Theogonie

Theogonie
als Seneca gedeutetes mögliches Abbild des Hesiod

Die Theogonie (griechisch Θεογονία, Entstehung der Götter, von Θεο, Gott und γέγονα, werden, entstehen) ist ein Werk von Hesiod, in dem die Entstehung der Welt und der Götter sowie eine Abfolge der Götterherrschaft geschildert wird. Sie ist neben der Odyssee und der Ilias von Homer die älteste bekannte Quelle der Griechischen Mythologie.

Inhaltsverzeichnis

Inhalt

Hesiods Theogonie beginnt mit seiner Dichterweihe durch die Musen. Sie überreichen Hesiod ein Zepter aus Lorbeer, hauchen ihm göttlichen Gesang ein und weihen ihn damit zum Sänger der Theogonie.

Nach diesem Proömium beginnt Hesiods Lehre von der Abstammung der Götter: Der Kosmos nimmt seinen Anfang mit dem Erscheinen von sechs Urgottheiten gemäß folgender Reihenfolge: Chaos, Gaia, Tartaros, Eros, Erebos und Nyx. Ob diese vier Gottheiten unabhängig voneinander entstehen oder ob die letzten fünf aus Chaos hervorgehen, ist unklar, in der Regel wird jedoch letzteres angenommen. Gaia gebiert daraufhin den Himmel Uranos, die Berge Ourea und das Meer Pontos.

Nyx gebiert von Erebos die Luft Aither und den Tag Hemera, von Gaia und Uranos stammen die Titanen, die Kyklopen und die Hekatoncheiren ab. Uranos verbirgt seine Kinder in der Erde und lässt Gaia sie nicht gebären. Dies erbost Gaia und sie stiftet Kronos, einen der Titanen, zum Umsturz an. Kronos entmannt auf ihren Rat seinen Vater mit einer Sichel und wirft das Glied ins Meer. Durch die Entmannung seines Vaters wird er zum Herrscher der zweiten Göttergeneration. Aus dem Blut, das aus Uranos Glied auf Gaia fällt, entstehen die Giganten, die Erinnyen und die melischen Nymphen. Aus dem Samen des in den Pontos geschleuderten Gliedes wächst Aphrodite hervor.

Auf diese erste längere Erzählung folgen weitere Genealogien. Es werden die Nachkommen der Nyx aufgezählt, die des Pontos und die Nachkommen der Titanen Okeanos und Tethys, die Okeaniden und die Flüsse. Es folgen die Nachkommen der Titanen Theia und Hyperion, des Titanen Kreios mit der Tochter des Pontos Eurybia und der Titanen Phoibe und Koios. Schließlich werden die Nachkommen des Kronos und der Rhea genannt: Hestia, Demeter, Hera, Hades, Poseidon und Zeus. Nachdem Kronos von Uranos und Gaia vorausgesagt wurde, dass er von einem seiner Söhne entmachtet würde, verschlingt er seine Kinder. Rhea gelingt es jedoch, Zeus zu verstecken und Kronos stattdessen einen gewindelten Stein verschlingen zu lassen. Durch eine List erbricht Kronos den Stein und die übrigen Kinder, woraufhin Gaia ihnen das Versteck der Kyklopen zeigt. Zeus befreit diese und erhält von den Kyklopen den Donner, den Zündkeil und den Blitz.

Nach der Beschreibung der Geburt des Zeus folgt die Genealogie des Titanen Iapetos mit der Okeanide Klymene. Diese werden alle von Zeus für ihre Missetaten bestraft, darunter auch Prometheus, dem an eine Säule gefesselt ein Adler seine Leber abfrisst, bis Herakles ihn später befreit. Die Bestrafung des Prometeus wird als einzige erläutert: Prometheus verteilte einen geschlachteten Ochsen, wobei er versuchte Zeus zu täuschen. Das Fleisch legte er auf einen Haufen und bedeckte mit Haut und Magen, auf einen anderen Haufen legte er die Knochen und bedeckte sie mit Fett. Zeus erkannte den Trug und wählte dennoch den Haufen mit den Knochen, seitdem opfern die Menschen den Göttern die Knochen und essen das Fleisch selbst. Zeus verbirgt daraufhin das Feuer vor den Menschen, doch Prometheus stiehlt es und bringt es ihnen. Zeus lässt Hephaistos die Pandora bauen und schickt diese zu den Menschen, um ihnen Unglück zu bringen.

