Bandar bin Sultan bin Abdul Aziz Al Saud
Bandar bin Sultan im Juli 2008

Bandar bin Sultan bin Abdul Aziz Al Saud (arabischالأمير بندر بن سلطان بن عبدالعزيز آل سعود‎‎; * 2. März 1949) ist saudi-arabischer Politiker und vertrat von 1983 bis 2005 sein Land als Botschafter in den Vereinigten Staaten. Am 16. Oktober 2005 wurde er durch den saudischen König Abdullah ibn Abd al-Aziz zum Generalsekretär des Nationalen Sicherheitsrates berufen.

Inhaltsverzeichnis

Biographie

Prinz Bandar wurde in Taif, Saudi-Arabien, als Sohn des Kronprinzen Sultan ibn Abd al-Aziz und der sudanesischen Sklavin Khizaran geboren.[1] Erst auf Initiative seines Halbbruders König Faisal ibn Abd al-Aziz bekannte sich der Vater zu seinem Sohn. Da das religiöse Gesetz der Sharia die Gleichbehandlung aller Söhne eines Mannes vorschreibt, genoss schließlich auch Bandar bin Sultan eine moderne, internationale Erziehung. Er heiratete Prinzessin Haifa bint Faisal, König Faisal’s Tochter, bevor er im Jahre 1983 sein Amt als saudi-arabischer Botschafter in den Vereinigten Staaten von Amerika antrat.[2]

In Großbritannien besuchte er das Royal Airforce College Cranwell und wurde zum Hauptmann der saudi-arabischen Luftwaffe, der er 17 Jahre lang diente. Als ausgebildeter Pilot verfügt er über Erfahrung in der Steuerung von Kampfflugzeugen. Er besuchte verschiedene Militärschulen in den USA wie die Maxwell Air Force Base, Alabama, und das Industrial College of the Armed Forces in Washington D.C., bevor er an der Paul H. Nitze School of Advanced International Studies an der Johns Hopkins University ebenfalls in Washington D.C. den Mastergrad in internationaler Politik erlangte.[2]

Der Startschuss für die diplomatische Karriere des Prinzen Bandar fiel 1978: Als persönlicher Gesandter des saudischen Königs gelang es ihm, sich erfolgreich beim amerikanischen Kongress für die Genehmigung des Verkaufs von McDonnell Douglas F-15 Kampfflugzeugen einzusetzen. 1983 wurde er zum Botschafter Saudi-Arabiens in den Vereinigten Staaten berufen. Während seiner Amtszeit, so berichtet er, habe er mit fünf US-Präsidenten, zehn Staatssekretären, elf Nationalen Sicherheitsberatern, 16 Kongresssitzungen, aufsässigen Medien und Hunderten von gierigen Politikern zu tun gehabt.

Politische Laufbahn

Prinz Bandar baute enge Beziehungen mit einer Reihe amerikanischer Präsidenten auf, vor allem mit George H. W. Bush und George W. Bush, wobei ihm letzterer den freundschaftlichen und kontroversen Spitznamen „Bandar Bush“ gab. In Washington war hinlänglich bekannt, dass Prinz Bandar so eng mit George H.W. Bush und den führenden Köpfen seiner Regierung zusammenarbeitete (darunter James Baker, Dick Cheney, General Colin Powell), dass er praktisch selbst Regierungsmitglied wurde. Er besuchte unangemeldet das Weiße Haus und galt als der einzige in Washington angesiedelte Botschafter, der Personenschutz durch das Auswärtige Amt erhielt. (Die enge Beziehung zur Bush Familie ist Gegenstand von Craig Ungers Buch House of Bush, House of Saud und wird in Michael Moores Fahrenheit 9/11 hervorgehoben)

Trotz starker Gegenstimmen von Seiten Israels und des amerikanischen Kongresses sicherte er den Kauf von Awacs Aufklärungsflugzeugen während der Reagan-Regierung. Zum Ärger des Auswärtigen Amtes legte er das CIA herein, indem er anlässlich eines einmal geplatzten Waffengeschäftes mit den USA seine Abwehrraketen kurzerhand in China kaufte. Dennoch verlor er nie die Gunst seines eigenen Regenten und auch der verschiedenen US-Präsidenten, vor allem der republikanischen. Einen Teil seiner Beliebtheit verdankte er sicherlich seiner Vorliebe für Baseball, einen aufwendigen Lebensstil und kubanischen Zigarren, womit er sich mit der Aura des ur-amerikanischen Arabers umgab. Es wird behauptet, dass Bandar und Präsident George W. Bush sich oft privat trafen, um Zigarren zu rauchen und über Baseball zu reden, dass Bandar oft in Fragen zum Mittleren Osten konsultiert wurde.

