Barbara-Kirche (Strackholt)
Barbara-Kirche

Die Barbara-Kirche ist eine evangelisch-lutherische Kirche in der ostfriesischen Ortschaft Strackholt in der Gemeinde Großefehn, die im 13. Jahrhundert erbaut wurde.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Die Kirche wurde in der Mitte, spätestens aber in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts errichtet.[1] Sie wurde vor der Reformation der Heiligen Barbara geweiht. Lateinische Inschriften aus dem 15. Jahrhundert an der Wand des Chores künden von vergangenen Notzeiten und Bedrohungen.[2] Durch einen Raubzug des Grafen Gerhard von Oldenburg im Jahr 1473 gingen alte Messgeräte der Kirche verloren.[3] Im Zuge der Reformation wechselte die Gemeinde zum lutherischen Bekenntnis.

Im Jahre 1853 wurde die Kirche durch den nördlichen Anbau erweitert, dabei wurden auch Fenster aus der Fassade entfernt und das Aussehen stark verändert. Zu Zeiten von Pastor Remmer Janssen musste, da die Kirche immer überfüllt war, an der Südseite ein Flügel angebaut werden. Im Ersten Weltkrieg musste eine Glocke aus dem Glockenturm für Kriegszwecke abgetreten werden. Im Zweiten Weltkrieg wurden zwei andere Glocken entwendet. 1919 hatten die Auswanderer in den USA für eine neue Glocke gesammelt. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden die anderen beiden Glocken ersetzt. In den 1960er-Jahren veranlasste Pastor Johannes Riese eine große Renovierung der Kirche. Die Glocken wurden auf elektrischen Betrieb umgestellt, die Kirche elektrifiziert und der Altar wurde neu errichtet. Im Jahre 2000 wurden zwei Westmauern neu aufgeführt.

Baubeschreibung

Der rechteckige Saalbau aus Backstein war ursprünglich gewölbt, worauf die Mauervorsprünge an den östlichen Innenecken noch hinweisen. Heute wird der Innenraum durch eine flache Holzbalkendecke abgeschlossen. Die eingezogene halbrunde Ostapsis, die nachträglich angebaut wurde,[1] verfügt noch über ihre ursprünglichen kleinen Rundbogen-Fenster aus romanischer Zeit.[4] Die Apsis ist durch einen rundbogigen Triumphbogen, in dem ein Rundstab eingelegt ist,[5] mit dem Hauptschiff verbunden. Aufgrund der Erweiterungen des Langhauses im 19. Jahrhundert präsentiert sich das Gebäude heute als Kreuzkirche.

Der mittelalterliche Glockenstuhl des Parallelmauer-Typs steht nördlich des Gotteshauses. Er stammt aus dem Beginn des 14. Jahrhunderts und ist an den Giebelseiten reich gestaltet.[6]

Innenausstattung

Schmid-Orgel von 1799

Aus dem 13. Jahrhundert stammt der Taufstein aus Bentheimer Sandstein. In der Apsis befindet sich ein Becken aus Sandstein, das im Mittelalter für rituelle Waschungen diente. Andere Nischen in der Südmauer des Chors und in der Apsis waren als Aufbewahrungsort für Krüge vorgesehen; die kleinste Nische war ursprünglich ein Hagioskop. Im 15. Jahrhundert wurde die Kreuzigungsgruppe auf dem Balken im Triumphbogen geschaffen. Das Kruzifix (1881 erneuert) wird von Maria und Johannes (seit 1956 mit neuem Kopf) flankiert. Alle drei Figuren erhielten 1956 eine neue Farbfassung. Der Flügelaltar datiert von 1654. In der Predella sind die vier Evangelisten dargestellt, auf dem Hauptfeld die Kreuzigung Christi und auf den Flügeln Kindheitsszenen Jesu.[7] Im Jahr 1791 wurde der prächtige Leuchter von einer Strackholter Familie gestiftet. Die sechseckige Rokoko-Kanzel mit Schalldeckel wurde von Joachim Kaspar Hessemeier (Hessemius) im Jahr 1801 gefertigt. Sie ist mit einem Treppenaufgang versehen und mit zierlichem Schnitzwerk und teils vergoldetem Rankenwerk sowie einem bekrönenden, Trompete spielenden Engel verziert. Das grün gestrichene Gestühl weist rotfarbige Traljengitter auf.

Die Orgel wurde 1799 von Gerhard Janssen Schmid mit 14 Registern auf zwei Manualen über dem Altar gebaut und 1883 auf die Südempore umgesetzt.[8] Der Prospekt des Werks orientiert sich an spätbarocken Formen. Die Orgel, die mehrfach umgebaut und verändert wurde, verfügt heute über 23 Register. 1971 fügte Hans Wolf ein Unterwerk und ein selbstständiges Pedalwerk hinzu, das nach dessen Tod von Hermann Hillebrand 1973 vollendet wurde, der gleichzeitig die historischen Teile der Orgel restaurierte. In einem zweiten Schritt wurden 1986 die vier noch vakanten Zungenregister von Hillebrand neu angefertigt. Die Strackholter Orgel ist damit eine der größten Dorforgeln Ostfrieslands.

Kirchenbücher

Die Kirchenbücher sind ab dem Jahre 1726 erhalten. Sie sind in einem Ortsfamilienbuch bis zum Jahre 1900 zusammengefasst.

Siehe auch

Literatur

Weblinks

 Commons: Barbara-Kirche (Strackholt) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. a b Homepage der Kirchengemeinde: Geschichte, gesehen 19. Juni 2011.
  2. Zu den Textend und Übersetzungen siehe Ortschronisten der Ostfriesischen Landschaft: Strackholt (PDF-Datei; 55 kB), S. 2, gesehen 19. Juni 2011.
  3. Ortschronisten der Ostfriesischen Landschaft: Strackholt (PDF-Datei; 55 kB), gesehen 19. Juni 2011.
  4. Gottfried Kiesow: Architekturführer Ostfriesland. Verlag Deutsche Stiftung Denkmalschutz, Bonn 2010, ISBN 978-3-86795-021-3, S. 246.
  5. Hermann Haiduck: Die Architektur der mittelalterlichen Kirchen im ostfriesischen Küstenraum. Verlag Ostfriesische Landschaft, Aurich 1986, ISBN 3-925365-07-9, S. 111f.
  6. Hermann Haiduck: Die Architektur der mittelalterlichen Kirchen im ostfriesischen Küstenraum. Verlag Ostfriesische Landschaft, Aurich 1986, ISBN 3-925365-07-9, S. 143.
  7. Gottfried Kiesow: Architekturführer Ostfriesland. Verlag Deutsche Stiftung Denkmalschutz, Bonn 2010, ISBN 978-3-86795-021-3, S. 247.
  8. Walter Kaufmann: Die Orgeln Ostfrieslands. Ostfriesische Landschaft, Aurich 1968, S. 220.

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