Banki-Turbine

Die Durchströmturbine, auch bekannt als Bánki-Turbine oder Ossberger-Turbine, ist eine Wasserturbine, die vom Ungarn Donát Bánki, vom Deutschen Fritz Ossberger und vom Australier Anthony George Maldon Michell entwickelt wurde. Ossberger brachte diese Turbinenbauart zur Serienreife. Seine Entwicklung wurde zuerst 1933 patentiert. Das von ihm gegründete Unternehmen ist heute führender Hersteller dieses Turbinentyps.

Die Turbine wird, entgegen dem Prinzip einer gewöhnlichen, axial oder radial durchströmten Turbine, quer durchströmt. Das Wasser tritt, ähnlich einem Wasserrad, am Umfang ein und nach Durchlaufen des Laufradinneren gegenüberliegend wieder aus. Durch den doppelten Aufschlag ergibt sich eine vergleichsweise bessere Wirkung und damit ein gewisser Selbstreinigungseffekt bzw. Schmutzresistenz. Die Durchströmturbine zählt nach ihrer spezifischen Drehzahl zu den Langsamläufern.

Das Zellenrad ist meist in B* 1/3 und B*2/3 der Breite unterteilt, die Wasserregelung durch den gleich geteilten Regulierapparat (Klappensystem im Oberwasser) erlaubt einen relativ flexiblen Betrieb, je nach Wasseranfall mit 1/3, 2/3 bzw. 3/3 = 100% Leistung. Die vergleichsweise einfache Turbinenkonstruktion ermöglicht niedrige Betriebskosten.

Ausführliche Beschreibung

Aufbau einer Ossberger-Turbine

Die Turbine besteht aus einem walzenförmigen Wasserrad oder Laufrad mit horizontaler Welle, bestehend aus zahlreichen (bis zu 37 Stk.), radial/tangential angeordneten Schaufeln mit beidseitig angespitztem Schaufelende (wegen des Strömungswiderstandes), bestehend aus einem halbierten Kreisringquerschnitt (Rohr der Länge nach auseinandergeschnitten). Um die käfigförmig angebrachten halbzylindrischen Schaufeln zu fixieren, sind an beiden Schaufelenden kreisrunde Randscheiben dazu da, um die Schaufelenden festschweißen zu können. Beim Aussehen ist der Vergleich mit einem Hamster-Laufrad naheliegend. Nur die Laufstäbe sind bei der Turbine rinnenförmige Stahlkonstruktionsteile.

Die Beaufschlagung bei der Turbine erfolgt zunächst von außen nach innen. Der klappen- und oder zungenförmige Regulierapparat variiert durch Querschnittsveränderung die Durchflussmenge der Turbine. Die Richtung des Wasserstrahles zur gedachten zylindrischen Laufradaußenfläche ist konstruktiv durch eine feststehende Düse erzeugt, so, dass das Wasser relativ unter ca. 45 Grad zur Eintrittstangente in das Laufrad eintritt und dabei einen Teil der kinetischen Energie an die gerade aktiven Zylinderschaufeln abgibt.

Laufrad einer Ossberger-Turbine in der Fertigung

Je nach Stellung des Regulierapparates (0–100%) werden auch 0–100%*30/4 Schaufeln beaufschlagt. Die Triebwasserzufuhr wird durch zwei kraftausgeglichene Profilleitschaufeln gesteuert. Die Leitschaufeln teilen den Wasserstrom, richten ihn und lassen ihn stoßfrei in den Läufer eintreten, unabhängig von der Öffnungsweite. Beide Drehschaufeln sind exakt in das Turbinengehäuse eingepasst. Sie halten die Leckagemenge so klein, dass die Leitschaufeln bei geringen Fallhöhen als Absperrorgan dienen können. Dann können Absperrschieber zwischen Druckrohr und Turbine entfallen. Beide Leitschaufeln lassen sich getrennt voneinander über Regulierhebel verstellen, an die die Automatik- oder Handregulierung angeschlossen ist. Die Turbinengeometrie (Düse–Laufrad–Welle) stellt somit sicher, dass im Laufradinneren kein Zerbesen bzw. Zerstäuben des Wasserstrahles an der Welle (durch Berührung ) auftritt, da ca. 1/3 der Gesamtleistung noch beim Austritt von innen nach außen an das Laufrad abzugeben ist. Damit wird am Laufrad zweimal Arbeit im Verhältnis 2:1 verrichtet. Aus der Sicht der Beschaufelung fließt das Wasser bidirektional durch die Schaufelkanäle, außen–innen und innen–außen. Dadurch, dass die meisten Turbinen zweistrahlig arbeiten, sind zwei Wasserstrahlen im Inneren des Laufrades ohne gegenseitige Beeinträchtigung zu führen. Dies ist jedoch nur gesichert, wenn Turbine, Gefälle und Turbinen-Drehzahl zueinander abgestimmt sind.

