Trans-Mediterranean Renewable Energy Cooperation
Logo von TREC

Die Trans-Mediterranean Renewable Energy Cooperation (TREC) ist eine Initiative, die sich für die Übertragung von in Wüstenregionen erzeugtem Solar- und Windstrom nach Europa einsetzt. TREC wurde 2003 vom Club of Rome, dem Hamburger Klimaschutz-Fonds und dem Jordanischen Nationalen Energieforschungszentrum (NERC) gegründet und hat das DESERTEC Konzept entwickelt und in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt wissenschaftlich untersucht.[1]

Das DESERTEC Konzept sieht vor, im Nahen Osten (engl. Middle East) und Nord-Afrika (MENA) mit Hilfe von Solarthermischen Kraftwerken und Windparks die Wasserentsalzung und Stromerzeugung voranzutreiben und den sauberen Strom dann mittels HVDC-Leitungen (High Voltage Direct Current = Hochspannungs-Gleichstrom-Übertragung) in diese Länder und ab 2020 (mit insg. nur 10-15 % Übertragungsverlust[2][3][4]) bis nach Europa zu leiten.[1]

Ein internationales Netzwerk von Wissenschaftlern, Politikern und Experten auf den Gebieten der erneuerbaren Energien und deren Erschließung bilden den Kern von TREC. Die etwa 50 Mitglieder, unter ihnen Prinz Hassan bin Talal von Jordanien, informieren Regierungen und private Investoren kontinuierlich über die Möglichkeiten der kooperativen Nutzung von Solar- und Windenergie und regen konkrete Projekte auf diesem Gebiet an.[5] Eine DESERTEC Stiftung zur Verstärkung der Aktivitäten wird derzeit gegründet.[6] Eine Studie mit Namen Solar Grand Plan mit ähnlichem Ziel in den USA schlägt die großflächige Nutzung der Sonnenenergie in der Wüste von Nevada vor.

Inhaltsverzeichnis

Die Situation

Euro-Supergrid mit einer EU-MENA-Connection: Skizze einer möglichen Infrastruktur für eine nachhaltige Stromversorgung in EUropa, dem Nahen Osten (the Middle-East) und Nord-Afrika (kurz: EU-MENA)

Nach allgemeiner Auffassung wird die Menschheit bis zur Mitte des 21. Jahrhunderts einen Großteil der fossilen Rohstoffe der Welt verbraucht haben (mit Ausnahme der Kohle), um damit ihren Energiebedarf zu befriedigen (vgl. Peak Oil). Eine deutliche Reduzierung des weltweiten fossilen Energieverbrauchs ist derzeit nicht abzusehen, obwohl er für viele Umweltschädigungen und Klimaveränderungen (globale Erwärmung) als Hauptgrund gilt. Es zeigt sich auch, dass ein sparsamerer Umgang mit Energie das Problem der Ressourcenerschöpfung nicht grundlegend lösen kann, sondern diesen Prozess lediglich verzögert.[7]

Eine nachhaltige Lösung dieser Energie- und Umweltprobleme bietet die Umstellung auf erneuerbare Energien. Für Europa gilt dabei: Der Kontinent hat zwar große Potenziale für Wasserkraft, Geothermie, Biomasse sowie Wind- und Solarenergie, doch ihre Nutzung ist im dicht besiedelten Europa in vielerlei Hinsicht eingeschränkt. Würden Europa und der Nahe Osten/Nord-Afrika (MENA) ihre Ressourcen an erneuerbaren Energien gemeinsam nutzen, würde dies die EU-MENA Region in eine weitaus bessere Lage bringen, einen Wechsel zu einer sauberen und sicheren Energieversorgung schnell und wirtschaftlich vollziehen zu können.[2][3]

Studien

EU-MENA-Connection mit existierenden und geplanten Leitungen vor 2020 (blau) und drei vom DLR untersuchte Trassen (orange)
Theoretischer Platzbedarf für Solarkollektoren, um in Solarthermischen Kraftwerken den elektrischen Energiebedarf der Welt, Europas (EU-25) bzw. Deutschlands zu erzeugen. (Daten des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR), 2005)

