Barbara Scholkmann

Barbara Scholkmann (* 1941 in Heidenheim) war bis zu ihrer Pensionierung im Jahr 2007 Professorin für Archäologie des Mittelalters an der Universität Tübingen.

Inhaltsverzeichnis

Leben und Wirken

Barbara Scholkmann studierte nach einer Ausbildung zur Grund- und Hauptschullehrerin Geschichte, Germanistik, Politik und Vor- und Frühgeschichte in Tübingen, München und Würzburg. Nach dem Lehramtsstudium war sie von 1969 bis 1973 in verschiedenen Projekten der archäologischen Denkmalpflege als wissenschaftliche Mitarbeiterin beim damaligen Staatlichen Amt für Denkmalpflege Stuttgart, Referat Archäologie des Mittelalters unter Günter Fehring in Baden-Württemberg tätig. Unter anderem war sie an den Grabungen der Kirche St. Dionysius in Esslingen, an der Remigius Kirche in Nagold sowie an einer Stadtkerngrabung in Sindelfingen beteiligt. 1972 promovierte sie bei Otto Meyer in Würzburg. Nach einer mehrjährigen Familienpause arbeitete sie seit 1981 als wissenschaftliche Referentin beim (inzwischen aufgelösten) Landesdenkmalamt Baden-Württemberg, Referat Archäologie des Mittelalters, bis sie 1994 als Professorin an die Universität Tübingen berufen wurde. Seit dem Wintersemester 1979/80 hatte sie Lehraufträge in Tübingen, Lund, Zürich und Arhus und seit 1988 auch eine Honorarprofessur an der Universität Tübingen.

Im Tübinger Institut für Ur- und Frühgeschichte und Archäologie des Mittelalters konnte sie die Archäologie des Mittelalters verankern. Versuche, nach ihrer Pensionierung das Fach an der Universität Tübingen zu streichen, konnten abgewendet werden. Neben Studienmöglichkeiten in Bamberg und Halle wird – abgesehen von einzelnen Lehrveranstaltungen im Rahmen der prähistorischen Archäologie auch an anderen Universitäten wie etwa Freiburg – ist Tübingen eine der wenigen Universitäten, an der die Archäologie des Mittelalters mit einem eigenen Curriculum vertreten ist. Das räumliche Spektrum der bei ihr gefertigten Abschlussarbeiten umfasste dementsprechend fast den gesamten deutschen Raum (und in Einzelfällen darüber hinaus) und umfasste Themen vom frühen Mittelalter bis zur frühen Neuzeit. Mit zahlreichen Grabungsprojekten in Südwestdeutschland, aber auch in Westfalen sicherte sie die praktische Ausbildung der Studierenden, während in Seminaren häufig ein Schwerpunkt auf die theoretischen Konzeptionen gelegt wurden. Mit den Tübinger Forschungen zur historischen Archäologie und den Lehr- und Arbeitsmaterialien zur Archäologie des Mittelalters und der Neuzeit hat sie am Institut zwei Reihen verankert.

Barabara Scholkmann ist korrespondierendes Mitglied des Deutschen Archäologischen Instituts. 1999 erhielt sie den Forschungspreis der Jubiläumsstiftung der Schwedischen Reichsbank. 2007 wurde sie mit der Ehrendoktorwürde der Universität Lund ausgezeichnet. Von 2001 bis 2006 war sie zudem Prorektorin für Studium und Lehre an der Universität Tübingen.

Forschungsschwerpunkte

  • Archäologie des christlichen Kults: frühe Kirchen, Stiftskirchen, Bestattungstopographie
  • Glasproduktion
  • Sachkultur: Keramik, Holz, Glas
  • Stadtarchäologie: Sindelfingen, Tübingen
  • Theorie und Methode der Archäologie des Mittelalters
  • Landesgeschichte Südwestdeutschlands

Wichtig sind Scholkmanns Arbeiten zur mittelalterlichen Sachkultur, vor allem aber ihr Beitrag zur theoretischen Konzeption des Faches, dessen jüngste Definition auf Scholkmann zurück geht. Dabei hat sie die Archäologie der Neuzeit in ihr Verständnis des Faches mit einem Forschungsprojekt in Mittelamerika (Panama-Stadt) auch aktiv einbezogen und die Interdisziplinarität als ein Kennzeichen des Faches ausgewiesen.

