Bannbrief

Bann bezeichnet die rechtliche, religiös aufgeladene Sanktion des Ausschlusses eines abweichlerischen Individuums oder einer Minderheit zum Zwecke der Aufrechterhaltung einer als legitim angesehenen Ordnung.

Ursprünglich galten Abweichler als von bestimmten negativen Mächten wie Dämonen besessen, an denen man den Bann als magisches Bannen dieser Geister in Gestalt des Exorzismus vollzog. Diese besitzergreifenden Geister trieb und schloss der Bann aus, der insofern einen Schutz bot, wie es noch heute der Begriff der Bannmeile zum Ausdruck bringt.

Aus diesem magisch-exorzistischen Verständnis rührt die Vorstellung, bestimmte Menschen könnten etwas oder jemanden bannen, in ihren Bann ziehen. Darauf gehen die heute landläufigen Formulierungen zurück, etwa: wie gebannt zuschauen oder sich im Bann einer bestimmten Musik befinden.

Der Bann trat im germanischen Recht als Acht in Kraft bei Mord, Totschlag, Raub, Körperverletzung, Diebstahl, Brandstiftung, Hexerei, falsches Zeugnis, Beleidigung, Vergewaltigung, Inzest etc.

Die Antike praktizierte den Bann in unterschiedlichen Formen, so verbannte das Volk im Scherbengericht Missliebige aus der Gemeinschaft (siehe auch Zwölftafelgesetz).

Die semitische Sprachwelt gibt den Bann als haeraem (absondern, verbieten, weihen) wieder, was in feierlicher Form die Aussonderung einer Gabe zur Opferung, (siehe auch Sündenbock), oder förmlich die Ausrottung einer feindlichen Gruppe oder eines ganzen Volkes während eines Krieges zelebriert. Auch in den arabischen Wörtern „Haram“ sowie „Harem“ findet er seinen Ausdruck.

Das Christentum übernimmt den hebräischen Bannbegriff zunächst im Neuen Testament mit dem griechischen Anathema (Kirchenbann). Dieser Begriff, eigentlich Weihegeschenk an Gott, verbindet den Bann mit einem scharfen Fluch bzw. einer Selbstverfluchung und stellt ihn nicht sogleich in einen gruppensozialen, sondern einen ausschließlich theologischen Bezug. Für die Exkommunikation aus der Gemeinde wurde hingegen die Formel der Übergabe an den Satan verwendet. (1. Korinther 5,5).

Die Kirche praktiziert den Bann als Buß- und Strafverfahren gegen Häretiker ab dem 4. Jahrhundert mit der Anathemaformel. Im Mittelalter wächst dem Bann die prominente Rolle gesellschaftlicher Brandmarkung zu, der weithin einhergeht mit der Diskriminierung im weltlichen Bereich. Ein Beispiel hierfür ist der Kirchenbann durch Papst Gregor VII. über Heinrich IV. im Zuge des Investiturstreits. (Weiteres siehe: Exkommunikation).

Mit der Aufklärung verliert der Bann seine primär theologische Bedeutung, bleibt aber als juristische Sanktion präsent. Mächte wie Großbritannien oder Russland praktizierten teilweise über Jahrhunderte die Verbannung von Delinquenten hauptsächlich zum Zwecke der Kolonisierung.

Inzwischen tritt der Bann praktisch nur noch im privaten Bereich und in Organisationen auf, die damit ein Mitglied ausschließen können (beispielsweise wurde 2003 die Organisation Reporter ohne Grenzen für ein Jahr aus der Menschenrechtskommission der Vereinten Nationen ausgeschlossen).

Siehe auch

Reichsacht, Vogelfreiheit, Outlaw, Kufr, Verbannung


Wikimedia Foundation.

Schlagen Sie auch in anderen Wörterbüchern nach:

  • Boris I. — Boris I. (Die Ikoneninstrift: „Heiliger Boris, bulgarischer Zar“) Boris I., auch Boris von Bulgarien oder Bogoris genannt (bulg. Борис, Борис Михаил; gr. Βόωρίς oder Βόγορίς; * 1. Hälfte des 9. Jahrhunderts; † 2. Mai 907 in Bulgarien), Taufname… …   Deutsch Wikipedia

  • Boris von Bulgarien — Boris I. (Die Ikoneninstrift: „Heiliger Boris, bulgarischer Zar“) Boris I., auch Boris von Bulgarien oder Bogoris genannt (bulg. Борис, Борис Михаил; gr. Βόωρίς oder Βόγορίς; * 1. Hälfte des 9. Jahrhunderts; † 2. Mai 907 in Bulgarien), Taufname… …   Deutsch Wikipedia

  • Brief — Persönlicher Brief Hastiger Briefschreiber und Posti …   Deutsch Wikipedia

  • Maimonidesstreit — Der Maimonidesstreit, benannt nach Maimonides, ist eine Auseinandersetzung über vielfältige kulturelle, religiöse und soziale Probleme im Bereich des Judentums, der vom Ende des 12. bis zu Beginn des 14. Jahrhunderts drei erste Höhepunkte… …   Deutsch Wikipedia

  • Salomo Adret — Salomo ben Abraham Adret, auch Aderet, nach seinen Initialen auch Raschba genannt (* 1235 in Barcelona; † 1310 in Barcelona) war ein spanischer Rabbiner und einer der bedeutendsten jüdischen Gelehrten seiner Zeit. Leben und Werk Sein wichtigster… …   Deutsch Wikipedia

  • Solomon ben Aderet — Salomo ben Abraham Adret, auch Aderet, nach seinen Initialen auch Raschba genannt (* 1235 in Barcelona; gest. 1310 in Barcelona) war ein spanischer Rabbiner und einer der bedeutendsten jüdischen Gelehrten seiner Zeit. Leben und Werk Sein… …   Deutsch Wikipedia

Share the article and excerpts

Direct link
Do a right-click on the link above
and select “Copy Link”