Barbarathermen
Barbarathermen 2007
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Barbarathermen Trier ca. 360-370 n.Chr.jpg
Barbarathermen ca. 360/370 n. Chr.
(Modell im Landesmuseum Trier)
Ruinen der Barbarathermen ca. 1548,[1] Merian-Stich von 1646 (Färbung nicht im Original)
Ruinen der Barbarathermen vor 1611
Ruinen der Barbarathermen vor 1611, links klein der Richardsturm

Die Barbarathermen in Trier (Augusta Treverorum) sind die römische Thermenanlage mit der größten Grundfläche, die nördlich der Alpen errichtet wurde.

Seit 1986 sind die Barbarathermen Teil des UNESCO-Welterbes Römische Baudenkmäler, Dom und Liebfrauenkirche in Trier.

Inhaltsverzeichnis

Baugeschichte

Die Barbarathermen wurden in der zweiten Hälfte des 2. Jahrhundert n. Chr errichtet.[2] Zu dieser Zeit war die Thermenanlage am Viehmarkt wahrscheinlich zu klein geworden für die wachsende Stadtbevölkerung. Die Thermen hatten zur Entstehungszeit Ausmaße von 172 x 240 m (42.500 m²). Sie überdeckten damit zwei[3] Wohnblöcke sowie eine Straße. Die Wasserversorgung der Thermen erfolgte durch die Ruwerwasserleitung.[4]

Das gewaltige Bauprogramm kann nur als staatlich finanziertes Projekt erklärt werden. Zur Zeit ihrer Entstehung waren die Barbarathermen die zweitgrößte Thermenanlage im römischen Reich, nur die Trajansthermen in Rom waren von der Fläche größer.[2]

Die Germaneneinfälle des dritten Jahrhunderts überstand die Thermenanlage anscheinend ohne größere Schäden. Münz- und Keramikfunde bezeugen eine Nutzung bis zum Ende des 4. Jahrhundert. Der Betrieb wurde mit den Zerstörungen Triers zu Beginn des 5. Jahrhundert eingestellt. Umbauten zu Wohnzwecken sind erkennbar, die als Beginn der Vorstadt St. Barbara gedeutet werden.

Spätere Nutzung

Die Größe der Anlage hat in nachrömischer Zeit zu verschiedenen Nutzungen geführt. Neben der Verwendung als Steinbruch sind verschiedene Einbauten von Gebäuden fassbar. Frühchristliche Grabinschriften deuten auf eine Kirche, möglicherweise bereits in merowingischer Zeit hin. Im 11. Jahrhundert wird ein Ministerialengeschlecht fassbar, das sich nach der Nähe zur Brücke de Ponte nennt. Auf diese dürften verschiedene mittelalterliche wehrhafte Einbauten zurückzuführen sein, die auf der Stadtansicht von Matthäus Merian sowie einer Zeichnung von Alexandre Wiltheim um 1620 als Ruine zu erkennen sind. Diese beiden Zeichnungen sind die einzigen detaillierten Zeichnungen des Baus, und gleichzeitig die letzten: ab 1611 dienten die Barbarathermen als Steinbruch für den Bau des Jesuitenkollegs, die übrig gebliebenen Reste sprengte 1675 der französische General Vignory im Eroberungskrieg des französischen Königs Ludwig XIV., um im Umkreis der Stadt Trier aus taktischen Gründen ein freies Feld zu schaffen .

Der Name der Thermen geht auf die Pfarrkirche St. Barbara zurück. Weitere Kirchengebäude könnten sich ebenfalls auf dem großen Thermengelände außerhalb des mittelalterlichen Mauerrings befunden haben. Der Standort einer Kirche St. Maria ad Pontem ist weitgehend unbekannt, da sie 1675 von französischen Truppen gesprengt wurde. Zu dieser Zeit hatte der rücksichtslose Umgang mit den antiken Hinterlassenschaften allerdings schon eine gewisse Tradition. Bereits Kaiser Maximilian I. ließ die noch aufrecht stehenden Gebäudeteile der Thermen während des Trierer Reichstages 1512 zu Testzwecken mit Kanonen beschießen.

Heutiger Zustand

Nach 2000 wurde die Anlage für längere Zeit für Besucher gesperrt, um die Ruinen zu restaurieren. Ab 2009 sollen neue Möglichkeit gefunden werden, sie den Besuchern zu präsentieren. Teile der Anlage sind von der Straße einsehbar.