TREC wurde mit dem Ziel gegründet, die Energieversorgung EU-MENAs mit erneuerbaren Energien durch eine Kooperation dieser Länder schnell und kostengünstig sicherzustellen. Dabei sieht TREC die Einspeisung von Wüstenstrom in das europäische Stromnetz als ergänzende Maßnahme zur Nutzung europäischer erneuerbarer Energieressourcen, um die Reduzierung von CO2-Emissionen zu beschleunigen und um die europäische Energiesicherheit zu erhöhen. Für die Menschen im Nahen Osten und in Nord-Afrika (MENA) würde dies Arbeitsplätze, Einkommen, CO2-freie Meereswasserentsalzung und eine Verbesserung der Infrastruktur bedeuten.[2][3]

TREC war beteiligt an der Durchführung von drei Studien, die unter anderem die in MENA verfügbaren Ressourcen an erneuerbaren Energien, den erwarteten Bedarf an Strom und Wasser in EU-MENA bis 2050 und den Aufbau eines Stromverbundes zwischen der EU und MENA (EU-MENA-Connection) untersucht haben. Diese Studien wurden vom Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit (BMU) in Auftrag gegeben und vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) geleitet. Sie wurden in den Jahren 2004 bis 2006 durchgeführt und tragen die Bezeichnungen ‘MED-CSP’ und ‘TRANS-CSP’.[8][9] Eine `AQUA-CSP´ Studie über den Bedarf, das Potential und die Auswirkungen von solarer Meereswasserentsalzung in MENA wurde Ende 2007 fertiggestellt.[10] Sofern nicht anders angegeben beziehen sich die folgenden Ausführungen auf diese Studien.

Die auf Satellitendaten gestützten Studien des DLR ergaben, dass Solarthermische Kraftwerke auf einem Gebiet von weniger als 0,3 Prozent der Wüstenfläche MENA's genügend Strom und entsalztes Wasser für den steigenden Bedarf dieser Länder sowie für Europa erzeugen können. Stromerzeugung durch Windkraft ist besonders in Marokko und am Roten Meer attraktiv. Solar- und Windstrom kann mittels HVDC-Leitungen (High Voltage Direct Current = Hochspannungs-Gleichstromübertragung) in diesen Ländern verteilt und mit geringen Verlusten (10-15%) bis nach Europa übertragen werden. Der Club of Rome und TREC verfolgen dieses DESERTEC Konzept.[2][3] Länder wie beispielsweise Ägypten, Algerien, Jordanien, Libyen, Marokko und Tunesien zeigen bereits Interesse an einer solchen Kooperation.[11] Die Union für das Mittelmeer, bei der fast alle MENA-Staaten mitmachen, ist an einer solchen Kooperation sehr interessiert.[12]

Technologie

Skizze eines Parabolrinnenkollektors. (Eine technisch weniger aufwendige Alternative zu Parabolrinnen bieten sogenannte Fresnelspiegel.)
Kosten-/Leistungsprognose:
Mgl. Parameter der EU-MENA-Connection (Zeile HGÜ) und der Solarthermischen Kraftwerke für den Stromexport (Zeile CSP) von 2020 – 2050; entsprechend dem TRANS-CSP Szenario.

Solarthermische Kraftwerke (auch Concentrating Solar Thermal Power (CSP)-Plants genannt) eignen sich ideal, um mit Solarstrom eine sichere Leistung zu erzeugen. Diese Kraftwerke nutzen Spiegel, um Sonnenlicht zu bündeln, in Hitze zu verwandeln und damit Dampfturbinen anzutreiben. Wärmespeicher (z. B. Flüssigsalztanks) können am Tage gewonnene Wärme aufnehmen und die Dampfturbinen nachts antreiben, oder bei Nachfragespitzen zusätzlichen Dampf erzeugen. Bei länger anhaltendem schlechtem Wetter kann eine fossile Zusatzfeuerung durch Öl, Erdgas oder Biomasse die Versorgungssicherheit gewährleisten, ohne dass man teure Ersatzkraftwerke bereithalten muss. Ein interessantes Nebenprodukt (und damit ein großer Nutzen für die regional ansässige Bevölkerung) kann die Entsalzung von Meereswasser und die Erzeugung von Kälte mittels der bei der Stromproduktion anfallenden Abwärme sein (Kraft-Wärme-Kopplung).[13][14][15][16]