Kein arabischer Botschafter – vielleicht überhaupt kein Botschafter – hatte jemals so großen Einfluss in Washington wie Prinz Bandar. Auf dem Höhepunkt seiner Macht hatte er sich für beide Seiten unentbehrlich gemacht, so diente er seinem König als persönlicher Bote und dem Weißen Haus als Laufbursche.

Terrorismusfinanzierung

Am saudischen Königshof gilt Bandar als einer der eifrigsten Gegner der Schiiten. Im Nachrichtensender CNN berichtete der investigative Journalist Seymour Hersh, dass die sunnitische Terrorgruppe Fatah al-Islam finanzielle Hilfe von Bandar bin Sultan erhalten habe. Dies sei das Resultat einer Abmachung zwischen Bandar, Dick Cheney und Elliott Abrams gewesen, „wobei die Saudis heimlich den sunnitischen Fatah al Islam als Gegengewicht zu der im Libanon aktiven, schiitischen Hisbolla unterstützten.“ Er behauptete auch, dass die von der sunnitischen Zukunftsbewegung geführte, libanesische Regierung der Terrorgruppe geholfen habe.[3]

Bandar soll bereits 1985 ein angeblich von der CIA in Auftrag gegebenes Bombardement in Beirut finanziell mitgetragen haben. Bei dem Anschlag, einem fehlgeschlagenen Versuch den führenden schiitischen Kleriker Muhammad Hussein Fadlallah zu beseitigen, kamen 80 Zivilisten ums Leben.[4].

Kontroverse Aspekte

Bandar bin Sultan mit George W. Bush (links) im August 2002.

Das Buch Der Angriff - Plan of Attack von Bob Woodward diskutiert die Rolle des Prinzen Bandar kontrovers. Darin werden Vermutungen geäußert, nach denen Präsident George W. Bush Bandar noch vor Außenminister Colin Powell über die Invasion im Irak informiert haben soll. Darüber hinaus behauptet der Autor, dass kurz vor den Wahlen im November 2004 eine Absprache zur Senkung der Ölpreise getroffen worden sei. Bandar bekannte sich öffentlich zu Präsident Bush.

Es wird berichtet, dass Prinz Bandar am 26 Juni 2005 „aus persönlichen Gründen“ seinen Botschafterposten aufgegeben habe.[5][6] Wochen vor dem Tod des Königs Fahd war Bandars Rückkehr nach Saudi Arabien angekündigt worden. Am Todestag König Fahds wurde Bandars Vater Sultan Ibn Abdul Aziz Al Saud zum Kronprinzen erhoben. Gerüchteweise heißt es, dass Bandar’s Rückkehr zeitlich so abgestimmt worden war, dass er sich einen Posten in der neuen Regierung sichern konnte.[7] Im Oktober 2005 wurde er zum Vorsitzenden der nationalen Sicherheitsbehörde Saudi Arabiens berufen.

Korruptionsvorwürfe

Bandar half 1985 bei den Verhandlungen zu den sogenannten al-Yamamah-Deals, wobei ein massives Waffenarsenal, darunter 100 Kampfflugzeuge, von Großbritannien an Saudi-Arabien zu einem Gesamtwert von etwa 40 Milliarden GBP verkauft wurde. Daraufhin soll der britische Waffenhersteller British Aerospace (jetzt BAE Systems) über mindestens zehn Jahre hinweg geheime Zahlungen von etwa 1 Milliarde GBP in jährlichen Raten von bis zu 120 Mio GBP an zwei Konten der saudi-arabischen Botschaft in Washington überwiesen haben. Bandar soll aus diesen Botschaftskonten Geld für persönliche Zwecke entnommen haben, so etwa für die Wartungskosten seines privaten Airbus A340. Ermittlern zufolge wurde kein Unterschied gemacht zwischen den Botschaftskonten, den Regierungskonten und den Privatkonten der saudischen Königsfamilie. Die Zahlungen wurden anlässlich einer Untersuchung des Serious Fraud Office, des britischen Dezernat für schwere Betrugsfälle, entdeckt, jedoch im Dezember 2006 durch den britischen Oberstaatsanwalt Lord Goldsmith eingestellt.[8] [9]