Forschungsprojekte (Auswahl)

  • Die spanische Kolonialstadt Panamá la Vieja (DFG, seit 2002 mit R. Schreg, A. Zeischka)
  • Haus und Umwelt (DFG, mit S. Lorenz, M. Rösch)

Publikationen (Auswahl)

  • B. Scholkmann, Sindelfingen – Obere Vorstadt. Eine Siedlung des hohen und späten Mittelalters. Forsch. u. Ber. Arch. Mittelalter Bad.-Württ. 3 (Tübingen 1978).
  • B. Scholkmann, Burg Baldenstein. Das Alte Schloß bei Gammertingen. (Sigmaringen 1982).
  • B. Scholkmann, Die Grabungen in der evangelischen Mauritiuskirche zu Aldingen, Landkreis Tuttlingen. In: (Hrsg.), Forschungen und Berichte zur Archäologie des Mittelalters in Baden-Württemberg. 7 (Stuttgart 1981) 223–302.
  • B. Scholkmann, Mittelalterliches Holzgerät aus Südwestdeutschland. Zu Forschungsproblematik und Forschungsstand eines Sachgutkomplexes. Zeitschr. Arch. Mittelalter 10, 1982, 101–131.
  • Scholkmann 1993: B. Scholkmann, The Archaeology of medieval Artefacts in Central Europe. In: H. Andersson/J. Wienberg (Hrsg.), The Study of Medieval Archaeology. European Symposion for teachers of medieval Archaeology, Lund 1990. (Lund 1993) 323–331.
  • B. Scholkmann, Spirituelle und materielle Realität. Überlegungen zu Standortvoraussetzungen und Determinanten der Platzwahl monastischer Anlagen am Beispiel des Zisterzienserklosters Bebenhausen. Beitr. Mittelalterarch. Österreich 12, 1996, 151–168.
  • G. P. Fehring/B. Scholkmann/P. Anstett, Die Stadtkirche St. Dionysius in Esslingen. Forsch. u. Ber. Arch. Mittelalter Bad.-Württ. 13 (Stuttgart 1995).
  • B. Scholkmann, Die archäologischen Artefakte. Fragestellungen, Ergebnisse und Zukunftsaufgaben der Erforschung. In: G. P. Fehring/W. Sage (Hrsg.), Mittelalterarchäologie in Zentraleuropa. Zum Wandel der Aufgaben und Zielsetzungen 9. (Bonn 1995) 63–74.
  • B. Scholkmann, Archäologie des Mittelalters und der Neuzeit in Mitteleuropa: Theorien – Methoden – Arbeitsfelder. Grundsatzüberlegungen zur Lage des Fachs. Zeitschr. Arch. Mittelalter 25/26, 1997/98, 3–6.
  • B. Scholkmann, Glasproduktion in Zentraleuropa im Mittelalter. Fragestellungen und Ergebnisse der archäologischen Forschung. In: S. Lorenz/M. Matzke (Hrsg.), Siedlungsgeschichte und Waldnutzungsformen. Erstes Nordschwarzwald-Symposion. Baiersbronn 1994. Freudenstädter Beitr. 10 (Freudenstadt 1997) 113-136.
  • B. Scholkmann, Normbildung und Normveränderung im Grabbrauch des Mittelalters – Die Bestattungen in Kirchen. In: D. Ruhe/K.-H. Spieß (Hrsg.), Prozesse der Normbildung und Normveränderung im mittelalterlichen Europa. (Stuttgart 2000) 93–117.
  • B. Scholkmann/S. Lorenz (Hrsg.), Schwaben vor 1000 Jahren. (Filderstadt 2002).
  • B. Scholkmann/R. Schreg, Fern der spanischen Heimat. Archäologie in Deutschland 6, 2005, 14–18.
  • B. Scholkmann/R. Schreg/A. Kottmann/A. Zeischka/I. Martínez, El Hospital San Juan de Dios, Panamá Viejo – Nota preliminar acerca de las investigaciones arqueológicas. Canto Rodado 1, 2006, 69–87.

Festschrift

  • Jochem Pfrommer, Rainer Schreg (Hrsg.), Zwischen den Zeiten. Archäologische Beiträge zur Geschichte des Mittelalters in Mitteleuropa. Festschrift Barbara Scholkmann. Leidorf, Rahden/Westfalen 2001, ISBN 3-89646-395-0 (Internationale Archäologie – Studia honoraria 15), (mit Schriftverzeichnis bis 2001).

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