Bankfachwirt

Der Bankfachwirt ist ein Fortbildungsberuf mit fachspezifischer Vertiefung für die Tätigkeit in Kreditinstituten. Die meist zweijährigen Lehrgänge mit einem Umfang von ca. 500 Stunden werden von verschiedenen Anbietern in Deutschland durchgeführt. Die Prüfung selbst wird von den Industrie- und Handelskammern abgenommen. Nach erfolgreicher Prüfung vergeben diese den Titel „Geprüfter Bankfachwirt (IHK)“. Der Abschluss ist gleichgestellt mit dem Meistertitel im Handwerk und berechtigt zur anschließenden Teilnahme an der Ausbilderprüfung. Da es keine internationale Entsprechung zum Bankfachwirt in anderen Ländern gibt, wird der Titel „Bankfachwirt“ im englischen Sprachraum üblicherweise als „Certified Banking Specialist“ angeführt.

Inhaltsverzeichnis

Voraussetzungen

Zum Zeitpunkt der Prüfung muss der zu Prüfende mindestens zwei Jahre Berufstätigkeit nach seinem Abschluss zum Bankkaufmann in einem Kreditinstitut nachweisen können. Für Prüfungsteilnehmer ohne entsprechende Ausbildung wird eine entsprechende Berufstätigkeit von sechs Jahren vorausgesetzt.

Die Fortbildung wird in der Regel von privaten Anbietern wie zum Beispiel der Frankfurt School of Finance & Management, den Genoakademien der Volks- und Raiffeisenbanken oder den Sparkassenakademien angeboten. Sie sind jeweils kostenpflichtig.

Geschichte

Die Fortbildung zum Bankfachwirt wurde Anfang der 1970 von der Bankakademie (heute: Frankfurt School) eingeführt und war zunächst ein privates Bildungsangebot. Das Ziel war es Bankkaufleute, die kein Hochschulstudium aufnahmen, in die Lage zu versetzen, komplexere Aufgaben in Kreditinstituten zu übernehmen. Damit ist der Bankfachwirt in erster Linie dem seit den 1970er Jahren immer komplexer gewordenen Bankgeschäft geschuldet. Die Ausbildung wurde 1972 mit Übergang der Prüfungshoheit an die Industrie- und Handelskammer in einen staatlich anerkannten Fortbildungsberuf überführt, der dem Meister im Handwerk gleichgestellt ist.

Studieninhalte

Im direkten Vergleich zu anderen Fachwirtstudiengängen zeigt sich, dass der Bankfachwirt deutlich allgemeiner aufgebaut ist und grundlegende Ähnlichkeiten zu einem allgemeinen, betriebswirtschaftlichen Studium aufweist. Die Prüfungsteilnehmer werden zwei Jahre lang in mehreren Modulen unterrichtet. Neben allgemeinen und spezifischen Kenntnissen der Bankbetriebslehre, zu denen zum Beispiel die Liquiditätssteuerung, die Eigenkapitalberechnung und der Jahresabschluss von Kreditinstituten gehören, werden angehende Bankfachwirte in den Disziplinen

sowie ab dem 3. Semester in einem Vertiefungsmodul unterrichtet. Das Vertiefungsmodul ermöglicht es, tiefere Kenntnisse in dem Fachgebiet Privatkunden-, Firmenkunden- oder Immobiliengeschäft zu erwerben. Damit wird praxisnah die nötige fachliche Qualifikation für die Übernahme qualifizierter Aufgaben in einem Kreditinstitut vermittelt. Darüber hinaus ist die gewählte Vertiefung obligatorischer Bestandteil der Prüfung vor der IHK.

Weiterhin ist üblicherweise der theoretische Teil der Ausbilderprüfung in der Fortbildung zum Bankfachwirt integriert. Dies ermöglicht es erfolgreichen Prüfungsteilnehmern im Anschluss an einer verkürzten Ausbildereignungsprüfung vor der IHK teilzunehmen, in der nur der praktische Teil abgefragt ist. Nach erfolgreichem Bestehen ist der Teilnehmer somit zusätzlich staatlich geprüfter Ausbilder für das Kreditwesen und ist damit berechtigt, Auszubildende zum Bankkaufmann innerbetrieblich auszubilden.

Einsatzgebiete

Durch die heute sehr hohen Anforderungen des Bankgeschäfts zeigt sich in der Praxis, dass Bankkaufleute ohne weitere Fortbildung nur selten Aufgabengebiete jenseits von Servicetätigkeiten und Privatkundenberatung wahrnehmen. Der Bankfachwirt ist inzwischen anerkannte, branchenweite Grundlage geworden, um qualifizierte Aufgaben zu übernehmen. Zu diesen gehören primär gehobene Aufgaben im Privatkundengeschäft (zum Beispiel Private Banking), die Tätigkeit als Geschäftskundenberater oder Immobilienspezialist im Bereich Baufinanzierung. Häufig ist der Bankfachwirt zudem die Grundlage für die Übernahme einer Assistenzposition im jeweiligen Fachbereich, die schließlich einen weiter gefächterten Karrierepfad erst eröffnet. Nach mehrjähriger Berufserfahrung in einem Fachbereich eröffnen sich Bankfachwirten häufig auch die Chancen zur Übernahme einer Führungsaufgabe in Kreditinstituten (zum Beispiel Filialleiter oder Abteilungsleiter).