Nach dem Botschaftsamt

Dem Auslandsberichterstatter der Nachrichtenagentur United Press International Arnaud de Borchgrave zufolge (so schrieb er Ende Dezember 2006) soll ein Geheimtreffen zwischen Bandar und US Regierungmitgliedern stattgefunden haben, nachdem er von seinem Posten zurück getreten war:[10]

Seit Prinz Turki bin Faisal Al-Saud Botschafter geworden sei, habe Bandar mehrere Reisen in die USA unternommen, unter dem Vorwand sein Anwesen in Aspen zu besuchen...Doch seien Bandar Wartungsstops auf der Andrews Air Force Base außerhalb Washingtons gestattet gewesen. Dadurch sei es möglich gewesen, incognito nach Camp David zu resien, um sich mit dem Nationalen Sicherheitsberater Stephen Hadley zu treffen. Dabei sei er auch mit dem Direktor der Nationalen Sicherheitsbehörde für den Mittleren Osten, Elliott Abrams, einem prominenten Neo-Konservativen, zusammengekommen, so heißt es in de Borchgraves Bericht.

Bandar verhalte sich dem Iran gegenuber ‚trotziger’ als es sein Amtsnachfolger Turki tue, so de Borchgrave. So gehe Bandar davon aus, dass nur eine militärische Intervention den Iran davon abhalten könne, die 10. Atommacht der Welt zu werden.[10] Borchgrave lässt ferner verlauten, dass Bandar andere saudische Regierungsmitglieder von dieser Meinung überzeugt habe, darunter König Abdullah, Verteidigungsminister Sultan, Bandars Vater, und Innenminister Nayef bin Abdul Aziz.

Privatleben

Bandar ist mit Prinzessin Haifa verheiratet, mit der er vier Söhne und vier Töchter hat.

Am 12. Juli 2006 wurde berichtet, dass Prinz Bandar sein etwa 17 km² großes Anwesen in Aspen, Colorado für 135 Mio US-Dollar zum Verkauf anbot. Das luxuriöse Feriendomizil mit dem Namen Hala Ranch ist größer als das Weiße Haus, steht auf einem Berggipfel auf rund 40 ha Land und verfügt über 15 Schlaf- und 16 Badezimmer, deren Armaturen mit 24 Karatgold verziert sind. Da kein Käufer gefunden werden konnte, bleibt das Anwesen weiterhin im Besitz des Prinzen, dem auch Glympton Park in Oxfordshire gehört.

Einzelnachweise

  1. http://74.125.45.104/search?q=cache:cKGkaPqMaJIJ:www.saudi-us-relations.org/international-relations/prince-bandar.html+prince+bandars+mother+khizaran&hl=en&ct=clnk&cd=2&gl=us
  2. a b The Saudi Question: Who's Who: The House of Saud, Public Broadcasting Service's Wide Angle, broadcast 4 October 2004
  3. Hersh: Bush administration arranged support for militants attacking Lebanon “, The Raw Story, May 22, 2007. Zugriff am 12. Mai 2008. 
  4. Car bomb with wings
  5. NBC: Saudi envoy to U.S. offers resignation, MSNBC 27 June 2005.
  6. Bandar stays as envoy to US: Saudi, Gulf Times, 28 June 2005
  7. Tensions remain among Saudi royals, BBC News, 1 August 2005
  8. Saudi prince 'received arms cash' BBC
  9. Saudi Prince Secretly Made $2B in 1985 Arms Deal
  10. a b [1]de Borchgrave, Arnaud, "Analysis: Arabian Medicis", article at UPI Web site, dated 27 December 2006, accessed 29 December 2006

Weblinks


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