9. Sinfonie (Mozart)

Die Sinfonie C-Dur KV 73 komponierte Wolfgang Amadeus Mozart vermutlich im Jahr 1772. Nach der Alten Mozart-Ausgabe trägt die Sinfonie die Nummer 9.

Inhaltsverzeichnis

Allgemeines

Das Autograph dieser Sinfonie ist zwar vorhanden, die darauf verzeichnete Jahreszahl 1769 wurde jedoch im Nachhinein vermutlich vom Verleger Johann Anton André eingetragen. Wahrscheinlich komponierte Mozart die Sinfonie im Jahr 1772.[1] [2] Unklar ist, ob Mozart die Sinfonie für eine Aufführung in Salzburg oder für einen italienischen Auftraggeber schrieb.[1]

Zur Musik

Besetzung: zwei Flöten (diese nur im 2. Satz), zwei Oboen, zwei Hörner, zwei Trompeten, Pauken, zwei Violinen, Viola, Cello, Kontrabass. In zeitgenössischen Orchestern war es zudem üblich, auch ohne gesonderte Notierung Fagott und Cembalo (sofern im Orchester vorhanden) zur Verstärkung der Bass-Stimme bzw. als Generalbass-Instrument einzusetzen.[3]
Aufführungsdauer: ca. 12 Minuten.

Bei den hier benutzten Begriffen in Anlehnung an die Sonatensatzform ist zu berücksichtigen, dass dieses Schema in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts entworfen wurde (siehe dort) und von daher nur mit Einschränkungen auf die Sinfonie KV 73 übertragen werden kann. Bspw. entspricht Satz 1 noch mehr der zweiteiligen Form, bei der der zweite Satzteil als modifizierter Durchlauf des ersten („Exposition“) angesehen wird. – Die hier vorgenommene Gliederung der Sätze ist als Vorschlag zu verstehen. Je nach Standpunkt sind auch andere Abgrenzungen und Deutungen möglich.

1. Satz Allegro

C-Dur, 4/4-Takt, 105 Takte
Der Satz eröffnet mit einer zweitaktigen Fanfare im Forte, die auf einem gebrochenen C-Dur – Akkord basiert: Oboen, Hörner und z. T. Trompeten spielen das Grundgerüst, verstärkt von Tonrepetition in Achteln (Viola, Cello, Kontrabass) und Sechzehnteln (Violinen). Kontrastierend folgt nachsatzartig im piano eine ruhige Legato-Viertelbewegung der Violinen, unterlegt von einem Achtellauf im Bass. Dieses viertaktige Thema[4] wird einmal in einer zur Dominante G-Dur führenden Variante mit verlängertem Nachsatz wiederholt. Ein erneuter Anlauf des Themas in G-Dur (Takt 11 ff.) führt zur Doppeldominante D-Dur; drei Akkordschläge auf D und eine Viertelpause bewirken eine Zäsur (Takt 15) als Vorankündigung des zweiten Themas.

Das zweite Thema (Takt 16 ff.), das untypischerweise ebenfalls im Forte steht und dadurch wie auch durch seinen Charakter wenig zum ersten Thema kontrastiert, ist mehr motivartig angelegt: Viola und Bass spielen zunächst eine tonleiterartige Abfolge von D-Dur und G-Dur, begleitet vom Tremolo der Violinen und ausgehaltenen Tönen der Bläser. Daran schließt sich eine abgesetzte Bewegung mit Stimmführung in den Violinen an. Das sechstaktige Thema wird einmal wiederholt und geht dann in eine Fortspinnung über (Takt 27 ff.) mit einer Figur für die Violinen, wobei die 2. Violine leicht gegenstimmenartig zur 1. Violine spielt.