Anschließende Fortbildungen

Der Trend der letzten Jahre zeigt, dass vor allem durch die Konkurrenz gegen die duale Ausbildung an den Berufsakademien auch Bankfachwirte meist weitere Fortbildungen wie zum Beispiel den Bankbetriebswirt benötigen, um Führungsaufgaben zu übernehmen. Insbesondere hochqualifizierte Führungsaufgaben eröffnen sich Bankfachwirten erst nach der privaten Fortbildung zum diplomierten Bankbetriebswirt. Diese private, nicht akademische Ausbildung, verleiht dem Absolventen die fachtheoretische Befähigung gemäß §33 Abs.2 KWG ein Kreditinstitut zu leiten und ist branchenweit ein anerkannter Fortbildungsstandard.

Alternativ dazu ist es möglich, ein Hochschulstudium an einer Fachhochschule oder Universität aufzunehmen. Durch die Gleichstellung mit dem Meistertitel sind Bankfachwirte grundsätzlich zur Aufnahme eines akademischen Studiums auch ohne die allgemeine Hochschulreife berechtigt. Häufig ist es zudem möglich, sich vereinzelte Leistungen, zum Beispiel aus der Kosten- und Leistungsrechnung an einer Hochschule anrechnen zu lassen. Als weitere Alternative eröffnet sich Bankfachwirten ebenfalls die Möglichkeit, sich nach weiterer Fortbildung vor der IHK zum staatlich geprüften Betriebswirt prüfen zu lassen.

Über die Gehaltserwartung von Bankfachwirten kann keine allgemeine Aussage getroffen werden. Wie in jedem anderen Beruf hängt das erzielte Einkommen letztlich stark von den persönlichen Fähigkeiten des Fachwirts und seinen Chancen im Unternehmen ab. Es sollte jedoch beachtet werden, dass sich Fachwirten heute grundsätzlich Tätigkeitsfelder erschließen, die Bankkaufleuten ohne Weiterbildung oftmals versperrt bleiben. Bei Übernahme einer Fachposition können sich Bankfachwirten grundsätzlich Jahresgehälter bis zu 50.000 € eröffnen. Die Praxis zeigt, dass nur mit einer kaufmännischen Ausbildung alleine dies nur in Ausnahmefällen möglich sein wird.

Diese Berufsperspektive rechtfertigt üblicherweise die Fortbildungskosten von ca. 4.000,- €. Zudem sind Lehrgangsteilnehmer berechtigt, Meister-BaFöG zu beantragen. Dieses wird ohne Prüfung der Einkommens- oder Vermögenssituation gewährt und steht daher jedem Lehrgangsteilnehmer zur Verfügung. Üblich ist eine Förderung über 30 % der Lehrgangskosten.

Zukunft

Das Bankfachwirtstudium erfreut sich weiterhin großer Beliebtheit. Die hohen Anforderungen der IHK-Prüfung, die sich in z.T. beachtlichen Durchfallquoten zeigt, sorgt jedoch für einen prozentualen Rückgang der Studienteilnehmer.

Eine starke Konkurrenz ist zudem die duale Ausbildung an Berufsakademien. Insbesondere durch die staatliche Anerkennung und die Gleichstellung der staatlichen Abschlüsse an Berufsakademien mit dem akademischen Hochschulabschluss Bachelor of Science oder Bachelor of Arts ist die klassische Ausbildung zum Bankkaufmann mit anschließender Fortbildung zum Fachwirt für viele leistungsstarke Abiturienten unattraktiv geworden, da in kürzerer Zeit ein höherwertiger Abschluss an einer Berufsakademie erworben werden kann. BA-Studierende sind nach ihrem Abschluss in der Lage, direkt ein konsekutives Masterstudium an einer Hochschule anzutreten und über diesen Weg auch zu promovieren. Bankfachwirten eröffnet sich dieser Weg durch ihre fachbezogene Hochschulzugangsberechtigung und einem grundständigen Bachelor-Studium.

Quellen

  1. http://www.frankfurt-school.de/content/de/who_we_are/history.html
  2. http://www.gehalts-check.de/Gehaltsfuehrer/Gehalt-Office/BERUFE/BG_2/GR_620/ANFANG.HTM

Weblinks

Siehe auch

  • Privatkundenberater

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