Tonometrie

Mit Tonometrie (von tónos, τόνος, griech.: „Druck, Spannung“ und metron, griech.: „das Maß“) wird die Messung des Augeninnendrucks bezeichnet, dessen Erhöhung in der Regel einer der wichtigsten, jedoch nicht der einzige Risikofaktor für einen Grünen Star (Glaukom) darstellt. Er wird in mmHg gemessen und beträgt bei einem gesunden Erwachsenen zwischen 10 und 21 mmHg. Verfahren, bei denen es zwischen Auge und Messgerät zu einem direkten Kontakt kommt, erfordern zuvor eine lokale Betäubung der Hornhaut mittels Tropfen, damit die Messung schmerzfrei verläuft. Da der intraokulare Druck zu verschiedenen Tageszeiten unterschiedlich hoch sein kann, wird dieser bei entsprechender Indikation mehrmals hintereinander über den Tag und die Nacht verteilt gemessen und zu einem sogenannten Tagesdruckprofil zusammengefasst.

Inhaltsverzeichnis

Messverfahren

Applanationstonometrie

Spaltlampe mit Applanationstonometer

Eine gängige und genaue Methode ist die Applanationstonometrie (planus, lat.: „flach, eben, platt“), die der österreichisch-schweizerische Ophthalmologe Hans Goldmann entwickelte. An einem speziellen augenärztlichen Untersuchungsgerät, der Spaltlampe, ist hierbei ein kleiner Messkörper angebracht. Bei der Untersuchung wird die Kraft gemessen, die notwendig ist, seine plane Vorderfläche mit einem Durchmesser von 3,06 mm (Fläche= 7,35 mm²) mit der Hornhaut in Kontakt zu bringen und diese abzuplatten. Zur visuellen Überprüfung des Kontakts zwischen Hornhaut und Messkörper durch den Untersucher wird zuvor eine wässrige Lösung des Farbstoffs Fluorescein in den Bindehautsack geträufelt.[1] Die aufgewendete Kraft wird durch eine Federwaage erzeugt, die an eine Messtrommel gekoppelt ist. Von dieser kann man den Druck unmittelbar ablesen. Es gibt auch Applanationstonometer, die in der Hand gehalten werden, um eine Inspektion an beispielsweise liegenden Personen durchführen zu können.

Verschiedene Studien verweisen bei der Applanationstonometrie auf eine Korrelation von Hornhautdicke und ermittelten Druckwerten. Bei Menschen mit sehr dicker Hornhaut könne danach das Messergebnis fälschlicherweise zu hoch ausfallen, bei Personen mit sehr dünner Hornhaut zu niedrig. Insbesondere nach refraktiven Operationen, bei denen die Hornhaut „verdünnt“ wurde, sollen solche Messfehler auftreten können. Es wird deshalb empfohlen, insbesondere bei entsprechenden Patientengruppen, vor der Messung des Augeninnendrucks die Hornhautdicke zu bestimmen. Dies geschieht meistens mit einem sogenannten Pachymeter. Der richtige Wert könne dann über einen Umrechnungsfaktor anhand einer Korrekturtabelle ermittelt werden.[2] Andere Studien kommen jedoch zu dem Ergebnis, dass applanatorisch gemessene Druckwerte bei Patienten mit einer dicken Hornhaut kein Artefakt seien und empfehlen im Zweifelsfall eine Druckwertbestimmung mittels intraokularer Drucksonde.[3]

Jedoch haben auch andere Hornhauteigenschaften wie Steifigkeit und Viskoelastizität Einfluss auf die Messgenauigkeit des Augeninnendrucks[4]. Im Bedarfsfall empfehlen sich daher auch andere hornhautunabhägige Messungen.

Schiötz-Tonometer

Impressionstonometrie

Ein älteres Verfahren der Augeninnendruckmessung stellt die Impressionstonometrie (impressio, lat.: „Eindringen, Eindruck“) dar. Das hierfür in der Regel verwendete Schiötz Tonometer, benannt nach dessen Entwickler, dem norwegischen Augenarzt Prof. Hjalmar Schiøtz (1850–1927), eignet sich nur für Messungen an liegenden Personen oder bei weit zurückgebeugtem Kopf, wird dabei in der Hand gehalten und senkrecht auf die Hornhaut aufgesetzt. Bei dieser Untersuchung wird geprüft, wie tief ein Metallstift durch ein genau definiertes Gewicht die Hornhaut eindellt. Skalenwerte, verwendete Gewichte und ermittelte Ergebnisse sind in einer Eichtabelle aufgeführt. Ein Problem der Impressionstonometrie ist, dass die verwendeten Instrumente nur auf Augen mit einer durchschnittlichen Dehnungsfähigkeit der Skleren geeicht sind (Rigidität). Bei abnormer Rigidität (zum Beispiel bei Myopie) zeigt die Eichtabelle falsche Werte für den Augeninnendruck an. Aus diesem Grund ist die Applanationstonometrie die Methode der Wahl.