Die Schlussgruppe (Takt 33 ff.) ist durch ein markantes Bassmotiv über Tremolo der Violinen / Viola und ausgehaltenen Bläserakkorden gekennzeichnet (ähnliche Struktur beim zweiten Thema). Mozart wechselt hierbei u. a. zur Dominantparallelen e-Moll und wiederholt die Passage einmal echoartig im Piano. Die Exposition endet nach einem auf- und absteigenden Achtel-Lauf mit Akkordschlägen auf G-Dur. Eine Viertelpause setzt eine Zäsur zum folgenden Überleitungsabschnitt (Takt 46 ff.). Dieser steht durchweg im Piano und ist durch einen Orgelpunkt auf G (Horn: ausgehaltene Töne, Viola und Bass: Achtel-Tonwiederholung) gekennzeichnet, über dem die Violinen und die Oboen ein viertaktiges Motiv mit Triller spielen.

Die Reprise (Takt 59 ff.) ist ähnlich der Exposition strukturiert, jedoch ist die Wiederholung des ersten Themas im Nachsatz chromatisch verändert. Der Achtellauf am Schluss wird zur Verstärkung einmal nach oben verschoben wiederholt. Insgesamt bekommt der Satz durch die langen Forte- und Tremolopassagen und das Fehlen von wiederholten Satzteilen einen ouvertürenartigen Charakter.

2. Satz: Andante

F-Dur, 2/4-Takt, 51 Takte, Flöten vertreten die Oboen; Hörner, Trompeten und Pauken schweigen
Stimmführend in diesem Satz, der überwiegend im Mezzoforte gehalten ist, sind die Flöten und die damit meist parallel geführte 1. Violine. Die 2. Violine begleitet mit einer durchlaufenden Sechzehntelbewegung, während Viola und Bass mit Achteln oder Vierteln eine grundierende Begleitung geben. Durch den ganzen Satz zieht sich ein charakteristisches Motiv mit punktiertem Rhythmus. Das erste Thema (Takt 1-8) ist periodisch aus Vorder- und Nachsatz aufgebaut, diese wiederum aus zweitaktiger „Frage“ und „Antwort“ (Phrasen). Die „Antwort“ im Nachsatz leitet zur Dominante über und endet auf der Doppeldominante G-Dur. Im anschließenden zweiten Thema (C-Dur) spielen 1. Violine und die Flöten ein Motiv im Dialog. Es folgt bis zum Ende des ersten Satzteils in Takt 21 die Schlussgruppe.

Der zweite Satzteil beginnt mit einer Überleitung (oder „Durchführung“, Takt 22-30) in Form einer Variation des Vordersatzes vom ersten Thema und einem neuen eintaktigen Motiv in der Subdominanten B-Dur mit Synkope. Die „Reprise“ setzt in Takt 31 mit dem ersten Thema ein und ist wie der erste Satzteil strukturiert. Beide Satzteile werden je einmal wiederholt.

Paumgartner (1945)[5] hebt das Andante hervor: „Auch das F-dur-Andante dieser Symphonie (mit Flöten statt der Oboen, die, obwohl nur einfache Verstärkung der beiden Violinen, reizend klingen), hat, bei schier undenklichen Seltsamkeiten der Stimmführung (T. 28/29!), viel Eigenständiges (etwa der kurze Durchführungsteil in seinem scheinbar so schlichten Dahinmelodisieren), gehört daher zu den interessantesten Sätzen des jungen Meisters.“

3. Satz Minuetto

C-Dur, 3/4-Takt, 24 + 20 Takte
Das kräftige Menuett ist durchweg im Forte gehalten und durch seine schreitende Viertelbewegung gekennzeichnet. Der Triller im Anfangsmotiv erinnert etwas an das Andante. Wie auch im Menuett der Sinfonie KV 112, hat die Viola hier keine eigene Stimme, sondern verdoppelt lediglich die Basslinie, was möglicherweise mit dem Ursprung als eigenständiges Tanz-Menuett zusammenhängt.[3]

Das Trio in F-Dur kontrastiert mit seiner Besetzung (nur Streicher), der Lautstärke (durchweg piano) und seinem Charakter (lyrischen Klangfarbe, weiche Melodielinie überwiegend in Terzen) zum Menuett. Im ersten Teil des Trios tritt allerdings auch die Trillerfloskel vom Menuett auf.

