Barbara Thalheim

Barbara Thalheim (* 5. September 1948 in Leipzig) ist eine deutsche Sängerin und Liedermacherin.

Inhaltsverzeichnis

Künstlerische Karriere

Barbara Thalheim wurde als Tochter eines deutschen Kommunisten geboren, der das KZ Dachau überlebte und später im Kulturbetrieb der DDR arbeitete [1]. Sie absolvierte 1972 das Studium der Unterhaltungskunst an der Berliner Hochschule für Musik „Hanns Eisler“. 1970 bis 1972 war sie Sängerin in der „Chansongruppe Berlin“, veröffentlichte in dieser Zeit bei der staatlichen Schallplattenfirma AMIGA ihre erste Single. Ihre nächste Band war ein klassisches Streichquartett, mit dem sie bis 1980 zusammenarbeitete. Seit 1977 hatte sie regelmäßig Gastspiele in der Bundesrepublik, Sowjetunion, Bulgarien, Schweden, Finnland, Dänemark, Schweiz und Frankreich, veröffentlichte aber auch weiter Schallplatten in der DDR. Die beiden ersten LPs - Lebenslauf und Was fang ich mit mir an … - erschienen in Lizenz auch in der Bundesrepublik Deutschland. Bis 1993 schrieb Fritz-Jochen Kopka, mit dem sie 25 Jahre zusammenlebte und zwei Töchter hat, die Texte ihrer Lieder. Sie stand gemeinsam mit Georges Moustaki, Konstantin Wecker, Herman van Veen, Hanns Dieter Hüsch, Marek Grechuta, Hana Hegerová, Georg Danzer u. a. auf der Bühne. Laut ihrem Musikverlag „pläne“ gilt Barbara Thalheim heute als eine der besten Chansonsängerinnen Deutschlands.

1980 protestierte sie mit einem in bundesdeutschen Medien veröffentlichten Text gegen das von der SED-Führung zwischenzeitlich verhängte Auftrittsverbot von DDR-Künstlern in Westeuropa.[2] Daraufhin wurde sie aus der SED ausgeschlossen und wiederholt mit Auftrittsverboten belegt. Nach einer längeren Pause konnte sie jedoch mit einer neuen Band und neuen Programmen wieder LPs bei Amiga aufnehmen, sowie die DDR im Westen mit Konzerten und in Talkshows vertreten.

1990 ging sie mit der ostdeutschen Rockband Pankow auf Tournee, mit der sie die CD „Ende der Märchen“ produzierte.

Seit 1993 arbeitet sie mit dem französischen Komponisten und Akkordeonisten Jean Pacalet zusammen. Seit 2001 entstehen die Texte zu ihren Liedern in enger Zusammenarbeit mit dem Dresdner Dichter Michael Wüstefeld.

1995 gab sie bekannt, in Zukunft nicht mehr als Sängerin auftreten zu wollen und ging auf Bühnen-Abschiedstournee. Anschließend gründete sie ein Kultur- und Management-Büro und organisierte u. a. für den Berliner Senat das Sommerfestival Schaustelle Berlin. Nach schwerer Erkrankung kam es 1999 zum „Rücktritt vom Rücktritt“ und sie ging mit neuen Liedern wieder auf Tournee mit Jean Pacalet und Band und wirkte in Theaterproduktionen mit.[3]

Auszeichnungen

Im Mai 1989 wurde ihr der Kunstpreis der DDR verliehen.[4]

Für ihre CDs Fremdegehen (1994) und Insel sein (2004) wurde sie mit dem Preis der deutschen Schallplattenkritik ausgezeichnet. Ihre französische CD Fiere de ma grande gueule (2001) erhielt in Frankreich ein „Coup de coeur“.

Stasi-Vergangenheit

Anfang der 1970er Jahre unterschrieb Barbara Thalheim eine Verpflichtungserklärung bei der Stasi. Diese beendete nach ihrem Parteiausschluss im Jahre 1980 die Zusammenarbeit, nachdem sie schon zuvor einen operativen Vorgang (Opfer-Akte) angelegt hatte.[5] Am 29. Juli 1996 veröffentlichte der Spiegel einen kurzen Artikel namens „IM Elvira“[6]. Barbara Thalheim hatte zuvor ihre IM-Tätigkeit in einem Interview öffentlich gemacht, welches aber beim Erscheinen des Spiegel-Artikels noch nicht gesendet war.[5]. Sie berichtete außerdem in verschiedenen Interviews, sie habe schon 1993 den Journalisten Karl-Heinz Baum von der Frankfurter Rundschau gebeten, ihre Täterakte zu recherchieren und zu veröffentlichen. Auch diese Publikation in der Frankfurter Rundschau (FR) erfolgte erst nach dem Spiegel-Artikel am 29. Juli 1996 unter der Überschrift: „Dir hätten wir nie auch nur ein Wort angedeutet“. Die Liedermacherin Barbara Thalheim war Stasi-Zuträgerin, aber sie brachte nicht ihre Freundin in den Knast. Die Hintergründe zur zeitgleichen Veröffentlichung mit dem Spiegel-Artikel diskutiert sie selbst in einer Auseinandersetzung mit Henryk M. Broder.[7] Im Jahr 2000 hat Barbara Thalheim in der Autobiografie Mugge ihre Anwerbung als IM beschrieben. Sie widerspricht in dem Buch den Vorwürfen, sie habe auch noch nach 1980 Berichte über ihre Kollegen Stephan Krawczyk und Freya Klier geliefert. 2005 wurde in einem Feature von Ed Stuhler für das Deutschlandradio („Nichts bleibt geheim“) ihre IM-Tätigkeit thematisiert.[8]

Politik

Bei der Bundestagswahl 2009 rief Thalheim öffentlich zur Wahl der Partei Die Linke auf.[9]

Autobiographie

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Die Zeit 12. September 1991
  2. nachtausgabe.de vom 5. November 2009
  3. Es möcht´ der Holunder sterben an eurer Vergesslichkeit… (mit Jean Pacalet und Klaus Fiedler), Magdeburger Feuerwache, 2009 (schauspielschule-berlin.de: Chronik)
  4. Die Welt, 14. April 2001
  5. a b Berliner Zeitung vom 30. Juli 1996
  6. IM Elvira. In: Der Spiegel. Nr. 31, 1996, S. 157 (online).
  7. Henryk M. Broders Homepage - IM Elvira: unheilbar gesund
  8. Feature vom Deutschlandradio 2005
  9. Von Thalheim unterschriebener Aufruf zur Wahl der Linken

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