Non-Contact-Tonometrie (NCT)

Eine Verfahrensweise, bei der es nicht zu einer Berührung zwischen Auge und Messinstrument kommt, stellt die Non-Contact-Tonometrie (NCT) dar. Der Augeninnendruck wird mittels eines Impulses mit kurzzeitig erhöhtem Luftdruck gemessen. Vom Untersuchungsablauf her ist diese Methode für den Probanden zwar angenehmer, wegen der apparativ, nicht systemisch bedingten geringeren Messgenauigkeit ist sie jedoch nicht uneingeschränkt aussagefähig.

Während impressions- und applanationstonometrische Untersuchungen ausschließlich eine augenärztliche Tätigkeit darstellen, finden Inspektionen und Screenings des intraokularen Drucks mittels NCT zunehmend auch bei Augenoptikern Anwendung. Der medizinische und gesundheits-ökonomische Nutzen wird dabei noch kontrovers diskutiert.[5]

Dynamic Contour Tonometrie

Dynamic Contour Tonometer PASCAL®

Ein neues Verfahren stellt die sogenannte Dynamic Contour Tonometrie (DCT) dar. Das dynamische Messprinzip unterscheidet sich grundsätzlich von der statischen Applanationstonometrie, weil es die Hornhaut nicht abplattet, sondern der der Hornhaut nachempfundene Messkopf die Hornhaut in ihren natürlichen, spannungsfreien Zustand belässt. Ein im Tonometerkopf eingebauter Drucksensor kann so den Augendruck direkt und weitestgehend unabhängig von Hornhauteinflüssen aufnehmen. Die erreichte Präzision erlaubt es Pulskurven des Augendrucks, die vom Herzschlag ausgelöst werden, ähnlich wie in einem EKG darzustellen.

Die Genauigkeit wurde in vivo in intrakameralen Vergleichsmessungen bestätigt. Dabei wurde gezeigt, dass die DCT Messungen besser als mit einem Fehler von 1 mmHG mit dem tatsächlichen Augendruck korrelieren, und die Hornhautdicke nur einen minimalen Einfluss auf die Messung hat[6]. Die Wiederholbarkeit und Reproduzierbarkeit der dynamischen DCT-Messungen erwies sich zudem besser als mit den gängigen statischen Applanationstonometern oder mit den Non-Contact-Tonometern bei Einzelimpuls[7].

Nach Augenoperationen wie LASIK oder Crosslinking, welche die Eigenschaften der Hornhaut verändern, werden Ergebnisse von DCT-Messungen offenbar weniger verzerrt als bei Applanationsmethoden [8] [9].

Blickrichtungstonometrie

Eine blickrichtungsabhängige Augeninnendruckmessung wird zur diagnostischen Beurteilung beim Krankheitsbild der endokrinen Orbitopathie durchgeführt.[10] Hintergrund dieser Untersuchung ist, dass eine durch diese Erkrankung bedingte, entzündliche Volumenzunahme der Augenmuskeln bei Änderung der Blickrichtung zu einer Kompression des Augapfels führen, und dadurch der Intraokulardruck ansteigen kann.

Einzelnachweise

  1. Robert L. Stamper, Marc F. Lieberman, Michael V. Drake: Becker-Shaffer's Diagnosis and Therapy of the Glaucomas. 8. Auflage, Elsevier Health Sciences, 2009, ISBN 978-0-323-02394-8, S. 47–50.
  2. Patienteninformationen der Augenklinik des Universitätsklinikums Dresden
  3. Untersuchungsreihe der Universitäts-Augenklink Freiburg, Zusammenhang zwischen Hornhautdicke, Applanationstonometrie und direkt bestimmten intraokularen Druckwerten
  4. 4.th World Glaucoma Consensus Report on IOP
  5. Wertigkeit der Augeninnendruckmessung mittels Non-contact Tonometrie durch Augenoptiker in Deutschland. Eine Kosten-Wirksamkeits-Analyse
  6. Boehm et al.: Dynamic Contour Tonometry in Comparison to Intracameral IOP Measurements [1]
  7. Kotecha et al.: Intraocular pressure measurement precision with the Goldmann applanation, dynamic contour, and ocular response analyzer tonometers. [2]
  8. Aristeidou et al.: Comparison between Pascal dynamic contour tonometer and Goldmann applanation tonometer after different types of refractive surgery.[3]
  9. Gkika et al.:Tonometry in keratoconic eyes before and after riboflavin/UVA corneal collagen crosslinking using three different tonometers.[4]
  10. Herbert Kaufmann: Strabismus. Unter Mitarbeit von W. de Decker u. a., 3. Ausgabe, Georg Thieme Verlag, 2003, Seite 430

Literatur

  • Axenfeld/Pau: Lehrbuch und Atlas der Augenheilkunde. Unter Mitarbeit von R. Sachsenweger u. a., Stuttgart: Gustav Fischer Verlag, 1980, ISBN 3-437-00255-4
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