Tetum
Tetum

Gesprochen in

Osttimor, Indonesien
Sprecher ca. 900.000
Linguistische
Klassifikation

Austronesische Sprachen

Malayo-polynesische Sprachen
  • Tetum
Offizieller Status
Amtssprache von OsttimorOsttimor Osttimor
Sprachcodes
ISO 639-1:

-

ISO 639-2:

tet

ISO 639-3:

tet

Tetum (auch Tétum oder Tetun, früher Belu) ist eine der beiden Amtssprachen von Osttimor. Es ist eine malayo-polynesische Sprache, die viele Elemente aus der portugiesischen Sprache und dem Indonesischen/Malaiischen übernommen hat. Gleichzeitig wird auch die größte Ethnie Osttimors als Tetum bezeichnet, die diese Sprache auch als Muttersprache verwendet. Im indonesischen Westtimor ist Tetum nur die Sprache einer Minderheit im Zentrum der Insel.

Inhaltsverzeichnis

Ethnie

Tetum in traditioneller Tracht in Suai (2003)

Die malayo-polynesischen Tetum bilden mit etwa 450.000 Angehörigen die größte Ethnie Osttimors und mit 500.000 die zweitgrößte in Westtimor. Sie wanderten erst im 14. Jahrhundert nach Timor ein, ihren Erzählungen zufolge aus Malakka. Zuerst ließen sie sich im Zentrum der Insel nieder und verdrängten die Atoin Meto in den Westteil Timors. Später stießen sie auch in den Ostteil weiter vor und gründeten insgesamt vier Reiche, von denen Wehale das Mächtigste war. Ihre Sprache wurde schon damals zur Verkehrssprache im Zentrum und Osten der Insel. Noch heute leben die Tetum in der Mitte der Insel auf beiden Seiten der Grenze und an der Südostküste.

Ihre alte Fremdbezeichnung Belu bedeutet auf Deutsch Freund oder der Gönner. Nach dieser wurde in kolonialer Zeit der Osten der Insel Timors als Belu bezeichnet.[1]

Dialekte

Übersichtskarte der Sprachen Osttimors

Tetum wurde nach der Kolonisierung Timors durch Portugal deutlich vom Portugiesischen beeinflusst. Unter portugiesischer Herrschaft konnte man sich nur in Portugiesisch weiter bilden, obwohl Tetum und die anderen Sprachen verwendet werden durften. Einen besonders starken Einfluss hatte Portugiesisch auf dem Tetum-Dialekt Tetun Prasa (port. Tétum-praça), der heute als Muttersprache mehrheitlich in den Subdistrikten Dili und Ermera gesprochen wird, im Gegensatz zu dem auf dem Lande gesprochenen Tetun Terik. Tetun Prasa ist durch ihren Gebrauch als Zweitsprache heute weiter verbreitet und wird als Tétum Oficial auch in der Schule unterrichtet. Während der Kolonialherrschaft durch die Portugiesen war zwar Portugiesisch die offizielle Amtssprache, jedoch diente Tetum als lingua franca. Nach der Annektierung Osttimors durch Indonesien wurde die portugiesische Sprache verboten, die katholische Kirche hielt ihre Messen jedoch nicht auf Bahasa Indonesia, sondern auf Tetum und trug so zur Herausbildung der Sprache und Identitätsstiftung bei.

Folgende Dialekte werden aufgeführt:

  • Tétum Oficial (Tetun Prasa, Tétum-praça, Tetun Dili, Dili Tetun)
  • östliches Tetum (Tetum Terik, Soibada, Natarbora, Lakluta)
  • südliches Tetum (Lia Fehan, Flachland-Tetum, Tasi Mani, Belu Selatan, Belu Tetun, Belunesisch)
  • nördliches Tetum (Lia Foho, Hügel Tetum, Tasi Feto, Belu Utara, Belu Tetun, Belunesisch)
  • Nanaek (Nana'ek)

Das Belu Tetum war die Sprache des alten Wehale-Königreichs. Nanaek wird in Metinaro und entlang der Küste zwischen Dili und Manatuto gesprochen.

Anzahl der Sprecher

Insgesamt sprechen allein in Osttimor über 449.085 Einwohner Tetum als Muttersprache (2010). 56,1 % der Bevölkerung können Tetum sprechen, lesen und schreiben, weitere 1 % sprechen und lesen, 2 % nur lesen und 30 % nur sprechen.[2] 599.745 Einwohner des Landes sprechen Tetum, 34.713 können es nur lesen (2004). Von den verschiedenen Dialekten geben 385.269 Osttimoresen an, dass Tetum Prasa ihre Muttersprache ist, 63.519 nennen hier Tetum Terik und 297 Nanaek (2010). Ein Großteil der 352.400 Einwohner des indonesischen Regierungsbezirks Belu spricht ebenfalls Tetum als Muttersprache. Daneben gibt es aber auch kleine Gruppen von Bekais-, Bunak- und Kemak-Sprechern.

Vokabular

Portugiesisch und Tetum

Der Tetum-Name für Osttimor ist Timor Lorosa'e, was wörtlich übersetzt „Timor der aufgehenden Sonne“ bedeutet. Lorosa'e leitet sich ab von loro („Sonne“). Loron bedeutet „Tag“.

