigten für ihre Strecke jeweils 15 Minuten Fahrzeit. Der Theresienhain wurde durch einen Pendelwagen der grünen Linie in zwei Minuten mit dem Schönleinsplatz verbunden, während die Stichstrecke zum Karmeliterkloster nach 1906 gar nicht mehr befahren wurde.

Als 1914 der Erste Weltkrieg zu Einschränkungen des Betriebs zwang, entfiel die Pendellinie zum Theresienhain. Die rote Linie begann ihre Fahrt zur Hallstädter Straße nun am Bahnhof; dafür verband die weiße Linie die Infanteriekaserne mit der Schweinfurter Straße.

Ende der Straßenbahn

Die Wirtschaftskrise der Nachkriegsjahre verursachte einen erheblichen Rückgang der Fahrgastzahlen, so dass die gestiegenen Betriebskosten nicht mehr gedeckt werden konnten. Der Betrieb wurde am 10. Juni 1922 „vorübergehend“ eingestellt. Als sich die Gesellschaft nach dem Ende der Inflationszeit weigerte, den Verkehr wieder aufzunehmen, löste die Stadt zum 1. Juli 1925 das Vertragsverhältnis mit ihr und übernahm deren Betriebsvermögen. Die Straßenbahn AG wurde1928/30 liquidiert.

Gleise und Oberleitung wurden abgebaut und verschrottet; ein Teil des Wagenparks, der aus 15 Triebwagen bestand, gelangte nach Würzburg, wo die ebenfalls stillgelegte Straßenbahn wieder in Betrieb gesetzt wurde. In Bamberg erinnern heute nur noch einige Oberleitungsrosetten an die Straßenbahn, z. B. an Hausfassaden in der Luitpoldstraße.

Stadtbus

Der erste Versuch, im Dezember 1924 eine Stadtbuslinie vom Bahnhof zum Theresienplatz unterhalb des Domes einzurichten, scheiterte bereits nach zwei Monaten wegen Unrentabilität.

Erst am 1. Oktober 1925 wurden auf Rechnung des Städtischen E-Werks drei Omnibuslinien eingerichtet, auf denen Omnibusse der Reichspost verkehrten. Schon Anfang des Jahres 1926 wurde der Betrieb auf eine Linie vom Bahnhof zum Theresienplatz reduziert, die jeweils den Anschluss zu den Zügen der Reichsbahn herstellte. Erst seit 1936 konnte das Netz ausgedehnt werden. Während des Zweiten Weltkrieges übernahm die Stadt Bamberg ab 1. April 1941 den Stadtbusbetrieb in eigene Regie.

Literatur

  • Wolfgang Hendlmeier: Handbuch der deutschen Straßenbahngeschichte, Band 1, München 1981, Seite 97ff.
  • Zur Geschichte des Stadtverkehrs in Bamberg in der Zeitschrift „Stadtverkehr“ 2005, Heft 6.

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