Die Übertragungsverluste durch Hochspannungs-Gleichstromübertragung (HVDC) liegen bei nur 3 % je 1000 km (was der ökonomisch sinnvollsten Auslastung der untersuchten Leitungen entspricht)[4]. Da in MENA das zweifache der Solarenergie gewonnen werden kann, als mit den gleichen Anlagen im nördlicher liegenden Südeuropa, ist Solarstrom aus den Wüsten dank der relativ geringen Übertragungsverluste von insgesamt 10-15 % wirtschaftlich im Vorteil. HVDC-Übertragung ist hierbei wesentlich effizienter als Produktion, Transport und erneute Verstromung von Wasserstoff, wie in früheren Konzepten betrachtet.[2][3]

Solarthermische Kraftwerke werden im DESERTEC Konzept deswegen bevorzugt, weil sie 24 Stunden am Tag Strom nach Bedarf liefern können. Photovoltaik ist teurer und benötigt teure Speicher, wie zum Beispiel Pumpspeicherkraftwerke. Müsste man europäische Pumpspeicher mit großen Mengen an fluktuierenden Stromquellen aus MENA speisen, bräuchte man mehr Leitungen die nur wenige Stunden am Tag ausgelastet würden.

Alle Technologien für die Realisierung des DESERTEC Konzeptes sind vorhanden und zum Teil seit Jahrzehnten im Einsatz. HVDC-Leitungen mit Kapazitäten bis 3 GW werden von ABB und Siemens seit vielen Jahren über weite Strecken gebaut. Im Juli 2007 erhielt Siemens den Auftrag zum Bau eines 5 GW HVDC Systems in China. Auf dem World Energy Dialogue 2006 der Hannover Messe bestätigten Sprecher beider Unternehmen, dass die Umsetzung eines Euro-Supergrid mit einer EU-MENA-Connection technisch ohne weiteres möglich ist.[17]

Solarthermische Kraftwerke werden seit 1985 kommerziell im kalifornischen Kramer Junction eingesetzt.[18] Durch eine 25jährige gesetzlich garantierte Einspeisevergütung von rund 26 EuroCent/kWh hat Spanien geeignete Rahmenbedingungen geschaffen, um CSP im eigenen Land anzusiedeln. Aufgrund der höheren Sonneneinstrahlung lassen sich Stromabnahmeverträge an guten Standorten in Amerika oder MENA bereits günstiger realisieren. Werden solarthermische Kraftwerke in den nächsten Jahrzehnten im großen Stil gebaut, ist nach Berechnungen des DLR eine Senkung der Erzeugungskosten auf bis zu 4-5 EuroCent/kWh möglich. Da die Rohstoffpreise für Solarthermische Kraftwerke derzeit schwächer steigen, als die Preise fossiler Brennstoffe, könnte CSP trotz höherer Kosten bereits früher als errechnet konkurrenzfähig sein. Derzeit verhindern jedoch noch begrenzte Produktionskapazitäten bei weltweit stark steigender Nachfrage sinkende Preise.[19][2][3]

Um bis 2050 zusätzlich zum Eigenbedarf der MENA-Länder eine Exportkapazität von 100 GW (nicht ganz der Strom von 100 Kernkraftwerkblöcken) aufzubauen, würden wenige staatliche Anschubhilfen ausreichen, die den Bau der Kraftwerke und Leitungen für staatliche und private Investoren attraktiver machen (siehe folgender Abschnitt). Eine genaue Kosten-/Leistungsprognose für das TRANS-CSP-Szenario wurde vom DLR erstellt (Abb. rechts).[2] [3]