Nach der Prometheus-Erzählung wird der weitere Ablauf der Titanomachie geschildert. Zeus und seine Geschwister führen zehn Jahre lang Krieg gegen die Titanen, bis Gaia das Versteck der Hekatoncheiren verrät. Diese werden befreit und gemeinsam besiegen sie die Titanen und verbannen sie in den Tartaros, wo sie von den Hekatocheiren bewacht werden. Dem schließt sich eine längere Beschreibung des Tartaros und seiner Bewohner an. Es folgt eine letzte Auseinandersetzung: Nach der Verbannung der Titanen gebiert Gaia den Typhoeus, um die Götter zu entmachten. Er erringt beinahe den Sieg, wird dann aber von einem Blitz des Zeus bekämpft und in den Tartaros verbannt, wo aus ihm die schädlichen Winde entstehen. Nach diesem letzten Kampf wird Zeus von den anderen Göttern zum Herrscher bestimmt.

Es folgt ein Katalog der Ehen des Zeus, zuerst die mit Metis. Gaia prophezeit Zeus, ein Sohn von Metis werde ihn stürzen, wie auch er Kronos und dieser Uranos stürzte, daraufhin verschlingt er seine Frau. Zeus gebiert daraufhin Athene aus seinem Kopf. Nach den Ehen mit weiteren Göttinnen folgen die Verbindungen von Zeus mit sterblichen Frauen sowie Ehen der anderen Olympier. Mit einem eigenen Prolog folgt zuletzt ein Katalog der Göttinnen, die Nachkommen mit sterblichen Männern haben.

Hintergrund

In den Göttermythen Hesiods spiegelt sich die Ablösung einer Religionsphase vor dem Sesshaftwerden durch die Götter des Ackerbaus. Diese haben Söhne, die sie ablösen (entmachten). Sie selbst sollen ihrerseits ihre „Väter“ entmachtet haben: Damit wird das Modell der Ackerbaureligion auf die Urzeit zurückprojiziert. Bei Hesiod zeichnen sich in Anlehnung an die griechische Religionsgeschichte drei bis vier Göttergenerationen ab. Die erste Generation, Gaia und Uranos, meint offenbar Erde und Himmel vor der Einführung des Ackerbaus. Dessen erster Gott war Kronos, der Vater des Zeus, der Uranos entmannt. Dieser hatte 12 Kinder, die vermutlich in die älteren und jüngeren Titanen aufzuteilen sind. Uranos war wohl nur der Vater der jüngeren Götter, während der Name seines Vaters - der vorherigen Göttergeneration also - verloren ging. Kronos verschlingt seine Kinder: Dies wird als Metapher für Menschenopfer gedeutet, eventuell sogar für Kannibalismus. Kronos wird dann seinerseits von Zeus abgelöst, der als weniger archaisch erscheint und eine Zeit spiegelt, in der Menschopfer aufgehört hatten. Apoll könnte bereits den Übergang vom griechischen Polytheismus zu einem Monotheismus spiegeln, wie ihn im Orient zuerst das Judentum vertrat.

Kritik

Die griechischen Götter werden zwar als überwiegend gut und menschenfreundlich dargestellt, haben jedoch so ziemlich alle negativen menschlichen Eigenschaften. Schon Xenophanes warf Homer und Hesiod daher ihren Anthropomorphismus vor:

Alles haben Homer und Hesiod den Göttern angehängt, was bei Menschen Schimpf und Schande ist:
Stehlen, Ehebrechen und sich gegenseitig betrügen!

Ausgaben

  • Friedrich Solmsen (Hg.): Hesiodi Theogonia Opera et Dies Scvtvm. Editio Tertia. Oxford 1990. ISBN 978-0198140719 (Oxford Classical Texts)
  • Hesiod, Theogonie. Werke und Tage. Griechisch und deutsch, hrsgg. u. übers. v. Albert von Schirnding. Artemis und Winkler, Zürich/Düsseldorf ³2002.

Literatur

  • Paul Mazon, introduction à la Théogonie d’Hésiode, Les Belles Lettres, coll. des Universités de France, 1928

Weblinks

 Wikisource: el:Θεογονία – Quellen und Volltexte

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