Anlage

Das Thermengebäude mit einer Größe von 172 x 96 m war entlang einer N-S verlaufenden Achse geplant, wobei sich die Badetrakte fast spiegelgleich auf deren Ost- und Westseite entsprechen. Der langen Eingangsfront im Norden war die palaestra vorgelagert, die durch eine Portikus begrenzt war.[5]

Mehreren Nischen und Apsiden an der Nordseite entsprechen kleinere Kaltwasserbecken an der Innenseite. Ein daran südlich anschließender größerer Raum besaß ein Kreuzgratgewölbe. An diesen schloss sich das zentrale Laubad (tepidarium) an, im Falle der Barbarathermen ein kreuzförmiger, hypokaustierter Raum. Das Heißbad (caldarium) mit einer Größe von 20 x 30 m sprang weit aus der südlichen Gebäudefront hervor. Entlang der Wände befanden sich mit Pfeilern und Säulen gegliederte Nischen, die rechteckige Becken sowie zwei Kesselräume enthielten. Aus der südlichen Gebäudefront ragten weiterhin zwei Großwannen (13 x 23 m) in Form von Apsiden heraus. Diese waren über Wandelhallen zu erreichen.

Der Grundriss, der zahlreiche hohe Hallen und dazwischen niedrigere Verbindungsglieder aufwies, war so konzipiert, dass alle Räume natürliches Tageslicht erhielten und leicht zu belüften waren. Die zahlreichen Apsiden sind eine sehr typische Bauform des fortgeschrittenen zweiten Jahrhunderts n. Chr. Der Grundriss der Barbarathermen weist große Ähnlichkeit zu den hadrianischen Thermen von Leptis Magna auf.[6]

Einzelnachweise

  1. Matthäus Merians Stich von 1646 ähnelt stark dem Holzschnitt von Trier von 1548 in Sebastian Münsters Cosmographiae Universalis (Titel: Situs & figura antiquissimae & praecipuae Medioniatricum ciuitatis Treuirensis), der als die erste authentische Stadtansicht von Trier gilt. Zwar ist Merians Ansicht detaillierter als der Holzschnitt, bildet aber bauliche Veränderungen, die zwischen 1548 und 1646 vorgenommen wurden (z. B. an der Konstantinbasilika) nicht ab. Vergleiche den Holzschnitt in der lateinischen Ausgabe der Cosmographiae Universalis von 1550 auf Historic Cities
  2. a b Goethert 2003 S. 78.
  3. Nach Goethert 2003 S. 78, bei H. Cüppers S. 617 findet sich die Angabe vier große Wohnquartiere
  4. Hans-Peter Kuhnen: Das römische Trier, Verlag Theiss, ISBN 3806215170
  5. Die Beschreibung des Gebäudes folgt im Wesentlichen den Angaben bei H. Cüppers S. 617f.
  6. Goethert 2003 S. 83.

Literatur

  • Heinz Cüppers: Die Barbarathermen. In: H. Cüppers (Hrsg.): Die Römer in Rheinland-Pfalz. Lizenzausgabe, Nikol, Hamburg 2002, ISBN 3-933203-60-0 S. 616–620.
  • Sabine Faust: Barbarathermen. In: Rheinisches Landesmuseum Trier (Hrsg.): Führer zu archäologischen Denkmälern des Trierer Landes. Trier 2008, ISBN 978-3-923319-73-2 (Schriftenreihe des Rheinischen Landesmuseums Trier 35) S. 40f.
  • Thomas Fontaine: Die Barbarathermen. In: Hans-Peter Kuhnen (Hrsg.): Das römische Trier. Theiss, Stuttgart 2001 S. 102–113. ISBN 3-8062-1517-0 (Führer zu archäologischen Denkmälern in Deutschland 40).
  • Klaus-Peter Goethert: Die Barbarathermen. In: Römerbauten in Trier. Führungsheft 20, Edition Burgen, Schlösser, Altertümer Rheinland-Pfalz, Schnell & Steiner, Regensburg 2003 ISBN 3-7954-1445-8 S. 76–105.
  • Günther Stanzl, Michael Dodt: Die Barbarathermen in Trier. Ein neues Projekt der Bauforschung - Restaurierung und Präsentation. In: Die Denkmalpflege. Band 63, Nr. 1, Deutscher Kunstverlag, Berlin 2005, S. 39–54.

Weblinks

 Commons: Barbarathermen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
49.756.6302777777778

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