Versorgungssicherheit

Bis zum Jahre 2050 könnten etwa 10-25% des europäischen Strombedarfs aus den Wüsten gedeckt werden. Im TRANS-CSP Szenario liegt der heimische erneuerbare Energieanteil am europäischen Stromverbrauch bis dahin bei etwa 65% und der MENA-Importanteil bei 17%. Jedes vernünftige Stromnetz verfügt über ausreichende Kapazitäten an Regelleistung (TRANS-CSP etwa 25%), um fluktuierende Energiequellen und unerwartete Ausfälle von Leitungen oder Kraftwerken kompensieren zu können. Eine übermäßige Abhängigkeit von einem Land oder von wenigen Kraftwerken kann, wie in den Schaubildern verdeutlicht, durch die Vernetzung einer Vielzahl von Solarthermischen Kraftwerken und Windkraftanlagen in vielen Ländern — und durch die Nutzung mehrerer HVDC-Leitungstrassen nach Europa vermieden werden. Die Versorgungssicherheit kann erhöht werden, wenn sich die Anlagen im Besitz vieler öffentlicher und privater Eigentümer befinden würden. Ist Südeuropa durch erste Solarstromimporte weniger auf Stromimporte aus Mitteleuropa angewiesen, sinkt in Europa der Druck, neue Kohle- und Atomkraftwerke zu bauen. Bis sich die MENA Region als stabil genug erweist und das europäische HVDC-Supergrid ausgebaut ist, kann das bestehende europäische Netz für die Durchleitung von Solarstrom genutzt werden.[2][3]

Der Import von Brennstoffen wie Uran, Erdgas und Öl wird als politisch riskant bewertet, da deren globale Reserven stark schwinden und die Lagerstätten auf wenige Länder konzentriert sind. Dies führt zu steigenden Preisen, politischer Abhängigkeit und Lieferengpässen. Solarenergie ist dagegen im Übermaß und in vielen Ländern vorhanden, und die Kosten für ihre Erschließung sinken mit steigender Nutzung. Steigende Stromlieferungen nach Europa würden zu stärkerem Wirtschaftswachstum in MENA führen und diese Region selbst, wie auch ihre Beziehungen zu Europa stabilisieren. Der internationale Handel mit erneuerbaren Energien würde die Anzahl der verfügbaren günstigen Quellen erhöhen und die internationale Zusammenarbeit verbessern. Arbeitsplätze in MENA würden entstehen beim Bau und im Betrieb der Kraftwerke sowie bei der Erzeugung von Strom und Trinkwasser für die regionale Bevölkerung. Die Möglichkeit, günstigen Wasserstoff durch sauberen Strom zu produzieren, könnte den Verkehrssektor langfristig von schwindenden fossilen Brennstoffen unabhängiger machen. Außerdem wäre ein verstärkter Einsatz von Biomasse auf dem Verkehrssektor, anstatt auf dem Stromsektor möglich.[2][3][13][14]

Maßnahmen zur Realisierung von DESERTEC

Der Bau neuer Solarthermischer Kraftwerke hat in Spanien und in den USA begonnen (Andasol 1 & 2, Solar Tres, PS10, Nevada Solar One). Es gibt bereits Kraftwerksprojekte in Ägypten, Algerien und Marokko und weitere Projekte sind in Jordanien und Libyen in Planung. Marokko führt ein Einspeisegesetz insbesondere für Windkraft ein, in der EU laufen Diskussionen um ein HGÜ-Supernetz für Europa (ein Euro-Supergrid), und die Planungen für Offshore-Windkraftanlagen in Nord-Europa nehmen ebenfalls Gestalt an. Die Union für das Mittelmeer will einen Solaren Mittelmeerplan umsetzen und könnte einen Rahmen bieten, DESERTEC in EU-MENA zu realisieren.[20][12]

Um bis 2050 zusätzlich zum Eigenbedarf der MENA-Länder eine Exportkapazität von 100 GW (nicht ganz der Strom von 100 Kernkraftwerkblöcken) aufzubauen, sind staatliche Anschubhilfen nötig, um den Bau der Kraftwerke und Leitungen in der Anfangszeit für private Investoren attraktiv zu machen. Nach Angaben des DLR würden staatliche Unterstützungen von insgesamt einer einstelligen Euro-Milliardensumme ausreichen, um die Markteinführung solarthermischer Kraftwerke soweit voranzubringen, dass diese noch vor 2020 ohne weitere Subventionen wettbewerbsfähig mit der Stromerzeugung aus fossilen Brennstoffen sind. Bei den aktuellen Entwicklungen auf dem Öl- und Gasmarkt und den steigenden Strompreisen wird dies wahrscheinlich sogar noch schneller gehen.[21]

