Bananenstaat

Als Bananenrepublik werden Länder bezeichnet, in denen Korruption und Bestechlichkeit bzw. allgemein staatliche Willkür vorherrschen oder denen diese Eigenschaften zugeschrieben werden.

Anfangs wurden einzig solche Länder so bezeichnet, die nur oder vorwiegend Bananen exportierten bzw. produzierten. Der Begriff geht dabei vor allem auf die mittelamerikanischen Staaten wie etwa Honduras, Nicaragua oder Panama zurück, deren Politik und Staatsgeschäfte über Jahrzehnte durch den Einfluss der großen Südfruchtexporteure United Fruit Company (Chiquita) und Standard Fruit Company (Dole) bestimmt wurde. Die wirtschaftliche Macht dieser US-amerikanischen Unternehmen war weitaus größer als die politische Macht der Regierungen oder gar der Bevölkerung dieser Länder. Ein früher US-amerikanischer PR-Berater, Edward L. Bernays, ein Neffe von Sigmund Freud, war u.a. zuständig für die Öffentlichkeitsarbeit von United Fruit.

Der Begriff Bananenrepublik geht vermutlich auf den US-amerikanischen Schriftsteller O. Henry (eigentlich William Sydney Porter) zurück. In einer 1904 erschienenen Novelle, Cabbages and Kings, heißt es, wohl unter Anspielung auf Honduras: "At that time we had a treaty with about every foreign country except Belgium and that banana republic, Anchuria."

Heute wird Bananenrepublik abwertend für Länder in der so genannten Dritten Welt verwendet, in denen durch erhebliche Einflussnahme von ausländischen Unternehmen Korruption, Verbrechen, mafiöse Tätigkeiten, Vetternwirtschaft, persönliche Bereicherung auf Staatskosten und zweifelhafte Wahlen gefördert wurden. 1984 wurde das Wort Bananenrepublik in Deutschland zum Wort des Jahres nominiert.

Generell wird heute der Begriff Bananenrepublik als unscharfer Kampfbegriff gegen Staaten in Stellung gebracht, deren politische Kultur mit Korruption und Willkür in Zusammenhang gebracht wird. Deshalb wird dieser Begriff abwertend auch in politischen Diskussionen und Polemiken über Industrieländer wie beispielsweise die Schweiz, Deutschland (mit dem Backronym „BRD“ für BananenRepublik Deutschland), Frankreich, Österreich oder Italien verwendet, wenn man ähnliche Praktiken (die teilweise verdeckt oder beschönigt werden) unterstellt oder anprangert.

Literatur

  • Susan Arndt und Antje Hornscheidt (Hg.): Afrika und die deutsche Sprache. Ein kritisches Nachschlagewerk. ISBN 3-89771-424-8
  • Susan Arndt (Hg.): AfrikaBilder. Studien zu Rassismus in Deutschland. ISBN 3-89771-407-8
  • Thomas H. Holloway, Professor of Latin American History, 324 McGraw Hall, Cornell University, Ithaca, NY 14853-4601 E-Mail thh1@cornell.edu http://lanic.utexas.edu/la/region/news/arc/lasnet/1996/0367.html
  • Cabbages and Kings, Gutenberg-Projekt, http://www.gutenberg.org/etext/2777

Weblinks


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