Band des Bundes
Das Band des Bundes (Blick entlang Bundeskanzleramt Richtung Paul-Löbe-Haus)
Ostteil des Bandes: Paul-Löbe-Haus (mitte) und Marie-Elisabeth-Lüders-Haus (links), im Hintergrund die Kuppel des Reichstagsgebäudes
Band des Bundes mit Spreequerung

Das Band des Bundes ist eine Anordnung von Gebäuden, die im Regierungsviertel von Berlin nördlich des Reichstagsgebäudes quer über den Spreebogen am Rand des Spreebogenparks verläuft und das städtebauliche Leitkonzept der Neuordnung des Regierungsviertels darstellt.

Inhaltsverzeichnis

Gliederung

Das etwa 900 Meter lange Band umfasst (von West nach Ost) den Kanzlerpark am rechten Spreeufer, das ihm gegenüberliegende Bundeskanzleramt am linken Spreeufer, das Paul-Löbe-Haus, das Marie-Elisabeth-Lüders-Haus (wieder auf dem rechten Spreeufer) und darüber hinaus das nicht realisierte Bürgerforum zwischen Kanzleramt und Paul-Löbe-Haus, wo sich jetzt eine Freifläche befindet. Aus der Luft erscheinen alle dazugehörigen Gebäude wie ein massiver weißer Riegel, der sich quer über den Spreebogen legt. Der Eindruck des Zusammenhangs wird durch die Brücken über die Spree zwischen den Gebäuden des Bandes verstärkt.

Liste der Komponenten (von West nach Ost)
  • Kanzlerpark, am rechten Spreeufer, mit Hubschrauberlandemöglichkeit
  • Bundeskanzleramt, am linken Spreeufer, inklusive der langgestreckten Büroflügel
  • Bauplatz des geplanten Bürgerforums
  • Paul-Löbe-Haus mit Büros und Ausschussräumen
  • Marie-Elisabeth-Lüders-Haus mit Parlamentsbibliothek und -archiv

Ursprünglich war geplant, das Band bis zum Bahnhof Friedrichstraße zu erweitern, was aus Kostengründen jedoch nicht verwirklicht wurde. Allerdings soll das Marie-Elisabeth-Lüders-Haus um zwei zusätzliche Höfe vergrößert und dessen Haupteingang an die Luisenstraße verlegt werden, wozu am 9. November 2010 der erste Spatenstich erfolgte.

Entwurf

Die Gebäudereihe stellt ein architektonisches Gesamtkonzept dar, das von den Berliner Architekten Axel Schultes und Charlotte Frank – die auch das Bundeskanzleramt entworfen haben – stammt und 1992 erstellt wurde. Mit dem Entwurf gewannen sie schließlich den Architekturwettbewerb zur Neugestaltung des Spreebogens als Regierungsviertel. Die Einzelentwürfe für das Paul-Löbe- und das Marie-Elisabeth-Lüders-Haus stammen von Stephan Braunfels. Der ursprüngliche Entwurf von Schultes und Frank sah zusätzlich eine bauliche Verbindung von Bundeskanzleramt und Paul-Löbe-Haus unter der Bezeichnung Bürgerforum vor und sollte die Gebäude der gesetzgebenden und ausführenden Staatsgewalt durch einen Ort der Öffentlichkeit mit zahlreichen Cafés, Galerien und Geschäften verbinden. Ebenfalls war eine östliche Weiterführung des Bandes jenseits des Marie-Elisabeth-Lüders-Hauses in Richtung auf den Bahnhof Friedrichstraße geplant. Beide Optionen wurden aus Finanzierungsschwierigkeiten verworfen.

Die Bauarbeiten begannen im Februar 1997 mit dem ersten Spatenstich für das Bundeskanzleramt und fanden ihr vorläufiges Ende mit der Fertigstellung des Marie-Elisabeth-Lüders-Hauses im Oktober 2003. Für die geplante Erweiterung dieses Gebäudes wurde der Wohnhausriegel entlang der Luisenstraße abgerissen und an dieser Stelle bis zum Beginn der weiteren Bauarbeiten zunächst eine Rasenfläche angelegt.

Symbolik und Kritik

Das Band kann als symbolischer Brückenschlag zwischen den ehemals getrennten Stadthälften verstanden werden, da die Berliner Mauer genau entlang des Marie-Elisabeth-Lüders-Hauses verlief.

Weitere Symbolträchtigkeit sollte auch dadurch erreicht werden, dass das Kanzleramt als Regierungszentrale nicht in eine architektonische Konkurrenz zum Parlamentsgebäude tritt, sondern sich in das Band der Bundesbauten eingliedert, und das Band somit die Regierung (repräsentiert durch das Kanzleramt), die Legislative (das Parlament, repräsentiert durch die Bürogebäude des Bundestags) und den Souverän (das Volk, repräsentiert durch das Bürgerforum) symbolisch zusammenführt. Dies wurde allerdings nur teilweise erreicht, da sich durch das Fehlen des Bürgerforums Bundeskanzleramt und Paul-Löbe-Haus wie zwei Monolithen gegenüberstehen und das Kanzleramt nicht mehr wie geplant mit dem Großkonzept verwächst.

In der Berliner Architektur, so wie sie von Axel Schultes vertreten wird, wurden nach der britischen Sozialhistorikerin J. Caborn „architektonische Elemente verwendet, die in Bonn als ‚nichtdemokratisch‘ verpönt und in der Architektur gemieden wurden“[1]. Dass sie in der Berliner Republik nicht als „Nichtdemokratie“ gewertet wird, liegt nach Caborn vor allem an einer „neuen Geschichtskonstruktion“, bei der „die Strategien der Synkrise und der Sprengung der Dichotomie ‚demokratisch – nicht demokratisch‘“ angewandt wird, „um entweder ‚Nichtdemokratisches‘ zu neutralisieren oder ihm eine andere Bedeutung zuzuweisen.“[1][2]

Literatur

  • Joannah Caborn: Die Staatsarchitektur in Bonn und Berlin. In: Carborn: „Schleichende Wende – Diskurse von Nation und Erinnerung bei der Konstituierung der Berliner Republik“. 2006; ISBN 389771-739-5

Weblinks

Einzelnachweise

  1. a b Caborn, siehe Literatur, Seite 196
  2. Vgl. auch Axel Schultes: Ich will einen Ort des Gleichgewichts. Die Entscheidung: Wo der Kanzler im 21. Jahrhundert residieren wird, FAZ vom 29. Juni 1995.
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