Die Investitionen in den Bau der Leitungen und Kraftwerke könnten zwar auch staatliche Investoren übernehmen, aber wie auch die von TREC organisierte Veranstaltung "10,000 Solar GigaWatts" auf der Hannover Messe 2008 zeigte (Videodokumentation auf www.Energy1.tv ), stehen international Banken und private Investoren bereit, um den Bau zu finanzieren, sobald die nötigen Rahmenbedingungen geschaffen werden. Man benötigt also dringend Stromabnahmegarantien und bei manchen Ländern auch Bürgschaften sowie die Finanzierung von Einspeiseregelungen für die derzeit noch teureren Erneuerbaren Energien (im Laufe der Zeit also dann die "einstellige Euro-Milliardensumme"). Südeuropäische Staaten können Einspeiseregelungen für sauberen Strom aus MENA anbieten. Es wäre auch denkbar, dass Einspeisegesetze in MENA selbst durch "Erneuerbare Energie Credits" mitfinanziert werden, die von europäischen Staaten gekauft werden können, um einen Teil ihrer Klimaschutzziele zu erreichen oder (noch besser) diese zu übertreffen. Hierbei muss jedoch darauf geachtet werden, dass der Ausbau von Erneuerbaren Energien in Europa, die auch im TRANS-CSP Szenario 2050 einen Großteil des europäischen Strommixes ausmachen, nicht gebremst wird. [21]

Ob der Schwerpunkt des Ausbaus von Erneuerbaren Energien in MENA eher auf dem Eigenbedarf oder vorrangig auf dem Export liegt, hängt vom jeweiligen Land ab: Marokkos eigener Strombedarf ist beispielsweise so groß, dass sich hier zunächst ein Creditsystem für Wind- und Solarenergie anbieten würde. Tunesien und vor allem Algerien hingegen zeigen großes Interesse an einem Export.[21]

Sobald die südeuropäischen Länder beginnen, Strom aus MENA zu importieren, hat dies auch Auswirkungen auf Länder wie Deutschland, die derzeit Strom nach Südeuropa exportieren. Es würde mehr Strom für Deutschland zur Verfügung stehen, was den Druck vom Neubau fossil gefeuerter Kraftwerke nehmen würde und Zeit zum Ausbau der Erneuerbaren Energien schafft. Zwar könnten mitteleuropäische Länder durch bestehende Leitungen eine gewisse Menge an sauberem Strom aus dem Süden importieren, aber der Aufbau von verlustarmen HGÜ-Leitungen ist dringend nötig. Da Planung, Genehmigung und Bau von Überlandtrassen viele Jahre in Anspruch nehmen können, muss schnellstmöglich mit den ersten Studien begonnen werden.[21]

Über diese direkten Unterstützungen hinaus, schlägt TREC die Realisierung von zwei großen humanitären Projekten vor, welche die Kostensenkung bei Solarthermischen Kraftwerken beschleunigen würden und zugleich drängende soziale und politische Probleme entschärfen könnten. Erste Machbarkeitsuntersuchungen zeigen die technische Realisierbarkeit dieser Projekte, jedoch benötigen sie politische und finanzielle Unterstützung:

  • Gaza Solar Power & Water Project: Der Bau von Solarthermischen Kraftwerken (insgesamt ca. 1 GW) für die Erzeugung von Trinkwasser und Strom. Die Anlagen könnten, als Teil eines internationalen Wiederaufbauprogramms für Gaza, auf ägyptischem Gebiet angesiedelt werden und 2-3 Millionen Menschen im Gazastreifen durch Strom- und Wasserleitungen versorgen. Dieses Projekt könnte einen wichtigen Beitrag zur Verbesserung der Lebensbedingungen sowie zur politischen Entspannung in der Gaza-Region leisten, indem es Konflikte um Trinkwasser vermindert und die Grundlage für eine gesunde ökonomische Entwicklung schafft. Die Gesamtinvestitionen würden sich auf etwa 5 Milliarden Euro belaufen.[22][23]
  • Sana'a Solar Water Project: Hier geht es um eine auf Solarenergie gestützte Meereswasserentsalzung am Roten Meer und den Bau einer Pipeline in die Hauptstadt des Jemen (Sana’a), deren Trinkwasserreserven in etwa 15 Jahren erschöpft sind. Dieses Projekt würde ein drohendes humanitäres Desaster und soziale Unruhen im Jemen abwenden sowie zur Rettung eines Weltkulturerbes beitragen. Da die alternative Umsiedlung von 2 Millionen Menschen etwa 30 Mrd. Euro kosten würde, wäre die Investition von 5 Milliarden Euro in Solarthermische Kraftwerke und in eine Pipeline auch eine weitaus wirtschaftlichere Lösung.[24][25]

Das TRANS-CSP Szenario des DLR zeigt einen gangbaren Weg. Die Länder der EU-MENA Region haben zusammen mehr als genügend Potential zu einem kompletten Wechsel des Strom- und Verkehrssektors auf Erneuerbare Energien. Bis zur Mitte des 21. Jahrhunderts könnten die MENA Länder ihre Wüsten zu unerschöpflichen Quellen sauberer Energie ausbauen und die ihnen durch fossile Brennstoffe gesetzten Grenzen des Wachstums überwinden. Gleichzeitig könnten sie den Ländern Europas sauberen Strom verkaufen, damit diese ihre Treibhausgasemissionen aus der Stromerzeugung schneller senken und gleichzeitig aus der Kernkraft aussteigen können – und das bei langfristig sinkenden Stromkosten.[2] [3]

Kritik

Der Import von Strom ist mit einem politischen Risiko behaftet, sobald der Anteil einen gewissen Prozentsatz übersteigt. Die Energieversorgung eines Staates aus externen Quellen birgt die Gefahr politischer Abhängigkeit und – im Fall von Spannungen – Erpressbarkeit. Ferner stellen die HVDC-Verbindungen mögliche Ziele für Terroristen dar. Mit einem Anteil von 17 Prozent an Solarstromimporten in einem europäischen Netz mit 65 Prozent heimischen erneuerbaren Energien und einer entsprechenden Reserve an Gaskraftwerken zum Ausgleich der Regelleistung, wie es die TRANS-CSP Studie in ihrem Szenario untersucht hat, könnte man jedoch selbst den gleichzeitigen Ausfall aller HVDC-Verbindungen zwischen MENA und Europa bis zu deren Wiederinstandsetzung oder einer politischen Lösung kompensieren. Eine Unterbrechung der Stromexporte würde somit eher dem eigenen Land schaden durch den Verlust von Einkünften aus dem Stromexport, von Vertrauen zukünftiger Investoren und von Arbeitsplätzen.

Die politische Hürde für eine Umsetzung des Konzeptes ist relativ hoch, denn es wäre eine Kooperation der europäischen Staaten (Frankreich setzt z. B. eher auf Kernenergie) und der Staaten der MENA-Region erforderlich. Innerhalb eines Staates (z. B. Australien oder den USA) wäre eine Umsetzung des Konzeptes um einiges unkomplizierter.

Der SPD-Bundestagsabgeordnete Hermann Scheer und weitere Energieexperten der von ihm geleiteten Vereinigung Eurosolar meinen, dass der Stromtransport zu teuer werden würde und dass neue Monopole entstehen würden.[26][27][28]

Einige afrikanische und europäische Energieexperten sind der Ansicht, dass ein Stromexport in großem Stil die Entwicklung dezentraler Stromerzeugung durch Photovoltaik und Windräder in den afrikanischen Staaten verhindern und somit eine nachhaltige Entwicklung stören würde.[29]

Einige wenige Kritiker ziehen Parallelen zum Atlantropa-Projekt von 1928, das Europa und Afrika mit riesigen Staudammbauten verbinden wollte.[30][31] Dabei ging es allerdings um ein monumentales Projekt im zweistelligen Gigawattbereich, das einen Eingriff in die Natur von bisher unbekanntem Ausmaß verursacht hätte, nicht um mehrere kleinere Anlagen, wie sie TREC vorschlägt.