4. Satz Allegro molto

C-Dur, 2/4-Takt, 176 Takte
Dieser rasche Satz im Stil einer Gavotte[6] ist als Rondo mit einem Refrain und drei Couplets aufgebaut. Der Refrain ist achttaktig und basiert auf einem aufsteigenden C-Dur – Akkord mit kurzem Wechsel zur Subdominante F-Dur. Stimmführend sind die Violinen und die Oboen.

Im ersten Couplet (Takt 17-40) tritt anfangs die Trillerfloskel vom Andante wieder auf, dann folgt eine Forte-Passage mit gebrochenen Akkorden im Wechsel von G-Dur / D-Dur. Das zweite Couplet (Takt 57-74, C-Dur) greift diesen Wechsel wieder auf und spinnt ihn mit einer neuen „Antwort” fort. Das dritte und längste Couplet (Takt 89-136) in c-Moll ist durch eine dreifach wiederholte, „fragende” Terz Es-C gekennzeichnet. Die Bläser begleiten hier mit ausgehaltenen, die Viola mit gebrochenen Akkorden und der Bass mit grundierenden Vierteln. Der Satz wird von einer Coda beendet, in der das Trillermotiv wieder auftritt.

Insgesamt ergibt sich für den Satz das Schema: A-B-A-C-A-D-A-Coda. Paumgartner (1957)[5] lobt: „Überraschend das geniale Finale (...), ein prächtiges, flottes Stück, das virtuoses Spiel erfordert, um auch heute noch von hinreißender Wirkung zu sein.“

Einzelnachweise

  1. a b Volker Scherliess: Die Sinfonien. In: Silke Leopold (Hrsg.): Mozart-Handbuch. Bärenreiter-Verlag, Kassel 2005, ISBN 3-7618-2021-6, S. 277-278
  2. Gersthofer (Wolfgang Gersthofer: Sinfonien 1769/1770. In: Joachim Brügge, Claudia Maria Knispel (Hrsg.): Das Mozart-Handbuch, Band 1: Mozarts Orchesterwerke und Konzerte. Laaber-Verlag, Laaber 2007, ISBN 3-8900-7461-8, S. 21-24.) meint, dass die dem Autograph zugefügte Jahreszahl 1769 allgemein „als Richtwert akzeptiert wird“; Einstein hatte KV 73 in der dritten Auflage des Köchelverzeichnis (Alfred Einstein: Chronologisch-thematisches Verzeichnis sämtlicher Tonwerke Wolfgang Amade Mozarts. Nebst Angabe der verlorengegangenen, angefangenen, übertragenen zweifelhaften und unterschobenen Kompositionen von Dr. Ludwig Ritter von Köchel. Dritte Auflage, bearbeitet von Alfred Einstein. Breitkopf & Härtel-Verlag, Leipzig 1937, 984 S.) in den Sommer 1771 eingeordnet; Abert (Hermann Abert: W. A. Mozart. Neubearbeitete und erweiterte Ausgabe von Otto Jahns Mozart. Erster Teil 1756-1782. 7. erweiterte Auflage, VEB Breitkopf & Härtel, Musikverlag Leipzig 1955, S. 285) meint, dass die Jahresangabe 1769 mit dem „fortgeschrittenen Stil“ der Sinfonie unvereinbar sei.
  3. a b Neal Zaslaw: Mozart’s Symphonies. Context, Performance Practice, Reception. Claredon Press, Oxford 1989.
  4. Abert (1955) meint: Das Thema „bringt einen ganz unitalienischen, an die Mannheimer Art gemahnenden, aber noch verschärften Stimmungsumschlag, wie ihn seit Mozarts allererster Sinfonie kein Werk mehr aufzuweisen hatte (…).“
  5. a b Bernhard Paumgartner: Mozart. Atlantis-Verlag, Zürich und Freiburg i. Br. 1957, S. 155
  6. von Paumgartner als Gavotte bezeichnet

Siehe auch

Weblinks, Noten


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