Barfüssele

Barfüßele ist eine Erzählung von Berthold Auerbach, die erstmals 1856 erschien und zur Gattung der Dorfgeschichte gehört. (In manchen separaten Ausgaben des 20. Jahrhunderts wurde diese Dorfgeschichte auch als Roman bezeichnet.)

Inhaltsverzeichnis

Inhalt

Amrei, Tochter eines Holzbauern und einer Tagelöhnerin, verliert als kleines Kind ihre Eltern. Sie wächst getrennt von ihrem Bruder bei einer Pflegemutter auf, arbeitet als Gänsehirtin sowie als Magd und ist im ganzen Dorf als Barfüßele bekannt. Im Vordergrund steht die innere Entwicklung Amreis zu einer selbstbewussten und eigenständigen Persönlichkeit. Die Erzählung überzeugt durch die realistische Darstellung der dörflichen Lebensverhältnisse, die allerdings durch das glückliche Ende, die Heirat der Heldin mit einem Bauernsohn, gemildert erscheint.

Wirkung

Barfüßele wurde rasch ein internationaler Erfolg und in fast alle europäischen Sprachen übersetzt, teilweise mehrfach: englisch (1857, 1860, 1890), niederländisch (1858), dänisch (1861), italienisch (1872), französisch (1875, 1910), finnisch (1876), schwedisch (1879, 1910, 1922), norwegisch (1888, 1909), russisch (1900, 1912).

Eine Bearbeitung für das Theater als "Ländliches Charakterbild in 5 Aufzügen" von Moritz Reichenbach ist bereits 1857 nachweisbar. Ferdinand Freiligrath wurde 1870 durch die Lektüre der Erzählung zu einem gleichnamigen Gedicht inspiriert. Die Oper Barfüßele von Richard Heuberger (Libretto Victor Léon) wurde 1905 in Dresden uraufgeführt. Ein Stummfilm entstand 1924 unter der Regie von Heinrich Lisson mit Maria Zelenka als Barfüßele.

Ausgaben (Auswahl)

  • Barfüßele. Stuttgart u. Augsburg: Cotta 1856.
  • Barfüßele. Mit 75 Textholzstichen von Benjamin Vautier. Stuttgart: Cotta 1870.
  • Berthold Auerbachs Schriften, 14. Band: Schwarzwälder Dorfgeschichten Sechster Teil. Stuttgart, Cotta Nachfolger 1895 ff.
  • Berthold Auerbachs Werke. In Ausw. hrsg. u. mit Einl. vers. von Anton Bettelheim. Leipzig : Hesse & Becker. Schwarzwälder Dorfsgeschichten. Bd. 7, Barfüßele (1913)
  • Barfüßele. Eine Schwarzwälder Dorfgeschichte. Eingeleitet und hrsg. von Eugen Wolbe, Leipzig: Reclam 1912

Literatur

  • Jürgen Hein: Barfüßele. In: Romane und Erzählungen des Bürgerlichen Realismus. Neue Interpretationen. Hrsg. von Horst Denkler. Stuttgart: Reclam 1980.
  • Albrecht Regenbogen (Hrsg.): Barfüßele auf seinem Weg in die Welt - Berthold Auerbachs erfolgreichste Dorfgeschichte wird 150. Eine Dokumentation. Kultur- und Museumsverein Horb a. N. e. V. 2006

Weblinks


Wikimedia Foundation.

Schlagen Sie auch in anderen Wörterbüchern nach:

  • Feuer — 1. Bedecktes Feuer glimmt unter der Asche. Frz.: Peu bien couvert, comme dit ma bru, par sa cendre est entretenu. 2. Bedecktes – Feuer, grössre Hitze. – Winckler, XX, 42. 3. Bedecktes Feuer hitzt am meisten. – Winckler, XI, 96. Frz.: Le feu plus… …   Deutsches Sprichwörter-Lexikon

  • Richard Heuberger — Richard Franz Joseph Heuberger (born 18 June 1850 in Graz, Austria ndash; died 28 October 1914 in Vienna, Austria) was an Austrian composer of operas and operettas, a music critic, and teacher. Heuberger was born in Graz, and was the son of a… …   Wikipedia

  • Ауэрбах Бертольд — (Auerbach) немецкий писатель и поэт; род. 28 февр. 1812 в Нордштетене, в вюртембергском Шварцвальде; происходил из еврейской семьи и начал свое образование в еврейской школе, по окончании которой поступил в гимназию в Карлсруэ; гимназический курс …   Энциклопедический словарь Ф.А. Брокгауза и И.А. Ефрона

  • Идиллия — АНТИЧНАЯ. Термин «идиллия» (eidyilion, уменьшительное от eidos вид, как технический музыкальный термин песенный лад) означает по одному толкованию «картинку», по другому, более правдоподобному, «песенку», в древности не покрывал собой… …   Литературная энциклопедия

  • Auerbach, Berthold — ▪ German novelist pseudonym of  Moyses Baruch , Moyses also spelled  Moses  born Feb. 28, 1812, Nordstetten, near Horb, Württemberg [Germany] died Feb. 8, 1882, Cannes, France  German novelist noted chiefly for his tales of village life.… …   Universalium

  • Allein — 1. Allein bist du nirgend allein. Wer sich hat, der hat alles. »Schafe und Rindvieh«, sagt der neuere »Lachende Philosoph« (Julius Weber), »leben in Gesellschaft, Adler horsten allein.« 2. Allein ehrbar ist annehmlich, selbander schlafen ist… …   Deutsches Sprichwörter-Lexikon

  • Dastehen — *1. A stieht do wie a grusser Höjar1. – Robinson, 318. 1) Gomolcke (921) hat dafür: Stiht a doch do, wie a gruss Noy Joahr. *2. A stieht do wie a hültzern Girgel. – Robinson, 342; Gomolcke, 920. *3. Dastehen als die Pfeiffer, so den Tantz… …   Deutsches Sprichwörter-Lexikon

  • Geld — 1. Ach, nun fällt mi all mîn klên Geld bî. (Brandenburg.) Ein Ausruf, der häufig erfolgt, wenn jemand durch irgendeinen Umstand an etwas erinnert wird, was er hätte thun sollen, aber bisher zu thun vergessen hat. 2. All wîr1 Geld, dat et Wîf nig… …   Deutsches Sprichwörter-Lexikon

  • Henne — 1. A blindi Henn findt ja oft a Woazkearndl. – Schöpf, 313; für Franken: Frommann, VI, 317, 185. 2. A lafedi Hon kriagt mêr, wi a hockedi. (Franken.) – Frommann, VI, 328, 186. Eine laufende Henne kriegt (findet) mehr als eine hockende oder… …   Deutsches Sprichwörter-Lexikon

  • Kind — 1. Ach, dass ich meine armen Kinder so geschlagen, klagte der Bauer, und sie waren des Pfaffen. – Eiselein, 375. 2. Alle Kinder werden mit Weinen geboren. Lat.: Clamabunt E et A quotquot nascuntur ab Eva. (Binder I, 193; II, 497; Seybold, 77.) 3 …   Deutsches Sprichwörter-Lexikon

Share the article and excerpts

Direct link
Do a right-click on the link above
and select “Copy Link”