Die deutschschweizer Wochenzeitung WOZ schreibt, im Szenario der TRANS-CSP Studie würde 2050 in MENA nur die Hälfte des Strombedarfs durch Erneuerbare Energien gedeckt werden.[32] Laut der Studie sind es jedoch über 85 Prozent; die übrigen 15 Prozent an Gaskraftwerken dienen zur Spitzenlast und als Reservekapazität.

Literatur

Quellen

  1. a b TREC Homepage (The whole contents of this website are licensed under the Creative Commons Attribution ShareAlike 2.5 License.)
  2. a b c d e f g h i j Description in the Summary of the TRANS-CSP Study
  3. a b c d e f g h i j Researched in the TRANS-CSP Study
  4. a b ARD W-Wie-Wissen
  5. TREC Members website
  6. Zur Genehmigung eingereichte Satzung
  7. See references at globale Erwärmung, Peak Oil and Vierter Sachstandsbericht des IPCC (not the articles themselves).
  8. MED-CSP Study, Numerical data, Ecobalance, Summary
  9. TRANS-CSP Study, Numerical data, Summary
  10. AQUA-CSP Study
  11. Diese Länder unterzeichneten eine Absichtserklärung für den Export von Sauberem Strom. Beleg für das Beispiel Marokko
  12. a b Gesammelte Nachrichtenmeldungen zum Solarplan der Union für das Mittelmeer
  13. a b Description in the Summary of the MED-CSP Study
  14. a b Researched in the MED-CSP Study
  15. Report of Greenpeace: Concentrated Solar Thermal Power - Now!
  16. Memorandum about the potential of solar power plants
  17. Liste der HGÜ-Anlagen List of HVDC projects. All connections can be googled.
  18. [http://www.fplenergy.com/portfolio/contents/segs_viii.shtml SEGS website
  19. Description in the report "Concentrating Solar Power Now" by the German Federal Ministry for the Environment, Nature Conservation and Nuclear Safety (BMU)
  20. Sigmar Gabriel, German Federal Minister for the Environment, mentions the CSP projects in MENA, calls the idea of the DESERTEC Concept as "ground-breaking" and campaigns for it in his opening speech to the Ministerial Conference under the German Presidency of the EU (at PDF Page 5 & 6), 19.04.2007
  21. a b c d Part of a White Book that will be presented in November 2007 to the EU Parliament. Downloadable main chapters already peer reviewed by Leading Authors of the IPCC-Reports
  22. Gaza Project proposal conducted by several institutes
  23. German Parliamentary State Secretary of the Federal Ministery for the Environment (BMU) Michael Müller mentioned TREC his speech to the European Conference "Integrating Environment, Development and Conflict Prevention" in a very complaisant way and campaigns for TREC's "Gaza Solar Water & Power Project" (in Part III), 29.03.2007
  24. Sana'a Project proposal conducted by several institutes
  25. Yemen Times, 28.06.2006, Water expert: Desalination or displacement for Sana’a residents
  26. Windgeneratoren und Speicher sollen Stromversorgung sichern, Interview mit Herrmann Scheer, VDI Nachrichten 09.11.2007
  27. Irm Pontenagel: Sonnenstrom aus der Sahara, Solarzeitalter 1/2007, März 2007
  28. Fabio Longo: Sahara-Strom gefährdet Erzeuger in der Region, Interview auf HNA online, 18.03.2007
  29. Dokumentation der Tagung „Globale Solarwirtschaft: Eine Chance für Afrika?“, Ev. Akademie Loccum 26.-28.05.2003
  30. Franz Fuchs: Grüner Gigantismus, USW/Uni Graz 4.10.2007
  31. Günther Kraft: Hightech statt Öko, SoZ Februar 2004
  32. Jutta Blume: "Ein Platz an der Sonne", WOZ 28.02.2008

Siehe auch

Weblinks



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