Banzai-Angriff

Banzai (jap. 万歳, dt. „zehntausend Jahre“) bedeutet „heil!“ oder „hurra!“ in der erweiterteten Bedeutung „unendlich“ und ist in Japan ein Hochruf (oft in dreifacher Wiederholung und durch Emporstrecken beider Arme begleitet), der Freude und Glück für 10.000 Jahre bringen soll. Ursprünglich wurde das Wort aus dem Chinesischen übernommen und zur Ehrung des Kaisers verwendet, seit Ende des 2. Weltkriegs wird es aber auch allgemeiner zum Ausdruck von Freude und Enthusiasmus verwendet.

Banzai-Angriff

Ein „Banzai-Angriff“ war im Pazifikkrieg das infanteristische Gegenstück zu den japanischen Kamikaze-Angriffen aus der Luft. Bei den Banzai-Angriffen, in aussichtslosen Kampfsituationen als letzte Maßnahme angewandt, stürmten die japanischen Soldaten ohne Rücksicht auf Verluste gegen die feindlichen Stellungen, meist angeführt von einem Offizier mit gezücktem Guntō (Katana).

Es ist wichtig festzuhalten, dass der Begriff „Banzai-Angriff“ nur von alliierten Soldaten verwendet wurde, um diese Art von Angriff zu beschreiben. Obwohl Banzai ein japanischer Ausdruck ist, wurde er nie in diesem Zusammenhang verwendet.[1]

Banzai wurde im Zweiten Weltkrieg als Schlachtruf verwendet. Die Bezeichnung eines selbstmörderischen Angriffs oder auch eines Massenangriffs als „Banzai-Angriff“ durch alliierte Soldaten beruht aber auf der Gepflogenheit in der japanischen Armee, bei solchen Angriffen „Tennō heika banzai!“ (天皇陛下万歳) zu rufen, was „Lang lebe Seine Majestät, der Kaiser!“ bedeutet. [2]

Hinter solchen Selbstmordangriffen stand der im Pazifikkrieg neu entwickelte, männliche Ehrenkodex, für den Gefangennahme höchste Schmach bedeutete und daher den Tod entweder durch Banzai-Angriffe oder Seppuku (Suizid) vorziehen ließ. Dieser Ehrenkodex geht auf eine der 24 Dynastiegeschichten Chinas zurück, und zwar den Text über die nördliche Qi-Dynastie. Darin heißt es, es sei besser als ein „zerschlagenes Juwel“ (gyokusai, 玉砕) zu enden, als die Schmach zu ertragen, als ein „unversehrter Dachziegel“ (gazen 瓦全) sein feige bewahrtes Leben zu fristen. Diese Bemerkung entwickelte sich zu einer stehenden Redensart, um eine Spielart von Männlichkeitsideal kulturell zu verankern. Aber erst Saigō Takamori (1827–1877) benutzte erstmals diese Redensart, um sein Seppuku nach einer Niederlage zu rechtfertigen. Als im Pazifikkrieg die Lage für die Japaner bedenklich wurde, schuf die Propaganda des Tennō-Staates ganz neu den Slogan ichioku gyokusai (一億玉砕, „Hundertmillionen zerschlagene Juwelen“) der Bewohner des neuen Großjapans, wodurch diese Strategie erstmals zum Massenphänomen wurde und auf den südpazifischen Inseln bei den Kämpfen mit den Amerikanern eskalierte. Selbst Ertrinkende lehnten oft Rettung durch den Feind ab und hinderten Kameraden mit der Waffe am Ergreifen von Rettungsleinen.

Der erste Banzai-Angriff fand am 29. Mai 1943 bei der Schlacht um die Aleuten auf Attu statt. Weitere erfolgten unter anderem auf Kwajalein, Saipan, Guam, Tinian, Makin, Tarawa, Peleliu, Iwo Jima und Okinawa.

Einzelnachweise

  1. John Toland, The Rising Sun: The Decline and Fall of the Japanese Empire 1936-1945, Random House, 1970, S. 513
  2. ''Tennōheika banzai! S. 3, The Cambridge history of Japan, von John Whitney Hall, 1988 Cambridge University Press, ISBN 0521223520

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