Die Durchströmturbine ist eine Gleichdruckturbine, d.h. der Druck am Laufrad ändert sich nicht.

Meist wird eine Durchströmturbine in Zellenbauweise gebaut, um ihr Gesamt-Teillastverhalten entscheidend zu verbessern. Die Turbine besteht dabei aus zwei Kammern mit zwei Laufrädern auf einer gemeinsamen Welle, wobei die Kammern für Q*2/3 und Q*1/3 aufgeteilt sind. Die kleinere Kammer wird bei kleinen Wasserströmen benutzt, die größere bei mittlerer Wassermenge und bei großem Wasseraufkommen werden beide Kammern wie folgt: Q*1/3 + Q*2/3 = Q durchströmt. (Q=Volumenstrom)

Vorteile

Im Vergleich zu Kaplan-, Francis- und Peltonturbinen hat die Durchströmturbine einen leicht geringeren Spitzenwirkungsgrad, den der flache Verlauf des Wirkungsgrades jedoch aufwiegt. Durch die Aufteilung wird jede Wassermenge von 1/6 bis 1/1 Beaufschlagung mit optimalem Wirkungsgrad verarbeitet. Aufgrund des günstigen Preises und der einfachen Regulierbarkeit wird sie vor allem bei Klein- und Kleinstkraftwerken mit einer Nennleistung bis ca. 2.000 kW und Fallhöhen bis 200 Meter eingesetzt. Gerade bei kleinen Laufwasserkraftwerken bringt der flache Wirkungsgradverlauf eine höhere Jahresarbeit als bei anderen Turbinensystemen, da Laufgewässer oft über mehrere Monate eine schwache Wasserführung haben. Ob in dieser Zeit Strom erzeugt wird, hängt von der Wirkungsgradcharakteristik der jeweiligen Turbine ab. Turbinen mit hohem Spitzenwirkungsgrad, aber ungünstigem Teillastverhalten, erwirtschaften in Laufwasserkraftwerken mit schwankender Wasserführung weniger Jahresarbeit in kWh als Turbinen mit flachem Verlauf der Wirkungsgradkurve. Wegen der exzellenten Unterlastbarkeit ist die Turbine auch hervorragend für autonome Stromerzeugung geeignet. Ein Vorteil gegenüber allen übrigen Turbinentypen liegt in der Einfachheit der Konstruktion, es gibt maximal zwei Wälzlager zu tauschen und nur drei drehende Teile, die Mechanik ist sehr einfach und daher von fast jedermann zu reparieren.

Dadurch, dass der Wasserstrahl in das Laufradinnere eintritt und sogleich wieder von innen nach außen seine Durchströmrichtung umkehrt, kann Laub, Gras etc. sich im Laufradinneren nicht festhalten und dadurch Strömungsverluste erzeugen. Die niedrigere Nennwirkungsgradverlaufskurve als Funktion des Teillast/Vollast-Verhältnisses wird durch das ständig saubere Laufrad konstant gehalten. Ein Laufrad-Reinigungsvorgang durch Strömungsumkehr bzw. Strömungsstörung durch Drehzahländerung etc. kann immer entfallen. Vergleichsweise sind andere Turbinentypen mit geringer Leistung bei monodirektionaler Wasserführung verschmutzungsgefährdeter und verlieren dabei Leistung.

Weblinks

Seite der Fa. Ossberger


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