Tertiär (Geologie)

Mit dem Begriff Tertiär bezeichnet man informell den geologischen Zeitabschnitt der Erdneuzeit vor Beginn des Quartärs. Das Tertiär begann vor 65 Millionen Jahren (Ende der Kreidezeit) und dauerte bis zum Beginn der Klimaveränderung vor rund 2,6 Millionen Jahren, in deren Folge das Eiszeitalter im Quartär einen Wechsel von Kalt- und Warmzeiten brachte. Das Klima auf der Erde war im Tertiär wesentlich wärmer als heute. Nach dem Massenaussterben der großen Saurier und vieler anderer Tierarten am Ende der Kreidezeit entwickelte sich hauptsächlich im Tertiär die Tier- und Pflanzenwelt, wie wir sie heute kennen.
Der Begriff Tertiär soll innerhalb der offiziellen Geologischen Zeitskala nicht mehr gebraucht werden, in der Praxis (auch in der Lehre) wird er aber oft noch verwendet.

Inhaltsverzeichnis

Geologie

Die Kontinentalverschiebung verlangsamte sich im Tertiär deutlich. Gondwana brach endgültig auseinander. Der indische Subkontinent stieß mit der eurasischen Platte zusammen. Die bereits eigenständige Antarktika wanderte zu ihrer heutigen Position. Gegen Ende des Tertiärs verbanden sich Südamerika und Nordamerika zur heutigen Form. Die vulkanische Aktivität der Periode war hoch. Das globale Klima kühlte sich im Verlauf der Jahrmillionen ab. Die tropisch-gemäßigten Bedingungen, wie sie noch im Mesozoikum vorherrschten, wandelten sich zum arktischen Klima mit umfangreicher Vergletscherung.

Fauna und Flora

Das Tertiär ist die Zeitspanne zwischen dem Massenaussterben am Ende der Kreidezeit, von dem auch die großen Dinosaurier betroffen waren, und dem Beginn des jüngsten Eiszeitalters. Das Aussterben könnte Folge eines Meteoriteneinschlags, des sogenannten KT-Impakts (Kreide-Tertiär-Einschlag) sein. Zu Beginn der Periode lösten Säugetiere die Reptilien als dominante Tiergruppe ab. Jede Epoche des Tertiärs ist durch charakteristische Entwicklungssprünge unter den Säugetieren gekennzeichnet. Die frühesten erkennbaren Vorfahren des Menschen, die Hominoiden Proconsul und Australopithecus entwickelten sich. Die modernen Formen der Vögel, Reptilien, Amphibien, Fische und der Wirbellosen waren teils zu Beginn des Tertiärs schon herausgebildet oder entwickelten sich in seinem Verlauf. Die pflanzliche Evolution brachte die ersten Bedecktsamer hervor. Die Meerestiere dagegen unterlagen – abgesehen von den Säugetieren – lediglich geringen evolutionären Veränderungen.

Terminologie und Nomenklatur

Der Begriff Tertiär entstammt der Historischen Geologie, also der Beschreibung der Erdgeschichte, und wurde 1760 von Guovanni Arduino eingeführt. Er unterschied aufgrund seiner Beobachtungen geologischer Schichten in Oberitalien eine primäre (Basalte, Granite, Schiefer), sekundäre (fossile Kalkablagerungen) und tertiäre (jüngere Sedimentablagerungen) Epoche. Obwohl Arduino diese Dreiteilung ursprünglich nur zur Kennzeichnung unterschiedlicher Gesteinsformationen nutzte, wurde das System bald auch als zeitliches Raster verwendet. 1828 übernahm Charles Lyell den Begriff Tertiär in sein eigenes, deutlich präziseres System. Er unterteilte das Tertiär anhand der prozentualen Anteile von fossilen Muschelschalenfunden in den jeweiligen Schichten in Eozän, Miozän, älteres und jüngeres Pliozän. Da diese Methode jedoch nur für die untersuchte Region der Alpen und der norditalienischen Ebene geeignet war, wurden in der Folgezeit bis heute zahlreiche weitere stratigraphische Kategorien eingeführt.

Das Tertiär wurde allerdings im Jahr 2000 aus der international gültigen und von der Internationalen Kommission für Stratigraphie herausgegebenen Geologischen Zeitskala gestrichen. An die Stelle des Tertiärs traten das Paläogen (früher: Alttertiär) und das Neogen (früher: Jungtertiär) als Perioden im Känozoikum (Erdneuzeit).

Frühere Einteilung des Tertiär als Periode der Erdneuzeit

Tertiär:

Danach: Beginn des Quartär mit Pleistozän und Holozän (sowie bei einigen Autoren Anthropozän)

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