Das Tetum-Wort für Wort ist liafuan, abgeleitet von lia („Stimme“) und fuan („Frucht“).

Im Tetum findet man Wörter austronesischen, portugiesischen und indonesisch/malaiischen Ursprungs. Für manche Begriffe werden Wörter verschiedenen Ursprungs parallel zueinander verwendet, so etwa für Stadt das indonesische Kota oder die aus dem Portugiesischen abgeleiteten Wörter prasa (port. praça, deu. Markt) und sidadi (port. cidade, deu. Stadt).

Austronesischen Ursprungs

Austronesische Wörter:

  • boot – „groß“
  • ki'ik – „klein“
  • mane – „Mann“
  • fetu – „Frau“
  • foho – „Berg“
  • tasi – „Meer“
  • rain – „Land“

Portugiesischen Ursprungs

Tetum und Portugiesisch

Wörter, die sich aus dem Portugiesischen ableiten:

  • aprende – „lernen“ (von aprender)
  • demais – „zuviel“
  • entaun – „so“, „nun“ (von então)
  • eskola – „Schule“ (von escola)
  • igreja – „Kirche“
  • istória – „Geschichte“ (von história)
  • paun – „Brot“ (von pão)
  • povu – „Volk“ (von povo)
  • relijiaun – „Religion“ (von religião)
  • serveja – „Bier“ (von cerveja)
  • tenke – „müssen“ (von tem que)
  • ajuda – „Hilfe“


Ländernamen:

  • Alemaña/alemaun - „Deutschland/deutsch“
  • Áustria/austríaku - „Österreich/österreichisch“
  • Listenstaina/listenstainianu - „Liechtenstein/liechtensteinisch“
  • Suisa/suisu - „Schweiz/schweizerisch“

Wie im Indonesischen hat sich der Laut [z] (in Portugiesisch s or z geschrieben) in Tetum oft geändert zu [ʒ] (geschrieben j). Beispiele: meja („Tisch“) von mesa, kemeja („Hemd“) von camisa. Die Portugiesischen Buchstaben b und v wurden ausgetauscht: serbisu („Arbeit“) vom Portugiesischen serviço.

Malaiischen/Indonesischen Ursprungs

Wörter, die sich aus dem Malaiischen ableiten:

  • barak - „viel“ (von banyak)
  • bele - „können“ (von boleh)
  • uma - „Haus“ (von rumah)
  • dalan - „Straße“ (von jalan)
  • karreta - „Auto“ (von kereta)
  • lima - „fünf“ (von limah)
  • oan - „Mensch“ (von orang)
  • tulun - „helfen“ (von tolong)
  • malae - „Fremder“, „Ausländer“ (von melayu = „Malay“)

Zahlen

  • ida - „eins“
  • rua - „zwei“
  • tolu - „drei“
  • haat - „vier“
  • lima - „fünf“
  • neen - „sechs“
  • hitu - „sieben“
  • ualu - „acht“
  • sia - „neun“
  • sanulu - „zehn“
  • sanulu-resin-ida - „elf“
  • sanulu-resin-rua - „zwölf“
  • sanulu-resin-tolu - „dreizehn“
  • sanulu-resin-haat - „vierzehn“
  • sanulu-resin-lima - „fünfzehn“
  • sanulu-resin-neen - „sechzehn“
  • sanulu-resin-hitu - „siebzehn“
  • sanulu-resin-walu - „achtzehn“
  • sanulu-resin-sia - „neunzehn“
  • ruanulu - „zwanzig“
  • ruanulu-resin-ida - „einundzwanzig“
  • tolunulu - „dreißig“
  • haatnulu - „vierzig“
  • limanulu - „fünfzig“
  • neennulu - „sechzig“
  • hitunulu - „siebzig“
  • walunulu - „achtzig“
  • sianulu - „neunzig“
  • atus ida - „einhundert“
  • atus ida resin ida - „einhunderteins“

Jedoch benutzen Tetumsprecher oft auch malaiische/indonesische Wörter, wie etwa duapuluh („zwanzig“) statt ruanulu, speziell für Zahlen über Tausend.

Siehe auch

Literatur

  • Alexander Loch, Maria Tschanz: Kleines Wörterbuch Tetum-Deutsch Deutsch-Tetum. Helmut Buske Verlag, Hamburg 2005, ISBN 3-87548-417-7.
  • George Saunders: Tetum für Osttimor. Wort für Wort. Bielefeld, Reise-Know-How-Verlag Rump, März 2004, ISBN 3-89416-349-6, (Kauderwelsch 173 Reise-know-how).
  • John Hajek, Alexandre Vital Tilman: East Timor Phrasebook. Lonley Planet, Footscray u. a. 2001, ISBN 1-74059-020-1, (Lonely Planet phrase books).

Weblinks

Wikibooks Wikibooks: Tetum – Lern- und Lehrmaterialien

Einzelnachweise

  1. The Permanent Committee on Geographical Names: East Timor - Geographical names against a volatile background, 1999
  2. Direcção Nacional de Estatística: Population Distribution by Administrative Areas Volume 2 English (Zensus 2010)

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